Siemens S10 active
Graue Eminenz - Siemens S10 active Handy

Produkttyp: Siemens Handys

Neuester Testbericht: ... das sowohl im D- als auch E-Netz (1.800 Mhz) betrieben werden konnte, dachte damals noch niemand. Ebensowenig (zumindest bei Siemens) ware... mehr

Graue Eminenz
Siemens S10 active

Spocht

Name des Mitglieds: Spocht

Produkt:

Siemens S10 active

Datum: 12.09.02, geändert am 12.09.02 (359 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Bundisches Display, I)n 9/2002 3 Cent bei CIAO, Übersteht Stürze relativ gut (Siemens eben)

Nachteile: Hoffnungslos veraltet, Nur GSM 900, Abdeckklappe leiert aus und reißt

Was soll man schreiben, wenn man sich über Technik aus dem Jahre 1998 (da habe ichs zumindest gekauft) ausläßt? Zuerst mal über die Äußerlichkeiten. Wie Ihr oben auf dem kleinen Bildchen sehen könnt, war das Telefon nicht so schwarz wie all die anderen Backsteine zu der Zeit, sondern grau in grau, also richtig nobel. Ebenfalls erhältlich: Rot mit schwarzem Rand und Mint mit grau (bäh).

Versuch einer Gliederung: Äußerlichkeiten.

Aber: Meins war grau. Allerdings war es nicht nicht so glatt wie all die anderen BlaBla-Windeier mit cW-Werten unter 0,007. Nein, es war wunderschön, mit Ecken und Kanten. Und auch das Material faßte nicht so an wie der Weihnachtskarpfen in der Badewanne, sondern eher wie ein Radiergummi (Radiergummis waren Geräte, mit denen man Bleistiftstriche (Bleistifte:Graphitgefüllte Zedernholzstäbchen zum offline-basierten Verfassen von Nachrichten auf zellulosebasiertem Trägersubstrat) wegmachen ("Radieren") konnte. Wenn Ihr in Eurer Wohnung Radiatoren habt, braucht Ihr aber keine Angst zu haben, die sind harmlos und ausgesprochen warmherzig.

Äh- wo war ich? Richtig, das Gehäusematerial zwischen Ober- und Unterschale (Austauschbar? Pff!), das sich wie Radiergummi anfaßte. Nachteil: Es bröckelte bei schlechter Pflege und schlechtem Umgang (also mit dem Handy, das Millieu hatte keinen Einfluß darauf) auch schon mal schichtweise ab, da sah dann in etwa so aus wie ein Elefant mit Sonnenbrand (zumal auch die Größe, verglichen mit heutigen Geräten, durchaus diesen Vergleich zuläßt): Grau (Die Gehäusefarbe, Ihr erinnert Euch?) und abpellende dünne Schichten- wie nach einem ausgiebigen Sonnenbad zwei Tage später eben. Allerdings hat es die zwei Jahre Vertragslaufzeit bei mir sowie das nomadenhafte Leben als "Kartenhandy" bei meinem Bruder recht gut überstanden, die Restdicke der Gummischicht läßt sogar noch die Originalstruktur der beiden seitliche Rillen recht gut erkennen.

Die Tastatur ist ähnlich der
des etwas aktuelleren S35: Schwarz bamalt, mit weißen Ziffern (allerdings mit grünen Vanity-Buchstaben (Mit denen man übrigens auch SMS schreibt, wie mir mehrere Bekannte glaubhaft versichern- stimmt das? Das Gästebuch ist offen, die Nummern sind geschaltet)), und die schwarze Grundierung ist aufgrund meiner Schweißfinger immer viel zu schnell abgewetzt- zumindest an den oft benötigten Tasten.

An der linken oberen Seite dann noch ein schwarzer Schiebe-Taster (für laut und leise bzw. die Menünavigation) sowie der Knopf für die Bedienung des 20-Sekunden-Sprachspeichers. Ja, Technik die begeistert!

Etwas nervig die Abdeckung am unteren Ende des Gehäuses, die man entfernen mußte, wenn man das Ladegerät oder den Systemstecker (z.B. für Freisprecheinrichtung oder Antenne) einstöpseln wollte. Da nämlich ein Loch für das Mikrofon ausgespart wurde, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, ob und wo diese Gummiklappe zuerst ausgeleiert bzw. gerissen ist- genau.

Hervorstechendes Merkmal des S 10 D active war übrigens neben der Bundischkeit des Displays (Nokia hat in diesem Punkt erst mit dem 7650 nachgezogen- korrigiert mich, wenn ich mich irre) die Antenne. Und was für eine- nicht nur ein Stummelchen, nein, die konnte man richtig ausziehen! Mußte man aber nicht. Jaja, das waren Zeiten...

Da jedoch mit dem Ablauf des Zweijahresvertrags einschneidende Veränderungen in meinem Leben einhergingen (Einschneidend zum Beispiel die Gürtel meiner Hosen, da ich aufgrund eines solideren Lebenswandels plötzlich regelmäßig warme Mahlzeiten zu mir nahm- jaja, so sinnse die Frauen) und die Hosen nicht mehr so gut saßen wie früher, wurde das nächste Handy etwas kleiner. Natürlich nur wegen der

Inneren Werte-

Denn welcher Mann achtet schon auf Äußerlichkeiten? Also, die sind relativ fix aufgezählt: Mein Handy (zumindest das damalige) funkte nur im 900-MHz-Band, was sich ausgesprochen gut traf, hatte ich doch einen D1-Vertrag. Dualband? Etwas anti
quiertere Zeitgenossen wie mein Vater verstanden darunter vielleicht das Markenzeichen eines renommierten HiFi-Herstellers, an ein Handy, das sowohl im D- als auch E-Netz (1.800 Mhz) betrieben werden konnte, dachte damals noch niemand.

Ebensowenig (zumindest bei Siemens) waren die immerhin 16 verschiedenen Klingeltöne erweiterbar. Und frei programmierbar schon gar nicht- wozu auch, bei der üppigen Auswahl?

Betreiberlogos - immerhin war der Brocken ja mit bundischem Display ausgestattet - gab es auch nicht, wozu auch? Davon wurde der Empfang nicht besser.

Im Gegensatz zum S10 (ohne "active") gabe es sogar eine Uhr- mit Wecker. Diese leistete mir lange Zeit gute Dienste.

A propos lange Zeit: Mit 96 Stunden kam ich fast immer genau eine WOche hin: Tagsüber aus, abends an. Toller Trick, hmm?

Profile, wie sie Nokia allerdings schon anbot (Seinerzeit mit der 61X0 - Serie) gab es ebensowenig, aber da aufgrund des im Vergleich zu heute geradezu winzig anmutenden Menüumfangs die entsprechenden Einstellungen ruckzuck gemacht waren, war das zu verschmerzen. Bei WAP dachten viele nur an die Miracle-Whip-Werbung (Falls es die damals schon gab), und T-9 zur einfacheren Eingabe von diesen Teenie-Taschengeldfressern war ebenfalls undenkbar- natürlich, denn der Namenszusatz "active" suggerierte ja auch einen nicht-stubenhockenden Besitzer.
Das "active" resultierte übrigens aus dem gedachten Einsatzgebiet als "Outdoor"-Gerät, wie es später etwas erfolgreicher vom M35 nachgemacht wrude.

Sogar eine Selbsterfahrung hat dieses Handy hinter sich: Da aufgrund einer Macke mit der automatischen Tastatursperre meine Geduld allmählich überstrapaziert wurde, kam es in die Therapie: Firmwareupdate. Und hier passierte es dann: Der gelbe Punkt, den man mit etwas spitzem drücken mußte, um an die SIM-Karte zu kommen, wurde bei der Firma Siemens mit einem blauen Kugelschreiber eingedrückt. Pfeifen! Ab j
etzt war dieser Punkt nämlich blau- und das paßte so überhaupt nicht in mein ästhetischer Grundempfinden.

Tja, was hat dann aber denn Charme dieser Maschine ausgemacht? Eben, daß sie keinen hatte. Alle Welt rannte schon damals mit Nokia-Geräten durch die Kante (Die meisten mit einem 51X0, das schon damals nicht sonderlich innovativ war- nur eben verbreitet), und das S10 fristete ein ziemliches Nischendasein.

Schade? Nicht wirklich. Denn mit dieser Maschine konnte man so etwas wie Individualismus beweisen- nicht weil man damals schon ein Handy hatte (Übrigens: Handy ist eine rein deutsche Bezeichnung dafür- Mobiltelefonierer aus dem angelsächsichen Sprachkreis wissen hiermit oftmals nichts anzufangen- "Cellphone" oder "Mobile" sind hier etwas gebräuchlicher), nein, das hörte damals schon auf, cool zu sein (Der Brocken kostete mich damals glaube ich schlappe 79 Westmark), aber diesen Totschläger hatte wirklich fast niemand. Praktisch außerdem der Fangriemen, den man lässig um die Hand schlingen konnte.

Und als kleinen Bonus die zehn schönsten Tipps, was mit man mit alten Handys machen kann:

10. In arme Karibikstaaten schicken. Schade nur, daß dort GSM 1900 und 110 Volt Standard sind.

9. An das Finanzamt als Taschenrechner verkaufen- bis die merken, daß es gar keiner ist, müssen erst sämtliche Bleistifte aufgebraucht werden.

8. An Kindergärten als Spielzeughandys verschenken. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Militante alleinerziehende Mütter ("Nein, ich schnalle mein Kind nicht imAuto an, es soll sich frei entfalten können!") könnten Euch wegen der möglichen Reststrahlung (Gepulst!) verklagen.

7. Innereien rausschmeißen und z.B. ein hippes Zigarettenetui daraus basteln- da schmelzen die Herzen (besonders bei Papis neuem T68i- da passen nämlich keine Kippen mher rein!)

6. Bei großen Veranstaltungen auf dem Klo liegen lassen. Entweder wird man endlich mal auf die Bü
hne gerufen, um den Brocken wieder abzuholen, oder- naja, kein allzugroßer Verlust.

5. Als Argumentationshilfe beim Chef wegen ein paar Kröten mehr: "Was, Sie haben noch so einen alten Brocken?"

4. Als Suizidhilfe: Einfach in Stuttgart in die Fußgängerzone stellen und in bestem Wie-gewoll-und-nicht-gekonnt-Schwäbisch (Kenner würden es sogar mit fränkischem Unterton probieren) fragen "Hän die koi Kaabel?" Irgendjemand schlägt bestimmt zu.

3. Italienreise: Schiefer Turm von Pisa. Der geneigte polyglotte Leser stelle sich auf eben jenen und tue seine Bildung möglichst auf italienisch kund: "Warum wohl ließ Galileo Galilei von hier Steine runterfallen? Weil er die Schwerkraft erforschen wollte? Nein, einfach, weil er nicht genug Handys hatte. Die Leute waren ja damals so arm!" Und dann läßt man das vermeintlich gute Stück in die Tiefe segeln.

2. Sammeln: Ab ca. 100 Stück kommt man sowohl in Frequent als auch Leistung einer Mikrowelle erstaunlich nahe. Und welcher Gastegeber würde nicht mit stolzgeschwellter Brust auftrumpfen "Das Kassler? Aufgetaut- mit meinen alten Handys natürlich."

Und das beste, was man mit alten Handy anfangen kann: Telefonieren. Wer rechnet denn mit sowas?

Und noch eine Bonus-Idee: Bei CIAO drüber schreiben: wir haben jetzt September 2002- und das Ding gibt trotzdem drei Cent pro Lesung dort!

Also- haltet die Brocken in Ehren!

In diesem Sinne- Euer Spocht (Tsching), bei dem eben eventuell wieder die Kasse geklingelt hat (Tsching!)

Fazit: