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Bis in die letzte Ecke massgeschneidert
Hotel Piz Linard (Lavin)

Name des Mitglieds: Coopolino79
Produkt:
Hotel Piz Linard (Lavin)
Datum: 27.01.09
Bewertung:
Vorteile: siehe Bericht
Nachteile: siehe Bericht
Beim Umbau des Gebäudes werden Preziosen wie alte Schablonenmalereien oder imposante Dachstühle aufgedeckt, die eine spannende Ausgangslage für zeitgenössische architecktonische Interventionen bieten.
Lavin ist kein typisches Engadiner Dorf. Die engen Gassen, die wuchtugen Mauern und die mit Sgraffiti verzierten Fassaden fehlen. Anstatt Schellen- Ursli- Stimmung herrscht hier italianita. Denn 1869 brannte das Dorf vollständig nieder, und Baumeister aus Norditalien planten und bauten Lavin in ihrer Manier von Grund auf neu mit flachen und unterlüfteten Dächern, mit weiteren Gassen und Plätzen sowie grösseren Fenstern als im Unterengadin üblich. Zweckmässig, aber fremd reiht sich das Dorf seit dem Wiederaufbau zwischen seine pittoresken Nachbarn.
Die Andersartigkeit hat das 200 Seelen Dorf vor übermässigem Tourismus verschont. Auch heute bieten nur zwei Hotels Feriengästen ein Dach über dem Kopf. Eines davon ist das Hotel Piz Linard an der Plazza Gronda mit beeindruckender rosa Fassade, die an einen herrschaftlichen Palazzo erinnert. Dieser Hausteil wurde nach dem Brand westlich an die Ruinen eines Bauernhauses gebaut. So besteht das Hotel heute aus einen zusammengewachsenen Ensemble, dessen Innenleben immer wieder verändert wurde- die verschiedenen Raumhöhen und Bodenniveaus erinnern daran.
Geführt wird das Hotel "Piz Linard" seit einem Jahr von Hans und Gaby Schmid. Die neuen Besitzer wollen das Hotel architektonisch, kulturell und kulinarisch wieder zu neuer Blüte bringen. Erste Schritte haben sie bereits unternommen, so auch die erste Etappe eines umfangreichen Umbaus, der das Hotel von den vielen Einbauten der letzten Jahrzehnte befreit hat. Die zweite Etappe beginnt nach der Wintersaison und soll im Sommer 2009 beendet sein.
Bereits heute bietet die altehrenwürdige Bleibe zwölf neue Zimmer, davon zwei Suiten, die sich in den Ecken des palazzoartigen Anbaus befinden. Zuletzt werden es zwanzig Zimmer sein, die sich je nach Lage im Ensemble in Grösse und Ausstattung unterscheiden. Die vier grosszügige n Palazzo-Suiten zum Beispiel tragen die Handschrift verschiedener Künstlerteams.
Im Dach der ehemaligen Pferderemise und oberhalb der heutigen Küche ist ein Raum im Raum vorgesehen. Damit das beeindruckende alte Gebälk sichtbar bleibt und nicht hinter dicken Isolationsschichten verschwindet und der Gast sich dennoch in ein warmes Nest zurückziehen kann, haben der Hotelier Hans Schmid und der zuständige Architekt Michael von Arx aus Basel diese ungewöhnliche Lösung ersonnen. Je nach Temperatur können die Gäste ihren Aufenthaltsort um eine unbeheizte Schicht erweitern. Doch das ist Zukunftsmusik- genauso wie die geplante Usteria im Parterre. Realisiert sind nebst den zwölf Zimmern auch zwei Speiseräume, die wieder im einstigen Glanz erstrahlen, und die neu eingebaute Küche, die kulinarische Höhenföüge erlaubt.
Dem Hotel haftet zurzeit noch Pionierstimmung an, da sich sanierte und unsanierte Substanz durchmischen. Jenachdem, wohin einen der Gang durchs Haus führt, ändert dich der Ausbau von einfach bis gehoben. Man merkt sofort: Hier kann nicht nach Standard vorgegangen werden, da jede Ecke eine massgeschneiderte Lösung braucht. Dies ist zwar aufwändig und kostspielig, ergibt zuletzt aber ein Haus voller Überraschungen.
Spannend am Projekt ist auch seine Finazierung: Im Oktober 2007 gründeten die Schmids zusammen mit etwa 200 Aktionören die Hotel Piz Linard AG, um genug Startkapital zu generieren. Dieses, ein Zustupf der Schweizer Berghilfe sowie diverse Kredite genügten für den Anfang, aber nicht für den zweiten Teil des Umbaus. Deshalb machten sich die Hoteliers nochmals mittels weiteren Aktienverkäufe erfolgreich auf Geldsuche.
Steht das "Piz Linard" auch nicht in einem Kurort, sind Skigebiete wie Scoul oder Klosters dank der Rhätischen Bahn in 15 oder 20 Minuten erreichbar. Und auf die müden Gäste wartet dann das rosa Hotel in Lavon mit italienischer Grandezza, Ruge und Gelassenheit.
Fazit: Einen Besuch wert
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