
Knirschender Olympia-Schnee
International Winter Sports - ESPN (GCN)

Name des Mitglieds: elisa2
Produkt:
International Winter Sports - ESPN (GCN)
Datum: 23.05.06
Bewertung:
Vorteile: Kurzfristig motivierend, unterhaltsam, zahlreiche Disziplinen, ansehnliche Grafik, Zweispielerspaß
Nachteile: Steuerung manchmal unnötig kompliziert, oft wenig anspruchsvoll, geringe Langzeitmotivation
Videospiele, die sich mit Sportolympiaden beschäftigen, mag ich generell sehr gerne. Oft ist es zwar so, dass mir ein solches Spiel nach wenigen Tagen langweilig wird, aber öfters greife ich nach längerer Zeit wieder darauf zurück, um mich zumindest für kurze Zeit erneut gut unterhalten zu lassen. Noch wichtiger ist da natürlich der Mehrspielermodus, der auch für längere Zeit (manchmal auch noch nach Jahren!) immer noch Spaß machen kann. Leider ist es aber nicht gerade selten der Fall, dass vor einer kurz bevorstehenden Winter- oder Sportolympiade schnell einige unterdurchschnittliche Spiele auf den Markt gebracht werden, um auf diese dämliche Art und Weise schnell an Geld kommen zu können. Manchmal ist es sogar richtig peinlich, was die offizielle Lizenz erwirbt und mit sämtlichen Originaldaten daherkommt, in spielerischer Hinsicht aber eine todlangweilig ist oder sich sogar nur katastrophal spielen lässt. Bei „ESPN International Winter Sports“ für den Nintendo Gamecube ist das zum Glück nicht so. Zwar handelt es sich nicht um ein herausragendes Spiel, an welches man sich unbedingt auch noch nach Jahren erinnern muss, doch was Konami hier auf die Beine stellte, war zumindest besser, als viele andere Olympiaspiele in den Jahren zuvor. Merkwürdig fand ich allerdings, dass dieses Spiel erst im Mai des Jahres 2002 erschien, also zu einer Zeit, in dem man sich nicht gerade im Wintersport-Fieber befindet, glaube ich. Egal, Spaß gemacht hat „ESPN International Winter Sports“ trotzdem, zumindest eine gewisse Zeit lang.
Worum geht es in „ESPN International Winter Sports“ eigentlich?
Kaum zu glauben aber wahr, wir Ihr sicher nicht erwartet hättet, spielen wir mit dem Joypad zahlreiche Disziplinen der Winterolympiade nach. Insgesamt sind es immerhin zehn unterschiedliche Wettbewerbe, in denen wir uns entweder alleine mit den Computergegnern messen oder zu zweit gegeneinander antreten können. Weniger wäre allerdings auch etwas beschämend und würde frühzeitig zu Langeweile führen, so aber ist es okay. Im Mittelpunkt stehen dabei teils sehr unterschiedliche Disziplinen wie Curling, Snowboard, Trickski, Skisprung, Slalom und Abfahrtslauf sowie Bobfahren, Eisschnelllauf und Eiskunstlauf. Ja, richtig gezählt, bis jetzt sind es nur neun, da es aber zwei Skisprungwettbewerbe gibt, finden wir schnell eine Erklärung. Im Vordergrund steht hier das Aufstellen von Rekorden und im weiteren Verlauf das Verbessern jener Vorzeige-Bestmarken. Ausgesucht werden kann sich sowohl eine weibliche Athletin als auch eine männliche Figur, als Nationen, unter deren Flagge Ihr startet, stehen Deutschland, Österreich, England, Frankreich, Italien, Kanada, USA und sogar (was für eine Überraschung!) Japan zur Auswahl.
Vor jeder neuen Disziplin erhalten wir Informationen, was die Steuerung angeht, was meistens auch absolut nötig ist, da Ihr ansonsten kaum eine Chance habt. Oft ist es zwar so, dass nur stupide (und dies möglichst oft!) auf die Tasten des Joypads gehämmert werden muss, dann aber auch ist richtiges Timing gefragt, da Ihr einen guten Rhythmus finden müsst oder de vorgegebenen Richtungspfeile im genau richtigen Moment erwischen müsst. Ob das Joypad vom Gamecube da so wahnsinnig gut für geeignet ist, möchte ich jetzt zwar nicht diskutieren, aber ich denke, dass die Eingewöhnungsphase trotz des eigentlich simplen Spielprinzips nicht gerade kurz ist. Etwas umständlich ist das Ganze bei manch einer Disziplin schon, wie ich jedenfalls fand. Besonders anspruchsvoll ist es aber wiederum auch nicht, nur unnötig kompliziert, da einige Wettbewerbe sich im Hinblick auf die Art des Steuerns sich sehr ähnlich sind, nur eben anders aussehen. Aber dieses Problem ist speziell bei Olympiaden ja altbekannt, unterhalten kann „ESPN International Winter Sports“ aber einige Tage, vielleicht sogar wenige Wochen trotzdem. Dass wir sowohl mit Athleten und Athletinnen an den Start gehen können und es dann auch entsprechende Unterschiede gibt (Eiskunstlauf ist nur für Frauen, Skisprung nur für die Männer!), bringt etwas Abwechslung hinein, aber eben nur etwas. Nach wenigen Tagen sauste meine Motivation jedenfalls ins Bodenlose, daran konnte der anfangs wirklich sehr unterhaltsame Zweispielermodus auch nur wenig ändern, nach spätestens zwei Wochen verstaubte dieser GC-Titel erst einmal für lange Zeit in irgendeiner Ecke. Dass diese Wintersportolympiade maximal zu zweit gespielt werden kann, ist schade, hier ist meiner Meinung nach ein Vierspielermodus eigentlich Pflicht, finde ich. Der Schwierigkeitsgrad ist in den meisten Wettbewerben viel zu niedrig, so dass Ihr mit ein wenig Übung (und Talent!) schon viel zu schnell die Goldmedaillen gewinnt und nur noch auf das Verbessern der Rekorde aus seid. Das ist schade und trägt nicht gerade zur Langzeitmotivation. Einige versteckte Extras oder freizuspielende Boni wären da zusätzlich motivierend gewesen, was aber leider hier bei „ESPN International Winter Sports“ nicht der Fall ist.
Wie sieht „ESPN International Winter Sports“ denn aus und wie hört es sich an“?
Na ja, über alle Maßen begeistert bin ich von Grafik und Soundtrack dieser Winterolympiade zwar nicht, doch schlecht ist sie wiederum auch nicht. Auf jeden Fall habe ich schon wesentlich schlechtere olympische Winterspiele gesehen beziehungsweise gespielt, insbesondere auf dem Nintendo 64 oder der alten Playstation. Es gibt so gut wie gar keine bösen Grafikfehler, weder hässliche Pop-Ups, noch böse Ruckler oder ein starkes Flimmern sind mir hier bei „ESPN International Winter Sports“ in Erinnerung geblieben. Die Bodentexturen und jene im Hintergrund sind zwar keine Schönheit, sehen größtenteils doch sehr einfach aus, doch immerhin wirken die Athleten nicht so klobig oder unrealistisch eckig wie bei vielen anderen Olympiaden der Jahre zuvor. Insofern bin ich eigentlich schon dankbar, dass die Grafik ganz ansehnlich geworden ist und wir doch zumindest etwas merken, dass wir es mit einem Spiel einer „Next-Generation-Spielkonsole“ zu tun haben. Am besten gefallen haben mir die Animationen der Sportler, die nicht abgehackt wirken, sondern vielmehr weich und geschmeidig, so soll es sein. Der ein oder andere gute Spezialeffekt, speziell die Licht- und Schattenspiele, tragen gut zu einer relativ dichten Spielatmosphäre bei.
Der Soundtrack hält sich bei „ESPN International Winter Sports“ sehr zurück, doch dies muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, ist ja gerade bei Sportolympiaden eher normal. Vielmehr soll sich auf die Soundeffekte, also die Außengeräusche konzentriert werden, um für eine möglichst realistische Atmosphäre sorgen zu können. Die Melodien im Hintergrund würden bei manch einer Disziplin nur stören, von daher gesehen ist es völlig okay, wenn diese lediglich bei den Wiederholungen oder vor dem Start einer Disziplin ertönen. Bei den Skidisziplinen gefielen mir die Geräusche, wenn der Ski über den Schnee gleitet und auch die ein oder andere Reaktion des Publikums wurden nett in Szene gesetzt. Bemängeln muss ich aber auch hier den fehlenden Abwechslungsreichtum, denn schon nach ziemlich kurzer Zeit wiederholt sich alles nur, auch in akustischer Hinsicht. Die Grafik möchte ich insgesamt als leicht überdurchschnittlich, den Sound alles in allem als durchschnittlich bezeichnen. Es wird uns zwar nichts Überragendes und auch nichts überraschend Gutes geboten, doch grundsolide ist die gesamte Präsentation dieser Wintersportolympiade schon.
Kann ich Euch „ESPN International Winter Sports“ insgesamt empfehlen?
Da brauche ich zum Glück nicht allzu lange überlegen: ja, das kann ich. Die Negativpunkte sind hier bei „ESPN International Winter Sports“ allerdings so ähnlich wie schon bei vielen anderen Olympiaden zuvor. Es wird sich einfach zu wenig Mühe gegeben, was die Langzeitmotivation angeht, denn schon nach wenigen Tagen reizt so gut wie gar nichts mehr zum Weiterspielen. Auch der Zweispielermodus hält Euch garantiert nur für wenige Wochen (wenn überhaupt!) bei Laune und das ist für ein Videospiel, welches ungefähr 50 bis 60€ gekostet (hat), einfach zu wenig, finde ich. Dass kein Vierspielermodus berücksichtigt wurde, finde ich ebenso schade wie die Tatsache, dass keine versteckten Extras oder sonstige Boni freizuspielen sind. Wieso nicht einmal versteckte Charaktere, Bonuswettbewerbe oder neue Kostüme oder von mir aus auch nach und nach stärker werdende Figuren, die im Laufe der Zeit bessere Chancen auf eine Medaille oder gar den Sieg bekommen können? Schließlich ist hier bei „ESPN International Winter Sports“ die gesamte Präsentation zwar ganz ansehnlich aber auch nicht dermaßen berauschend, als dass man sich diese wieder und immer wieder anschauen möchte. Des Weiteren ist das Tastengehämmer auf die Joypads in den meisten Wettbewerben nicht gerade anspruchsvoll, zumal in der ein oder anderen Disziplin das Steuern unnötig kompliziert gemacht wurde. Nicht, dass Ihr mich jetzt falsch versteht, „ESPN International Winter Sports“ für den Nintendo Gamecube sieht (für eine Olympiade!) verhältnismäßig gut aus und kann kurzfristig auch wirklich gut unterhalten, doch frische Spielideen und einen langfristig motivierenden Spielverlauf sucht Ihr hier vergeblich. Empfehlen kann ich dieses Wintersportspiel natürlich jedem beziehungsweise jeder, der (die) etwas für dieses Genre übrig hat, doch Herausragendes bekommen wir hier nicht geboten.
Fazit: Absolute Durchschnittsolympiade, die zumindest halbwegs hübsch aussieht.
| Bedienkomfort: | ||
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| Spaßfaktor: |
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