Motorola T720
Es ist nicht alles Gold was glänzt - Motorola T720 Handy

Produkttyp: Motorola Handys

Neuester Testbericht: ... gute scharfe Bilder, auch Standby und Ladezeiten sind in Ordnung. Der einzige aber doch große Nachteil sind "zahlreiche" Soft... mehr

Es ist nicht alles Gold was glänzt
Motorola T720

Womibla

Name des Mitglieds: Womibla

Produkt:

Motorola T720

Datum: 09.05.03, geändert am 18.03.04 (366 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Design, Sprachqualität, Farbiges Display

Nachteile: inakzeptable Verarbeitung, Software-Hänger, mickrige Ausstattung, Zuverlässigkeit

Update: jetzt schon zum vierten Mal kaputt (Updates im Text und hinter dem Fazit).
Seit Herbst 2002 besitze ich nun mein T720, mein insgesamt drittes Motorola-Handy in Folge.

-> Warum ich zunächst kein Motorola-Handy mehr wollte:

Vor vier Jahren schenkten mir meine Eltern ein Motorola-Timeport-Handy. Im Vergleich zu meinem Nokia-Vorgänger war die Menüstruktur undurchsichtig, die Menüperformance hakelig und die Ausstattung (bis auf die Triband-Funktion) mies. Es gab weder aufregende Klingeltöne, noch Spiele, und schon gar keine praktische SMS-Funktion. Die Lackierung der Tasten litt unter hohen Abnutzungserscheinungen. In der Familie waren zwei dieser Handys im Umlauf, sie fielen sukzessive nach einer Zeit von etwa 2 Jahren aus.

Die darauf folgenden zwei Motorola V6690 hatten eine schön kompakte Bauform und wiederum erstaunlich gute Telefonier-Eigenschaften, rein technisch hatte sich zum alten "Timeport" aber nichts geändert. Die Verarbeitung war sogar schlimmer als zuvor, was sich in peinlichen Quietsch- und Knarrgeräuschen des Gehäuses und Zersetzungserscheinungen der Tasten bemerkbar machte. Eins der beiden Geräte funktionierte nur 2 Jahre lang, das andere sieht furchtbar aus, tut aber noch seinen Dienst. An sich hatte ich mir geschworen, aufgrund der hohen Defektanfälligkeit, der umständlichen Bedienung und der quietschenden Gehäuse kein Produkt aus diesem Hause mehr zu kaufen. Meine bisherigen Erfahrungen mit Nokia und Siemens waren weitaus besser.


-> Warum ich mir wieder ein Motorola-Produkt kaufte:

Als mein Ex-V6690 seinen Geist aufgegeben hatte, benötigte ich zügig ein neues Handy. Ich wollte ein Triband-Handy haben, von denen in unserem angestammten Debitel-Laden nur zwei in Betracht kamen: Nokia 6310 und das Motorola T720.

Ich beschäftigte mich ausführlich mit beiden Alternativen, entschied mich letztlich für das Motorola, wegen seinem schicken Farbdisplay, einer (hoffentlich verbesserten) neuen Menüstruktur und einem scheinbar solideren Qualitätseindruck als früher. Zudem habe ich mich von der irrigen Annahme meiner Schwester, dass das "Nokia 6310 im Alltagsbetrieb zu groß" sei, leiten lassen.


MEIN ERFAHRUNGSBERICHT:

Das SILBRIGE HANDY wirkt mit seinem eleganten Design und den edlen Verzierungen in Chrom-Look sehr hochwertig. Es ist angenehm leicht und passt aufgrund der kleinen Abmessungen in jede Hosentasche. Praktisch ist das zweite Display auf der Oberseite, dass über Uhrzeit, Signalstärke, Akkustatus und über eventuelle Anrufe informiert.

Nach einigen Wochen regelmäßiger Benutzung neigt das Gehäuse auch bei diesem Handy zu knarrenden Geräuschen. Tippt man beispielsweise im fahrenden ICE-Zug eine SMS, kann man annehmen, dass die Mitreisenden in den umliegenden 3 Sitzreihen jeden einzelnen Bedienungsvorgang mithören können. Wenig beglückend ist auch die hohe Kratzempfindlichkeit. Ein mit Seide ausgelegter Banksafe ist der angebrachteste Aufbewahrungsort für das T720.

DAS FARBDISPLAY ist groß und gut ablesbar. Es lässt sich aber ohne Hintergrundbeleuchtung praktisch nicht ablesen (Beleuchtungsdauer ist einstellbar zwischen 5 und 20 Sekunden, Beleuchtung frist viel Akkuenergie), des weiteren kann Sonnenschein die Lesbarkeit erheblich beeinträchtigen. Leider zieht das Display Kratzer, Fettspuren und Staub (Letzteren vor allem im Inneren) magisch an.

Die TASTENBELEGUNG ist praktisch, die Menüstruktur im Vergleich zu den Vorgängern erheblich verbessert, gut aber erst seit dem System-Update vom letzten Werkstattbesuch. Das "Hochfahren" des Handys dauert immer noch mehr als 30 Sekunden (da ist mein Aldi PC schneller), auf Tastenbefehle reagiert die Software zu zögerlich. Weil man nie weiß, wann die Handy-Software gerade "hängt", ist doppeltes Tastendrücken vorprogrammiert.
Das Eintippen von SMS klappt mit dem mitgelieferten T9-System ganz passabel, das Begriffsrepertoire ist aber nicht besonders vielfältig. Zum Beispiel immer wieder ärgerlich: das fehlende Wort "okay", aus dem das Handy ein sinniges "olay" formt. Frage: Wann benutzen Sie das Wort olay? Mit vielen anderen Wörtern der Alltagssprache ist es ähnlich.
Das Handy speichert mindestens 50 geschriebene und längst versandte Nachrichten im "Ausgang", aber höchstens 10 in letzter Zeit empfangene Nachrichten im Eingang. So meldet es schon "Speicher fast voll", wenn man gerademal 8 Nachrichten erhalten hat.


Die KOMFORTAUSTATTUNG des Handys ist mager. Es gibt einen hübsch gestalteten Kalender mit Weckfunktion (funktioniert aber nicht bei ausgeschaltetem Telefon! *grrrr*). Die zwei mitgelieferten Spiele (seit dem letzten Elektronik-Austausch sind es drei) sind aufgrund ihrer Farbigkeit beeindruckend, allerdings handelt es sich nur um Demoversionen. Vollversionen müssen kostenpflichtig heruntergeladen werden (*grrrr*).
Es gibt eine Vielzahl von Klingeltönen. Darunter nur wenige hübsch komponierte Midi-Lieder, die über den unterdimensionierten Lautsprecher aber nicht wirklich gut klingen. Die Mehrzahl der Midi-Songs ist dissonant komponiert oder schlichtweg hässlich. Eine Vielzahl weiterer Soundeffekte sind einfachster Machart.
Melodien selber komponieren ist erst seit dem letzten Hardware-Update möglich. Jedoch beschränkt sich das Programm zum Erstellen eigener Klingeltöne meines Wissens auf nur eine Klingeltonart (einfacher Synthesizer-Ton), die Eingabemethode ist primitiv, was nicht unbedingt mit "einfach anzuwenden" gleichzusetzen ist.
Ob man bei der mittelmäßigen Soundqualität des Lautsprechers lieber die vergleichsweise aufwendigen Klingeltöne aus dem WAP nutzen möchte, sei angesichts der damit verbundenen Kosten jedermanns eigene Entscheidung.
Eine Digitalkamera kann als Zubehörteil angebaut werden, mit weiteren Einschränkungen in der an sich schon mangelhaften Speicherkapazität.
Eine Freisprechfunktion existiert nicht, genauso wenig wie eine Bluetooth- oder Infrarot-Schnittstelle. Man könnte meinen, daß in so einem Falle ein Datenübertragungskabel zum Laptop zur Grundausstattung des Handys gehören könnte. Aber wo denken Sie hin....

Die TELEFONIEREIGENSCHAFTEN
Mit das einzige, was das Motorola T720 uneingeschränkt gut beherrscht, ist das Telefonieren. Klang- und Empfangsqualitäten sind so gut wie in keinem Handy, das ich vorher besaß. Auch mein neuestes Sony Ericsson T610 kommt da nicht mit.

ZUVERLÄSSIGKEIT, HALTBARKEIT und SERVICE
Wie schon erwähnt sind 3 von 4 unserer älteren Motorola Handys bereits Defekt. Mit Wertarbeit hat das wohl wenig zu tun.
Mein jetziges T720 neigte vor ca. einem Monat zu Ausfallerscheinungen, bis es sich schließlich gar nicht mehr anschalten ließ. Beim örtlichen Debitel-Laden versprach man mir, Motorola würde das Handy innerhalb zweier Werktage austauschen, wenn ich es an die genannte Service-Adresse schicke.
Aufgrund der bereits sehr schlechten Gehäuseeigenschaften (Quietschgeräusche) wäre ein Komplettaustausch sehr wünschenswert gewesen. Oder man hätte wenigstens den hässlichen Staub aus dem Display entfernen können.
Ich erhielt das Handy nach
10 Tagen zurück, funktionstätig mit neuer Softwareversion. Sonst wurde nichts gemacht - Schade.

Mein Fazit:
Das Motorola T720 ist prima für Leute, die ab und an ein Handy brauchen, um damit gesehen zu werden. Ohne Frage, das Telefonieren funktioniert hervorragend, und solange man nicht telefoniert, kann man mit dem poppigen Farbdisplay angeben.
Wer das Handy öfter bei sich trägt, um es intensiver zu nutzen, wird sich aber an der schlechten Verarbeitung, der langsamen Systemperformance und der mickrigen Ausstattung stören. In diesen Punkten beweisen Motorola-Handys über Jahre hinweg Kontinuität.
Dass man mit dem Handy seit dem letzten Hardwaretausch auch Klingeltöne komponieren und Multimedia-Dateien in SMS-Nachrichten integrieren kann, spielt für mich in Anbetracht der anderen Nachteile keine Rolle.

Als professionelles Business-Handy ist das T720 auch nicht empfehlenswert. Es bietet von Haus aus keinerlei Möglichkeit zur Datenübertragung an Laptops (es wurde kein Kabel mitgeliefert und drahtlose Kommunikation zum Laptop ist nicht möglich) und seine Lebensdauer wirkt allzu begrenzt.
Da kommt es schon fast gelegen, dass das Handy nicht wirklich teuer ist: im September 2002 habe ich mit Vertrag recht faire 120 Euro bezahlt.


Update: Wie bereits erwähnt habe ich das Handy wegen erneuter Funktionslosigkeit in die Reparatur geschickt. Es funktionierte nun 5 Wochen und ist bereits wieder defekt. Folge: Abwertung um einen Punkt auf der 5-Sterne-Skala.
Update 2: Wie bereits im Text angedeutet, wurde bei einem weiteren Werkstattaufenthalt, mittlerweile der vierte, das Mainboard ausgetauscht. Das schäbige Handy-Gehäuse blieb aber dasselbe. Folge: Abwertung auf 1 von 5 Punkten wegen inakzeptabler Zuverlässigkeitsmängel und geiziger Servicepolitik.


Fazit: