Lomo Lubitel
Lomo, mit der man nit lomografieren kann - Lomo Lubitel Kamera

Neuester Testbericht: ... hatten fast gar kein Metall mehr in sich. Das Objektiv und der Verschluss Die zweiäugige (Twin Lens Reflex) Lomo Lubitel 2 hat einen T22 ... mehr

Lomo, mit der man nit lomografieren kann
Lomo Lubitel

+falk.duebbert

Autor-Name: falk.duebbert

Produkt:

Lomo Lubitel

Datum: 13.10.01, geändert am 13.10.01 (2514 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: der Preis, Zweiäugig

Nachteile: Verarbeitung, Minderwertiges Material

Einleitung zu Toycams
Als Toycam werden allgemein Kameras mit Plastikgehäuse des untersten Preisniveaus bezeichnet. Die eigentliche "Lomo", ein einfacher Minoxnachbau passt sehr typisch in diese Kategorie, obwohl sie mit 249,- preislich mit einer Olympus µ mithalten kann. Sie zeichnen sich durch hohen Ausschuss aus. Ausschuss zu produzieren nennt sich mit einer Lomo "Lomographieren". Allerdings ist Lomo ein Herstellername und hat außer der kleinen auch ein paar große Kuriositäten produziert. Die Lubitels überfluten Foto- und Ostwarenflohmärkte en Masse. Für eine gute 166 B Universal sollte 50,- überhaben. Eine schlabberige kommt meist auf 20,-.

Die II
Eine Lomo-Lubitel 2 hat es nicht in sich, denn alle aktive Bauteile hängen mehr oder weniger außen dran.
Das Gehäuse ist aus Plastik. Die Bezeichnung Kunststoff verdient das Material nicht. Genauergesagt dreht es sich dabei um Bakelit. Phenolprodukte waren eben preiswerter herzustellen als Metallgehäuse.
Meine Lubitel hat jetzt unten eine zusätzliche Bodenplatte aus 3 mm starkem Aluminium erhalten.
Sie liegt so erstens auf einer größeren Fläche auf, sollte sie mal auf ein Stativ gespannt sein. In der Serie stehen nur eine Fläche um das Stativgewinde und zwei Füße etwa 2,5mm heraus. Zweitens hatte der Boden meiner Lubitel 2 einen Riss um die Stativschraube, der nach meinen Nachforschungen übrigens typisch ist, und ich habe so etwa 36 cm² Klebefläche, die mit entsprechenden Spezialklebern noch einiges an Stabilität spenden.

Der Lichtschachtsucher
Die Lubitel ist eine Kamera der einfachen Art. Die Objektive von Sucher und Optik sind mit Zahnrädern versehen, die ineinander greifen und so die Übertragung der Entfernungswerte herstellen. Der Sucher hat, anders als von anderen Kameras nach 1945 her gewohnt, keine formatfüllende Mattscheibe sondern eine Linse, die das Sucherbild auf unendlich projiziert. In der Mitte dieser Linse ist ein Kreis von etwa 8mm Durchme
sser, der mattiert ist. Auf diesen Fleck soll man scharfstellen. Es ist damit sehr schwer die Schärfe herzustellen, nur mit der im Lichtschacht einklappbaren Lupe geht es. Für schnelle Fotografie kann man ein Teil des Deckels einklappen und damit einen Rahmensucher darstellen, der auch nur die grobe Richtung anzeigt. Die Entfernung muss man dann halt gerade schätzen und entsprechend einstellen.

Ahnenforschung
Der Sucher stammt 1:1 von der deutschen Großmutter der Lubitel; der Voigtländer Brilliant. Auf die Brilliant folgte in den Vierziger- und Fünfzigerjahren die Kalimar. Man vereinfachte die Konstruktion und schuf die Lubitel.
Die Ur-Lubitel hatte enorme Probleme mit Lichteinfall und dem Verschluss, weswegen bald darauf die Lubitel 2 folgte. Die aber zu teuer war und deswegen von 166 und 166 Universal abgelöst wurde. Diese hatten fast gar kein Metall mehr in sich.

