
Produkttyp: Activision Gamecube-Spiele
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Prinzessin und Kartenmeisterin
Lost Kingdoms (GCN)

Name des Mitglieds: elisa2
Produkt:
Lost Kingdoms (GCN)
Datum: 04.11.06
Bewertung:
Vorteile: Spielprinzip durch Kartenmagie, anspruchsvoll durch Taktik, Extrakarten, Zweispielervariante
Nachteile: Optik, Sound, Kamera, Spielumfang, nicht eingedeutscht, banale Story, linearer Spielverlauf
Seitdem ich mich für Videospiele interessiere, also seit circa Ende der 90er Jahre, gilt zumindest auf europäischem Boden Folgendes: Rollenspiele für Spielkonsolen aus dem Hause von Nintendo sind absolute Mangelware. Dies galt schon für das Nintendo 64 und gilt leider auch für den Gamecube. Dies ist mir völlig unverständlich, doch hilft es alles nichts, dass in Japan mit am beliebteste Genre wird hier bei uns auf europäischem Boden total vernachlässigt, von Umsetzungen in deutscher Sprache einmal ganz zu schweigen. Offensichtlich scheinen sich Sport-, Prügel-, Hüpfspiele und auch Shooter wesentlich besser zu verkaufen als die sogenannten Role Play Games, das ist äußerst schade. Ab und zu verirrt sich dann aber doch ein Spiel aus dem Rollenspielgenre in unsere Gefilde, so zum Beispiel im Fall von „Lost Kingdoms“ für den Nintendo-Würfel. Hersteller Activision war im Jahr 2002 so freundlich und brachte eine europäische Pal-Version auf den Markt, wenn auch (natürlich) nicht in deutscher Sprache, sondern mit englischen Texten, aber immerhin besser als nichts. Des Weiteren handelt es sich um ein Fantasy-Rollenspiel, was grundsätzlich genau meinen Geschmack trifft. Das Spielprinzip ist dabei ungewöhnlich, es dominiert nämlich die Macht magischer Karten. Dies hat zur Folge, dass viele taktische Überlegungen angestellt werden müssen und sich im Laufe der Zeit ein ungewöhnliches Konzept mit erfreulich viel Tiefgang offenbart. Einige Mängel sowohl was den Spielverlauf als auch die Darstellung dieses Fantasyabenteuers betrifft, verhindern leider Gottes, dass sich „Lost Kingdoms“ auch nur ansatzweise in die Nähe von Spielspaßwertungen wagt, die einem Hit nahe kommen. Auf die interessanten Ansätze aber (leider) auch die weniger gelungenen Dinge möchte ich nun im Einzelnen eingehen. Für die Insider übrigens: in der japanischen Originalversion heißt dieses Abenteuerspiel „Rune“, nicht dass Ihr später etwas irritiert seid.
Worum geht es in „Lost Kingdoms“ für den Nintendo Gamecube eigentlich?
Da es sich um ein Fantasy-Rollenspiel handelt, haben Hintergrundgeschichte und die Identifikation mit den einzelnen Figuren eine verhältnismäßig hohe Bedeutung, dieser Punkt ist ganz wichtig speziell in diesem Genre. Doch die emotionalen Ups and Downs wie zum Beispiel bei dem ein oder anderen Final-Fantasy-Teil dürft Ihr hier nicht erwarten. Die Dialoge an sich sind nicht wahnsinnig oft mit Humor gespickt, auch die Spielfiguren an sich bleiben des Öfteren etwas blass. Im Vordergrund stehen (leider) nicht eine überaus komplexe Story mit vielen überraschenden Wendungen, sondern eindeutig die taktischen Überlegungen, die mit dem vorhin kurz erwähnten komplexen Kartensystem zu tun haben. Die gesamte Geschichte geht mir jedenfalls deutlich zu glatt durch, ebenso wie der zu lineare Spielverlauf, welcher uns wenig spielerische Freiheiten lässt und uns ziemlich zügig von einem Schauplatz zum nächsten bringt.
Die Geschichte an sich fällt entsprechend wenig mitreißend aus: die fünf Königreiche des Landes Argwyll sind in großer Gefahr und werden allesamt von einer überaus finsteren Macht bedroht. Die Bevölkerung lebt seit geraumer Zeit in Angst und Schrecken und wagt sich kaum vor die Tür, da mittlerweile nahezu unentwegt Horden an Monstern in den Straßen und weiter draußen auf dem Land patrouillieren. Praktisch sämtliche tapferen Krieger, die es wagten, sich dem Bösen zu stellen, wurden erbarmungslos dahingeschlachtet, die Situation erscheint hoffnungslos. Überraschenderweise ruhen die letzten Hoffnungen (wie so oft bei Fantasy-Abenteuern) nicht auf einem Superhelden, sondern in diesem Fall auf einer jungen Prinzessin, Katia ist ihr Name. Sie hat die besondere Fähigkeit, als Kartenmeisterin magische Spielkarten entsprechend einzusetzen, sie ist sogar dazu in der Lage sogar Dämonen heraufzubeschwören, diese zu kontrollieren und ihnen entsprechende Befehle zu erteilen. Mutterseelenallein wagt sich Katia raus aus ihrem Palast, um mit dem Einsatz ihrer magischen Karten die bösen Mächte zu vertreiben und im Optimalfall zerstören.
Mag die Hauptfigur noch sympathisch rüberkommen, so verfügen die übrigen in diesem Abenteuer vorkommenden Figuren über wenig Profil, zumindest über keines, welches mir über einen längeren Zeitraum in Erinnerung geblieben ist. So kommt es, dass Ihr aller Voraussicht nach nur wenig mit der Bevölkerung leidet und die bösen Monster auch nicht als erschreckend fies findet. Vielmehr plätschert das Spielgeschehen (viel zu ) ruhig vor sich hin: auf einer Übersichtskarte wählen wir einen Ort aus, den wir besuchen möchten (Stadt, Schloss, Gebirge, See, Wald, Höhle, Wüste, Kerker), säubern das entsprechende Gebiet von bösen Monstern und schalten so nach und nach weitere Gebiete frei. Damit es nicht zu langweilig wird, sollen Schalterrätsel oder kleine Miniaufträge (wie zum Beispiel das Eskortieren einer Schutzperson von A nach B) den Spielverlauf etwas auflockern, doch so richtig gelingt das nicht, denn zu dominant sind die sehr zahlreichen Kämpfe mit den Monstern, die es unter Einsatz der Kartenmagie auf unterschiedliche Art und Weise (je nach Schwachstelle der Feinde) auszulöschen gilt. Ob fleischfressende Pflanzen, mutierte Echsen oder Hundearten, Skelettkrieger oder sonstiger Abschaum, die Vorgehensweise bleibt immer gleich: wir befinden uns im Falle eines Kampfes in einer 3D-Arena und wählen aus dem unfangreichen Inventar an verfügbaren Karten, welches mit der Zeit immer größer wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kämpfe nicht rundenbasiert ablaufen, sondern in Echtzeit, was die Einen sicherlich freuen die anderen (traditionellen Rollenspieler unter uns) eher nerven wird, da das Ganze diesen zu ungemütlich und einfach zu hektisch ablaufen dürfte. In der Hoffnung, dass die von uns heraufbeschworenen Dämonen ihre Arbeit sauber verrichten, betrachten wir uns (mehr oder weniger gespannt) die Auswirkungen der von uns getätigten Befehle. Dass die zahlreichen uns untergebenen Dämonenarten sich teilweise erheblich voneinander unterscheiden und ihre individuellen Stärken und Schwächen haben, versteht sich dabei von selbst. Manche Dämonen schlagen nur einmal zu, andere hingegen solange bis der Feind oder sie selbst geschlagen sind, manch ein Dämon heilt uns, ein anderer stürzt sich mit Offensivzauber in die Schlacht. Ist die Kampfenergie eines von uns heraufbeschworenen Dämons aufgebraucht, verschwindet dieser natürlich wieder.
Die Steuerung an sich ist eindeutig eine Stärke dieses Rollenspiels. Trotz der zahlreich vorhandenen Möglichkeiten, mit denen wir die teils sehr unterschiedlichen Befehle erteilen beziehungsweise die Magie der Karten zur Anwendung kommen lassen können, habt Ihr das Prinzip schnell verstanden, nach einer recht kurzen Eingewöhnungsphase sollte Euch das Ganze in Fleisch und Blut übergegangen sein. Während Ihr Prinzessin Katia mit dem Analogstick durch die Landschaft steuert, weist Ihr mit den vier Aktionstasten die Ausführung der entsprechenden Karten an. Ist die Energie aufgebraucht, verschwindet diese Karte und eine neue (nach dem Zufallsprinzip!) taucht an deren Stelle in Eurem Menü auf. Könnt Ihr diese momentan nicht gebrauchen, dürft Ihr diese gegen eine weitere Karte tauschen. Dies hört sich möglicherweise ziemlich unkompliziert an, ist es aber nicht und das ist auch gut so. Jeder Kampf oder besser gesagt jede Schlacht unterliegt vorgegebenen Regeln: es stehen uns nämlich nur dreißig Karten pro Kampfgebiet zur Verfügung (weit über hundert Karten lassen sich im Laufe des Abenteuers aufspüren!), ist eine Karte aufgebraucht, könnt Ihr diese nicht noch einmal zur Anwendung kommen lassen, dies ist dann erst wieder in einer völlig neuen Region möglich. Überlegt Euch daher gut, welche Magiekarten Ihr mitnehmt, wann Ihr diese benutzt und vor allem wie oft. Es liegt dabei an Euch, wie viel Zeit Ihr mit dem Aufsuchen versteckter Extrakarten verbringen wollt, einige Exemplare sind nämlich sehr gut versteckt. Mir jedenfalls hat dies zusätzliche Motivation gegeben und stellt einen Pluspunkt dar, zumal die Spieldauer für ein Rollenspiel mit gerade einmal 10 bis 12 Stunden viel zu kurz ist (ein großer Schwachpunkt!). Nur ein kleiner Trost ist es da, dass an einen Zweispielermodus gedacht wurde, was allerdings insbesondere im Rollenspielgenre extrem selten vorzufinden ist. In einer Arena dürfen wir uns gegenseitig messen und uns die magische Kraft unserer Karten gegenseitig um die Ohren hauen. Dies stellt zwar keinen vollständigen Zweispielermodus dar (so als wenn wir das Abenteuer die ganze Zeit über zu zweit spielen würden), aber das ist immerhin besser als nichts, denke ich. Die Möglichkeiten, welche uns das Kartensystem (basierend auf den bekannten vier Elementarkräften) gibt, sind sehr vielfältig, der Anspruch daher erfreulich hoch, doch leider machen mir insgesamt der viel zu geringe Spielumfang, die oberflächliche Handlung und die sich langsam aber sicher einschleichende Monotonie ordentlich zu schaffen.
Wie sieht das Fantasy-Abenteuer „Lost Kingdoms“ für den Nintendo Gamecube denn aus und wie hört es sich an?
Leider muss ich hier klar und deutlich sagen, dass ich enttäuscht bin. Und dies ziemlich deutlich. Gerade von Fantasyspielen verspreche ich mir eine farbenprächtige Optik und anhand der Magie schöne Spezialeffekte beim Auslösen der Sprüche oder wie hier dem Einsetzen der vielschichtigen Kartenmagie. Doch Fehlanzeige, kaum nennenswerte Spezialeffekte, leblos wirkende Hintergründe, undetaillierte Texturen auch am Boden, eine starre Mimik und zudem etwas steife Animationen der Figuren sowie wenig vorhandene und dann auch noch wenig berauschende Zwischensequenzen (die auch der alten Sony Playstation hätten entstammen können und selbst dort gab es manchmal wesentlich schönere Sequenzen zu bewundern!) sorgen für ein tristes Design und im Grunde für eine andauernd viel zu biedere Spielatmosphäre. Trotz des interessanten Spielprinzips wurde ich daher zu keinem Zeitpunkt hundertprozentig in den Bann dieses Fantasyabenteuers gezogen, dazu kommt noch die Tatsache, dass wir zwar ein Handbuch mit deutscher Anleitung vorfinden, im Spiel selber uns aber nur zwischen der englischen und französischen Sprache entscheiden dürfen. Auch das schafft (zumindest in meinem Fall) zusätzliche Distanz zum Spielgeschehen hier bei „Lost Kingdoms“. Schließlich ist auch die Kameraführung alles andere als optimal gelungen: zwar wandern wir durch übersichtlich angelegte Gebiete, doch speziell in den Dungeons herrscht rasend schnell das Chaos, kommt es zum Kampf. Trotz der Möglichkeit, die Kamera zu drehen, erkennen wir regelmäßig erst spät, welche Art von Kartenmagie die augenblickliche Situation erfordert, gegnerischen Angriffen weichen wir nicht selten viel zu spät aus beziehungsweise können dann nur viel zu langsam reagieren.
Zu allem Unglück enttäuscht der Soundtrack noch mehr als die ohnehin nur mäßige Optik. Gerade bei Rollenspielen im Fantasy-Flair erwarte ich mitreißende Melodien und glasklare und zudem abwechslungsreiche Soundeffekte, die mich noch tiefer in die Atmosphäre eintauchen lassen. Das Gedudel im Hintergrund wirkt oft unmotiviert und nicht immer wirklich passend, der Soundtrack langweilt schnell und bereits nach der ersten Stunde versiegt so langsam aber sicher die Hoffnung, dass Besserung eintritt, Langeeile schleicht sich ein beziehungsweise Verdruss über die uninspiriert wirkende Akustik. Das ist sehr schade und trägt zu einem erheblichen Teil dazu bei, dass meine Wertung im Hinblick auf den Gesamtspielspaß bedrohlich nach unten sinkt.
Kann ich Euch „Lost Kingdoms“ für den Nintendo Gamecube noch empfehlen?
Hauchdünn ja. Dies in erster Linie deswegen (so traurig dies im Grunde klingen mag), da es nur sehr wenig vergleichbare Titel für „uns Europäer“ gibt. Wer einen Hang zu Fantasyabenteuern hat und sich sehr gerne Rollenspielen widmet, dürfte zumindest erst einmal hellhörig werden. Wer hingegen eine spannende Geschichte erwartet oder gar eine mitreißende Präsentation, wird bitter enttäuscht. Interessant ist zweifelsohne das komplexe Kartensystem, welches zahlreiche Variationsmöglichkeiten im Hinblick auf die Verwendung von Magie bietet. Weniger schmecken dürften einigen Rollenspielfans unter uns die Tatsache, dass die Auseinandersetzungen in Echtzeit ablaufen und diese oft in ein unübersichtliches Chaos ausarten, in denen wir nicht selten viel zu spät reagieren können. Freue ich mich grundsätzlich über den „kleinen“ Zweispielermodus, so schlägt es mir gehörig auf den Magen, dass die Spieldauer mit maximal 12 Stunden viel zu kurz geraten ist, für ein Rollenspielabenteuer sogar unverschämt kurz. Als motivierend gestaltet sich die Suche nach versteckten Magiekarten, überhaupt keine Frage, doch kann es über den zu geringen Umfang nicht hinwegtäuschen. Dem zu linearen Spielverlauf steht (wenigstens) ein interessantes und angenehm anspruchsvolles Kampfsystem gegenüber, der gelungenen Steuerung eine leicht missglückte Kameraführung. Einigen erfreulichen Ansätzen stehen somit erschreckend zahlreiche weniger schöne Aspekte gegenüber, eine sehr große (Rollenspiel-) Chance wurde leider vertan, doch etwas genauer anschauen sollte zumindest jeder Genre-Fan sich diesen Gamecube-Titel trotzdem.
Fazit: Seltenes Genre bei uns, leider durch einige Mängel weit von einem Hit entfernt:-(
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