


Produkttyp: Wunder-Baum Reinigungsmittel
Neuester Testbericht: ... der Duftbaumvariante *********************** ************** Der Wunderbaum selbst besteht aus einer Art Pappe, die in Tannenbaumform gesc... mehr
Mir stinkt´s
Wunder-Baum Duftbäumchen Lavendel

Name des Mitglieds: blaustein
Produkt:
Wunder-Baum Duftbäumchen Lavendel
Datum: 21.08.09, geändert am 29.08.09 (234 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: überall günstig zu kriegen
Nachteile: penetrant
Ich weiß nicht woran das liegt, aber immer wenn es regnet, finde ich mein Auto stinkt nach nasser Katze! Vielleicht irgendwo ein kleines Leck? Oder hat der Stubentiger meiner Nachbarin, Hochparterre, bei einem seiner kühnen Sprünge vom Balkon auf mein Autodach mal einen undichten Moment gehabt?
Na ja, jedenfalls ist mir nach Frische! Nun hatte eine kleine Freundin in Handarbeit ein Filzsäcken genäht und mit echten Lavendelblüten aus dem Garten gefüllt. Das baumelte lange Zeit am Rückspiegel, und ab und an gab ich ihm einen kräftigen Knuff. Worauf das Autoinnere zart nach Blüten duftete.
Ich bin nostalgisch. Als dieser Lavendelduft sich sozusagen völlig verausgabt hatte wünschte ich Ersatz und verfiel mal wieder dem Spontankauf. Vielleicht lags an der alternativen lila Farbe, mit der das klassische Bäumchen daherkam. Das ist nämlich exakt der Ton einer schnodderige Pumphose mit Latz, die mir aus den 70er Jahren in süsser Erinnerung geblieben ist! Nostalgie eben. Soweit zur Idee des freien Willens....
Aber kommen wir zur Sache: jeder kennt die Wunderbäumchen, das dufte Stück Pappe, das penetrant zu stinken beginnt sobald man es mühsam aus seiner Celophanhülle fieselt. Bis man den Aufhänger gegriffen hat, kleben die Finger von einer leicht öligen Substanz. Und die ersten 1000 km fühlt man sich wie besoffen von diesem dominanten und alles übertönenden Geruch. Und das tut man sich sogar freiwillig an!
Wie Untersuchungen zeigen, ist der Deutschen liebstes Kind der Vanilleduft, was man an der Menge der Berichte hier auf dooyoo unschwer bestätigt sieht. Irgendwo kommt der Duft Neuwagen, Echt Leder und ziemlich abgeschlagen an 10. Stelle Pfirsich. Der Spiegel hat die Nuancen gelistet, mein Lavendel taucht in der Menge von über 40 Noten unter. Ich weiß auch warum.
Für mich war schnell klar, dass diese künstlichen Aromen aus Bakterienstämmen und Holzschnitzel (oder woraus immer die sind) gegen den sanften Duft meines liebevoll befüllten Säckchens mit Lavandula angustifolia (lat) nur anstinken können. Die Note erinnerte mich fatal an alte Männer mit fetten Haaren, die ihre Schuppen auf speckige Kragen verteilen - und die früher die Wäsche gerne mit einem kräftigen Schuss "Speick Lavendel" ersetzten.
Nein, weg damit. Sofort! Nicht, dass ich die Bäumchen in Bausch und Bogen verurteilen würde. Haben Sie mal frische Milch im Auto verschüttet, oder noch schlimmer, ist Ihnen eine Wassermelone ausgelaufen? Dann würden auch Sie ihre Nase wie ich einst am Bäumchen Duftrichtung Grüner Apfel, festkleben. Ehrlich!
Exkurs
Damals hat die Spirituosenfabrik Berentzen diese Geschmacksrichtung aufs feinste verflüssigt und zum Kult gemacht. Ursprung waren knackige Winteräpfel aus Chile, Granny Smith genannt, die man sich selten, das Stück zu 50 Pfennigen, leistete. Der kurze Klare mit dem sauren Geschmack war in den Jazzkellern kaum teurer und so wurde eine ganze Generation fixiert.
Wir sind aber immer noch bei den Bäumchen! Sie haben ihren Siegeszug in den 50er Jahren in den USA begonnen, nach Europa kamen Sie Mitte der 60er. Seit damals importiert die Firma Böhm - Vertrieb aus Schweinfurt, und der Verkaufspreis bleibt zuverlässig unter der magischen 2, früher in DM, heute in Euro.
Wer hats erfunden????
Richtig! Ein Schweizer wars, Erik Seemann. Der Mann mit feiner Nase hatte in einer kanadischen Parfümfabrik sein Auskommen gefunden . Eines Tages befiel ihn der Wahnsinn und er transportierte mit seinem Wagen lebende Schafe. Der feine Riechsinn litt Qualen. Als der Gestank nicht weichen wollte , tauchte er in seiner Not am Arbeitsplatz ein Stückchen Pappe ins Duftwasser und vertrieb die Erinnerung an die Schafe aus seinen Sitzen.
Verkaufsschlager
Letztlich war es ein kleiner Schritt bis zur unverkennbaren Formgebung des Zackenbäumchen, das Zeiten und Moden überdauerte. Die Tännchen sind äußerst beliebt, sie gehen laut Spiegel online jährlich in zweistelliger Millionenhöhe über Tankstellentresen und Registerkassen.
Wir erkennen unschwer, dass sie sogar bei eBay gehandelt werden, gleich im Zehnerpack, damit das Porto sich lohnt. Das Produkt der Firma Böhm wird auch gerne als Werbeträger bedruckt und unters motorisierte Volk geworfen. Aufgrund der hohen Absatzzahlen haben nun sogar Autohersteller und Reifenlieferanten die olfaktorischen Gelüste der Deutschen erfasst und basteln an Lüftungen mit steuerbarer Duftausschüttung, oder an Reifengummi, in die hitzeresistente Aromen (übrigens auch Lavendel!) eingeschweißt sind.
Man beachte: die Firma Böhm, seit 40 Jahren unbetrittener Marktführer, ist weiterhin auf Erfolgskurs mit einem simplen kleinen Detail, das fast jeder kennt. Man muss seine Nische nur finden.....
ERNSTZUNEHMENDER NACHTRAG: Über die Giftigkeit der Substanzen, die sich in den Bäumchen befinden, verweise ich auf die Beiträge von bolide74 und Mondlicht.
Fazit: Nicht zwingend vorgeschrieben

