

Kurzbeschreibung: Genre: Kinder- & Jugendbücher / Jahr: 2010
Diesem Autor gehen die Ideen hoffentlich noch lange nicht aus.
Produkt:
Das Unkrautland: Das Geheimnis der Schwarzen Hütte - Stefan Seitz
Datum: 20.09.11
Bewertung:
Vorteile: Der zweite Teil ist fast noch besser geworden. Lesenswert.
Nachteile: Keine
Nachdem ich bei der Einleitung des ersten Teils dieser Fantasy-Reihe erzählt habe, warum Fantasy eigentlich für jeden wichtig und sogar hilfreich sein kann, möchte ich hier mal ein paar Worte zu der Einsortierung von Fantasy-Romanen sagen. Seltsamerweise sortieren viele Menschen ja immer alles und packen alles Mögliche und Unmögliche in Schubladen oder eben Kategorien. J.R.R. Tolkien wird zugeschrieben, das Fantasy-Genre literarisch überhaupt erst ins Leben gerufen zu haben. Ich glaube, wenn es möglich wäre, ihn selbst zu fragen, würde er antworten, dass er seinen Kindern eben einfach schöne Geschichten erzählt hat und selbst wohl am überraschtesten war, dass sie auch anderen gefielen, als er sie dann aufschrieb. Außerdem fing das Ganze genaugenommen doch schon viel früher mit z.B. E.T.A. Hoffmann an und wenn man Sagen, Märchen und Legenden noch dazu rechnet, kann man im Grunde überhaupt keinen Fixpunkt in der Vergangenheit mehr festmachen. Heute haben wir nun Bezeichnungen wie "Romantasy", "Urban Fantasy", "Sword and Sorcery-Fantasy", "High-Fantasy" und logischerweise dann auch "Low-Fantasy", "All Age Fantasy", "Dark Fantasy", "Animal Fantasy", "Science Fantasy", "Social Fantasy" und ähnliche Klassifizierungen mehr. Ein Paradies für Menschen, die alles gerne in Schubläden wegpacken. Mir ist der tiefere Sinn solcher Klassifizierungen nicht so ganz klar, zumal es viele Bücher gibt, die auch Anteile von Krimis, Abenteuer- oder Liebesromanen u.ä. beinhalten und eine Aussage über die Qualität der Romane trägt so eine Schubladisierung doch hoffentlich auch nicht in sich. Es ist nunmal erfahrungsgemäß so, dass der eine völlig begeistert sein kann, was andere gänzlich kalt lässt.
Soweit es mich betrifft, halte ich es da mit Büchern lieber auf die Art, wie eine meiner Kolleginnen mit jedem zu bearbeitenden Fall bei der Sachbearbeitung herangeht. Sie schaut sich das Ganze nämlich am PC an und murmelt meist:"Na, was willst Du denn nun von mir?" Auf diese Weise ist es mir zumindest möglich, mich mit jedem einzelnen Buch ganz individuell auseinanderzusetzen und mich einfach darauf einzulassen, was denn nun ausgerechnet dieses Buch, dieser Roman mir zu erzählen hat. Mir ist es lieber so und es hat sich bisher auch noch kein Buch bei mir beschwert, dass es ihm in irgendeiner Schublade zu eng gewesen wäre ;-))
Daher also nun zur Vorstellung des zweiten Teils um das aufregende und interessante Unkrautland und seinen Geheimnissen.
Zuallererst:
***Die sachlichen Buchdaten***
Autor: Stefan Seitz
Titel: Das Unkrautland - Teil 2: Das Geheimnis der Schwarzen Hütte
Originaltitel: -
Erschienen: November 2010
Verlag: Cleon Verlag
ISBN-10: 3981317122
ISBN-13: 978-3981317121
Seitenanzahl: 304
Einband: HC
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 10 - 11 Jahre
***Autorenportrait***
Da ich bei der Vorstellung des ersten Teils dieser Fantasyreihe für Kinder den Autoren Stefan Seitz schon ausführlicher vorgestellt habe, möchte ich auf die Rezension verweisen und hier nur nochmal den Hinweis zu der wirklich sehenswerten Internetseite www.unkrautland.com wiederholen, auf der es noch mehr Informationen zu den Charakteren, Grafiken, Rätsel, sogar einen kleinen Film und natürlich Leseproben zu den einzelnen Büchern gibt.
Ruhig einmal dort vorbeischauen und stöbern. Die Seite ist wirklich sehenswert!
***Buchcover und allgemeine Gestaltung***
Wiederum ist das sehr gut gebundene Buch mit einem sehr schön auf die Geschichte einstimmendem Coverbild versehen. Primus, das uns schon bekannte, dürre Männchen mit dem zerknautschten Zylinder, steht in einem spärlich beleuchtetem, gewölbeartigem Raum und betrachtet interessiert Aufzeichnungen und Berechnungen auf einer Schiefertafel. Das eher in stimmungsvollen Grautönen gehaltene Coverbild macht schon deutlich, dass es in dem Roman um rätselhafte Dinge geht, um die Aufklärung von lange gehüteten Geheimnissen und mysteriösen Vorgängen.
***Mit meinen Worten***
Da es sich ja um eine Romanreihe handelt, die eine spannende Geschichte über mehrere Bücher hinweg erzählt und im ersten Buch gleich viel passiert ist, gebe ich mal einen kurzen Überblick über die wichtigsten Charaktere der Fantasy-Geschichte, soweit sie bis jetzt aufgetreten sind:
***!!!SPOILERWARNUNG!!! ENTHÄLT EINIGE DETAILS AUS DEM ERSTEN BAND!!! ***
Primus: Ein mindestens 200 Jahre altes, aber jung aussehendes dürres, sympathisches Männlein, der sich nach Belieben in eine Fledermaus (KEIN VAMPIR!) verwandeln kann und an sämtlichen unerklärlichen Dingen höchst interessiert ist. Ersteres ist sehr praktisch, wenn man weite Strecken zurücklegen muss und nicht gerne zu Fuß geht. Letzteres ist nicht nur einem wachen, intelligenten, wissbegierigen Geist zuzuschreiben, sondern auch der Tatsache, dass Primus selbst nicht weiß, wer er eigentlich ist. Offenbar hat allerdings seine Amnesie und er selbst irgendwie etwas mit einer alten Legende zu tun, die besagt, dass eine äußerst hübsche Nebelfee von einem sehr bösartigen Eiskönig mit einem üblen Trick entführt wurde, wodurch das gesamte bekannte Unkrautland zu leiden hatte.
Verständlich, dass er versucht, nicht nur herauszufinden, ob die Legende wahr ist, sondern auch, wer er eigentlich ist, warum er offenbar nicht altert und nie Hunger oder Durst verspürt. Letzteres hält ihn aber nicht davon ab, jede Art Kuchen aus der nahen Klettenheimer Bäckerei zu stehlen und genüßlich zu verputzen.
Der Kürbis Snigg: wohnt bei Primus auf dem Komposthaufen, liebt Gemüse und Obst und ein ruhiges, behagliches Leben.
Sir Bucklewhee: ein Hahnengerippe, der in Primus Kuckucksuhr lebt. Seines Zeichens Präzisionswecker, sehr neugierig und überhaupt pingeliger und ordnungsliebender, als es jeder Beamte sein könnte. Ansonsten bester Freund von Primus und für jeden Blödsinn zu haben.
Miss Plim: Undercover-Kräuterhexe, die offiziell einen Spielzeugladen betreibt, der von ihr herrlich verhextes, magisches Spielzeug enthält. Sehr kleptomanisch veranlagt. Soll heißen: sie kann im Prinzip eigentlich alles brauchen, was nicht niet-und nagelfest ist und hat für alle Fälle immer eine große Tasche dabei, auf die sie ihrer Ansicht nach nie verzichten kann. Schon für ihre diversen Zauberfläschchen und Wundermittel zum Öffnen jeglicher Türen benötigt sie ihre Tasche. Sie geht am liebsten zu Fuß, um nicht aufzufallen, obwohl sie über einen Rennbesen (und entsprechende Kleidung) verfügt, um die sie jeder Biker beneiden würde.
Chuck: die Vogelscheuche in Plims Garten. Gutmütig gegenüber sämtlichen Tieren, einschließlich der Spatzen und Schnecken, denen er die besten Leckerbissen aus Plims Gemüsegarten empfiehlt. Ist sehr auf Umgangsformen und gute Kleidung bedacht, überaus neugierig und jedesmal völlig fassungslos, wenn Plim ihn als Wäscheständer zum Trocknen benutzt.
Magnus Ulme: Primus ehemaliger Lehrer, der auf der Suche nach der Nebelfee spurlos verschwunden ist und an den sich Primus durch einen ständig wiederkehrenden Traum vage, aber herzlich erinnert. Offenbar gehört Magnus Ulme das windschiefe Häuschen samt Inhalt, das Primus jetzt bewohnt.
Rabenstein: nach allem, was Primus und Plim bisher über ihn herausgefunden haben, wurde dieser einst mit Primus zusammen bei Magnus Ulme ausgebildet und beide wohnten bei ihrem Lehrer. Ist ganz offensichtlich hinter dem Geheimnis um die Nebelfee her und schreckt dabei vor absolut nichts zurück.
Das sind also im Großen und Ganzen die Haupt-Protagonisten, mit denen wir es in der Fantasy-Reihe hauptsächlich zu tun haben. Es wimmelt allerdings im Unkrautland von ungewöhnlichen Bewohnern und fantastischen Wesen. Es würde allerdings zu weit führen, alle vorzustellen, denn das sollte man sich ja durch das Lesen und Miterleben dieser tollen Rätselsaga selbst erschließen.
Daher nur ein kurzer Einblick, was im zweiten, spannenden Teil passiert:
Primus ist wieder einmal auf nächtlicher Flugtour durch das stimmungsvoll im nächtlichen Nebel liegende Dörfchen Klettenheim, hat sich in der Konditorei mit leckeren Sachen das Bäuchlein vollgeschlagen und genehmigt sich sozusagen als Nachtisch noch eine spannend erzählte Grusel-Gute-Nacht-Geschichte, die eine Großmutter gerade in einem windschiefen Häuschen gegenüber von der Konditorei ihren Enkeln erzählt.
Die Geschichte handelt von zwei kleinen Mädchen, die sich einst viel zu weit in den nahe gelegenen Finsterwald und die daran anschließenden Westlichen Sümpfe gewagt hatten, magische Orte, die von Irrlichtern, Baumnymphen, Wassergeistern und Hexen nur so wimmeln sollen. Die beiden verirrten Mädchen hätten sich beinahe dem Zentrum der Westlichen Sümpfe, der geheimnisvollen schwarzen Hütte, allzu sehr genähert, erzählt die Oma. Nicht auszudenken, was diesen kleinen Mädchen hätte passieren können, wären sie nicht von den Bäumen gewarnt und vom plötzlich aufziehenden Nebel sanft und sicher aus der Gefahrenzone getragen worden. Diese zauberhafte Geschichte, die die Großmutter ihren Enkeln als Erziehungsmittel erzählte, um sie vor dem Finsterwald und den Westlichen Sümpfen zu warnen und sie davor abzuschrecken, hat bei unserem lieben, kecken, gewitzten Primus jedoch den genau gegenteiligen Erfolg. Irgendwas kommt ihm - und übrigens auch dem Enkel der Großmutter - seltsam vor, so dass die beiden neugierig werden, ob an der Geschichte nicht vielleicht mehr Wahres steckt.
Da wird Primus von Snigg, dem Kürbis gebeten, zu seiner Freundin, der Kräuterhexe Plim, zu kommen, denn diese habe einen interessanten Hinweis auf die Nebelfee gefunden, die unsere beiden Protagonisten ja - neben dem Geheimnis um Primus alten Lehrmeister Magnus Ulme - immer noch suchen.
In der schwarzen Hütte in den Westlichen Sümpfen soll sich ein kleines Büchlein befinden, das ihnen den Weg hinauf zu den Schwefelzinnen zur Nebelfee beschreiben soll, die dort gefangen gehalten werde. Plim hat nämlich die vertrocknete Rätselrübe wieder zum Reden gebracht und von dieser stammt der Tipp, der Primus, Plim und diesmal auch das Hühnergerippe Bucklewhee zum nächsten Abenteuer im Unkrautland führt.
Unsere Helden starten mit Hilfe von Plims supermodernen Hexenrennbesen, der jedoch kurz vor der schwarzen Hütte versagt, sodass unsere kleine Gruppe zu Fuß weiter muss. Plim erinnert sich, die Hütte irgendwann schon einmal überflogen zu haben und ebenfalls durch den Ausfall des Besens böse abgestürzt zu sein. Sehr merkwürdig das Ganze. Ist da irgendein Zauber am Werk, der verhindern soll, dass man sich dem Häuschen nähert? Und wie kann es sein, dass das Büchlein mit den Hinweisen, wie man zur Nebelfee kommt, seit zweihundert Jahren noch von niemandem entdeckt wurde? Auch Plim hat man in ihrer Kindheit vor der Schwarzen Hütte gewarnt, die von einem Bergteufel bewacht sein soll, aber als ausgewachsene Hexe hat sie das Ganze natürlich für ein Kindermärchen gehalten. Doch bald merken Primus und Plim, dass weit mehr hinter den alten Geschichten steckt, jemand auch über einen langen Zeitraum eine völlig falsche Fährte gelegt hat und natürlich warten große Gefahren und Abenteuer auf sie. Aber auch Bucklewee spielt in diesem Teil eine sehr wichtige Rolle. Ein Aststück hatte sich in der Rohrleitung vor Primus Häuschen verkeilt und die ordnungsgemäße Postzustellung der monatlichen Ausgabe des "Zauberzirkel" verhindert. Sehr zu Sniggs Freude eigentlich, denn normalerweise war ihm das Magazin immer auf den Kopf gedonnert, da das Ende der Rohrleitung sich direkt über seinem Komposthaufen befindet.
