Der große Boss. Das Alte Testament - Fred Denger
Die Bibel mal vollkommen anders - Der große Boss. Das Alte Testament - Fred Denger Humor Bücher

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Die Bibel mal vollkommen anders
Der große Boss. Das Alte Testament - Fred Denger

Anne1982

Name des Mitglieds: Anne1982

Produkt:

Der große Boss. Das Alte Testament - Fred Denger

Datum: 22.02.07

Bewertung:

Vorteile: Ein humorvoller Weg Neues zu entdecken

Nachteile: Schriftgröße, Dicke der Seiten

Nun mal zu einem Buch, dass ich vor einigen Jahren in der Ausbildung im Religionsunterricht kennen gelernt habe. Ich war nach dem ersten Kapitel, dass uns vorgelesen wurde richtig begeistert und habe es mir gekauft. Vielleicht ist diese moderne "Übersetzung" ja auch was für euch sicher auch dann, wenn ihr wie ich mit der Bibel bzw. Kirche sonst nicht so viel zu tun habt.

Bei dem Buch handelt es sich um: Der große Boss. Das Alte Testament. Unverschämt fromm neu erzählt von Fred Denger.


Zunächst ein paar Kurzinfos zu dem Buch:


Autor: Fred Denger
Verlag: Eichborn (1984)
Preis: um 10.00 € (z.B. bei Amazon)
Broschiert: 841 Seiten
ISBN10: 382180100X
ISBN13: 9783821801001


Der Klappentext:


"Dieser unheilige Knüller"(Münchner Merkur) "fasziniert wie ein GuteNachtKrimi" (Die Zeit). Viel Spaß und Spannung, "Sex and Crime" für Christen und Nichtchristen. Der neue Weg zur alten Bibel, 842 heitere Seiten lang.


Zum Autor (Angaben wurden der Seite www.wikipedia.de entnommen):


Fred Denger (Alfred Denger), geb.1920 in Darmstadt, gest. 1983 in Hohegeiß, war unter anderem deutscher Schriftsteller, Tierpfleger, Bänkelsänger, Zirkusakrobat und Theaterleiter. Von ihm stammen das Volksschauspiel Langusten und zahlreiche Drehbücher zu erfolgreichen deutschen Kinoproduktionen (z.B. Karl May und Edgar WallaceVerfilmungen). Besonders erfolgreich wurde sein Buch "Der grosse Boss", seine freie Bearbeitung des Alten Testaments.


Worum geht es?


Fred Denger hat sich viel Arbeit gemacht: Er hat das Alte Testament übersetzt.
Nicht wie schon damals Luther, sondern in seiner ganz eigenen Version. Zwar stimmt der Inhalt grob mit dem Original überein (auch hier wird beispielsweise die Welt in sechs Tagen erschaffen), aber die Übersetzung ist schon sehr eigenwillig (seht selber bei der Leseprobe).


Vorwort des Autors (an alle Kritiker):


All denen die mich wegen dieser meiner frechfrommfröhlichfreien hemdsärmeligen BibelFibel anfeinden werden oder mir gar mit Luthers deftigem Ausspruch kommen: "Du solltest nicht eher ein Buch schreiben du hättest denn den Furz einer alten Sau gehört!" möchte ich ebenso frei nach Luther antworten:

"Die Wahrheit zu sagen hab ich´s recht gern
wenn man wider mich streitet
wenn mein GROSSER BOSS sie also erbittert
dass sie sich vor Bosheit die Zunge zerreißen
dieweil ich unter des Glaubens Schatten sitz
und lache der Teufel und seiner Schuppen.
Hab ich´s doch von Anfang an gewusst
dass ich eher 10 000 finden wollte
die meine Arbeit tadeln
ehe ich einen fände
der mir das 20. Teil nachtäte.
Nehme sich also jeder Klugscheißer selber die Bibel vor
und mach er sich seine eigene."


Kapitelübersicht (auszugsweise, da es sich über 4 Doppelseiten erstreckt):


1. Weltrekord in sechs Tagen
2. Striptease in der Paradiesbar
3. Der Minirock ein alter Hut
4. Sprunghaftes Ansteigen der Kriminaltitaet
5. Wo keine Pille ist, da ist ein Weg
6. SOS auf höchster Ebene
7. ....


Leseprobe:


Ich hab euch mal Teile aus dem 1. Kapitel abgeschrieben, damit ihr einen guten Eindruck von dem Buch bekommt:

"Der GROSSE BOSS schlägt zu! Der GROSSE BOSS will ein tolles, ein einmaliges Ding drehen, das Ding mit der Welt. Das hat vor ihm noch keiner gewagt. Kunststück, die Welt nämlich ist momentan ein trostloses Tohuwabohu aus lauter Wasser. Bloß die Idee ist da, die Idee vom GROSSEN BOSS. Sie geistert über den rabenschwarzen Fluten. Die Düsternis missfällt dem GROSSEN BOSS. "Man sieht ja nicht die Hand vor Augen!" räsoniert er. "Licht! Aber ein bisschen dalli!" Prompt wird es hell. ....

Donnerstag übertrifft der GROSSE BOSS sich selber: Er erfindet die Sonne, Mond und Sterne und dekoriert mit den Laternen den Himmel. Die große rote soll den Tag, die kleinere gelbe die Nacht beherrschen. Die vielen kleinen und klitzekleinsten sind für die Schiffahrt, die Kalendermacher, die Astrologen und nauten bestimmt. Das alles geschieht nach Adam Riese am vierten Tag. Der GROSSE BOSS reibt sich zufrieden die Hände. ....

Kurz vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen betrachtet der GROSSE BOSS nachdenklich seinen Rohbau. Irgend etwas stimmte noch nicht. Gleich darauf weiß er auch, was. "Ich muss ein bisschen Leben in die Bude bringen!" Damit meint er die Erde. "Im Wasser soll's wimmeln und in der Luft flattern."
Als erstes konstruiert er einen kolossalen Walfisch. Dann kommen die Delphine, die Lachse und ganz zuletzt die Kaulquappen an die Reihe. Anschließend macht er sich an die Fabrikation der Nachtigall, der Taube und des gemeinen Feld, Wald und Wiesenspatzes. Das ist eine Mordsarbeit, deshalb gibt er den Fischen und den Vögeln den Rat: "Vermehren müsst ihr euch schon selber. Ich hab noch 'ne Menge zu tun. Heute ist bereits Freitag. Der Fünfte!"

Trotzdem ist er noch nicht zufrieden, besonders als er sieht, wie ein Rauhhaardackel sich mit einer Angorakatze balgt. "Da unten müsste einer sein, der für Ordnung sorgt!" überlegt der GROSSE BOSS laut. Und hat auch schon eine Idee: Er erfindet den Menschen. Er macht ihn nach einer flüchtigen Skizze, so wie er ihn sich einbildet, ihn, den Mann und sie, die Frau. Als er die beiden fertig hat, sagt er zu ihnen: "Na denn! Meinen Segen habt ihr ..."

Der GROSSE BOSS hätte gern noch mehr gesagt, aber da ist es schon wieder Abend. Der sechste Tag geht zuende, ein Samstag, und der GROSSE BOSS hat Kreuzschmerzen von seiner Superschaffe. Doch das vergisst er beim Anblick seiner Mammutbaustelle. "Hab ich das nicht Klasse hingekriegt?"

"Als der GROSSE BOSS am siebten Tag frühmorgens in die Sonne blinzelt, ist zufällig Sonntag. Da bleibt er gleich liegen. "Heut wird geschwänzt!" frohlockt er. "In sechs Tagen Himmel und Erde auf die Beine zu stellen, das soll mir erst mal einer nachmachen!" Er dreht sich auf die andere Seite und murmelt beim Einschlafen: "Das wollen wir auch in Zukunft so halten, sechs Tage wird gearbeitet, am siebten wird gefeiert."

So entstanden Himmel und Erde: die Schöpfung. Eine Rekordleistung. Und alles Handarbeit."


Noch zwei, drei Sätze zum äußeren Eindruck:


Das Buch ist überraschend klein und durch die rund 850 Seite recht dick. Hab jetzt gerade kein Lineal da, würde es mal als Handbreit und nicht mal lang beschreiben.
Auf der Vorderseite ist, wie könnte es anders sein, der GROSSE BOSS abgebildet. Neben ihm findet man hier nur noch den Titel und den Autor des Buches. Auf der Rückseite steht der Klappentext geschrieben.
Die Schrift ist schon sehr klein gehalten und die Seiten sind sehr dünn mein einziger Kritikpunkt.
Zur Sprache kann man sagen, dass sie, wie ihr schon gelesen habt, bewusst derb gehalten ist und man immer wieder Anspielungen auf unser heutiges Leben findet.
Leider gewöhnt man sich an den Stil und so nimmt der Witz dann ab. Meine Empfehlung: Immer nur ein paar kleine Kapitel lesen und das Buch dann für eine Zeit bei Seite legen.


Kritik:

Wer sich noch nie an die Bibel getraut hat, da sie ihm viel zu altmodisch und langweilig vorkam, der kann mit diesem Buch eine echte Alternative kaufen.
Zugegeben viele Seiten hat auch dieses Buch und auch eine größere Schriftart hätte man sich leisten können aber das Lesevergnügen macht all dies vergessen.

Wer sich niemals vorstellen kann auch nur in die Nähe einer Bibel zu kommen, sollte sich wenigstens diese Version kaufen, da man sich auf humorvollem Weg eine Menge Wissen aneignen kann. Man lernt die wichtigsten Leute (wie du und ich) und Geschichten kennen und behält sie gut im Gedächtnis.

Auch für alle, die die Bibel schon in und auswendig kennen, vielleicht ein Weg sie neu zu entdecken und sie anderen, ohne Langeweile aufkommen zu lassen (Konfirmandenunterricht, Schulklassen) vorzulesen. Man kann danach ja mal schauen was das Original einem noch so bietet.

Ein Buch das zum ständigen Weiterlesen, vielleicht abends im Bett, bestens geeignet ist.
Ich möchte gar nicht wissen wie viel Arbeit in den Buch steckt.

Fazit: Von mir gibt es trotz der minimalen Kritik 5 Punkte.