Wario ist stinksauer
Wario World (GCN)

Name des Mitglieds: elisa2
Produkt:
Wario World (GCN)
Datum: 31.12.06
Bewertung:
Vorteile: Sehr schön präsentiert, klasse Mix aus Prügelspiel & Hüpfspiel & Rätseln, anspruchsvoll
Nachteile: Ab der zweiten Welt schwer und gegen Ende selbst für Profis schwierig, öfters unübersichtlich
Eines dürfte zweifellos der Fall sein: jeder von den Videospielfans, ganz gleich ob Nintendo-Hasser oder nicht, wird schon einmal etwas von der Spielfigur „Wario“ gehört haben. Natürlich ist diese dem Mario-Universum entsprungen, was dazu führen dürfte, dass Mario-Allergiker ihn ebenso wenig mögen werden, Mario-Liebhaber ihn schnell ins Herz schließen. Ganz im Gegensatz zum weltberühmten und größtenteils fröhlichen Mario ist Wario eher eine grimmige Person, die auch nicht vor fiesen Gemeinheiten zurückschreckt, um sich persönlich Vorteile verschaffen zu können. Wer einmal die Bekanntschaft mit Wario gemacht haben sollte, dem wird sicherlich das fiese Lachen noch sehr gut in Erinnerung geblieben sein, so insbesondere bei Spielen wie Mario Kart, Mario Party, Mario Golf oder Mario Tennis. Bei „Wario World“ für den Gamecube steht der kleine Fiesling (der aber trotzdem irgendwie sympathisch ist) in seinem gelb-lilafarbenen Kostüm nun im Mittelpunkt des Geschehens und wir dürfen uns zum ersten Mal ausführlich in seiner Behausung, immerhin einem großen Schloss, umschauen.
Worum geht es in „„Wario World““ für den Nintendo Gamecube eigentlich?
Bei „Wario World“ handelt es sich um ein Jump and Run, also auf gut deutsch ein Hüpfspiel. In diesem Genre ist es meistens so, dass die Hintergrundgeschichte eher nebensächlich ist, da macht dieses Gamecubespiel auch überhaupt keine Ausnahme. In seinem Schloss hat der gierige Wario im Laufe der Zeit Unmengen an Goldstücken und Edelsteine gebunkert und genau mit diesem wertvollen Besitz passiert etwas Furchtbares: das sogenannte dunkle Juwel ist nämlich in der Lage, alle diese wertvollen Gegenstände in bösartige Monster zu verwandeln, was es dann schließlich auch tut. Wario ist natürlich außer sich vor Wut, bangt um seine Schätze und macht sich natürlich sofort auf den Weg, die Monster in den insgesamt vier Spielwelten (je zwei Level) auszuschalten. Aus welchem Holz er geschnitzt ist, macht er sehr schnell deutlich, denn er hat weitaus mehr als nur ein paar Standardattacken parat. Mit einigen bemerkenswert anspruchsvollen Komboangriffen schaltet er oft mehrere Gegner gleichzeitig aus oder schleudert diese wild durch die Gegend, um auch noch andere zu erwischen. Außerdem muss er unter Beweis stellen, dass er trotz seines Übergewichts (das kleine Bäuchlein ist nicht zu übersehen) sehr flink und wenig ist, unzählige teilweise sehr schwierige Hüpfpassagen stehen ihm nämlich bevor. Des Weiteren hangeln wir uns dann im weiteren Verlauf des Spiels über Abgründe, vollführen manch einen waghalsigen Balanceakt und sprinten urplötzlich in Windeseile los, um oft noch im letzten Augenblick per Stampfattacke einen Schalter zu betätigen.
Doch es wird noch mehr von uns verlangt, insbesondere die Rätsel sind öfters erstaunlich schwer, lasst Euch also bloß nicht von der knallbunten, niedlichen Aufmachung täuschen! Was ich am Anfang überhaupt nicht für möglich gehalten hätte, ist schließlich Tatsache: wir haben es mit einem hohen Schwierigkeitsgrad zu tun, der sowohl Hüpfspielexperten als auch Rätselprofis jede Menge abverlangt. Die Mischung aus Hüpfsequenzen, Massenprügeleien und Rätsels treibt uns ziemlich oft die Schweißperlen auf die Stirn, das war anfangs wirklich nicht zu erwarten gewesen. Doch die Mühe lohnt sich, denn früher oder später haben wir sämtliche acht Schatztruhen aufgespürt, die in jedem Level versteckt sind. Sind wir erfolgreich, schalten wir ein Minispiel frei, die dann allerdings nur auf dem Gameboy Advance spielbar sind und per Verbindungskabel auf das Handheld übertragen werden müssen. Besonders anspruchsvoll sind diese allerdings nicht, mich konnten sie jedenfalls nicht lange begeistern, aber zumindest für kurze Zeit ganz gut unterhalten. Im Grunde ist dies natürlich nur ein netter kleiner Bonus für diejenigen unter uns, die brav alle Schätze finden konnten, aber immerhin besser als gar nichts, finde ich.
Da der Schwierigkeitsgrad aber nicht nur wegen der Rätsel und Hüpfpassagen überraschend hoch ist, sondern sich einige Gegner besonders intelligent verhalten, ist es eigentlich Pflicht, die Steuerung im Schlaf zu beherrschen. Zielgenaues Hüpfen, gewaltige Weitsprünge, Stampf- und Sprintattacke sowie spektakuläre Salti sind überlebensnotwendig. Nur dann wird es möglich sein, die entlegeneren Winkel zu erforschen beziehungsweise diese überhaupt erst zu erreichen. Dass die hervorragenden Felsvorsprünge und weit entfernten Schalter dann oft nur über innerhalb weniger Sekunden wegbrechende kleine Plattformen zu erreichen sind, macht das Ganze sehr schwierig. Um „Wario World“ alleine durchspielen zu können müsst Ihr hochtalentiert, eben ein echter Profi sein und über sehr viel Geduld und Ausdauer verfügen. Ansonsten bleibt Euch nur die Möglichkeit, sich mit anderen Spielern abzuwechseln, so wie in meinem Fall, und dies solange, bis irgendeiner von Euch die jeweilige knifflige Stelle endlich geschafft hat. Dies erzeugt ein bisschen Partystimmung, grundsätzlich handelt es sich aber hier um ein Soloabenteuer, doch auf diese indirekte Art und Weise eben nicht immer. Auf jeden Fall sind wir viel länger unterwegs, als es die gerade einmal vier Welten mit ihren jeweils zwei Leveln eigentlich vermuten lassen. Je nach Talent (und ob Ihr alles alleine schaffen müsst) braucht Ihr 10 bis 15 oder auch weit über 20 Stunden, sofern Ihr es überhaupt schafft, dieses Hüpfabenteuer zu Ende zu spielen.
Am Ende eines der insgesamt acht Level wartet ein böser Obermotz auf uns, doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Um bis dorthin überhaupt zu gelangen, müssen wir eine bestimmte Anzahl von Kristallen ausfindig machen, die alle gut versteckt sind und sich in Geheimräumen befinden. Während wir einerseits waghalsige Kletterpartien über Türme und Würfel vollbringen und dabei durch Schlagattacken eine Art Leiter nach oben errichten müssen, wird von uns andererseits das Bestehen überaus schwieriger Hüpfpassagen über sich um ihre Achsen drehende Würfel verlangt, die sich außerdem noch in tanzenden Wellen fortbewegen: alleine diese Passagen bringen auch jeden Profis ins Schwitzen, da wir uns in diesen heiklen Sequenzen auch noch der Angriffe von Morgensternen erwehren müssen. Manchmal überlegt man sich wirklich, ob man angesichts des heftigen Schwierigkeitsgrades nicht so schnell wie möglich versucht, durch den jeweiligen Spielabschnitt zu kommen, ohne sämtliche Schatztruhen und Statuen (für die Minispiele auf dem GBA) aufzuspüren und sich somit besser nur auf die versteckten Kristalle konzentrieren sollte. Vielleicht beim ersten Mal so und beim zweiten Durchspielen mit der optimalen Ausbeute, sofern man dafür genug Talent und entsprechende Nerven hat. Schließlich wird es dadurch noch etwas schwieriger, dass uns die Kamera in den 3D-Landschaften manchmal im Stich lässt beziehungsweise es öfters einmal unübersichtlich wird, was die Hüpfsequenzen und Massenschlägereien mit den Monstern ganz bestimmt nicht einfacher macht.
Eines fällt schließlich auf: reibt Euch nicht verwundert die Augen solltet Ihr „Wario World“ angefangen haben und nun diesen Text lesen! Die erste Welt ist leicht ausgefallen, die Anforderungen steigen erst danach gewaltig an und erst recht in der vierten und somit letzten Welt wird es höllisch schwer. Wer die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt, darf sich jedenfalls auf ein sehr kreatives, abwechslungsreiches und überaus forderndes Jump and Run freuen, welches Ihr so schnell nicht vergessen werdet.
Wie sieht „Wario World“ denn eigentlich aus und wie hört es sich an?
In beiden Punkten macht dieses Hüpfspiel eine gute, ja phasenweise sogar sehr gute Figur. Das Leveldesign ist knallbunt, die Texturen sind sehr detailliert, das Leveldesign kreativ und die Figuren verfügen über sehr gelungene Animationen. Außerdem dürfen wir sehr viele schöne Spezialeffekte bestaunen, insbesondere was die gleißend-hellen Lichtspiele und heftigen Explosionen angeht. Nur die Hintergründe beziehungsweise der Boden ist öfters einmal mit nur einfachen Texturen gestaltet, dafür bleibt die Grafik dann aber auch stets schön flüssig. Der Soundtrack ist in Kombination mit den Soundeffekten genau so gut geworden, wie ich mir das von einem Mario-verwandten Videospiel auch gewünscht hatte. Fröhliche Melodien wechseln sich mit düsteren Klängen ab und die sehr guten Soundeffekte verdichten die actiongeladene Atmosphäre sehr gut, zumal in diesem Punkt sehr viel Wert auf Abwechslungsreichtum gelegt wurde. Langweilig werden uns die Melodien jedenfalls nie und die Außengeräusche sind unüberhörbar und unterstreichen das Spektakel auf dem Bildschirm nahezu optimal.
Kann ich Euch „Wario World“ insgesamt empfehlen?
Mit einer Einschränkung kann ich das. Auf jeden Fall haben wir es mit einem sehr spektakulären Hüpfspiel zu tun, das sehr gut in Szene gesetzt wird und ein Garant sowohl für gute Unterhaltung, Abwechslung und Spannung ist. Die Einschränkung bezieht sich auf den extrem hohen Schwierigkeitsgrad, der nämlich ab der zweiten Welt urplötzlich richtig stark ansteigt und sich zum Schluss als höllisch schwer zu meistern herausstellt. Trotz des sehr einfachen Starts in der ersten Welt kann man davon ausgehen, dass Anfänger und auch (nur) halbwegs Geübte keine Chance haben werden, den Abspann erleben zu können. Auch Profis werden an ihre Grenze gehen müssen oder es eben so machen wie ich: ab und zu jemanden zur Hilfe holen oder am besten noch ständig dabei haben, wenn man nicht weiterkommt. Ganz alleine ist „Wario World“ nur sehr mühsam durchzuspielen. Es ist zu schaffen, aber außerordentlich schwer. Ansonsten stört manchmal noch die Kamera, die für einige unübersichtliche Momente verantwortlich ist und das war es eigentlich. Der Rest ist ausschließlich positiv, so dass sich jeder Hüpfspielfan, sofern er sich das zutraut, an dieses Gamecubespiel herantrauen sollte.
Fazit: Hochinteressant, spannend und unterhaltsam. Aber später auch höllisch schwer.
| Bedienkomfort: | ||
| Grafik: | ||
| Sound: | ||
| Schwierigkeitsgr.: | ||
| Spaßfaktor: |
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