Das Objektiv und der Verschluss
Die zweiäugige (Twin Lens Reflex) Lomo Lubitel 2 hat einen T22 Zentralverschluss, der einige Zeiten von B bis 1/250 s bietet. Zusätzlich bietet er einen Synchronkontakt, der bei allen Zeiten synchron ist ... wie bei allen Zentralverschlüssen.
Das Objektiv hat 75mm Brennweite und eine maximale Blendenöffnung von 4,5. Laut Literatur sollte man es nicht allzu weit abblenden, denn die Qualität des Glases sei in vielen Fällen unterhalb sämtlicher im Westen bekannten Normen. Allerdings fand ich an meiner Lubitel einen klaren und vergüteten Dreilinser. Dessen Verzerrung durchaus erträglich ist, während die Randabdunklung allerdings grausig ist. Das quadratische Filmformat ist so nicht zu nutzen. Trotzdem bleibt verglichen mit dem Kleinbildformat ein riesiges nutzbares Negativ übrig.

Gehäuse und Filmtransport
Das Gehäuse ist, anders als das des kopierten Originals im Wesentlichen Zweiteilig. Rückwand und Boden bilden ein L, das an der vorderen Unterkante der Kamera mit einem Scharnier am Rest der Kamera angebracht ist. Also befinde
n sich sowohl Stativgewinde als auch Filmandruckplatte an beweglichen Teilen. Ersteres ist ein Makel, das Zweite unumgänglich.
Die federnd gelagerte Filmandruckplatte ist wenigstens vorhanden. Planlage wie bei einer Contax-Kleinbildkamera oder einer Großformatsaugkassette ist mit dem mit Papier hinterlegten Mittelformatfilm sowieso nicht zu erreichen.[1]
Der Filmtransport wird mit einem Drehknopf bewerkstelligt. Um zu schauen wie weit man drehen muss, schaut man durch ein kleines Fenster in der Rückwand und ein Loch in der Filmandruckplatte auf die Rückseite des Films.
Auf dem Papierstreifen sind entsprechende Landebahnmarkierungen.
Dieses Fenster war bei der Lubitel 1 häufiger Grund für Lichteinfall, weswegen bei der zweiten Version eine Blende davor geklappt werden kann.

Handhabung
An das "Vorspulen" muss der Fotograf übrigens selbst denken, denn der Verschluss wird nicht gehemmt zwischen Auslösen und Filmtransport. Der Verschluß selbst muss auch noch aufgezogen werden, aber das kann man fast nicht vergessen. Es ist also etwas mehr Konzentration erforderlich, will man mit einer Lubitel fotografieren. Alles wirkt ein wenig primitiv und altertümlich.
Das ist es auch und macht den Spaß an der Kamera aus. Man verzeiht schnell, daß Blende und Zeit nur ablesbar sind, wenn man die Kamera umdreht.
Man fotografiert mit einer zweiäugigen! Man sieht, was man tut. Man sieht den Blitz. Es kann so schön seine ohne Spiegelschlag. Die Lubitel macht Lust auf mehr. Gute TLRs gibt es gebraucht ab 300,- DM. Dabei sollte man sich nicht auf Braunschweiger Produkte versteifen.
Auch die Japaner haben TLRs gebaut, die auf dem Gebrauchtmarkt sehr günstig sind und trotzdem qualitativ hochwertige Optiken bieten. Deutsche Produkte sind entweder unvergütet oder spielen preislich in einer anderen Liga.

Hilfsmittel
Für die Alltagsfotografie empfehle ich einen Blitz mit einfacher Blendenautomatik mitzuführen. Die Blende an der K
amera wählt man so, daß der Blitz noch ein paar Leistungsreserven behält aber man ein randhelles und -scharfes Bild erhält.
Ansonsten sind ein Handbelichtungsmesser, ein Drahtauslöser und ein Stativ die besten Freunde des Fotografen. Das gilt auch für alle anderen Kameras.

[1] Die Kapitulationserklärung schwedischer Ingeneure vor diesem Problem ist auf der Hasselblad Homepage nachzulesen.




Fazit: