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Luxus im Nationalmonument (Update für antjeeule)
Hotel Fosters Manor Ostrich Feather Palace (Oudtshoorn)

Name des Mitglieds: Lantermann
Produkt:
Hotel Fosters Manor Ostrich Feather Palace (Oudtshoorn)
Datum: 29.07.01, geändert am 14.01.02 (207 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: eindrucksvolles Ambiente, riesige Zimmer, fantastisches Frühstück
Nachteile: nicht billig
Oudtshoorn: Die Spur führt zum Moulin Rouge
Oder: was man aus einer Anfängermeinung machen kann
Zu unserer Rundreise durch die Kap-Provinz im April 2001 gehörte auch ein Besuch der wüstenähnlichen Kleinen Karoo, des internationalen Zentrums der Straußenzucht. 97 Prozent der in aller Welt gezüchteten Strauße leben und sterben hier. Wir besuchten eine Schaufarm und lernten dort das Straußenpaar Susan und Jack the Ripper kennen, die sich anders als ihre meisten Artgenossen für Monogamie entschieden haben. (Ich kann Susan verstehen, Jack ist wirklich attraktiv und balzte in unserer Anwesenheit wie ein jung Verliebter. Susan kam mir übrigens auch ziemlich weiblich vor: Sie liebt Glitzerzeug über alles.)
Am Abend fanden wir dann in dem etwa 45.000 Einwohner zählenden nicht gerade aufregenden Städtchen Oudtshoorn ein ganz besonderes Gästehaus, wo wir uns ins das Leben vor einem Jahrhundert zurückversetzt fühlten und wo wir vor dem Einschlafen von Pariser Tanzgirls und brasilianischen Sambamädchen träumen konnten.
Hintergrund: Von den Straußenfederbaronen und ihren Palästen
Nun fragt Ihr mich, was ein staubiges südafrikanisches Wüstenkaff mit dem Moulin Rouge oder dem Karneval in Rio zu tun hat. Die Antwort auf diese Frage geben Dir die Strauße, die bis zu 2,60 Meter großen Laufvögel, die - abgesehen von Zoos - nur noch im südlichen Afrika leben. Aus ihren besondern anschmiegsamen Schmuckfedern an Schwanz und Flügeln wurden und werden Boas gemacht, schalähnliche Accessoires, mit denen sich noch heute verführerische Damen in Pariser Cabaréts ebenso schmücken wie die Schönen von den Sambaschulen Brasiliens. Vor mehr als 100 Jahren waren noch alle Damen der Gesellschaft in Europa und Amerika ganz scharf auf diese Federn, die damals fast so teuer wie Gold gehandelt wurden.
Da in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der wachsenden Nachfrage nach den schmucken Federn die wild lebenden Vögel von der Ausrottung bedr
oht waren, verlegten sich findige Farmer in der Kleinen Karoo auf die Züchtung der Tiere. Das war eine blendende Geschäftsidee: Um 1900 wurden aus Südafrika jährlich 370.000 Tonnen Federn ausgeführt. Die Züchter, die Händler und viele andere wurden schnell reich und mussten das ihren Mitmenschen auch zeigen. Und so ließen sie sich von renommierten Architekten prunkvolle Villen errichten. Da war alles vom Feinsten -Edelhölzer, Marmor, aufwändige Installationen. Vieles wurde importiert. Geld spielte keine Rolle, auf Geschmack wurde weniger Wert gelegt.
Doch die Prachtentfaltung der Straußenfederbarone, wie diese neureichen Protze genannt wurden, ging ziemlich rasch zu Ende, als nach dem Ersten Weltkrieg die Damen in Europa und Amerika ihre Korsetts weg warfen, in kniefreie Kleider schlüpften und sich Bubikopffrisuren schneiden ließen. Boas waren nicht mehr angesagt, und die Federbarone gingen reihenweise pleite. Ihre Häuser wurden versteigert, etliche Gebäude kamen herunter.
Inzwischen haben sich die Straußenzüchter, die die Krise überlebten, wirtschaftlich erholt. Nicht die Federn, aber das Fleisch der Strauße erlebt eine Hochkonjunktur, weil die durch BSE verunsicherten Verbraucher in Europa immer häufiger auf diese Alternative ausweichen. (Kann ich nur empfehlen. Straußenfleisch schmeckt wie zartes Rindfleisch, und ist fett- und cholesterinarm.)
Zeuge von Aufstieg und Niedergang: Foster's Folly
Das Guest House "Foster's Manor" in Oudtshoorn ist heute der einzige der in Südafrika noch erhaltenen Straußenfederpaläste, in denen Gäste aufgenommen werden. James Alexander Foster, ein Anwalt, der von dem Federboom profitiert hatte, ließ es im Jahre 1902 bauen. Er beauftragte Charles Bullock, einen gerade sehr populären, aus England eingewanderten Architekten, mit dem zweigeschossigen Neubau im Tudor-Stil. Der verwendete für die untere Etage den damals sehr beliebten Sandstein, für das obere Stockwerk benutzte er Zie
gel. Die Innenwände wurden mit Teakholz vertäfelt. Die farbigen Fenster- und Türscheiben trugen die Lilie der Bourbonen. Ausschließlich zu Dekorzwecken wurden falsche Hausgiebel und Zimmerdecken aus Pappmaché konstruiert. 20 Zimmer umfasste das Gebäude, so dass - wie damals gemunkelt wurde - sowohl Ehefrau und Geliebte des Hausherrn standesgemäß unterkamen. Auch für ein weiteres Hobby Fosters war Platz genug. Im Keller lagerte er ein umfangreiches Sortiment an Wein und Spirituosen ein.
Foster nannte sein Herrenhaus "Rus in Urbe" (Landsitz in der Stadt), doch seine missgünstigen Nachbarn sprachen nur von "Foster's Folly" (Fosters Narretei). Trotz der Neider machte der Hausherr eine politische Karriere und wurde Mitglied des Parlaments der Kap-Provinz. Doch er drehte ein zu großes Rad, mit Beginn des Weltkrieges brach die Nachfrage nach Straußenfedern ein, und Foster musste 1914 seinen Bankrott erklären. Angeblich hat er sich eine Zeit lang in seinem Weinkeller vor seinen Gläubigern versteckt (nicht der schlechteste Platz dafür). Später soll er seinen eigenen Tod vorgetäuscht und seiner eigenen Beerdigung verkleidet beigewohnt haben.
Sein Haus diente anschließend erst als Institut für Lehrerbildung, dann lange Jahre als Wohnheim für die Schülerinnen einer Handelsschule. 1972 zogen die letzten Mieter aus, und das Gebäude verfiel. Die Rettung brachte seine Ernennung zum Nationalmonument und in den 90er Jahren seine Umwandlung zum Gästehaus.
Das Gästehaus Foster's Manor heute
Wir waren spät dran, hatten mittags noch in der Oyster Company in Knysna (sprich: Neisna) Austern geschlemmt und mussten uns deshalb beeilen, damit wir um 16.00 Uhr die letzte Führung in der Safari Show Farm erreichten (empfehlenswert). Anschließend waren wir im Supermarkt, um uns für das de Hoop Nature Reserve einzudecken, wo man nichts zu essen kaufen kann. (Sehr empfehlenswert. Dazu kann ich auf die ausgezeichnete Meinung von Tar
as verweisen.) Also kamen wir ziemlich spät an Foster's Manor an, das vom Reiseführer (Heidrun Brockmann/Dirk Kruse-Etzbach: Kapstadt und Garden Route) empfohlen worden war. Eigentlich überstieg der Preis für Übernachtung und Frühstück für drei Personen (670 Rand, 97 Euro) unser Limit. Doch ein Rundgang durchs Haus und die Besichtigung des Zimmers (besser: der Suite) überzeugten erst mich, dann auch mein sparsames Weib.
Das in neuem Glanz erstrahlende Gebäude ist von einem mit alten Bäumen bewachsenen großen Garten umgeben, wo man auch sein Auto abstellen kann. Die weiß verputzten Außenwände der zweiten Etage mit den künstlichen Giebeln sind durch rotes Fachwerk geprägt. Ein langer Balkon mit schmiedeeiserner Brüstung verbindet einige der acht Gemächer, die liebevoll renoviert sind und an Gäste vermietet werden. Bei schönem Wetter kann man auf der Terrasse und auch im Garten sitzen.
Die netten Mädels am Empfang stellen einem gern Material über die Geschichte des Hauses und seines ersten Besitzers zur Verfügung. Sie führen uns nach dem Eintrag ins Gästebuch erst einmal durch die mit Edelholz getäfelten Räume mit den antiken Möbeln im Parterregeschoss, in denen eine Bibliothek, eine kleine Bar und ihr Büro untergebracht sind. In der Diele mit dem Empfang begrüßt uns ein ausgestopftes Wildschwein. Über einen eindrucksvollen Orientteppich und eine ebenso imponierende Teakholztreppe schreiten wir nach oben zu unserer Suite. (Wundert Euch nicht über meine gestelzte Ausdrucksweise, in so einem Haus kann man nicht einfach gehen, man muss schreiten.)
Die Gemächer: Orientteppiche und eine frei stehende Wanne
Wir werden durch einen Vorraum in unsere Suite geführt. Anders kann man das riesige, sehr helle Wohn/Schlafzimmer nicht bezeichnen. Es bietet zwei sehr breite Doppelbetten mit jeweils zwei Nachttischen. Der geblümte Bettbezug und die Vorhänge im selben Design treffen zwar nicht genau meinen Geschmack, doch hier passen sie hin.
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Der Wohnbereich zeichnet sich durch einen Kamin, eine bequeme Sitzgarnitur mit grün-weißen Bezügen, eine dunkle Truhe und einen edlen Schreibtisch aus. Auf einem Tischchen vor dem offenen Kamin finden wir einen Wasserkocher zum Bereiten eines Early Morning Teas. Der Fußboden aus glänzenden Yellow-Wood-Bohlen ist mit einem großen Orientteppich und Bettvorlegern ausgestattet.
Und dann das altmodische Bad. Die freistehende Wanne hat geschwungene Füße. Toilette und Waschbecken hingegen sind ganz modern. Die hundert Jahre alte Toilette mit einem Fayence-Klobecken ist leider nicht zu benutzen. Sie dient nur der Show.
Das Frühstück: Wie bei den Straußenfederbaronen
Foster's Manor bietet nur "Bed & Breakfast" an - nach unseren Erfahrungen die beste Möglichkeit, in Südafrika luxuriös und trotzdem nicht so teuer zu übernachten. Das heißt: Am Abend gibt es hier nichts zu essen, aber Restaurants sind nicht weit. Wir nehmen zum Abendessen passenderweise Salat mit Straußenfleisch und einen Weißwein aus der Region.
Als wir zurückkommen, wienert ein Mann an unserem Auto. Er ist der Typ, der das Gelände bewacht und auch unser Gepäck nach oben gebracht hatte - erstaunlicherweise ein Weißer. Denn mit solchen Arbeiten werden hier üblicherweise Schwarze oder Coloured People betraut. Da ich nur einen Zehnrandschein an Kleingeld dabei hatte, gab ich ihm den fürs Autowaschen. Schlechten Gewissens, denn ich dachte, das sei zu wenig. Aber die Mädchen am Empfang beruhigten mich, das sei in Ordnung.
Das Frühstücksbüffet am nächsten Morgen kann bei den Federbaronen nicht besser gewesen sein: Obst, verschiedene Joghurts, Cornflakes, Schinken, Wurst, Käse. Aus der Sektflasche im Kühler kann man sich bedienen. Zusätzlich werden frische Omelettes angeboten, und zwar nach dem individuellen Geschmack des Gastes zubereitet.
Fotos von dem Gästehaus mit Geschichte könnt Ihr betrachten unter:
http://www.fostersmanor
.co.za
(Foster's Manor, Ostrich Feather Palace, National Monument, Stefaan & Ellen Verlinde, 52 Voortrecker Road, 6625 Oudtshoorn ,South Africa, Tel.: +27 (0) 44279-2677, Fax: -2678, Mail: info@fostersmanor.co.za)
(Dieses Update widme ich antjeeule. Antje gab mir die Anregung, meine erste Dooyoo-Meinung, die zu Recht nur mit hilfreich bewertet worden war, zu überarbeiten. Ich hatte damals noch gedacht, es gehe bei solch einer Plattform um eine kurze knappe Produktinformation. Ich betrachte die Urfassung als wertvolle Erinnerung an meine ersten Gehversuche bei Dooyoo. Und deshalb füge ich sie zu Eurer Erheiterung und zur Ermutigung von Anfängern an.)
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Im April 2001 übernachteten wir in Oudtshoorn im Guest House "Foster's Folly", das 1902 während des Straußenfederbooms von einem Anwalt, James Alexander Foster, gebaut wurde, der von dem Boom profitierte und später eine politische Laufbahn einschlug. Als er wie viele seiner Mandaten Bankrott machte, soll er seinen Tod vorgetäuscht und seiner eigenen Beerdigung verkleidet beigewohnt haben.
Das eindrucksvolle Gebäude ist heute ein offizielles Nationalmonument.
Ein Zimmer - oder besser eine Zimmerflucht - für drei Personen kostet immerhin 670 Rand (ca. 190 Mark, 97 Euro). Aber das riesige Schlafzimmer und das altmodische Bad mit der Wanne auf geschwungenen Füßen überzeugen. Die Schautoilette aus der Zeit um die Jahrhundertwende mit einem bunten Fayence-Klobecken ist leider nicht zu benutzen. Wäre aber wohl nicht sehr bequem.
Das Frühstücksbüffet ist großartig: Obst, verschiedene Joghurts, Cornflakes, Schinken, Wurst, Käse, Sekt. Zusätzlich werden Eier angeboten, die nach Wunsch zubereitet werden. Aber die sind nicht zu schaffen.
Am Empfang sind Einzelheiten der Geschichte des Hauses und seines ersten Besitzers zu erfahren. Der Aufenthalt beginnt mit einer kleinen Führung durch die Räume.
Nachts wird das Auto gewaschen, ein Trinkgeld von 10 Rand ist dafür der Lohn.
(Foster's Manor, Ostrich Feather Palace, National Monument, Stefaan & Ellen Verlinde, 52 Voortrecker Road, 6625 Oudtshoorn ,South Africa, Tel.: +27 (0) 44279-2677, Fax: -2678, info@fostersmanor.co.za, www.fostersmanor.co.za)
Fazit:
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