Stippvisite
Hotel Mountain Lodge (Whitefish)

Name des Mitglieds: *Marnie
Produkt:
Hotel Mountain Lodge (Whitefish)
Datum: 15.09.02, geändert am 19.11.09 (89 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: die Erlebnisgaratie
Nachteile: einfach
Stippvisite
Auf unserer Rundreise durch Kenia machten wir auf der Fahrt zwischen Nairobi und dem Samburu Nationalpark eine Nacht Halt direkt am Mount Kenya, dem höchsten Berg des Landes mit über 5000 m. Und was ich da für merkwürdige, unglaubliche Erlebnisse hatte, will ich Euch nun nicht vorenthalten, damit ihr einfach mal Euren Koffer packt und Euch das Ganze selbst anseht.
Anfahrt
Von Nairobi aus fährt man, parallel zum Rift Valley, über Thika in Richtung Nanyuki. Es ist eine Hauptverkehrsader Kenias und deshalb gut befahrbar. Wobei "gut" in Kenia ein relatives Wort ist. Zumindest ist sie asphaltiert. Direkt in Nyeri biegt ihr rechts ab, zum Mount Kenya Nationalpark.
Die Vegetation ändert sich schlagartig in ein sattes Grün. Dschungelartig, fast wie im Regenwald, grenzen die Palmen und Büsche an den Straßenrand. Fünf Meter neben der Fahrbahn sehen wir einen Elefantenrücken durch die Bäume blitzen. In zahlreichen Serpentinen hangeln wir uns den Berg immer höher. Je höher wir kamen umso kühler wurde es. Die Bergdörfer, die wir befahren sind in heller Aufruhr und Kinder rennen zum Straßenrand, um uns zuzuwinken. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie soviele freundliche, lachende Gesichter auf einmal gesehen.
Lage
Die Mountain Lodge ist ausgeschildert, taucht aber völlig unvermittelt auf. Sie gleicht einer riesengroßen Holzhütte, ein Bretterverschlag, so daß wir schon "oh Gott" dachten. Aber schließlich hat alles im Leben einen tieferen Sinn, somit auch die Beschaffenheit unserer Herberge. Auf dem Weg zur Rezeption/Lobby sahen wir direkt hinter der Lodge den zerklüfteten, schneebedeckten Gipfel des Mount Kenia mit einem Wolkenkranz umgeben. Eine wahrhaftige Entschädigung für das Äussere der Lodge.
Zimmer
Als wir endlich die wackelige Holztür aufschlossen und ins Zimmer traten, hatten wir den Blick frei-durch das große Panorama-Fenster des Zimmers. A la Hemingway s
etzen wir uns sofort in die davor stehenden Leder-Sessel und schauten auf ein schlammiges Wasserloch. Ein Tümpel, um den sich einige Thompson-Gazellen und Wasserböcke tummelten.
Den Rest des Zimmers haben wir sofort besichtigt und stellten fest, dass es klein, aber fein war. Ein Flüstern aus dem Nebenzimmer ließ uns aufhorchen. Ganz schön hellhörig hier!
Diese Hellhörigkeit gab den Anschein, als ob man direkt in der freien Natur stand und nicht in einem Hotelzimmer. Überall in der gesamten Lodge hinten jedoch genau aus diesem Grund große Schilder, die zur absoluten Ruhe aufforderten. Warum das Ganze? Damit die Tiere sich auch tatsächlich an dieses Wasserloch trauen.
Was innerhalb des Hotel so hellhörig war, war es natürlich auch ausserhalb. Geräusche gehen raus und kommen selbstverständlich auch rein.
Ich träumte schon davon, mit Affengeschrei und Elefantentröten in den Schlaf gewiegt zu werden. Es war wirklich wie im Zelt.
Mahlzeiten
Wie in fast allen Lodges Kenias war das Essen eine Wucht. Mittags und abends ein sechs-Gänge-Menü, serviert wir überaus hilfsbereitem und freundlichem Personal. Salatbuffets und Dessertplatten erleichtern da nicht gerade die Auswahl. Doch hier in dieser Lodge war das Essen zweitrangig, wir haben schnell gespeist, um auf die Hotelterrasse zu kommen.
Das Besondere
Diese Terrasse betraten wir mit Fernglas bewaffnet und einer Tasse Erdbeertee in der Hand. Tee und Kaffee gibt es übrigens rund um die Uhr gratis. Wir nahmen Platz in den bereit gestellten Sesseln und beobachteten das Treiben am Wasserloch.
Nachdem langsam die Dunkelheit aufzog., wurde es auch lebhafter. Es gesellten sich zahlreiche Wasservögel, Hyänen, Kaffernbüffel und jede Menge Gazellen dazu. Gegen 21.00 Uhr tauchte plötzlich Jackson neben mir auf. Jackson war der Nachtportier und fragte mich, was wir gerne für einen Wake-Up-Call hätten, und was er genau auf die Liste eintragen sollte. Was? Wec
ken? Das macht mein Handy.
Aber er lächelte nur und nahm mich mit an die Bar hinter der Terrasse. Dort hing ein großes Plakat, dass alle Tiere zeigt, die sich hier im Laufe der Nacht so tummeln. Sein Angebot war nun, uns zu wecken, wenn zum Beispiel das heißgeliebte Nashorn vorbeikam. Er würde einmal klopfen und wir würden somit nichts verpassen und könnten uns also ruhig hinlegen.
Ah, ich verstand. Wow, was für ein Service! Aber wir gingen erst mal wieder zurück, denn ins Bett wollte so schnell keiner. Jackson flüsterte neben mit, wenn er etwas aufregendes sah. Ich frage mich noch heute, ob Kenianer einfach Adleraugen haben. Man könnte sagen, sie wissen ja, wonach sie suchen sollen, aber ehrlich, können wir die Aufschrift einer S-Bahn oder eines Busses auf 300 m Entfernung lesen? Eben!
Im Laufe des Abends hat ein Rudel Hyänen eine Entenfamilie räuberisch verkleinert, ein Nashorn hat sie aufgescheucht und vertreiben, ein Marabou hat seelenruhig auf dem Rücken des Kaffernbüffels geschlafen und die Geräusche standen denen in "Daktari" in nichts nach.
Im Zimmer zurück machten wir kein Licht, denn wir wollten nicht, dass es die Tiere aufscheuchte. Doch beim Zurückschlagen der Decke sah ich etwas dunkles in meinem Bett. Ich war mutig und griff danach und - lachte aus vollem Halse. Bei meiner Lautstärke waren nun alle Tiere weg, aber dennoch - im Bett lag eine Wärmflasche! Nein, ich berichte hier nicht vom letzten Winterurlaub, sondern von Afrika. Bei 12 Grad meinten unsere Gastgeber, uns ein wenig Wärme geben zu müssen. Und genau das haben sie auch getan, nicht jedoch allein durch die Wärmflasche. Es war ein tolles Erlebnis dort zu sein.
Ausblick
Fährt man dann am nächsten Tag weiter, kann man in Richtung Nakuru fahren - zu den großen Flamingo-Seen oder aber nach Nanyuki und dort von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel der Erde hüpfen. Hier ist der Äquator, wo man noch einmal eindruck
svoll präsentiert bekommt, dass das Wasser eben doch andersherum fließt, wenn man die "Linie" überschreitet.
Fazit
Also gut, wer es immer noch nicht weiß: Unübertrefflich, nicht vom Komfort oder der Ausstattung, aber wegen des Erlebnisses! Eine Nacht sollte jedoch reichen, da man ja nur wenig sprechen darf und das Flüstern nervt dann irgendwann. Aber als Stop-Over ein absolutes Muß! Um einen Eindruck zu bekommen, schaut mal hier http://www.davidanderson.com/accommodations/acc_mt _lodge.html
Gute Reise,
*Marnie
P.S. ans dooyoo-Team: Das hier abgebildete Foto zeigt den Pool der Mara Serena Lodge in der Massai Mara im Süden des Landes.
Fazit: herrlich!
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