Sony CMD-J5
CMD-J5. Nett gedacht... schlecht gemacht! - Sony CMD-J5 Handy

Produkttyp: Sony Ericsson Handys

Neuester Testbericht: ... wo man die Schärfe bzw. den Kontrast noch selber manuell regulieren kann. Da ich mit dem Handy meistens telefoniere sind... mehr

CMD-J5. Nett gedacht... schlecht gemacht!
Sony CMD-J5

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Name des Mitglieds: d@niel_k

Produkt:

Sony CMD-J5

Datum: 11.11.00, geändert am 15.11.00 (2165 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Funktionsvielfalt, Gruastufendisplay, Menüstruktur, Preis

Nachteile: schlechte Audioqualität, eingeschränkte Web-Funktion

Seit Wochen ist es bei den mehr oder weniger bekannten Internet-Händlern im Katalog. Mit teils
sehr verlockendem Preis. Nur liefern kann keiner. Die Termine werden immer wieder korrigiert. Und gestern höre ich dann von einem Händler, dass der MediaMarkt die gesamt für Deutschland bestimmte Produktion aufgekauft hat. Im Mediamarkt liegt seit Tagen wenigstens ein Dummy,
die Verkäufer hüllen sich in Schweigen. Und am 10.11. ist es plötzlich da, bei MediaMarkt für 549,- und bei Saturn für 699,- (jeweils ohne Vertrag). Satte 150,- DM Unterschied... Also hin und gekauft! Wo dürfte klar sein. Was man bisher gelesen hat klang durchweg überzeugend,
auch wenn es meist nur Werbung oder spärliche Presseberichte waren.
Mein erster Eindruck: positiv. Doch kleiner und viel handlicher als man anhand der veröffentlichten Abmessungen und Bilder erahnt hatte. Es ist nur unwesentlich grösser als mein bisheriges Panasonic GD92. In etwa so wie der GD92-Nachfolger GD93. Also gut. Karte rein. Erstaunlich wertige Mechanik. Richtige Klappe, so wie es sie mal früher bei Nokia gab. Keine billige Panasonic-Klemme, kein fummeliger Siemens-Schlitz. Dann den Akku dran. Rastet sicher ein. Dabei fällt auf, dass der Akku
sehr leicht und flach ist. Bleibt zu hoffen, das er dennoch brauchbare Reserven liefert für langes Standby und Dauerquasseln. Rote Taste halten, das J5 ?fährt hoch?. Mit einem Sound, der an das Starten von Windows 95 erinnert.... nur leider etwas klirrig blechern klingt. Wie soll ich nun die PIN bestätigen? Das (spärliche) Handbuch weiss Rat: JogDial drücken oder Raute-Taste. Aha. Kurze Netzsuche und dann sehe ich mein Genion-Häuschen. Fein, geht also von Anfang an, ohne Update wie beim Z5. Mein GD92 konnte das nicht. Das Display überzeugt durch feine Darstellung. Die Anzeigen wirken durch die vier darstellbaren Graustufen wunderbar dreidimensional. Sowas gabs bisher (ausser beim Z5) noch nicht. Erinnert fast etwas an Windows. Dumm nur, dass die
Display-Sche
ibe stark spiegelt. Die Qualität der Anzeige steht und fällt mit dem Winkel des ein fallenden Lichtes. Die Beleuchtung erinnert mich dann wieder an mein Siemens S35. Grün und recht trüb. Was für ein Unterschied zum GD92. Dessen kräftiges (unter anderem) blaues Leuchten und den perfekten Kontrast werde ich vermissen. Am besten sieht die Sony-Anzeige noch aus, wenn man flach von unten über die Tasten schaut. Und die sind dann auch wieder ein durchaus erfreuliches Kapitel. Die Zifferntasten sind ausreichend gross und haben einen ergonomisch günstigen Abstand zueinander. Sie ragen zwar nur wenig aus dem Gehäuse heraus, bieten aber einen gut fühlbaren Druckpunkt. Damit kann man sicher flott SMSen. Die beiden Hörertasten und die Menütaste bieten auch wenig Grund zur Kritik. Alles ok. Und die meisten Funktionen bedient man sowieso mit dem seitlichen JogDial. Der
funktioniert nach kurzer Gewöhnung ganz prima. Das Rädchen
rastet sicher in jedem Schritt ein. Deutlich besser als Nokias NaviRoller am 7110. Mit dem JogDial gelangt man auch ins Menü. Und das sieht schon beeindruckend aus. Graue Kugeln mit Symbolen schweben in einem Kreis und können mit dem Rädchen rotiert werden. Dank Graustufendisplay sogar mit Schatten. Die restliche Menüstruktur bietet von guten Geräten gewohnten Komfort. Durch die 3D-Darstellung wirkt sie sehr übersichtlich. Auch ohne handbuch findet man sich auf
