Der Struwwelpeter - Heinrich Hoffmann
Drollige Geschichten und lustige Bilder - Der Struwwelpeter - Heinrich Hoffmann Kinderbuch / Jugendbuch

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Neuester Testbericht: ... sorgten. Der befreundete Verleger Zacharias Löwenthal (später Carl-Friedrich Loening) überredete Hoffmann zur Publikation der Zeichnungen... mehr

Drollige Geschichten und lustige Bilder
Der Struwwelpeter - Heinrich Hoffmann

XXLALF

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Der Struwwelpeter - Heinrich Hoffmann

Datum: 07.02.07

Bewertung:

Vorteile: Bei Vorschulkindern sehr beliebt

Nachteile: Sollte vorgelesen und erklärt werden

Heute ist wieder einmal ein Kinderbuch dran, das ich mit meinen Geschwistern teilen musste. Eine Geschichte daraus wurde mir mindestens einmal im Monat zur Belehrung vorgelesen oder erzählt. Die Rede ist vom Bilderbuch der Struwwelpeter von Dr. Heinrich Hoffmann, das einer meiner Söhne damals noch im Kindesalter, von einer Tante geschenkt gekommen hat. Obwohl die meisten das kartonierte, noch immer aktuelle, traditionelle, gelbe Bilderbuch kennen, möchte ich es trotzdem kurz vorstellen.


Das Buch ist handlich im Format 27 x 20 x 1 cm, sehr stabil gebunden, und unverwüstlich. Eine Seite allein hat eine Stärke von einem Millimeter. Außerdem sind die Seiten noch Leinengebunden, also richtig nostalgisch in der Verarbeitung.


Auf der gelben Vorderseite ist ein Knabe abgebildet mit wuscheligen, doppelt so abstehende Haare wie sein kleines, rotbackiges, bekümmertes, fragendes Gesicht. Der Gesichtsausdruck ist geradeso, so wolle er sagen, was kann ich dafür oder wer hat mich eigentlich noch lieb, so wie ich bin. Dabei steht er breitbeinig mit blauen Schuhen, grüner Strumpfhose und rotem Kleid mit weißem Kragen, grünem Halstuch und Schnallengürtel auf einem Protest und streckt seine Finger mit den superlangen Fingernägeln von sich.


Zwischen den Beinen steht der Name des Autor, Dr. Heinrich Hoffmann, und darunter:

Ungekürzte farbige Ausgabe!


Die erste Geschichte:

Sieh einmal, hier steht er. Pfui! Der Struwwelpeter! An den Händen beiden ließ er sich nicht schneiden seine Nägel fast ein Jahr; kämmen ließ er nicht sein Haar. Pfui! Ruft da ein jeder, Garst´ger Struwwelpeter!

Meine Meinung zu der ersten Geschichte die auf dem Buchdeckel steht. Ein sehr großer Erziehungsfehler der Eltern liegt da zu Grunde. Wenn man Kinder von klein auf an Rituale gewöhnt, dazu gehört nun mal, dass man sich täglich kämmt und wenn es an der Zeit ist die Fingernägel schneidet, wir aus einem normalen Kind ganz sicher kein Struwwelpeter.

Zur Anmerkung, es gibt noch Berufsgruppen die viel Publikums Kontakt haben. Dort ist es heute noch angebracht auf sein äußeres Erscheinungsbild zu achten. Wer von uns will schon von einem Versicherungsvertreter in Latzhose und Schmalzlocken beraten werden? Die negative Aufzählung könnte ich hier noch ins Unendliche fortsetzen.


So, nun klappe ich das Buch auf, und schau mir die Geschichten an. Das Buch ist wie schon erwähnt mit kräftigen aber nicht schrillen Farben gemalt. Sehr detailgenau mit einem nostalgischen Charakter. Die Texte sind im Reimstil geschrieben und in die farbigen, schön gemalten Bilder eingefügt oder genau nebenstehend platziert.


Der Struwwelpeter beinhaltet nur 10 Geschichten.


Die zweite Geschichte:

Die Geschichte vom bösen Friederich handelt von einem Jungen der Tiere quält und totschlägt, bis er an einen Hund stößt der sich das nicht gefallen lässt und Friedrich ins Bein beißt. Jetzt hat Friedrich starke Schmerzen und muss bittere Arznei nehmen, und dem Hund geht es gut, denn er bekommt nur Leckerbissen als zum Fressen. Der Hund traut dem Frieden noch nicht so recht, denn er hat die Peitsche dabei.

Das ist eine der Geschichten, die man auch heute noch Kindern erzählen oder vorlesen sollte. Der Zeigefinger der dabei erhoben wird gilt heute noch, denn Tiere quälen tut man nicht und wenn sich ein Tier dann wehrt und zubeißt, mit diesen Konsequenzen muss man rechnen.

Quäle nie ein Tier aus Scherz, denn es spürt wie du den Schmerz. Diesen Spruch mussten wir vor 43 Jahren in der Schule auswendig lernen.


Die dritte Geschichte heißt:

Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug. Da ist zunächst ein Mädchen Namens Pauline die mit ihren beiden Katzen allein zu Hause ist. Sie findet ein Feuerzeug mit dem sie so lange spielt, bis sie sich selber anzündet und dabei verbrennt. Doch ihre beiden Katzen haben sie davor gewarnt damit zu spielen.

Diese Geschichte war als Kind für mich die Eindruckvollste, denn auch ich war begeistert unter bei sein der Eltern eine Kerze anzünden zu dürfen. Feuer faszinierte mich ungemein. Natürlich räumten meine Eltern die Streichhölzer weg, doch die Angst, dass ich sie doch finden könnte war wahrscheinlich immer da. Deshalb war das eine der viel erzählten Geschichten aus diesem Buch, die ich selber auch sehr gerne hörte und die Bilder dazu angesehen habe. Vielleicht waren es mitunter die Katzen, die die drohenden Tatzen erhoben und Paulinchen gewarnt haben, dass Feuer nichts für Kinderhände ist. Doch das letzte Bild, als die beiden Katzen weinend vor dem Häufchen Asche sitzen, stimmte mich immer sehr traurig.

Meine beiden Kinder haben diese Geschichte auch sehr gern gemocht, und ich finde sie heute noch Zeitgemäß, Kindern sie zu erzählen.

Sogar die Rock – Band Rammstein hat dieser Geschichte ein Lied gewidmet, und zwar mit dem Lied „Hilf mir“.


Die vierte Geschichte:

Die Geschichte von den schwarzen Buben. Diese Geschichte habe ich als Kind so empfunden, weil sie den Mohren ausgelacht haben, hat der Mann die 3 bösen Buben deshalb ins Tintenfass getunkt hat, und zur Strafe sind sie jetzt noch schwärzer als der Mohr.
Also so wie auch die Geschichte im Buch erzählt wird.

Hier geht es um Rassismus Fremdenfeindlichkeit. Da wird uns klar gemacht, dass man sich nicht über anders aussehende oder Behinderte lustig machen soll. Die Anspielung auf den großen Nikolas, bezieht sich auf die Geschichte des Zaren Nikolaus, der damals auf die importierten Bücher eine strenge Zensur auferlegte. Die besagten Schriftstellen wurden durch Textschwärzung unleserlich gemacht. Im Prinzip eine Karikatur des damaligen Zaren.


Die fünfte Geschichte:

Die Geschichte vom wilden Jäger. Da geht ein Jäger mit seiner Flinte auf Jagd, und weil die Sonne scheint legt er sich ins Gras und schläft ein. In der Zwischenzeit kommt ein Hase vorbei und nimmt dem Jäger seine Brille und Flinte weg. Mit der Brille auf der Nase und die Flinte in der Pfote, taktiert der Hase ihn bis vor des Jägers Haus. Dort steht ein Brunnen und in den springt der Jäger hinein. Der Hase hat aber nicht auf den Jäger geschossen, sondern er traf nur die Kaffeetasse der Jägersfrau die entzwei geht. Dabei gibt es in dieser Geschichte nur einen Verletzten, und zwar der kleine Hase, dem der heißen Kaffee über die Nase läuft.

