Hotel Florida (Lissabon)
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Schau mir in die Augen, Kleines!
Hotel Florida (Lissabon)

Mr_Andrew

Name des Mitglieds: Mr_Andrew

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Hotel Florida (Lissabon)

Datum: 19.04.11, geändert am 16.04.12 (144 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Perfekte Lage, aussichtsreicher Frühstücksraum, großzügige Zimmer.

Nachteile: Recht hellhörig. Manchmal müffelndes Bad.

Ein Blick auf meine Veröffentlichungen der letzten Zeit im Grünland bestätigte meinen vagen Anfangsverdacht: Schon lange keine Berichte mehr veröffentlicht, die meinen schwer erkämpften Ruf als Reiseleiter rechtfertigen könnten. Damit hier keiner auf den Gedanken kommt, Reisen lohnt sich nicht mehr und Mr. Andrew hockt nur noch bräsig zu Hause rum, habe ich mich doch umgehend aus meiner etwas lethargischen Frühjahrsmüdigkeit gerissen und kurzentschlossen einen Flug nach Lissabon gebucht. Und das alles nur, damit ich endlich wieder etwas Material für ein paar Berichte sammeln kann

Hier nun also quasi als Appetizer der obligatorische Erfahrungsbericht zu unserer - so viel sei vorweggenommen - durchweg empfehlenswerten Unterkunft.

_/ _/ _/ LAGE & ANFAHRT

Das Hotel Florida liegt in unmittelbarer Nähe zu einem der bekanntesten Plätze Lissabons, dem Praca Marques de Pombal. Dabei handelt es sich um einen imposanten kreisförmigen Platz, in dessen Mitte sich die Statue des Markgrafen von Pombal, dem Stadterneuerer von Lissabon, inmitten eines ebenso imposanten Kreisverkehrs befindet. Mit anderen Worten, es handelt sich um einen Verkehrsknotenpunkt der portugiesischen Hauptstadt und ist damit zumindest mit dem öffentlichen Nahverkehr wirklich leicht zu erreichen.

Da Lissabon von Deutschland aus betrachtet nicht wirklich "um die Ecke" liegt, ist die Anreise mit dem Flugzeug ratsam. Wir nutzten die Billigfluglinie EasyJet ab Berlin-Schönefeld, die für eine Städtereise ideale Flugzeiten (ganz früh hin, ganz spät wieder zurück) und wirklich humane Preise bietet. Der internationale Flughafen Lissabon-Portela liegt nur 6 km nördlich vom Zentrum und garantiert daher schon beim Anflug spektakuläre Ausblicke. Ob die Bewohner die regelmäßig knapp über ihre Köpfe einschwebenden Jumbo-Jets nun besonders sexy finden, sei einmal dahingestellt, für uns Touristen überwiegen jedenfalls die Vorteile.

Es gibt eine Shuttle Bus direkt vom Flughafen in die Innenstadt und zurück. Er heißt AeroBus (Linie 91) und benötigt für die einfache Strecke etwa 25 min. Die Haltestelle ist direkt vor dem Ankunftsterminal. Er hält unterwegs zwar nur an einigen wenigen Haltestellen, aber erfreulicherweise gehört auch der Praca Marques de Pombal dazu, was die Anfahrt zum Hotel Florida für Flugreisende besonders komfortabel macht. Die 3 Euro pro Person sind übrigens gut angelegtes Geld, da das Ticket gleichzeitig als Tagesticket (!) für den Nahverkehr (außer Metro) gilt. Wer den alle 20 Minuten verkehrenden AeroBus verpasst, kann auch die regulären Stadtbuslinien (5, 22, 44, 45 oder 83) nutzen.

Von der jeweiligen Bushaltestelle sind es dann nur noch wenige Schritte bis ins in einer ruhigen Nebenstraße (Rua Duque de Palmela 34) gelegene Hotel Florida. Ein Taxi kann man sich also sehr gut sparen.

_/ _/ _/ UMGEBUNG

Die Lage des Hotels erwies sich für einen Stadturlaub als strategisch äußerst wertvoll. Neben unzähligen Buslinien, die den Praca Marques de Pombal tangieren, machen hier auch zwei von vier U-Bahnlinien Station (blaue & gelbe = Linha Azul bzw. Linha Amarela). Zu den Ausflugszielen innerhalb der Stadt gelangt man mit dem Nahverkehr also in jedem Fall schnell, bequem und stressfrei.

Wer auf das verlockende, aber faulheitsfördernde Angebot des Nahverkehrs verzichten will, kann Lissabon auch per pedes direkt vom Hotel aus erobern: Auf der Avenida da Liberdade schlendert man auf einer am Vorbild der Pariser Avenue des Champs-Élysées orientierte Prachtstraße in einer gemütlichen Viertelstunde unter Platanen und Palmen, vorbei an eleganten Geschäften bis zur Innenstadt.

Die verkehrsgünstige Lage erkauft man sich mit etlichen ziemlich rege bis stark befahrenen Hauptverkehrsstraße, die auf dem Kreisverkehr des Praca Marques de Pombal zusammentreffen. Allerdings zeigen keine Zimmer des Hotels direkt in diese Richtung und sind zudem mit guten Schallschutzfenstern gesegnet, so dass dies im Normalfall kaum eine Beeinträchtigung darstellen dürfte.

Auch der größte innerstädtische Park der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, der Parque Eduardo VII beginnt quasi direkt vor der Haustür des Hotels Florida. Er wirkt optisch wie eine "grüne Verlängerung" der Avenida da Liberdade und schließt direkt an den von mir nun schon so oft genannten Marques de Pombal-Platz an. Da er ziemlich steil ansteigt, bietet sich von seinem nördlichen Ende aus eine überwältigende Sichtbeziehung über den grünen Park = Pombal-Denkmal = Prachtstraße = Innenstadt bis zum Tejo (=längster Fluss der Iberischen Halbinsel). Ein Beweisfoto kann sich der interessierte Leser in der kleinen Fotogalerie (siehe Fazit) anschauen.

_/ _/ _/ AUSSTATTUNG

Das Hotel Florida firmiert unter der Bezeichnung Designhotel und bietet insgesamt 72 Doppelzimmer auf 9 Etagen.

Wann genau die letzte Renovierung stattfand, ist mir nicht bekannt, aber es kann noch nicht allzu lange her sein, denn das Interieur ist zwar im Stil der 70er Jahre gehalten, aber durchweg neu, sauber und unbeschädigt. Kein Versehen, sondern pure Absicht ist der nostalgische Look der Einrichtung. Merkwürdige weiße Plastestühle nebst ebensolchen Rundtischchen, geschliffenen Holzböden, Nachttischlampen mit rotem Schirm, Gardinen im Retrolook etc. sind vielleicht nicht jedermanns Sache, dienen aber dem Zweck, dem Flair eines Kinos aus dessen Blütezeit nahezukommen.

Um das Cinema-Ambiente auf die Spitze zu treiben, hat jedes der Hotelzimmer den Namen einer berühmten Hollywood-Größe verpasst bekommen. Wir wohnten übrigens im DZ Jack Nickolson direkt neben Harrison Ford (der mir persönlich mehr zugesagt hätte, aber man kann ja nicht alles haben). Die einzige Reminiszenz an den jeweiligen Schauspieler im Zimmer selbst sind dann allerdings jeweils zwei großformatige Kinoplakate von Filmen mit dem entsprechenden Actor in der Hauptrolle. Eine wirklich hübsche Idee, wie ich finde.

Die Gänge sind mit bekannten Zitaten aus Kultfilmen versehen, im Foyer sorgt ein großer Strahler vom Filmset für die Beleuchtung und an diversen Stellen gibt es kleine weitere Bezüge auf das große Thema Kino: kleinere Sammlungen von Requisiten oder Vorstellung der berühmten ehemaligen Kinotheater von Lissabon. Der besondere Clou für mich war aber diesbezüglich definitiv der Fahrstuhl: Öffnen sich die Türen steht da in Lebensgröße Humphrey Bogart in gewohnt lässiger Haltung mit seiner Zigarette. Aufgrund des realistischen Schattenwurfs auf dem Foto sieht das auf den ersten Blick absolut "echt" aus und man schreckt erst mal unwillkürlich zurück. Genial! Dasselbe gibt es im linken Elevator auch in der Frauenvariante. Die Diva dort konnte ich zwar nicht zweifelsfrei identifizieren, aber es wird sich möglicherweise um Ingrid Bergman gehandelt haben, Bogarts Filmpartnerin im Kultstreifen "Casablanca".

>>> Zimmer

Sehr angenehm empfand ich die großzügige Zimmergröße. Im Hotel Florida muss niemand den Bauch einziehen, um sich aneinander vorbei zu schlängeln. Direktwahltelefon, W-LAN Internetzugang, Mietsafe, Sat-TV, Minibar, Tee- und Kaffeekocher sowie Klimaanlage vervollständigen die Einrichtung. Als richtig bequem entpuppten sich übrigens die Betten. Eingedenk manch leidvoller Erfahrung gerade in südlichen Gefilden eine positive Überraschung.

Das Zimmer selbst war wie gesagt sehr sauber und ordentlich. Vom Fenster unseres Zimmers im vierten Stock hatten wir einen unspektakulären Blick auf die Häuser auf der anderen Straßenseite. Die Klimaanlage Ende März noch nicht, ein offenes Fenster genügte voll und ganz. Fast unnötig zu erwähnen, dass es sich ausschließlich um Nichtraucherzimmer handelt und alles frisch riecht.

Fernsehtechnisch hat man - sofern man das dringende Bedürfnis verspürt - die Qual der Wahl zwischen einer Handvoll portugiesischer und einiger weniger französisch-, spanisch- und englischsprachiger Sender. Wer es braucht, bitteschön, ich halte Fernsehgucken im Urlaub eh für eine der dümmstmöglichen Zeitverschwendungen. Die fehlenden deutschsprachigen Alternativen setzten die Hemmschwelle zusätzlich etwas höher.

So gut die Fenster schallisoliert sind (im geschlossenen Zustand hörte man keinerlei Straßenverkehrsgeräusche mehr), so ungenügend ist der hausinterne Schallschutz. Die Zimmer waren wirklich sehr hellhörig und so hatten wir zwei der vier Nächte das zweifelhafte Vergnügen zumindest zeitweise unseren Nachbarn akustisch beizuwohnen. Die waren ihres Zeichens Portugiesen, was übersetzt heißt, dass sie erst spät nach Mitternacht heimkommen und nicht vor 2 Uhr ins Bett gehen. Zuvor mussten noch ewiglange Telefongespräche geführt werden, wobei die Lautstärke der Konversation vermuten ließ, dass entweder der Gesprächspartner fast taub gewesen sein muss, oder aber die Entfernung nicht elektronisch, sondern ganz herkömmlich mittels Schallwellen in der Atmosphäre überwunden werden sollte. Aber wenn man müde genug ist, fallen selbst bei solchen ungewollten Hörspielen irgendwann die Augen zu ...

>>> Bad

Im ebenfalls recht großzügigen Bad mangelte es uns an nichts. Eine fast voll verspiegelte Wand suggerierte sogar noch mehr Platz als vorhanden. Zur Ausstattung gehören ein Fön sowie Seife (am Waschbecken) und Shampoo und Duschgel (in der Dusche) im Spender. Außerdem jede Menge Handtücher, die wenn auch nur einmal benutzt täglich gewechselt wurden. Einen Blauen Engel gibt es dafür freilich nicht.

Für mich immer noch suspekt ist das Bidet, welches auch in Lissabon von mir mit Missachtung gestraft wurde. Umso lieber setzte ich mich dafür den belebenden Ganzkörperwasserstrahlen der Dusche aus. In punkto Sauberkeit fand ich nichts zu bemängeln, habe allerdings auch nicht pingelig in allen Ecken nachgeschaut.

Nicht so schön war allerdings der muffige Geruch, der bei bestimmten Wetterlagen zeitweise im Bad freigesetzt wurde. Aufgrund fehlender aktiver Belüftung und ohne Fenster ließ sich dieser auch nur schwer vertreiben. Das - sehr gut zu lüftende - Hotelzimmer war von dieser gewissen Geruchsbelästigung glücklicherweise nicht betroffen.

_/ _/ _/ GASTRONOMIE

Eine besonders positive Überraschung stellte das Frühstück dar, welches täglich zwischen 7 und 10 Uhr in einem separaten Frühstücksraum in der 2. Etage eingenommen werden konnte. Dafür war weniger die Qualität oder die Auswahl am Buffet verantwortlich als vielmehr die aussichtsreiche Lage. Obwohl ja eigentlich in einer unbedeutenden Nebenstraße gelegen, nutzt das Hotel Florida nämlich eine Etage eines großen Bankengebäudes direkt am Platz Marques de Pombal, so dass man vom Frühstückstisch aus einen herrlichen Blick auf den beeindruckenden Platz und den daran angrenzenden Stadtpark Eduardo VII genießen konnte.

Aufgrund der unserer Reisezeit Ende März, also in der Vorsaison, waren während unseres 4tägigen Aufenthaltes immer genügend frei Sitzplätze mit bester Sicht an der voll verglasten Front vorhanden. Ein Zu-Spät-Kommen war übrigens nicht möglich, da die Bedienungen regelmäßig die Auslagen wieder auffüllten.

Die Auswahl war für einen verwöhnten Mitteleuropäer nicht unbedingt berauschend, aber insgesamt voll okay. Während Standardaufschnitt - 2 Sorten Wurst und ebenso viele (besser wenige) Sorten Käse - über all die Tage gleich blieb, wurden immerhin täglich unterschiedliche kleine süße Gebäckstückchen angeboten. Dafür sind ja die Portugiesen ja bekannt und da wollte sich wohl auch die Hotellleitung nicht lumpen lassen. Ansonsten dominierte das übliche Einerlei eines soliden Mittelklassehotels: ein paar Müslivarianten, wenige abgepackte Joghurts, Honig, Butter und Marmelade in diesen kleinen unsäglichen, Plasteverpackungen und allerdings ausnehmend leckeres und frisches Obst. Brot, Brötchen und Toast waren von deutlich besserer Qualität als in einem südeuropäischen Land vermutet. Ja ja, diese Vorurteile immer ...

In der Summe würde ich ein Frühstück im Hotel Florida nicht gerade als ersten Höhepunkt des Tages bezeichnen, aber Qualität und Quantität von Speis und Trank waren wirklich zufriedenstellend. Da es sich um ein Hotel Garni handelt, gibt es keine Restauration zum Mittag oder Abendessen, was ich aber angesichts unzähliger Restaurants in der nahen Innenstadt von Lissabon keineswegs als Mangel empfunden habe.

_/ _/ _/ SERVICE & ANGEBOTE

Täglich wurden Schlafzimmer und Bad gereinigt. Ist zwar nicht unbedingt nötig, aber ein ordentlich hergerichtetes Bett wirkt am Ende eines anstrengenden Tages besonders einladend. Wir haben uns dafür mit einem angemessenen Trinkgeld revanchiert. Außerdem festgestellt: Alle Verbrauchsmaterialien (Handtücher etc.) waren stets picobello sauber.

Nicht so wirklich toll war der Service an der Rezeption. Die Freundlichkeit wirkte etwas aufgesetzt und auch auf simple Fragen nach dem Wetter oder der richtigen Fahrkarte für ein bestimmtes Reiseziel erhielten wir nur sehr zögerliche und unzureichende Antworten. Schade auch, dass weder Stadtpläne noch Fahrkarten erhältlich waren. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass von jedem der Angestellten Englisch verstanden wurde.

Für internetabhängige Geister soll es übrigens WLAN auf den Zimmern geben, da ich jedoch ohne jegliche Rechentechnik unterwegs war, kann ich das weder bestätigen noch verneinen. Alternativ hätte es eine kostenpflichtige Surfstation in einem Aufenthaltsraum gegeben, der bei mir allerdings komischerweise keinerlei Kribbeln hervorrief. Ob meine Internetsucht etwa schon im Abklingen ist?

Gänzlich kostenlos könnte man sich in einem eher kleinen Fitnessraum in der zweiten Etage betätigen. Die zwei, drei Sportgeräte erfreuten sich aber keiner allzu großen Beliebtheit. Ich sah jedenfalls nie einen dort sporteln und meine eigenen Körner verpulverte ich lieber beim Sightseeing in der Stadt.

_/ _/ _/ KOSTEN & BEWERTUNG

Niemand kann erwarten, dass er in einer europäischen Hauptstadt für einen Appel und ein Ei übernachten kann. Auch Lissabon macht da diesbezüglich keine Ausnahme. Gleichwohl ist es mir mit dem beschriebenen Hotel Florida gelungen, für einen sehr moderaten Preis ein sehr empfehlenswertes Quartier zu finden. Für weniger als 80 Euro pro Doppelzimmer (gebucht über DERTOUR) Ende März ein wirklich empfehlenswertes Angebot.

Dieses Gesamtpaket ist in Sachen Preis-Leistungsverhältnis sehr positiv zu bewerten. Ich jedenfalls habe den Aufenthalt im Hotel Florida im Herzen von Lissabon sehr genossen und spreche deshalb eine ganz große Empfehlung für dieses feine Stadthotel aus. Mit so einem solchen Basislager konnte unsere Lissabon-Reise ja nur ein tolles Erlebnis werden und wurde es schließlich auch, dazu aber vielleicht später mehr an anderer Stelle.


Euer Reiseleiter
Mr. Andrew

Fazit: Für Neugierige: http://www.acdseeonline.com/album/Mr_Andrew/101847/