Anhieb zurecht, will man die üblichen Funktionen benutzen. Nur bei ganz speziellen Aufrufen bedarf es manchmal einiger Forschungsarbeit. Angesichts der Funktionsvielfalt kann man damit aber leben. Der erste Anruf: nichts aussergewöhnliches. Was sollte da auch gross passieren? Die Sprachqualität ist ordentlich, frei von Echo und irgendwie warm und natürlich. Da gibt es wesentlich schlechtere Geräte. Nicht so überzeugen kann die Freisprechfunktion, die man während des Gespräches mit dem seitlichen Schieber aktivieren kann. Der eingebaute Lautsprecher klingt etwas blechern und klirrt bei ho
hen Lautstärken. Bei einem anderen getesteten J5 trat dieser Effekt auch auf, es handelt sich also nicht um einen Einzelfall. Auch die Maximallautstärke könnte höher sein. Für´s Auto ist die Freisprechfunktion ganz sicher zu leise. Auch hier fand ich das GD92 überzeugender. An der Empfangsqualität ist aus meiner Sicht nichts auszustezen, was aber im dichten VIAG-Netz meiner Stadt auch nicht anders zu erwarten war. Wie´s in ländlichen Gegenden aussieht muss sich noch zeigen. Die so toll klingenden Kommunikationseigenschaften des J5 können mich leider weniger
überzeugen. WAP ist da noch am benutzbarsten. Die Einrichtung klappt dank veröffentlichter Daten für das Z5 recht fix. Bis zum ersten WAP-Erfolg vergehen nur wenige Minuten. Und man benötigt
dafür nicht einmal das Handbuch. Denn da steht nichts verwertbares zum Thema Internet drin. Dank der vielen Veröffnetlichungen zum Z5 im Internet wird man aber wenigstens dort schnell fündig. Die Einstellungen des Z5 lassen sich fast 1:1 auf das J5 übernehmen. Das ?surfen? mit WAP geht ganz gut. Langsam, klar... aber was will man 9.600 bps auch erwarten? Als eingefleichsten Netscape-Benutzer machte mir der Startbildschirm des Microsoft MobileExplorers dann doch ein etwas unbehagliches Gefühl. Aber weg mit den Vorurteilen, jetzt wird der Aufruf einer ?richtigen? Webseite mit HTML getestet. Schliesslich soll das mit dem J5 ja gehen. Nach zwei Stunden gebe ich auf. Mit allen möglichen und unmöglichen Einstellungen gelingt es mir nicht, auch nur eine HTML-Seite (und sei sie noch so einfach aufgebaut, ohne Frames und Schnickschnack) zu sehen. Sollte sich das ungute ?Explorer-Gefühl? bestätigen? Ok, auf HTML kann man verzichten, so wie auf WAP eigentlich auch... nur wenn´s eingebaut ist sollte es auch funktionieren. Weit wichtiger ist mir der POP3 e-Mail Client. Das war schliesslich auch ein Grund, warum ich mir damals das GD92 zugelegt habe. Dort funktioniert das Lesen und Schreiben von e-Mails ganz vorzüglich. Und sogar b
eides vollständig offline. Nur zum Senden/Empfangen mal kurz ?in´s Netz?. Und beim Sony? Essig! Der Connect zum GMX-Server funktioniert ja noch ganz prima. Der Mail-?Download? beginnt dann auch... bricht aber bei jedem Mail ab, das grösser als 2kB ist. Na prima! Das ist in der Praxis schlichtweg nicht benutzbar. Soll ich allen Leuten, die mir ein Mail schreiben sagen ?passt bloss auf, dass es nicht auch nur ein Byte grösser als 2kB wird?. Wohl kaum. Beim GD92 wurden solche Mails einfach abgekürzt, so waren wenigstens die ersten ca. 800 Zeichen lesbar. Das reicht in vielen Fällen. Warum kann das der (scheinbar auch von Herrn Gates stammende) Mail-Client im J5 nicht? Ähnliche Probleme hat es doch sicher auch mit dem Z5 schon
gegeben. Warum hat Sony hier nichts getan? Besser wird´s dann wieder beim Telefonbuch: 500 Speicherplätze klingen gigantisch. Und zu jedem Namen drei Nummern und zwei Textfelder sind auch grosse Klasse.
Die Eingabe klappt auch ohne Probleme. Und dann geht der Ärger aber schon wieder los: wenn man ins Telefonbuch schaltet, findet man 9 Einträge (von 1-9 nummeriert), die immer am Anfang angezeigt werden, auch wenn hier nichts gespeichert ist. Ok, dann benutzen wir die halt sinnvoll und speichern dort unsere VIP- Anrufer. Nachdem das pasiert war staunt man dann nicht schlecht, dass alle diese Einträge weiter unten nochmal auftauchen. Was soll das denn nun bitte? Ewige Experimente haben mich einer Lösung kein Stück näher gebracht. Nur weiss ich jetzt (dank Internet) dass es beim Z5 ein ähnliches Problem gibt. Na gut, damit müssen wir also auch leben. Nobody´s perfect. Dann sollten die neun Nummern ja wenigstens als Kurzwahl aufrufbar sein. Pustekuchen! Auch das geht nicht. Bleibt zu hoffen, dass Sony hier schnell ein Softwareupdate anbietet, dass diese Kinderkrankheiten abstellt. So, weiter zu den Klingeltönen. Hier war ich ja vom GD92 schon die feinsten Sachen gewohnt. Zweistimmige Wiedergabe, Super-Sound, laut und klar. Und als Beigabe ein a
ufnehm barer Ton. Das bietet das J5 alles auch. Und sogar noch mehr: vielen Ereignissen kann ein kurzes Tonsignal zugeordnet werden, so z.B. für den SMS-Eingang, für Fehlermeldungen oder für das Ein-/Ausschalten. Mit gerade mal 20 Klingeltönen dürfte das Sony aber mittlerweile selbst einen ernsthaften Handybenutzer nicht mehr vom Sessel reissen. Oder doch? Schliesslich werden sie ja zweistimmig gespielt. Also am besten mal alle anhören. Naja, ganz nett, aber irgenwie kommt keine rechte Freude auf. Das knackt gelegentlich und rauscht ein wenig. Bei weitem nicht so sauber und spielfreudig wie das GD92. Auch hier kann das Sony nicht voll überzeugen. Bleibt ja zum Trost noch die Möglichkeit, eigene Töne aufzunehmen. Ganze 10 Stück zu je 10 Sekunden. Klingt
vielversprechend. Das Aufnahme-Menü präsentiert sich dann auch grafisch gelungen. Die Aufnahme klappt ohne Probleme. Und dann die Ernüchterung: was da abgespielt wird hätte sich der Audio-Spezialist Sony sparen können. Leise, rauschig und allenfalls für Sprach benutzbar. Einen solchen Klingelton hört man auf der Strasse garantiert nicht, wenn das Handy in der Jackentasche steckt. Wirklich schade. Da bieten billige Anrufbeantworter vom Wühltisch mehr Audioqualität. Und das GD92 sowieso. Also auch abgehakt. Wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu. SMS. Das klappt nun mit dem J5 ganz prima, nicht zuletzt wegen der sehr guten T9-Umsetzung. Das T9-System ist jederzeit beim Schreiben an- oder abschaltbar und merkt sich auf Wunsch jedes bis dahin unbekannte Wort. Beim Tippen werden unten im Display die möglichen Worte angezeigt und man kann mit dem JogDial bequem zum gewünschten Wort scrollen, wenn es nicht sowieso schon richtig erkannt wurde. Auch eine Anzeige für die verbleibenden Buchstaben fehlt nicht. Eine Funktion also, die vollständig überzeugt. Bleibt noch zu sagen, dass man mit dem J5 Bildmitteilungen verschicken kann und jede SMS mit einem Tonsiganl garnieren kann. Das geht (wie bei
solchen Funktionen lei
der üblich) natürlich nur zwischen gleichen Geräten. Das vom SMS-Schreiben bekannte T9 ist übrigens in allen Eingabefunktionen zuschaltbar, so auch bei der Eingabe im Telefonbuch. Noch einen kurzen Blick auf den Organizer/Kalender. Der ist recht übersichtlich (Dank Graustufen) und gut bedienbar. Einem ausführlichen Test habe ich den Organizer noch nicht unterzogen, doch macht er auf den ersten Blick einen durchaus brauchbaren Eindruck. Zusammen mit dem Riesen-Speicher des Telefonbuches kann das
J5 damit einen (zugegeben einfachen) Organizer ersetzen. Wünschen würde ich mir weiterhin eine Voice-Memo-Funktion und eine IR-Schnitte. Aber bei dem Preiswar das wohl nicht mehr drin.
So. Das wars erstmal. Mehr kann ich nach einem Kurztest nicht sagen. Fazit: das J5 hinterlässt einen recht gemischten Eindruck. Teilweise wirklich tolle Features, die wegen der schlechten Umsetzung fast nicht benutzbar sind, auf der anderen Seite Funktionen, die voll überzeugen. Man muss nun selbst abwägen was einem wichtig ist. Und abwarten, wie die Reaktionen auf das J5 sein werden. Bleibt zu hoffen, dass Sony den einen oder anderen Fehler mittels neuer Software in den Griff bekommt. Fest steht, dass das J5 aufgrund seines günstigen Preises eine Alternative zu den wesentlich teureren Business-Handys darstellt. Auch deshalb, weil schon ab nächster Woche ein USB-Kabel erhältlich sein soll, dass die Kommunikation mit einem PC ermöglichen soll. Da ergeben sich sicher noch interessante Möglichkeiten. Und damit ist erstmal Schluss.
Nicht ganz, denn meinen Nachtrag nach 3 tagen intensiven Testen möchte ich den Interessenten nicht vorenthalten:

habe heute morgen mein J5 zurück zum Händler gebracht und mir das Geld wiedergeben lassen. Zu viel mehr als zum Telefonieren taugt das Dingen nicht. Die anfängliche Begeisterung legte sich nach 2 Tagen intensiven Testen recht schnell. Was nützen all die tollen Features, wenn man sie praktisch kaum benutzen kann? Was nützt HTML-Darstellu
ng wenn es nicht geht (ich hab´s nicht konfiguriert bekommen und ich bin kein Fleischer... will heissen: kenn mich mit der Materie schon ganz gut aus). Was nützt der Mail-Client, wenn er bei Mails grösser 2kb versagt? Woher weiss ich den vorher, wie gross ein Mail ist? Und warum kann man nur online lesen? Was nützt der auf- nehmbare Klingelton, wenn die Wiedergabe so leise und kratzig ist, dass man es nicht mehr hören mag? Was nützen zweistimmige Klingeltöne, wenn sie krächzend und klirrend aus dem Speaker quellen? Was nützt das umfangreiche telefonbuch, wenn ich alle Einträge von
1-9 zweimal im Buch habe? Was nützt der Wecker, wenn er bei aus- geschaltetem telefon nicht weckt? Was nützt das schöne Grau- stufendisplay und die netten Animationen, wenn man sie auf dem schwach beleuchteten und stark spiegelnden Display nicht erkennen kann? Was nützt das schicke Gehäuse, wenn man sich kaum traut, es mal "richtig" anzufassen? Sicher, das J5 ist nett gedacht... aber schlecht gemacht. Es hat viele tolle Funktionen... aber wenig
ausgereift. Einzig JogDial, WAP, SMS-Editor und feiner Klang im Hörer konnten mir wirklich gefallen. Habe jetzt wieder ein Panasonic (GD93). Da klappt alles was drin ist. Am Ende zählt die Summe der Eigen- schaften und ihre Umsetzung: und da ist das J5 eine herbe Ent- täuschung.

P.S. ich habe im Laden 3 J5 getestet, die waren alle nicht besser. Hatte also kein Montags-Gerät erwischt.

Fazit: