Hotel Claridge (Buenos Aires)
Seid doch mal leise und lacht mal! - Hotel Claridge (Buenos Aires) Hotels international

Seid doch mal leise und lacht mal!
Hotel Claridge (Buenos Aires)

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Name des Mitglieds: *Marnie

Produkt:

Hotel Claridge (Buenos Aires)

Datum: 11.02.09, geändert am 25.10.10 (272 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Lage

Nachteile: Service, Preis

Heute gibt es den großen Aufklärungsbericht! Das *****-Sterne Hotel (in Worten: FÜNF!) Claridge in Buenos Aires hat auf sämtlichen einschlägigen Internetseiten nahezu volle Punktzahl von ehemaligen Besuchern bekommen. Und ich frage mich, nach meinem 5-tägigen Aufenthalt: Warum bloß? Entweder hat das Management gewechselt oder andere Nationen stellen einfach andere Anforderungen.

Bei vier Sternen mitten in der Pampa kann man ja noch sagen, dass eben das eine südamerikanischer Standard und wir eben europäischen Standard haben. Aber ein fünf-Sterne-Stadthotel ist in meinen Augen überall ein fünf-Sterne-Stadthotel, egal ob Hongkong, New York, Berlin oder eben Buenos Aires.
Ich also glaubte im vorhinein der Homepage des Hotels, auf der vollmundig der Service (man läse von den Augen ab!) und die Einrichtung angepriesen wurde. Schließlich bestätigten dies auch viele ehemalige Gäste.

Hier also meine Erfahrungen im Einzelnen:

Rezeption oder "Wenn man rein kommt"

Der große weiße Säuleneingang sticht imposant aus dem Stadtbild hervor und lässt einen guter Dinge die Drehtür passieren. Übrigens schaut einem dabei der Doorman, sprich der Türsteher, gelangweilt zu. Gepäck trägt man selbst zur Rezeption. Nun gut, wenn man sich umschaut, entdeckt man zwei improvisierte Theken, vor denen sich Busse-weise Engländer tummeln. Ist man endlich an der Reihe, merkt man, dass die Theke tatsächlich die Rezeption ist.
Unter dem freskenbemalten Kuppelbau und den Marmorböden hallt das ständige Telefon, an das niemand dran geht, und das laute Stimmengewirr von Hotelangestellten. Bei denen ist mir übrigens bis heute unklar, was die da unten machen. Hinzu mischt sich noch das laute Tellerklappern vom noch laufenden Frühstücksbuffet.
Die Begrüssung an der Rezeption lautete "Yes, please." Wohlgemerkt in Buenos Aires. Eventuell hat es sich in Claridge noch nicht herumgesprochen, dass nicht alle weißen Menschen zwangsweise englisch sprechen. Ich erlaubte mir dann -frecherweise- in spanisch zu antworten. Schließlich war dies hier die Landessprache. Nachdem wir also nicht "Willkommen" geheißen wurden, antwortete mir der verschwitzte Mann doch dann wieder in englisch ??!! Es war zum verrückt werden. Aber man ist ja flexibel, so wechselte auch ich vom spanischen ins englische und wollte nun endlich die Schlüssel für die zwei reservierte -und bestätigten- Einzelzimmer entgegennehmen. Doch Pustekuchen, es war nur ein Doppelzimmer für uns frei! Ein Fehler der Reservierungsabteilung. Lösung? Jetzt seid ihr gespannt, oder? Keine! Noch nicht einmal eine Entschuldigung, einen Kaffee oder ein Upgrade. Nix. Wohl oder übel kamen wir im Doppelzimmer an.

Zimmer oder "Wie man sich bettet, so liegt man"

Die Zimmer waren "okay" oder "nett", so gerade eben. Jedes Tagungshotel hat größere Zimmer, aber es war zum Aushalten. Das Zimmermädchen war auch sofort -gegen Trinkgeld- bereit, die vorhandenen drei Kleiderbügel aufzustocken. Und das in einer halben Stunde. Der geräumige Kleiderschrank mit Safe ließ genügend Abstand zum Bett. Am Fußende stand sogar noch ein kleiner Schreibtisch und in der Ecke ein Fernseher mit Minibar darunter. Auf dem die zwei Betten trennenden Nachtkästchen stand noch das Telefon und ein Radiowecker. Der hellgrüne Teppichboden im gesamten Zimmer hätte jedoch eine Grundreinigung und nicht nur Duftspray vertragen können.
Das Bad - ja das Bad. Also stellen wir uns mal vier Quadratmeter vor. Und dann packen wir nach und nach ein Waschbecken, ein Bidet, eine Toilette mit Wasserkasten, eine Badewanne und eine Dusche hinein. Hinzu kommt noch ein Sims über der Toilette mit Kleenex-Tüchern und über dem Waschbecken ein Spiegel ebenfalls mit Ablage. Vor dem Waschbecken hängt noch die Handtuchstange. Was meint ihr, wie viel Platz dann noch für die Knie bleibt, um sich auf die Toilette zu setzen. Nie zuvor habe ich mir mehr gewünscht, ein Mann zu sein. Klassicher Penis-Neid. Gerne hätte ich mein Geschäft im Stehen gemacht. Also es war eng, absolut eng! Ach, ich habe vergessen zu erwähnen, dass die Tür selbstverständlich nach innen öffnete. Slalom in der Nasszelle könnte olympisch werden.
Der Blick aus dem Fenster offenbarte die Poolansicht. Dieser schien aus dem fünften Stock (14 Stockwerke insgesamt) sehr sauber zu sein. Und die Liegen und Schirme luden zum Entspannen ein. Also schauen wir uns den doch mal aus der Nähe an.

Health-Center oder "Spa(r ) - Bereich"

Im zweiten Stock des Hotels sollte ein großer Fitness- und Spa-Bereich sein. Also nach einem anstrengenden Tag, nix wie hin. Handtücher hielt man -auf doppelte Nachfrage- dann auch für uns bereit. Genüsslich ließen wir uns auf die blauen Auflagen fallen. Jetzt erst mal das Kopfteil ein wenig neigen und träumen. Doch leider war der Verstellmechanismus kaputt. Der Hebel war scharfkantig abgebrochen. Leider hatten wir gleich beide das Pech. Übrigens auch an den nächsten Tagen bei anderen Liegen. Nicht eine hat wirklich funktioniert. Einmal hatten wir sogar die gesamte Armlehne in der Hand.
Der Service am Pool funktioniert auf Zuruf und ist stark Personen-abhängig. Es gibt da einen flotten Burschen, der auch mal unaufgefordert vorbei kommt und fragt, ob alles in Ordnung ist. Geht man jedoch auf die kleine Terrasse um einen Snack zu nehmen, muss man schon drinnen an der Theke bestellen, weil sich das Personal lieber in klimatisierten Räumen aufhält. Die Qualität der Fast-Food-Speisen (!!) -ich sage nur "Gesundheit" - war durchschnittlich, die Pommes Frites hätten jedoch noch 5 Minuten gekonnt und neues Fett gebraucht.
Um die Entspannung zu garantieren, wird der Pool mit Musik berieselt. Nein, keine Jazz-Klänge, Wellenrauschen oder zurückhaltende Pop- oder Swing-Musik. Die E-Gitarre war es, die einen begrüßte. Mehrfach baten -auch andere Gäste- um das abstellen oder leiser stellen der Musik. Leider las man weder diesen Wunsch noch erhörte man ihn. Es blieb dabei.
Das FitnessCenter schien sauber, ordentlich und modern zu sein, jedoch gab es keine Trainer.

Frühstück oder "Japanischer Teller-Zirkus"

Beim Thema Frühstück muss man wissen, dass es die Argentinier generell nicht so damit haben. Die Essenkultur zeigt sich mehr am Abend. Zum Frühstück gibt es meist nur einen Kaffee. Manchmal auch ein Croissant (Medialuna) dazu. Für den Touristen versuchen aber alle Hotels ihr bestes. Also schauen wir mal hier.
Wäre das Buffet gefüllt gewesen und man hätte nicht nur leere Teller und Schalen entdeckt, hätten dort ï"oast und Brötchen, Müsli, Früchte, Joghurt, gekochter Schinken, Salami und Käse gelegen. Selbstverständlich eingerahmt von drei Marmeladen und der berühmten Karamellcreme "Dulce de Leche". Aber eben nur "wenn". Ständiges Nachfragen beim Personal nach einzelnen Dingen nervte. Egal ob Butter oder Brot, nichts war gleichzeitig im Angebot. Essen auf Raten.
Der Kaffee wurde am Tisch serviert. Aber leider erst nachdem man schon gegessen hatte. Das Personal war hektisch und unkoordiniert, jeder versuchte alles zu machen. Verschwitzt und grimmig. Es gab einfach keine Struktur. Das Abräumen lief laut und schwungvoll ab. Soll heißen man warf die Teller auf einen Stapel. Frisbee für Anfänger!
Die Krönung war jedoch, als eines Morgens die Brotzange vor meine Füße fiel. Der Kellner, der den gesamte Korb auf das Buffet katapultierte -ebenfalls sehr schwungvoll- nahm die von mir angereichte Zange dankend an und -Achtung!- legte sie wieder ins Brot. Na, Mahlzeit!
Wir haben dann dreimal auswärts gefrühstückt.

Lage oder "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn"

Die Lage des Hotels ist der einzige positive Punkt. Direkt in der Stadtmitte, im Stadtteil San Nicolas, ist man gut aufgehoben, um viele Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Die nächste Parallelstraße ist die Fußgängerzone Calle Florida, bis zur U-Bahn (hier heißt sie Subte) sind es nur 200m. Bis zum Viertel Puerto Madero, wo man am Hafen flanieren und wunderbar essen kann, sind es nur 800 m, die man am Tage gut laufen kann.

So, was bleibt noch? Hier noch ein paar Kleinigkeiten, die interessant sein könnten:

Das Hotel ist behindertengerecht eingerichtet, es gibt Aufzüge und breite Türen - bis auf die des Badezimmers. Aber eventuell bietet man alternative Zimmer?!
Ein Concierge-Service oder sagen wir überhaupt "Service" konnten wir nicht entdecken. Für uns war es ein schlappes Mittelklassehotel, welches maximal drei Sterne verdient hätte. Doch der Preis errechnet sich leider aus fünf Sternen. Die Nacht im Doppelzimmer kostete hier, jetzt im Frühjahr auf der Südhalbkugel, 110 US-Dollar. Zwar mögen diese Preise nach Veranstalter und Reisezeit variieren, doch da die Erwartungen gar nicht erfüllt werden, ist es immer zu viel und leider immer ärgerlich. Es gibt bessere und preiswertere Hotels in Buenos Aires.

Fazit: Zu teuer bei zuwenig Leistung