Hotel Saint George's Bay Country Club
Ein paar konkrete Erfahrungen an sieben Orten auf Korfu (Teil 2) - Hotel Saint George's Bay Country Club Hotels international

Neuester Testbericht: ... Toastbrot und einer völlig ungenießbaren Wurst aus zerstoßenen Fußnägeln und Schweine-Enddarm. Wer so was öfters ißt, der ist fürs ... mehr

Ein paar konkrete Erfahrungen an sieben Orten auf Korfu (Teil 2)
Hotel Saint George's Bay Country Club

djvon.richthofen

Name des Mitglieds: djvon.richthofen

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Hotel Saint George's Bay Country Club

Datum: 13.04.02, geändert am 14.04.02 (735 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Gegend, Strände

Nachteile: Massentourismus

Teil 1 dieses Reiseberichtes findet man bei -> Allgemeines über Korfu
->
Reisebericht Korfu (September 2000) Teil 1


N) Afionas

Ursprünglich wollen wir unsere erste Korfu-Woche in Kassiopi (gegenüber von Albanien) verbringen. Aber Bekannte warnen uns (einen Tag vor dem Abflug), Anfang September sei Kassiopi noch von Touristen völlig überlaufen.
Also fahren wir mit Bus und Taxi nach Afionas Beach. Der Taxifahrer kennt da eine preisgünstige Pension, direkt am Strand. Billig ist sie, aber ein übelriechendes Loch. Die Strandtaverne nebenan hat auch Fremdenzimmer im 1. Stock, ohne Kühlschrank und ohne Kochgelegenheit, aber neue Betten, 1a Badezimmer und einen Riesenbalkon. 8000 Drachmen (47,- DM) pro Nacht für das Doppelzimmer ist okay, nur der Lärm der Brandung ist gewöhnungsbedürftig. Aber wo bekommt man schon ein Zimmer direkt (15 m) am Wasser? Nach 2 Tagen hören wir die Wellen nicht mehr.
Afionas Beach (Italien-Seite) liegt am Nordende der großen Bucht von Agios Georgios Pagon (St. George North) und besteht aus 6,5 Häusern. Dann kommt die Zufahrtstraße zum Strand und alles südlich davon nennt sich Agios Georgios. Das ?alles? besteht aus 20-30 Gebäuden, zu 90% Hotels, Pensionen, Supermärkte, Souvenierläden, Tavernen, Bars, Reisebüros usw. So ungeplant in Wildwest-Manier gebaut, daß der ?Ort? aussieht, als hätte ein Riesenbaby seine Holzklötzchen am Strand ausgeschüttet. Der Sandstrand ist ca. 2-3 km lang, die Bergausläufer ragen links und rechts weit ins Meer hinein, das Hinterland ist ausgesprochen hügelig, man kommt sich sehr "aufgehoben" vor. Die Zahl der Pauschaltouristen hält sich in Grenzen, stattdessen gibts viele deutsche Familien mit Kind. Ab Mittag wird es am Strand etwas voller durch die Touristen mit Roller oder Mietwagen aus Sidari. Das Wasser ist sauber, ein paar Algen, relativ viel Wind. Die alteingesessenen Restaurants am Afiona-Ende sind entschieden besser als die auf der "St. George&q
uot;-Seite bei den Hotels. Die Konditorei "Scanham" am Afionas-Beach ist so grauenhaft, die muß man erlebt haben, das glaubt einem keiner! Viel schlechter kann die Notverpflegung in den Flüchtlingslagern des Sudans auch nicht sein! Der "Erdbeerkuchen" besteht aus altem Pizzaboden, dem man mit grauem Konfitüre-Ersatz dünn bestrichen hat. Nach dem alten englischen Rezept: `man nehme 1 kg Zucker und eine kleine Erdbeere´.
Afionas selber ist ein winziges Bergdörfchen 100 m höher mit tollem Panoramablick und mehreren brauchbaren Restaurants. Aber für den Weg zum Beach braucht man einen Roller oder eine sehr gute Kondition. Nach Sonnenuntergang ist in der gesamten Gegend der Hund begraben, aber das kann zur Abwechselung auch ganz nett sein. Nur die vielen Mücken nerven etwas. Die vielen Supermärkte am Strand sind sehr praktisch.
Die Wirtsleute besorgen uns einen koreanischen Kleinwagen für 9.500 Drachmen (55,- DM), der Mietwagen wird gebracht und abgeholt. Der Mini-Asiate ist viel besser als all die lahmen Fiats, die wir später immer wieder erwischen. An einem Nachmittag inspizieren wir alle Strände im Norden von Korfu im Schnelldurchgang. Peroulades gefällt uns besonders gut, Kassiopi ist nachmittags um 17.oo h ausgesprochen hübsch, Sidari ist ekelhaft und das hübsche Paleokastrisa riecht sogar ein bißchen nach Geld. Wir mieten uns ein Apartment in Peroulades-Beach.

