Ich dachte, du bist mein Freund - Marie Wabbes
Jasmin, der kleine Bär und der große Wolf - Ich dachte, du bist mein Freund - Marie Wabbes Kinderbuch / Jugendbuch
Jasmin, der kleine Bär und der große Wolf - Ich dachte, du bist mein Freund - Marie Wabbes Kinderbuch / Jugendbuch

Kurzbeschreibung: Genre: Kinderbuch / Jahr: 2004 / Kinder vor sexuellem Mißbrauch schützen

 
 

Jasmin, der kleine Bär und der große Wolf

Produkt:

Ich dachte, du bist mein Freund - Marie Wabbes

Datum: 22.06.08

Bewertung:

Vorteile: kann Kindern helfen, sich bei sexuellen Übergriffen zu wehren - und wenn sie´s nur erzählen

Nachteile: Teilweise zu düster, Ende ist zu kurz, nur kleiner Bär und großer Wolf zu sehen

Dies ist die Geschichte vom kleinen Bären. Und vom großen Wolf. Und von Jasmin, 4 und ein halbes Jahr alt, die der Geschichte aufmerksam lauscht.

Der kleine Bär ist ein niedlich gezeichneter Teddybär, den Jasmin am liebsten in den Arm nehmen möchte. Vor allem, wenn sie erfährt, was dem kleinen Bären passiert ....


Denn der kleine Bär hat einen Freund, den großen Wolf. Vermutlich ist er auch stolz darauf, dass so ein Großer mit ihm spielt, genau kommt es nicht heraus. Jedenfalls spielen die beiden gerne miteinander. Der kleine Bär darf auf dem großen Wolf reiten, wird von ihm gekitzelt und gekuschelt - also Dinge, die viele Kinder mit ihren großen Freunden tun, sei´s Papa, Onkel, Opa oder einfach nur Freund der Familie. Jasmin jedenfalls kennt auch große Freunde und sagt spontan: "Mit Papa und Opa kuschel ich auch gern." Und sie freut sich an den einfachen Bildern, die wie mit Wachsmalkreide gemalt wirken. Die Bilder sind heiter und fröhlich, der Hintergrund hell, der schwarze Wolf wirkt gar nicht bedrohlich. Jasmin findet es ganz toll, auf Mamas Schoß zu kuscheln und sich vorlesen zu lassen, wie fein der kleine Bär mit dem großen Wolf spielt.

Aber nicht alle Erwachsene, die mit Kindern spielen, sind nur lieb und freundlich. Auch der große Wolf nicht. Er spielt Spiele mit dem kleinen Bären, die dem kleinen Bären nicht gefallen. Der kleine Bär mag es nicht, wenn sich der große Wolf auf ihn legt. Das kann Jasmin verstehen, denn wenn sie sich im Spiel auf den kleinen Bruder legt, fängt Falko auch an zu weinen. Aber dann hört Jasmin auch auf. Der große Wolf tut das nicht. Und manchmal tut er dem kleinen Bären weh. Aber er ist doch der Freund vom kleinen Bären - oder nicht? Jasmin weiß es nicht mehr. Aber sie ist betroffen davon, dass der große Wolf nicht aufhört, wenn der kleine Bär ihn darum bittet. Und die jetzt düsteren Bilder sind ihr unheimlich.


Der große Wolf erzählt dem kleinen Bären, das sei ein ganz besonderes Spiel und ein ganz besonderes Geheimnis. Inzwischen hat der kleine Bär sogar Angst vor dem großen Wolf. Denn der hat sich verändert und zeigt dem kleinen Bären sogar seine scharfen Zähne. Der Hintergrund ist nun düster und schwer wie bei einem Gewitter und der schwarze Wolf verschmilzt fast mit ihm. Der kleine weiße Bär ist ein winziger Lichtfleck in einer dunklen, feindlichen Welt. Jasmin kuschelt sich enger an mich.

Der kleine Bär darf dieses Spiel niemandem verraten. Denn Geheimnisse verrät man nun mal nicht. Jasmin nickt. Das stimmt, das weiß sie mit ihren 4 Jahren auch schon sehr gut. Geheimnisse muss man bewahren.


Und der kleine Bär ist in einem schweren Gewissenskonflikt. Einerseits hat er dem großen Wolf versprochen, das Geheimnis nicht zu erzählen. Aber er möchte auch dieses Spiel nicht mehr spielen und er weiß nicht, wie er den großen Wolf davon abhalten kann.

Hier ergeht die Frage an Jasmin: was soll der kleine Bär nun tun? Darf er das Geheimnis verraten?


Jasmin ist irritiert. Der kleine Bär weint. Auch Jasmin hat Tränen in den Augen. Das Bild ist nun heller, aber wo vorher fröhliche Pastellfarben vorherrschten, orange, rosa, blau, ist nun alles grau. Der kleine Bär weiß nicht, was er tun soll. Jasmin weiß es auch nicht. Denn das Geheimnis darf man nicht verraten.

Aber der kleine Bär tut es doch. Er erzählt es den anderen Bären. "Au weia", sagt Jasmin erschrocken. "Jetzt beißt der große Wolf aber den kleinen Bären."

NEIN!

Denn die großen Bären bestrafen den großen Wolf. Wie, wird nicht beschrieben, ich muss ergänzen, dass der große Wolf eingesperrt wird. "Und da kommt er nie wieder raus", sagt Jasmin befriedigt. "Jetzt hauen die großen Bären den großen Wolf auch mal."

Ist nun die Welt des kleinen Bären wieder in Ordnung? Auf der letzten Seite, die in sehr gepreßter Form vom Geheimnis-Verraten bis zum Jetzt-braucht-er-sich-nicht-mehr-zu-fürchten alles enthält, ist die Welt wieder fröhlich rosa. Der kleine Bär ist alleine. Und er weint nicht mehr, aber er lacht auch nicht.


Jasmin weint. "Wer spielt jetzt mit dem kleinen Bären? Jetzt ist der kleine Bär ganz alleine." Ich frage, ob es nicht gut ist, wenn der große Wolf weg ist. Jasmin: "Ja, aber jetzt hat der kleine Bär gar keine Freunde mehr."

Neben dem letzten Bild ist sehr viel Text. Jasmin kann ihn noch nicht lesen, sie sieht nur "viele Buchstaben". Der Text liefert Informationen und Ratschläge für die Eltern, "Geben Sie ihrem Kind Sicherheit", "Hören Sie ihm zu", "Machen Sie Ihrem Kind klar, wer dir wehtun will, ist nicht dein Freund." Und: "Dieses Buch braucht das ergänzende Gespräch mit dem Erwachsenen." Das kann man wohl sagen ....


Ich "lese vor", was auf dieser letzten Seite steht. Dass der kleine Bär ganz viele Freunde hat, die alle auch kleine Bären sind. Und dass sie jetzt alle mit ihm spielen und ihn trösten, weil ihm der große Wolf so wehgetan hat. Und dass die großen Bären jetzt ganz gut aufpassen, wer mit den kleinen Bären spielt, damit nie wieder jemand dem kleinen Bär und seinen Freunden wehtun kann. Jasmin beruhigt sich. "Geht der kleine Bär auch in den Kindergarten? Sind da auch viele Kinder, die lieb zu ihm sind?" Ja, natürlich ist das so .....

Ganz vorne und ganz hinten ist das Buch mit lauter Bildern vom kleinen Bären geschmückt. Auf fröhlich blauem Hintergrund. Ich erzähle Jasmin, dass das die Freunde vom kleinen Bären sind, die jetzt alle mit ihm spielen. Jasmin zeigt auf einen Bären, der ein bisschen daneben sitzt und sich ein Auge zuhält. "Das ist der kleine Bär, er hat noch ein bisschen Angst." Und dann: "Kleiner Bär, du musst keine Angst mehr haben, der große Wolf tut dir nie wieder weh. Den hat die Bärenpolizei ins Gefängnis gesperrt."


Ende gut, alles gut? Jasmin lächelt unter Tränen, wirkt aber noch etwas bedrückt. Aber in den nächsten Tagen bringt sie mir wieder und wieder das Buch. Bis sie das Ganze verarbeitet hat. Und schon an der Stelle, wo der große Wolf den kleinen Bären bedroht, laut ruft: "Du dummer, großer Wolf, dich sperren die großen Bären gleich ein, das hast du dann davon!" Am nächsten Tag fragt sie: "Mama, liest du mir heute Rotkäppchen und die sieben Geißlein vor?" Jetzt hat sie vor Wölfen keine Angst mehr, die werden ja bestraft, wenn sie böse sind......

Und dass man Geheimnisse verraten darf, wenn es schlechte Geheimnisse sind, das weiß sie nun auch. "Mama, wenn mir einer wehtut, dann sage ich das aber gleich dir oder der Sonja (Kindergärtnerin)."


Bei Temeon für 8,95 Euro, bei amazon ab 6,35 Euro, Din-A4-Format, flexibler Einband, 12 Doppelseiten, viele Bilder und viele gute Ratschläge. Anfangs freundlich und hell, dann viel Angst und Dunkelheit, dann ein kurzer Es-ist-alles-wieder-gut-Lichtblitz. Für 4jährige zu kurz. Im Märchen wird der Bösewicht immer ausführlich bestraft und ich sehe nun, warum das so sein muss.

Fazit: kann Kindern helfen, sich bei sexuellen Übergriffen zu wehren, zu düster

Name des Mitglieds: Miem!