Canon EOS 300
Technisches Meisterwerk mit Schwächen - Canon EOS 300 Kamera

Produkttyp: Canon Kameras

Neuester Testbericht: ... ist. Und wenn es hell ist bleibt das Stativ einfach zugeklapt. Die Eleganz der Kamera ist der Hammer. Die Batterieenergie ist besonders lan... mehr

Technisches Meisterwerk mit Schwächen
Canon EOS 300

Pedder79

Name des Mitglieds: Pedder79

Produkt:

Canon EOS 300

Datum: 16.10.03, geändert am 16.10.03 (2072 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Viel Technik zum kleinen Preis, handlich, leicht

Nachteile: schlecht zu greifen, nicht sehr robust, im Detail technische Schwächen

Seit mehr als drei Jahren tut meine EOS 300 nun bei mir ihren Dienst. Sie hatte viel auszustehen, hat aber bisher alles gemeistert. Trotzdem, es gibt immer den ein oder anderen Kritikpunkt.
Fakt ist, die EOS 300, die ja nun offensichtlich von Canon eingestellt wurde, war eine der beliebtesten Spiegelreflexkameras und deklassierte in ihrem Preissegment die Konkurrenz von Nikon, Minolta und anderen eindeutig. Massig Technik zu einem sehr günstigen Preis.
Die technischen Daten möchte ich nicht stur runterrasseln. Wer an einer genauen Aufstellung interessiert ist, sollte die Canon Website besuchen. Nach drei Jahren Umgang mit der Kamera ergeben sich vielmehr massig Erfahrungswerte, die einem eventuellen Kaufinteressenten die Entscheidung leichter machen könnten. Die EOS 300 dürfte eh noch eine Weile erhältlich sein, und danach zumindest auf dem Gebrauchtmarkt Erfolge feiern.
Im folgenden möchte ich in Einzelheiten Technik und meine Erfahrungen erläutern.

Belichtung
Die Belichtungsmessung der EOS 300 kennt drei Methoden: Mehrfeldmessung, mittenbetonte Integralmessung und Selektivmessung. Die Mehrfeldmessung ist mit den AF Sensoren gekoppelt. Die mittenbetonte Integralmessung steht in bei manueller Belichtungseinstellung zur Verfügung. Die Selektivmessung wird nur bei Betätigung der Messwertspeicherung aktiv. Sie umfasst ca. 9,5% der Sucherfläche in der Mitte. Keine der Messarten lässt sich einzeln anwählen. Hier liegt das große Manko des Belichtungssystems. In der Hektik einer Sportveranstaltung oder eines Konzertes fehlt einfach die Zeit, um die Belichtungsspeichertaste noch zu betätigen, zumal ein Schwenk der Kamera immer nötig ist, da die Selektivmessung nicht an die AF Sensoren gekoppelt ist. Es handelt sich auch nicht um eine echte Spotmessung, die in schwierigen Lichtsituationen oftmals sehr nötig ist. Hier hat Canon eindeutig gespart, auf Kosten von Ergonomie und besserer Belichtungsmessung.
Die Belichtungseinstellungen bieten neben Vollautomatik und den üblichen Motivprogrammen Programm-, Zeit-, Blenden- und Schärfentiefenautomatik sowie die manuelle Belichtungseinstellung. Außer Motivprogrammen und Vollautomatik sind die anderen Automatiken korrigierbar, und zwar halbstufig um +/- zwei Blendenstufen. Zudem gibt es eine Belichtungsreihenautomatik.

Autofokus
Der Autofokus der EOS 300 arbeitet mit 7 Sensoren. Er ist wirklich sehr schnell und im Regelfall auch recht präzise. Bei schlechten Lichtverhältnissen nimmt die Geschwindigkeit aber stark ab. Außerdem ist oftmals keine Fokussierung möglich, wenn nicht der interne Blitz ausgeklappt ist. Dann steht das AF hilfslicht in Form des intermittierenden Blitzes zur Verfügung. Das ist dann auch einer der großen Kritikpunkte. Die vielen kleinen hintereinander gezündeten Blitz ziehen jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Heimliches Fotografieren wird vereitelt. Manch ein Musiker wandte sich schon vor der eigentlichen Aufnahme geblendet ab. Abhilfe schafft in diesem Fall nur ein externes Blitzlicht mit eigenem Infrarot AF-Meßstrahl.
Zudem hat der AF leichte Entscheidungsschwierigkeiten bei nahe beieinander liegenden Objekten. Hier muss oftmals mehrfach neu fokussiert werden. Die Anwahl eines einzelnen AF Messfeldes gestaltet sich in der Hektik oft schwierig, da dies ohne Übung nicht so ohne weiteres blind zu schaffen ist.
Im übrigen ist eine manuelle Einstellung der AF Betriebsarten (One Shot, AI Focus, AI Servo) nicht möglich. Die Umschaltung erfolgt automatisch. Im Regelfall bietet dies jedoch auch keine Schwierigkeiten. Wer jedoch die Betriebsart vorwählen möchte, hat keine Chance!

Blitz
Der interne Blitz hat die Leitzahl 12 und ist für mehr als einen Schnappschuss nicht zu gebrauchen. Neben der fehlenden Reichweite fällt die ungleichmäßige und harte Ausleuchtung sowie die Neigung zu roten Augen auf. Zwar soll die kleine Leute zwischen Objektivbajonett und Auslösergriff hier Abhilfe schaffen, in dem sie zunächst recht hell, danach ein wenig dunkler leuchtet, und so die Augen an das Licht gewöhnt. In der Praxis sind rote Augen dennoch an der Tagesordnung. Abhilfe schafft hier nur der externe Blitz, der aus der optischen Achse herausragt und so rote Augen wirksam verhindern kann.

Verschluß und Filmtransport
Ob nun der Film erst aus der Patrone gezogen und dann wieder hineinfotografiert wird, oder ob die Kamera sofort nach dem Einlegen schussbereit ist, ist eigentlich egal. Hat man es eilig stört die Filmspulung in jedem Fall, ob vor oder nach dem eigentlichen Filmwechsel. Vorteil des Systems der EOS 300 ist jedoch, dass man jederzeit genau weiß, wie viele Aufnahmen noch möglich sind. Sicherlich ist es schön, auch mal 37 Aufnahmen auf einen Film zu kriegen. Aber wenn man mit den Aufnahmen rechnen kann und damit auch genau der Filmwechsel planen kann, bringt das oftmals mehr Komfort und Sicherheit. Wie bei Canon üblich läuft das Bildzählwerk mit einer Infrarotdiode, was die Verwendung von IR-Filmen verhindert, wenn man nicht störende Streifen auf den Bildern haben will. Die EOS 300 hat im übrigen nicht gerade einen flüsterleisen Filmtransport.
Gleiches gilt für den Verschluss. Das Klacken des Spiegels ist laut und vernehmlich zu hören. Zudem gibt es, wenn die Kamera auf einem Stativ steht, einen leichten Ruck. Hier fehlt die Spiegelvorauslösung, die aber nur in den höherklassigen Modellen zu finden ist. Der Verschluss schafft Zeiten von 1/2000s bis 30s und B. Das reicht für den Hausgebrauch, ist für schnelle Sportveranstaltungen aber wohl nicht ausreichend. Im normalen Fotoalltag tauchen aber kaum Motive auf, die eine Verschlusszeit von weniger als 1/2000s benötigen. Außer man hat versehentlich am hellsten Sommertag einen 400er Film eingelegt. Da hilft dann nur noch ein Graufilter.
Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/90s und ist damit eigentlich recht mies. Die 1/125s der EOS 50 ist da doch schon um einiges günstiger. Doch auch hier gilt, für den Hausgebrauch reicht s!