Diese Geschichte hat sehr wenig mit einer Kindergeschichte zu tun. Hier handelt es sich um eine verdrehte Welt. Der Hase jagt den Jäger. Hier sollte man den Jäger als eine Autoritätsperson sehen und den Hasen als das gemeine Volk. Zu der damaligen Zeit gab es noch keine Pressefreiheit wie wir sie heute kennen, also mussten die Autoren ihre Kritiken geschickt verpacken. Heute könnten wir die Geschichte so deuten der Peiniger (Jäger) kann ganz schnell zum Leidtragend (Gejagten) werden. Vielmehr will ich über diese Geschichte jetzt nicht schreiben.


Die sechste Geschichte:

Die Geschichte vom Daumenlutscher. Konrad ist ein Daumenlutscher, und deshalb droht die Mutter mit dem Schneider, der mit einer großen Schere ihm die Daumen abschneiden wird, wenn er das Daumenlutschen nicht bleiben lässt.

Was diese Gruselgeschichte soll, ist für mich nachvollziehbar. Dass dieser Junge schreckliche Angstneurosen hat, ist in den Bildern erkennbar. Die Mutter ermahnt ihn zwar, dass er nicht Daumen lutschen soll, unternimmt aber nichts, dass er es auch bleiben lässt. Heute wissen wir, dass sich der Kiefer verformt, und zu extremen Fehlstellungen der Zähne kommt, bei einem ständigen Daumenlutschen. Wenn der Schnuller zu lange gelassen wird, verformt sich ebenfalls der Kiefer.


Die siebte Geschichte:

Die Geschichte vom Suppen Kaspar. Diese Geschichte ist in vier Bilder gefasst. Auf dem ersten Bild ein rotbackiger, wohlgenährter Junge, der Füße stapfend und mit erhobenen Händen tobt, weil er die Suppe nicht essen mag. Auf Bild zwei und drei das selbe Theater, nur der Junge der Kasper heißt wird von Tag zu Tag dünner. Auf dem letzten Bild erkennt man ein Grab auf dessen Hügel eine Suppenschüssel steht, und das Grabkreuz den Namen Kasper trägt.

Meiner Ansicht nach eine völlig unsinnigen Geschichte, da zu der damaligen Zeit ja Hungernöte an der Tageordnung waren. Heute könnte man es etwa vergleichen mit den schleckigen Kindern, die pardu nicht essen wollen was auf den Tisch kommt. Doch eine ausgewogene Ernährung ist zwingend nötig, für die Entwicklung unserer Kinder. Gut, dass Kindern heute noch befohlen wird den Teller leer zu essen, ist Schnee von gestern, und ist bestimmt auch nicht gut. Doch wenn es nicht einmal probiert wird, wie das Essen schmeckt, finde ich als einen ganz großen Fehler in der Erziehung. Denn wie heißt ein Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lern Hans nimmer mehr.
Der Tod des Suppenkaspar kann heute genauso gesehen werden mit dem maßlosen Schlankheitswahn (Bulimie), oder Hänselei wegen seiner vorherigen Körperfülle. Allerdings hat die Geschichte vom Suppenkaspar einen wahren Hintergrund, denn es handelte sich um einen 9 Jährigen Jungen der durch Geistige Verwirrung die Nahrungsaufnahme damals verweigerte.


Die achte Geschichte:

Die Geschichte vom Zappel Philipp. Ebenfalls ist die Geschichte in wenige Bilder zusammengefasst. Auf dem ersten Bild, ein schön gedeckter Mittagstisch bei dem Philipp mit seinen Eltern sitzt. Doch Philipp sitzt nicht still, sondern stemmt sich mit seinen beiden Füßen am Tisch ab. Vor lauter Schreck, dass er nach hinten kippen könnte, hält sich Philipp am Tischtuch fest. Doch auch sein schaukeln mit dem Stuhl wird immer wilder, bis er zum Schluss mit seinem Stuhl umkippt und er unter dem Tischtuch liegt.

Bei dieser Geschichte handelt es sich um einen hyperaktiven Jungen der durch sein zappeln Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Dr. Heinrich Hoffmann setzte für alle hyperaktiven Kindern hiermit ein Denkmal da er aus eigener Erfahrung und Leidensgeschichte dieses Buch geschrieben und verfasst hat.
Hierzu ein Interessanter Link. http://www.hyperaktiv.de/archiv/hoffmann.htm


Die neunte Geschichte:

Die Geschichte vom Hans Guck in die Luft. Ständig mit seinen Gedanken wo anders begibt sich Hans Guck in die Luft auf den Weg in die Schule wo ihm deshalb allerlei passiert. Zum einen stolpert er über einen Hund und zuletzt landet er in einem Fluss. Doch er ertrinkt nicht, sondern er wird von zwei Männern gerettet.

Heute betrachtet kann man nicht mehr verträumt sich auf den Schulweg begeben währe auch viel zu gefährlich. Dr. Heinrich Hoffmann beschreibt hier einen Psychische Krankheit ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung).


Die zehnte Geschichte:

Die Geschichte vom fliegenden Robert. Es handelt sich hierbei um eine kurze Geschichte die drei Bilder zeigt. Der Junge namens Robert ist bei Regen und Sturm unterwegs mit seinem roten Schirm. Eine starke Windböe erfasst ihn, und trägt ihn fort. Niemand weis wohin.

Wenn man die Bilder zu der Geschichte betrachtet, fällt einem ganz spontan das Sprichwort ein: Bei so einem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Der Schrecken und die Furcht vor dem Wetter ist heute kaum mehr da. Man kann sagen, da unsere Kinder ja sehr gute Kleidung haben die sie vor Kälte und Wind schützen, kann so gut wie bei jedem Wetter vor die Tür. Allerdings sollte man sich mal zurück versetzen in die Zeit als dieses Buch geschrieben wurde. Da mussten die Kinder auf das Vieh aufpassen und es sicher wieder in den Stall zurückführen, und dies bei jedem Wetter. Oft zeugen noch Bildstöckel von solchen Tragischen Unfällen wo ein junger Bub im Alter von 11 Jahren beim Vieh suchen auf einer Alm abstürzte.


Meine zusammengefasste Meinung: Die Autoritäre Erziehungsmethoden die hier beschrieben werden, erschrecken viele von uns. Doch jeder von uns hat seine eigenen Vorstellungen, wie er seine Kinder am besten maßregelt. Nur sollte auch jeder sich im Klaren sein, sobald das Kind in den Kindergarten oder zur Schule geht, nehmen die einfühlsamen Zurechtweisungen ab. Deshalb ist es nicht schlecht schon im Elternhaus gewisse Grenzen zu setzen, die die Kinder zu beachten haben. Wenn sie erst in der Schule diese lernen müssen haben sie ein mächtiges Problem. Das mit dem Zappel Philipp oder dem Hans Guck in die Luft, solche Kinder haben viele von uns bei sich zu Hause. Hier liegt eine Erkrankung seitens des Kindes vor, das sich Aufmerksamkeitsstörung nennt. Die sich vielleicht nur so beheben lässt, wenn man mehr Augenmerk dem Kind schenkt.


Selber finde ich dieses Buch noch immer Zeitgemäß, denn warum sollte man Kindern ab dem Kindergartenalter dieses schöne Bilderbuch vorenthalten? Kindern kann man durch Bilder die Gefahren viel mehr verdeutlichen, als nur durch Ermahnungen. So z. B. die Geschichte vom bösen Friederich, vom Feuerzeug, vom Zappel Philipp und vom Hans Guck in die Luft. Außerdem finde ich es sehr wichtig, dass jemand mit dem Kind das Buch anschaut und erklärt, denn das Buch der Struwwelpeter einfach dem Kindergartenkind überlassen, finde ich sehr fahrlässig. Obwohl es ein Kinderbuch ist, gehört es nur unter Aufsicht bei kleineren Kindern in die Hände.

Fazit: Ein Kinderbuchklassiker, und das schon seit über 150 Jahren