Bei der Inspektion der vermeintlich mangelhaften Postzustellung rutscht Bucklewee allerdings selbst in das Rohr hinab und erkundet so unfreiwillig das Post-Rohrleitungssystem, das von den Kobolden im Unkrautland gebaut wurde und macht dabei eine für Primus und Plim äußerst wichtige Entdeckung, von der ich ab jetzt aber wohlweislich schweigen werde, um die Spannung und Freude am Selberlesen des ganzen Abenteuers nicht zu schmälern.
***Stilistische Besonderheiten***
Wie im ersten Teil dieser Fantasy-Reihe wird der Leser gleich in die Handlung gezogen. Der Autor hält sich nicht mit langen Erklärungen oder Beschreibungen auf und geht auch nicht darauf ein, was im ersten Teil passiert ist oder wer die Hauptpersonen überhaupt sind. Alles Wissenswerte erschließt sich dem Leser nach und nach, während die Geschichte und Handlung bereits läuft. Ich empfinde das als sehr angenehm und weiß es auch sehr zu schätzen, dass der Autor so nicht vorschreibt, wie man sich die Figuren genau vorstellen müsse. So wird die eigene Fantasie angeregt...und wer absolut neugierig ist, wie Stefan Seitz selbst seine Romanfiguren sieht, der erhält ja auch am Ende des Buches noch den Hinweis auf die Webseite www.unkrautland.com.
Erwähnen muss man auch, dass Stefan Seitz offenbar zu seinem ganz individuellen Stil gefunden hat, zumindest soweit es die Reihe um das Unkrautland betrifft. Man merkt regelrecht als Leser, dass der Autor das Land bildlich vor sich sieht und dass alles von der geografischen Beschaffenheit noch besser passt als im ersten Buch. Auch seine Figuren haben noch mehr Charakter bekommen und erhielten ein höheres Identifikationspotential. Bald erscheint sogar schon der dritte Band, auf den ich zumindest sehr gespannt bin, da ich die Hauptdarsteller miitlerweile tatsächlich ins Herz geschlossen habe.
***Fazit***
Der zweite Band von Stefan Seitz wundervoller Reihe über die Bewohner und deren Abenteuer im Unkrautland bringt uns Leser wieder ein Stückchen weiter in dem Gesamtwerk, das meiner Meinung nach wirklich seinesgleichen sucht im Buchangebot für Kinder-und Jugendliche. Der Autor sprüht nur so von tollen Ideen und vielleicht liegt ja sein Geheimnis darin, dass er einfach nur eine supergute Geschichte erzählt, die ich persönlich mir durchaus verfilmt vorstellen kann und die - ob nun in Buch- oder Filmversion - wirklich der ganzen Familie gefallen könnte.
Erwähnen muß man nochmals, wie liebevoll und humorig Stefan Seitz seine Figuren mit all ihren kleinen Macken zeichnet. Seine Charaktere sind nicht nur so beschaffen, dass man gerne von ihnen liest, miträtselt und ihre Abenteuer und Dialoge genießt, sondern sich zumindest Kinder auch gerne mit ihnen identifizieren werden.
Die schlagfertige, schnell aufbrausende und ein bissl maulige Hexe Plim, den liebenswerten Optimisten Primus und alle anderen sehr gut entworfenen Figuren kann meiner Meinung nach eben niemand widerstehen, der gerne echte Fantasyromane liest, die mit Herz, Verstand und Liebe zum Detail geschrieben sind. Für solch einen Lesegenuß verzichte auch ich als Erwachsene sehr, sehr gerne auf so manche Romane, die für Erwachsene geschrieben wurden und lasse mich lieber von einem Autor wie Stefan Seitz bezaubern.
Herzlichen Dank für das Lesen und Bewerten meines Berichts
Hedwig_2010
Fazit: ... schaut auf das Fazit im Bericht
Name des Mitglieds: Hedwig_2010


28.09.11
KV + LG