Handling & Verarbeitung
Das Handling der Kamera ist ein äußerst zweischneidiges Schwert. Sie ist sehr klein und leicht und damit leicht zu transportieren. Das war damals eines der Kaufargumente für mich. Mittlerweile sehe ich die Sache differenzierter. Als Kamera für den Urlaub, für Familienfeiern und ähnliches ist die 300 bestens geeignet. Auch bei langen Wanderungen mit leichtem Gepäck macht sich das geringe Gewicht positiv bemerkbar. Zudem muss man nicht unbedingt die größte Fototasche kaufen, eine kleine tut s zunächst auch. Spätestens jedoch, wenn das erste größere Teleobjektiv zum Einsatz kommt bzw. wenn man das erste Mal bei widrigen Lichtverhältnissen mit Verschlusszeiten im Grenzbereich arbeiten muss, erkennt man, dass Leichtigkeit nicht unbedingt immer von Vorteil ist. Eine schwerere Kamera kann man nun mal ruhiger halten, zudem wenn sie besser in der Hand liegt. Auf meinen zahlreichen Festival- und Konzerteinsätzen, die nicht selten mit 300mm Brennweite und Verschlusszeiten von länger als 1/250s versucht werden mussten, fiel die EOS 300 negativ auf. Die geringen Abmaße sorgen zudem dafür, dass die Kamera nicht besonders gut in der Hand liegt. Das macht sich bei langen Einsätzen, zum Beispiel bei größeren Volksfesten etc., negativ bemerkbar.
Es ist also eine Frage des Anwendungsgebietes und der persönlichen Vorlieben, ob einem die Kamera liegt.
Die Anordnung der Bedienelemente ist bestens. Alle Elemente sind notfalls auch blind erreichbar. Einzig eine Sperre, die das versehentliche Einschalten der Kamera verhindert (wie bei EOS 50) könnte noch am Programmwahlrat eingebaut werden. Zudem wäre eine Displaybeleuchtung recht sinnvoll.
Die Verarbeitung der Kamera ist OK. Das Kunststoffgehäuse ist jedoch fühlbar in Leichtbauweise konstruiert. Runterfallen sollte die Kamera daher besser nicht! Auch die Eignung in sehr staubigen oder feuchten Gebieten mag ich anzweifeln. Immerhin gab es bisher keine Probleme bei etwas staubigen Open Air Events. Der Blitz ist recht stabil konstruiert, wesentlich stabiler als bei der 300V zum Beispiel.
Was fehlt ist das Metall Bajonett. In diesem Punkt hat Canon ja bei der 300V nachgebessert. Insbesondere wenn schwere Objektive mit Metall Bajonett an die kleine 300er andocken, möchte ich nicht in der Haut des Kunststoffbajonetts stecken. Insgesamt merkt man besonders am Gehäuse die Preisklasse der Kamera. Hier wurde wirklich gespart.


Fazit
Die EOS 300 ist eine wunderbare Einsteigerkamera. Sie bietet technisch im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen von Nikon oder Minolta recht viel. Sie ist einfach zu bedienen, überfordert den Fotografen nicht. Wem ein derart kleines Gehäuse recht ist, der wird kaum eine bessere Kamera finden. Für den dauerhaften Einsatz ist mir der Gehäuse jedoch zu klein.
Ansonsten bietet die kleine EOS für den Preis von zuletzt 289 Euro (inkl. 28-90er Objektiv) eine ganze Menge für ihr Geld. Gebraucht dürfte sie recht günstig zu haben sein. Jedoch empfiehlt sich vorher ein genauer Blick. Neu dürfte die Kamera langsam aus den Regalen verschwinden. Hier bietet sich eventuell schon die EOS 300V als Nachfolger eher an, da ihr Canon unter anderem ein Metallbajonett, ein größeres beleuchtetes Display und ein neues ergonomisch günstigeres Design verpasst hat.
Trotzdem ist mir meine EOS 300 in den Jahren ans Herz gewachsen und wird bei mir immer ein warmes Heim haben.

Fazit: