Normex Wood Grenade Spaltgranate
Patentgranate - Werbung ist alles ... - Normex Wood Grenade Spaltgranate Gartengeräte

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Neuester Testbericht: ... meiner genaueren Kenntnis. Ich weiß das mit den 4 Teilen aus dem Internet, lesen sie es mal nach, ob dies aus dem Angebot entspricht od... mehr

Patentgranate - Werbung ist alles ...
Normex Wood Grenade Spaltgranate

Matthias33

Name des Mitglieds: Matthias33

Produkt:

Normex Wood Grenade Spaltgranate

Datum: 20.02.11

Bewertung:

Vorteile: Leicht, kompakt, stabil

Nachteile: Werbeversprechen wird nicht eingehalten, keine Viertelung! Knappe Länge problematisch, wenn´s klemmt

Zum Holz spalten reizte mich irgendwann der Gedanke, mir einen Vierfach-Spaltkeil selbst zu bauen. Es ist recht unzweckmäßig, ein rundes Stammstück nur zu halbieren, weil man die beiden Hälften dann halt noch einmal halbieren muss. Die haben dann aber nur noch halb so viel Eigengewicht und stehen bei weitem nicht mehr so stabil, kippen daher recht leicht um. So wird das nochmalige Eintreiben eines Spaltkeiles, der zu allem Überfluss auch häufiger seitlich abkippt, schnell einmal zur Geduldsübung. Anlässlich einer Bestellung beim Arbeitsbekleidungsversandhaus Engelbert Strauss bestellte ich dann aber doch erst einmal gleich so eine Spaltgranate mit, so etwas haben die nämlich auch. Zwar nicht gerade billig (17 Euro), aber dafür fielen keine extra Portokosten an.
Es handelt sich um die Spaltgranate von Roughneck, die von der Firma Normex nach Deutschland importiert wird, und die ich auch schon in einem großen Internetauktionshaus :) vielfach gesehen hatte. Möglicherweise taucht sie auch noch unter anderen Label-Namen auf. Zum Beispiel und lustigerweise habe ich sie auch schon als "Canadian Splitter" tituliert gefunden. Sie wird immer mit den Schlagworten "patentiert" (made in England), "spezielle Form", "Spezialstahl" etc. in Szene gesetzt. Und das Wichtigste: Angeblich soll man 2 bis 4 Stücke beim Spalten erhalten.
Schnell noch Auszüge aus 2 Werbetexten, die ich gefunden habe:
"Die aus Spezialstahl geschmiedete Spaltgranate ermöglicht durch seine spezielle diamantgeschliffene Formgebung und Härte selbst große Holzscheite in einem Arbeitsgang zu vierteln."
"Mit geringem Kraftaufwand spalten Sie Ihr Holz perfekt in zwei bis vier Teile. Selbst große Holzscheite werden in einem Arbeitsgang geviertelt, da die Spaltgranate aus Spezialstahl geschmiedet ist."
In der ersten Aussage steckt ein grober Grammatikfehler, die zweite darf man im zweiten Satz bloß nicht auf ihre innere Logik hin überprüfen, und das gleich an zwei Stellen. Im Schulaufsatz hätten da am Rand wahrscheinlich zwei dicke rote "A" für Ausdruckfehler gestanden.


Form:

Wie man auf dem Bild zumindest ungefähr erkennen kann, hat dieser Spaltkeil, von oben betrachtet, die Grundform eines Rhombus´, der nach unten spitz ausläuft. Zwei gegenüberliegende Kanten dieses verschobenen, gleichseitgen Parallelogrammes bilden so einen spitzen Winkel, die anderen beiden einen sehr stumpfen. Ungefähr auf halber Höhe an den stumpfen Seiten setzen dann zwei Verbreiterungsflächen an, die funktionell das Gleiche darstellen wie die Keilverbreiterungen einer Spaltaxt. Auffällig ist die goldene Beschichtung, die aussieht wie die Titannitrierung von HSS-Bohrern. Tja, entweder ist es Korrosionsschutz, oder bringt weniger Reibung beim Einschlagen. Oder beides. Sieht jedenfalls erst mal schick aus.

Verarbeitung:

Nun, der Form sieht man ihre Herstellung, die offenbar im Gesenk geschmiedet erfolgte, an. Die Kanten sind etwas grob nachgeschliffen, die Schlagfläche ist bei meiner Spaltgranate etwas schief geraten. Ich werde da wohl noch etwas nachhelfen. Im Großen und Ganzen eines solchen Werkzeuges aber angemessen. Länge ist 17 cm, und das angegebene Gewicht von 1,6 kg stimmt bis auf wenige Gramm Abweichung auch ganz genau.

Praxis:

Natürlich darf sich die Supergranate aus England gleich an ein paar Stammstücken austoben, die ich noch herumliegen habe. Nr. 1 ist ein Tannenstück, 50 cm lang und 16 cm im Durchmesser, leicht verastet. Im Prinzip keine schwere Übung für einen Spaltkeil. Für eine Axt dagegen schon, schon alleine wegen der Länge. Schlaggewicht ist ein 3 kg Vorschlaghammer aus der DDR. 10 Mühelose Schläge, und ich habe 2 sauberer Hälften. Die Sorge, der mit seinen 16 cm gar nicht allzu lange Keil könnte bis zu seiner Oberkante im Holz stecken bleiben, ohne dass man schon zwei Hälften hat, die freiwillig auseinander fallen, blieb unbegründet. Der Keil steckt exakt bis zur Oberkante im Holz, aber dieses ist vollständig durchgespalten.
So, gleich das Nächste: Diesmal ein Stück amerikanische Gleditschie. Wer die nicht kennt - das sind diese stark treibenden Bäume mit den kleinen, ovalen Blättern (klappen abends zusammen) und den langen Dornen an Stamm und Ästen. Im Herbst bekommen die dann diese auffälligen langen, braunen Schoten, die entweder herunterfallen oder sogar noch im Winter hängenbleiben. Dieses Holz ist ein echte Herausforderung für jede Axt, weil die Fasern in Querrichtung stark zusammenhängen. Schon frisch absolut widerspenstig und schwer spaltbar. Getrocknet wird es steinhart. So, den Keil genau in der Mitte der ganzen Jahresringe angesetzt, sieben lockere Schläge, und es knackst wieder. Die Gleditschie hat sich schon ergeben. Übrigens an einem Punkt, wo diese flachen Spaltkeilverbreiterungen an den Seiten des Keiles noch längst nicht zum Wirken kamen. Noch drei Schläge, und das Stammstück springt auseinander. Bravo, aber wieder nur 2 Hälften!

Verdammt, warum viertelt sich das nicht? Ein genauerer Blick erklärt es. Es geht ja gar nicht anders. Die rhombusförmige Spitze treibt das Holz über reine Presskraft an den Stumpfseiten auseinander. In Längsrichtung, also wenn man über die spitzwinkligen Kanten hinweg eine Achse bildet, entsteht dann zwngsläufig ein durchgehender Spalt, aber eben keine zwei sich kreuzenden Spalte. Nun bin ich aber enttäuscht. Vielleicht klappt das ja nur bei sehr dicken Durchmessern. Habe ich aber gerade nicht vorrätig. Nächster Versuch ist ein vereistes, auf der Schnittfläche zugeschneites Stück Lindenholz. Hier erlebt der patentierte Keil sein Fiasko. Nach ein paar Schlägen ist es nur noch, als ob ich auf eine starke Feder schlage. Immer wieder springt er zurück; ich kann ausholen und schlagen wie ich will. Durch den Pressdruck ist das Eis um das Loch herum sofort zu Wasser geworden, und der Keil steckt in matschig nassem Holz. Der Rest ist wahrscheinlich durchgefroren, da es erst geregnet hatte, und danach wieder Frost und Schnee kamen, und das Holzstück mit der Schnittfläche nach oben hingestellt worden war. Die angedeuteten Widerhaken an den Flanken können noch längst nicht zeigen, ob sie ihren Zweck überhaupt erfüllen würden, denn sie sind viel weiter oben. Also, das wird nichts - hier ist Ende Gelände. Als nächstes organisiere ich dann ein richtiges Patentstück von Stamm.
Ein Stück Tanne, 70 cm hoch, knapp 30 cm Durchmesser, einige Äste. Es würde selbst schon einen guten Hackeklotz abgeben; hier kann man durchaus von Härteprüfung sprechen. Ist mir fast zu schade zum spalten, aber ich will ja unbedingt sehen, ob der Keil wenigstens irgendwann einmal vier Viertel hergibt. Zur weiteren Erschwernis habe ich nur die 2200 g Spaltaxt dabei; der Vorschlaghammer ist gerade abwesend. Mit dem Axtrücken schlage ich kräftig zu (soll man eigentlich nicht machen!), das Spannende ist dabei, ob es der Spaltkeil überhaupt schafft, dieses große Stück Holz vollständig aufzuspalten, und ob dabei tatsächlich Viertel herauskommen. Nach 15 Schlägen zeigt sich der erste Riß, und nach 25 Schlägen ist es geschafft. Na, alle Achtung, aber wieder nur 2 Hälften! Etwas unsymmetrisch, aber von der guten Spaltwirkung bin ich beeindruckt. Der Keil klemmt etwas im Spalt, aber das Holz lässt sich recht gut zerteilen. Dafür ist es ja auch viel länger als normales Scheitholz, und so nehme ich das nicht übel. Die größere Hälfte will ich nun noch einmal halbieren, dazu muss ich nun außerhalb der Mitte der Jahresringe ansetzen. Hier dauert es wieder 25 Schläge, bis die Spaltgranate vollständig im Holz steckt, und dieses ist auch einigermaßen gespalten. Aber ich bin mit der patentierten Stahlzigarre dummerweise genau auf einem Ast gelandet (was ja in der Stammmitte gar nicht passieren könnte!), von dort etwas seitlich abgedriftet und so klemmt das Ganze nun ordentlich. Das Holz will partout nicht auseinanderfallen. Nun ist guter Rat teuer, denn wie bekommt man denn den Super-Torpedo eigentlich wieder aus so einer verzwickten Situation heraus? Die 16 cm Länge, oder man sollte besser sagen: Kürze, sind anscheinend doch nicht so clever, und das habe ich von Anfang an befürchtet. Ich muss den widerspenstigen Klotz nun mit der Axt bearbeiten, bis er aufgibt. Na, effizient ist etwas anderes.

Dies soll als Einblick in das Arbeiten mit dieser Spaltgranate genügen. Es handelt sich schon um ein gut gemachtes Konstrukt. Das wirklich Schlaue an dem Keil ist, dass er nur über Sprengwirkung arbeitet. Er benötigt so keine scharfen Kanten. Genau inmitten der Jahresringe angesetzt, zentriert er sich auch quasi von selbst. Durch die Sprengwirkung von der Mitte her spielen auch Verastungen, die einem beim Arbeiten mit der Axt das Leben so schwer machen können, keine Rolle mehr. Das aufbrechende Holz muss sich seinen Weg entlang des Faserwuchses um die Äste herum selbst suchen. Das funktioniert auch tadellos, da jeder Ast ja auch von außen exakt zur Mitte hin zeigt. Aber das Werbeversprechen mit der Viertelung wird nicht eingehalten, und darüber bin ich doch sauer.

Sicherheit:

Erwähnen muss ich auch noch, dass dieses Produkt englischen Erfindergeistes in der Anwendung gar nicht mal so ungefährlich ist. Sehr schnell springt beim letzten Schlag das Holz auseinander, und dann schießt die Granate, durch ihre ganze Form begünstigt, wirklich wie ein Torpedo durch das Holz hindurch, und von dort munter in die Landschaft, natürlich dem Schlagimpuls und der Schwerkraft folgend. Das heißt, die kann sehr gut, am Hackeklotz vorbei und mit der Spitze voran, auch auf dem Schuh landen. Das wäre mir schon bei den ersten, wenigen Versuchen fast zweimal passiert. Nicht erfreulich.

Fazit:

Erst einmal: Wirklich spaltstark, wirklich gut.
Aaaaber: Dadurch, dass das Werbeversprechen der Viertelung von Holzstücken nicht eingehalten wird, sehe ich keine besonderen Effizienzvorteile gegenüber einem herkömmlichen flachen Keil. Will man ein schon halbiertes Stammstück nochmals teilen, hat man auch keine Jahresringmitte mehr, von der aus das Wirkungsprinzip voll zum Tragen kommt. Dann kann sich dieser Spitzkeil genauso festklemmen und an Verastungen scheitern wie ein Normalkeil. Doppelt so schnell, wie es suggeriert wird, geht hier eigentlich nichts, und weil ich für Werbelügen nichts übrig habe, gibt es aus diesem Hauptgrund auch nur 3 Sterne. Darüber bin ich fast sogar erleichtert. So habe ich weiter Grund, meine eigenen Pläne über einen richtigen Vierfach-Spaltkeil in die Tat umzusetzen, und ich bin guter Hoffnung, dass ich da mehr zustande bringe als die patentbesessenen Engländer :).

Danke für´s Lesen und Bewerten.

Fazit: Die spinnen, die Engländer. Für so einen Spaltkeil braucht es kein Patent.