O) Peroulades (Longas Beach)
Alle Busverbindungen auf Korfu führen über Kerkyra, zwischen den Orten muß man ein Taxi nehmen. Am Strand von Peroulades (Longas Beach) gibt es nur ein Apartmenthaus, 10.000 Drachmen (59,- DM) sind viel Geld, aber die Dame läßt nicht mit sich handeln. Die Zimmer sind neu, haben brauchbare Badezimmer, eine komplette Küche und einen Balkon mit Meerblick. Die Mücken machen einen wahnsinnig, aber die Sonnenuntergänge sind unbezahlbar schön (mir schon fast zu kitschig). Leider regnet es sich ein, vier Tage lang kein Badewetter, dabei ist der sc
hmale, lange Strand unterhalb der Klippen von Peroulades atemberaubend. Stattdessen Spaziergänge in die umliegenden Dörfchen. Ein Roller ist zwingend notwendig, da zwischen Peroulades und dem nächsten Mini-Market 4-5 km liegen.
Peroulades-Beach zieht Unmengen von Tagesausflüglern aus Sidari an. Oberhalb der Klippen gibts es zwei Tavernen. Das "Panorama" hat eine Outdoor-Bar mit einem ganz hervorragenden DJ. Absolut empfehlenswert für Leute, die Downbeat von Brazil-Drum´n Bass unterscheiden können. Der Treffpunkt der "coolen Dorfjugend".
Die Ausflüge nach Sidari sind ein Alptraum. Der berühmte "Canal D´Amour" ist ein vergammeltes Rattennest, der ganze Ort besteht aus einer langen Straße. Ein billiges Lokal neben dem anderen, alles auf die elementaren Bedürfnisse von Bewohnern britischer Hochhaus-Siedlungen abgestimmt. Das Publikum muß man gesehen haben, sonst glaubt man es nicht. Man kommt sich vor wie bei einem Wolfgang-Petri-Konzert im Werderstadion: nur Verstörte laufen durch die Gegend!
Die Kanalisation ist überfordert und überall riecht es nach Abfall und Urin. Halt Urlaub von der Stange, für unsere Freunde aus Englands Hochhauskasernen. Das Essen ist zu 100% auf englische "Geschmacksnerven" getrimmt, d.h. die Hamburger schmecken erheblich besser als hierzulande bei "Burger King". Abartig veranlagt, wie ich nun mal bin, bestelle ich mir ein echtes englisches Frühstück mit verbranntem Bauchspeck, glibberigen Spiegeleiern, einer ganzen Dose lauwarmer Kidneybohnen, pappigem Toastbrot und einer völlig ungenießbaren Wurst aus zerstoßenen Fußnägeln und Schweine-Enddarm. Wer so was öfters ißt, der ist fürs Leben gezeichnet.
Sidari ist, genauso wie alle anderen Badeorte an der Nordküste, eine reine Sommersiedlung. Freiwillig hält sich hier kein Einheimischer länger als fünf Minuten auf. Die Strände sind langweilig, das unmittelbare Hinterland platt wie Ostfriesland. Die wenigen Bauerndörfchen landeinwä
rts sind noch langweiliger, außer man interessiert sich für Ikonen. Im Landesinneren (also rauf in die Berge!) abseits der Orte, da wird die Landschaft sehr lieblich durch die vielen tollen Olivenbäume.
Wir sind die einzigen Gäste in dem Apartmenthaus in Peroulades am Longas Beach, die ganze Nacht hört man lediglich 40-50 Hunde kläffen und ab und zu heult eine Eule. Punkt fünf stimmen die örtlichen Hähne in das Nachtkonzert mit ein. Einer der dortigen Hähne befindet sich im Stimmbruch, sehr unterhaltsam.
Auf Dauer ist uns Peroulades trotz der tollen Bar, des malerischen Sonnenuntergangs und des attraktiven Strandes etwas zu monoton. Kassiopi hat uns bei einem früheren Tagesausflug ausgesprochen gut gefallen (es hat so was, wie einen echten "Dorfkern").

P) Kassiopi
Mit dem Taxi von Peroulades nach Sidari, von dort nach Kassiopi mit dem Bus, die einzige Buslinie, die nicht über Kerkyra führt. Mal wieder im guten "Three-Brothers"-Restaurant am Hafen gegessen und dann ein Apartment gesucht.
Kassiopi quillt auch im September über vor Touristen, der ursprüngliche Dorfkern ist winzig, aber ringsrum gibt es Hunderte von Pensionen, Hotels, Bars usw. Im Minutentakt werden riesige Busse voll mit Tagesausflüglern durch die schmalen Gassen gelotst. Tagsüber kommt einem das Publikum etwas seriöser vor als in Sidari, weil Unmengen von deutschen Rentnern im C. & A.-Outfit durch die Gassen marschieren. Aber abends zeigt der Ort erst sein wahres Touristen-Gesicht, rings um den Dorfplatz stehen ein Dutzend Musikbars und eine Stereoanlage überbrüllt die andere. Dazwischen Animateure, die heiteres Musikstücke-Raten per Megaphone anpreisen. Überall läuft die gleiche Musik, die Hits der 70.er und 80.er, funk- und fernseh-beworben, ?garantiert nicht im Handel erhältlich!?
Die Zimmersuche entwickelt sich problematischer als gedacht, Mitte September sind alle Apartments voll belegt. Aber die Leute sind bemüht zu helfen, man wird durchgereicht
von Nachbar zu Nachbar, von Kumpel zu Kumpel, von Verwandten zu Verwandten. Man wird gewissermaßen so stark vereinnahmt, bzw adoptiert, daß man sich bei so viel Liebenswürdigkeit gar nicht mehr zu sagen traut: "Behalte die blöde Hütte für Dich, in so was verbringe ich keine Nacht!". Aber unsere Alternativen halten sich in Grenzen, der Ort ist mit Pauschaltouristen überschwemmt. Wir nehmen ein Zimmer im Hotel "Oasis" für 10.000 Drachmen die Nacht. Jede ukrainische Jugendherberge ist komfortabler und der Discolärm in der Ortsmitte ist infernalisch. In der Umgebung von Kassiopi gibt es zwar schöne Buchten mit Kieselstrand, aber das Thema Kassiopi hat sich innerhalb weniger Stunden erledigt. Am nächsten Morgen steigen wir in den Bus nach Kerkyra und von dort gleich bis in den Süden der Insel.

Q) Petriti
Auf der Fahrt von Kassiopi nach Kerkyra kommt man auf der malerischen Küstenstraße an einem ganzen Dutzend von niedlichen Mini-Dörfchen vorbei, die alle an der extremen Steilküste kleben. Die bestehen alle aus 5 Pensionen, 5 Bauernhöfen, 1 Hotel, 1 Mini-Market, 1 Taverne, 1 Mini-Strand und einer Bushaltestelle.
Bei Pirgi hört die Steilküste auf. Jetzt führt die Straße direkt am Strand lang. Links 5 Meter Sandstrand, dann die stark befahrene Hauptstraße und rechts ein Hotel neben dem anderen. Das geht 15 km bis nach Kerkyra so. Wer hier (z.B. Ipsos) Urlaub macht, der will es nicht anders. Die Unterschiede zu Alanya, oder Gran Canaria sind minimal.
Vom Busbahnhof in Kerkyra geht es weiter in den Süden, längs der Küste. Die Gegend wird wieder bergiger, aber die Sommersiedlungen Benitses, Agios Ioannis, Moraitika sind, wie nicht anders zu erwarten, relativ unattraktiv. Bei Messongi führt die Hauptstraße ab ins Landesinnere. Im Bergdorf Argirades biegt der Bus links ab und fährt so ziemlich jeden Weiler in der Gegend an, bis man uns (ganz zum Schluß) mitten im Nirgendwo in der Nähe eines Strandes rausläßt.
Das ist Petriti, ein wi
nziges Fischerdorf mit 20 Häusern. Die Pension, die wir uns im Reiseführer ausgesucht haben, ist voll belegt, aber der Onkel hat auch Apartments mit Küche. Die älteren Herrschaften sind reizend, 7.000 Drachmen ist auch okay für das Zimmer. Ich klebe alle Fensteröffnungen mit Plastik-Fliegennetz ab, wenn man die Tür konsequent geschlossen hält, dann kann man die Mücken in Schach halten. Der Strand ist enttäuschend, 1-2 m breit und extrem "naturbelassen". Das Wasser ist superseicht und es gibt zahllose Algen. Der Strand an der gesamten Bucht von Lefkimmi ist so öde. Aber die Landschaft absolut klasse, wir besorgen uns sofort eine Vespa und klappern systematisch alle Orte und Strände im Süden ab. Nur Kavos ersparen wir uns, auch unsere Leidensfähigkeit hat Grenzen. Wenn man Kavos außen vorläßt, ist der Süden nahezu menschenleer, in Bezug auf Touristen, von einigen deutschen Lehrerehepaaren mal abgesehen.
Da die Griechenland-Seite zum Baden komplett flachfällt, müssen wir rüber zur Italien-Seite, aber mit dem Roller ist das kein Problem. In Agios Georgios (St. George South) ist richtig was los. Der Strand wirkt ziemlich breit und ist über vier km lang. Stellenweise wird der Strand sogar gepflegt, aber die Preise in den Tavernen und Supermärkten am Strand sind auch gepflegt. Der Strand von Marathias ist kleiner, die Landschaft beeindruckender, kaum Algen, kein Strandgut, tolle Brandung. Am nächsten Tag wollen wir einen Strand weiter: Agia Varvara. Die Anfahrt ist 5 km länger und holpriger, um dann hinterher am anderen Ende des Strandes von Marathias herauszukommen, ganze 100 Meter weiter südlicher, als am Vortag! Tolle Sache! Merke: überall wo ein Feldweg am Meer endet, ist automatisch "Beach"! Wenn eine Bucht sechs Zufahrtswege hat, dann hat die Bucht logischerweise sechs "Strände", natürlich mit sechs verschiedenen Namen. Siehe -> Pelekas-Beach!
Übrigens, am Strand von Gardiki ist man wirklich völlig allein, sieht aus wie eine ho
lländische Dünenlandschaft. Die Bauerndörfer im Landesinneren sind in Minuten abgehakt. Vorsicht vor der "selbsthergestellten Eiscreme" in Argyrades, das meinen die ernst! Das Zeug ist, höflich gesagt, für menschlichen Verzehr ungeeignet. Aber im "Panorama"-Restaurant (jede 2. Taverne auf Korfu heißt "Panorama", "Oasis" oder "Dionysos") in Novos und in den Fischrestaurants von Boukari ist das Essen sensationell.
Wenn es unbedingt Pauschalurlaub sein muß, dann würde ich zähneknischend Messongi empfehlen, denn die Siedlung kann man noch ertragen, trotz der vielen Hotels. Petriti ist als Standort okay, wenn man einen Roller hat, nur das Hundegebell nervt etwas.

R) Pelekas
Für die letzte Woche haben wir uns Pelekas aufgehoben. Also mit dem grünen Bus zum Busbahnhof in Kerkyra und mit dem Überlandbus nach Pelekas. Das ist ein Fehler. Wir hätten in Kerkyra mit dem Gepäck die 200 Meter bis zur blauen Busstation am Sanrocco-Platz laufen sollen. Der blaue Stadtbus fährt bis auf den Dorfplatz von Pelekas. Wer mit dem Überlandbus nach Pelekas will, wird kurz nach Glyfada mitten in der Wildnis, mehr als 4 km unterhalb von Pelekas, ausgesetzt! Zum Glück hat uns gleich ein Taxifahrer in der Mittagshitze aufgegabelt.
Die Touristen-Information in Pelekas hat Probleme uns ein Apartment zu besorgen, da die Saison bereits zu Ende ist und die meisten Apartmenthäuser schon dicht haben. Wir mieten uns mal wieder einen Fiat und suchen auf eigene Faust. Dabei schauen wir uns gleich alle Strände in der Gegend an. Ermones, Glyfada und Agios Gordis sind ziemlich laute Sommersiedlungen. Mirtiotissa hat zwar optisch den schönsten Strand weit und breit, aber soviel nacktes Schwabbelfleisch brauche ich nicht. (Warum ziehen sich eigentlich immer die Leute nackt aus, die sich das optisch gar nicht leisten können? Ich mach´ doch so was auch nicht!)
Auf Platz 2 unserer Westküsten-Hitparade landet der winzige Privatstrand von
Gialiskari. Der Strand ist trotz Nachsaison sehr gut besucht und der Besitzer des einzigen Apartmenthauses will außerdem stolze 12.000 Drachmen (71,- DM) pro Nacht.
Wir entscheiden uns für Platz Nr. 3: Pelekas-Beach. Oder genauer gesagt Kontogialos Beach, also die Zufahrt unterhalb des Dorfes Pelekas. Direkt am Strand, hinter der Snackbar finden wir eine schattige Apartmentanlage für 8.000.- Drachmen (47,- DM). Küche okay, Badezimmer so lala, keine Hunde, alle Fenster haben bereits Fliegengitter, nette, junge Wirtin.
Der Strand entpuppt sich als hervorragend: klares Wasser, keine Algen, kein Müll, tolle Brandung, genau in der Mitte sogar relativ leer, imposante Bergkulisse ringsrum, überall sattes Grün.
Lediglich der Anblick des monströsen "Pelekas Beach Hotel" auf der südlichen Seite ruiniert den Gesamteindruck. Wer sowas baut, der gehört jeden Tag einmal ausgepeitscht, geteert und gefedert. Die Hütte ist halbvoll mit deutschen Rentnern, und diese Leute bleiben gerne unter sich.
Der Strandzugang auf der Nordseite (Einfahrt oberhalb von Pelekas Richtung Glyfada) ist fahrtechnisch etwas unproblematischer, deshalb stauen sich dort manchmal die Ausflügler. In der Mitte tummeln sich außer uns fast nur Einheimische.
Die Sonnenuntergänge von Pelekas sind ein abendliches Ritual, von der Terrasse des Hotels "Levante" (Kaiser´s Thron) sind sie besonders berühmt.
Direkt am Beach gibt es 3-4 Tavernen, aber keinen Supermarkt. Also " für jedes Brot" rauf auf die 125.er Piaggio und 20 extrem steile Haarnadelkurven nach oben ins Dorf. Warum kommen einem aus Prinzip die Autos immer nur in den engsten Kurven entgegen? Runter braucht man keinen Motor, dafür aber sehr gute Bremsen.
Das Bergdorf hat 2-3 nette Café´s, 4-5 Markets und das war´s dann. Nach Sonnenuntergang ist hier im September wenig bis gar nichts los. Deshalb setzen wir uns auch fast jeden Abend auf den Roller und sind 20 Minuten später in Kerkyra am Sanroc
co-Platz.

S) Kerkyra
Der Flughafen liegt wirklich mitten in der Stadt, sozusagen im Hafenbecken und ist sehr "überschaubar". Wie gesagt, im Sommer ist der völlig überlastet. Bei der Anreise haben wir das zu spüren bekommen: 5 Stunden Flugzeit, weil wir nicht landen durften. Zwischenzeitlich wurde uns außerplanmäßig, aber kostenlos eine Stunde lang die Schönheit der Parkpiste von Thessaloniki-Airport präsentiert. Dorthin sind wir zu Auftanken geflogen, um dann anschließend noch eine Stunde unsere Runden zu drehen. Noch vor unserer Landung "kannten" wir deshalb jeden Winkel der Insel in- und auswendig!
Wer auf Korfu von Ort zu Ort unterwegs ist, der landet ständig auf dem Bahnhof für die grünen Überlandbusse, direkt neben dem Neuen Fort in der Stadtmitte. Nicht besonders hübsch, aber wer jemals Busbahnhöfe in moslemischen Ländern erleben durfte, der weiß diesen netten, griechischen ZOB zu schätzen.
Der verkehrstechnische Mittelpunkt der Stadt ist aber der Sanrocco-Platz, alle Straßen und Buslinien enden dort. Die hübsche Altstadt hat einen Durchmesser von ca. 1 km. Die quirlige Neustadt legt sich wie ein Halbkreis darum, aber der Durchmesser dieses Stadtteils ist auch nicht viel größer. An den Ausfallstraßen nach Norden, Westen und Süden sind kilometerlange Gewerbegebiete entstanden, die wie alle Industrievororte abgrundtief häßlich sind. Der Verkehr ist harmlos, lediglich in der Neustadt wird etwas gedrängelt. Die Ampeln haben reinen Empfehlungscharakter, ähnliches gilt für Helm- & Gurtpflicht.
Die Beschilderung ist uneinheitlich und die Ausfallstraßen führen teilweise durch winzige Gäßchen ohne jeden Hinweis. Nach Kerkyra rein kommt man immer, ob man will oder nicht. Nur wieder rauskommen, das ist entschieden schwieriger, weil an jeder 2. großen Kreuzung keine Wegweiser stehen. Wenn man seine dritte "Ehrenrunde" gedreht hat, dann weiß man, wo man nach Pelekas abbiegen muß.
An diesen Ausfallstraßen stehen g
roße Einkaufsmärkte, sogar ein Lidl-Markt. In der Stadt selber gibt es nur Tante-Emma-Läden. Die Haupteinkaufsstraße führt vom Sanrocco-Platz zum Alten Fort. Von 11:00 bis 15:00 ist da richtig was los, totale Hektik ist angesagt. Allerdings zwischen 15:00 und 18:00 tapern da nur Touristen rum und fragen sich, warum alle Geschäfte zu haben. Ab 18:00 machen die Läden wieder auf und dann ist es dort ausgesprochen lebendig. Lediglich am Montag- und Mittwoch-Abend bleiben fast alle Geschäfte geschlossen.
Die Altstadt ist wirklich hübsch, aber außer Touristenramsch kann man dort kaum was einkaufen. Die meisten Touristenlokale sind 2. Wahl, aber rings um den "Liston" (die Promenade am Alten Fort) ist das Niveau merklich höher. Wenn man die Guildfort Road rechts runterläuft (Richtung Flughafen), dann hören die Souvenierläden auf, die Restaurants werden schlagartig besser. Die Altstadt (speziell das ehemalige jüdische Viertel) bietet unendlich viele Fotomotive, aber leider auch in der Nachsaison viele Touristen. Die Bedienung ist in den meisten Läden trotz des Rummels bemerkenswert freundlich und versucht wirklich zu helfen, selbst wenn man nach dem Weg zur Konkurrenz fragt.
Uns fällt auf, daß viele Geschäfte jede Menge Ware unbeobachtet vor der Tür stehen haben, auch die Kioske könnte man problemlos ausräumen, anscheinend hat man noch nicht so viel schlechte Erfahrungen mit asozialen Mitbürgern gemacht! Glückliches Korfu!
Die Clubs auf dem Discostrip haben wir uns erspart, da in solchen Urlauberläden jeden Abend immer "Kindergeburtstag" gefeiert wird. Bei solcher Laufkundschaft kann auch der beste DJ der Welt keinen brauchbaren Szene-Club aufbauen. Dafür arbeite ich schon zu lange in der Branche, um da noch Illusionen zu haben.
Übrigens, wenn man nachts Roller fährt, dann ist das im September bereits eine verflucht kühle Angelegenheit.

T) Achillion (Sissi-Schloß)
Wenn man von Kerkyra aus ein paar Kilometer längs der Küste n
ach Süden fährt, in Richtung Benitses, dann kommt man nach Achillion. Die Abzweigung von der Küstenstraße führt in Serpentinen fast dreihundert Meter hoch zu dem kleinen Örtchen. 15 Häuser, 1 Hotel und 2 Cafes, das war es, wenn man sich die 40 - 50 riesigen Reisebusse wegdenkt. Da haben sich eine österreichische Kaiserin und später ein deutscher Kaiser ein prunkvolle Villa in bester Lage gegönnt. Die Villa, man nennt sie "Sissi-Schloß", wird von älteren Herrschaften förmlich überrollt. Leider kommt man nur in die Räume im Erdgeschoß, aber der Garten mit der fantastischen Aussicht ist ohnehin besser. Die Statuen dort sind recht kitschig, aber ganz niedlich. Eigentlich ist die Angelegenheit in 15 Minuten abgehandelt. Aber man sollte sich trotzdem viel Zeit mitbringen, um möglichst viele deutschsprachige Führungen durch die Räumlichkeiten mitzubekommen. Den ergriffenen Omas wird ein Schwachsinn aufgetischt, das ist unglaublich, aber für Außenstehende ist das sehr unterhaltsam. Aber man sollte nicht zu laut lachen, schließlich haben die munteren Kaffeekränzchen viel Geld dafür bezahlt, daß man ihnen mit frei erfundenen Anekdoten den Urlaub versüßt.

Epilog
Möglicherweise mißfällt mein "Genörgel" einigen professionellen Korfu-Fans, aber ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich diese Informationen auf irgendeiner Seite im Internet hätte lesen können. Und Leuten, die schimpfen und fluchen, denen glaube ich einfach mehr, wenn die dann mal bestimmte Sachen ausdrücklich loben.

Um es kurz zu machen: Korfu ist im September keine ganz billige Angelegenheit, inklusive Flug und Unterbringung haben wir zu zweit in vier Wochen ca. 7.000 DM ausgegeben, uns dabei die meiste Zeit selber verpflegt und keine Souveniers gekauft.
Aber die Landschaft ist unglaublich schön! Leider wird die Insel immer mehr "touristisiert", aber wenn man etwas sucht, dann kann man bestimmt noch ein paar Sommer lang hier tolle Ecken finden.
Unser Urteil
über Korfu fällt zu mehr als 90% positiv aus.




Teil 1 dieses Reiseberichtes findet man unter
-> Allgemeines über Korfu
-> Reisebericht Korfu (September 2000) Teil 1

ralf behrendt


Pelekas / Korfu 30.09.2000

Fazit: