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Wo krieg noch Spaß macht
Wings of Fury (GBC)

Name des Mitglieds: maennele
Produkt:
Wings of Fury (GBC)
Datum: 27.11.00, geändert am 27.11.00 (1598 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: niedliche Aufmachung
Nachteile: nur eine Seite spielbar
WoF ist eine niedliche und gut detaillierte Luftkriegssimulation auf Kinderspielniveau (weitere Moralisierungen am Ende). Wie in guten alten Arcadezeiten sieht man die Flugzeuge von der Seite, was aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit der alten Kolbenmotorkisten kein Problem darstellt. Dabei gibt es zwei Zoomstufen. In der oberen Hälfte der möglichen Flughöhe habe Sie ein weites Blickfeld, in der unteren "zoomt" die Kamera an Ihr Flugzeug heran, sodaß Sie Details erkennen können, aber nicht sehr weit sehen können, wo Ihr Gegner steckt. So ist hier auch weniger schnelle Reaktion auf blitzschnell auftauchende Bedrohungen als etwas taktisches Geschick und Fingerspitzengefühl für den richtigen Moment des Abdrehens (das aber umso deutlicher) gefragt. Das Spiel ist auch auf dem Game Boy Klassik und Supernintendo mit Supbergameboy spielbar. Aufgrund der schlechten Auflösung ist es aber nur auf letzterem zu empfehlen.
Inhalt: Sie sind im Juli 1945 als Pilot einer Grumman F6F Hellcat auf einem amerikanischen Flugzeugträger stationiert, von welchem aus Sie Einsätze gegen befestigte Landbastionen, Kreuzer, Schlachtschiffe und Flugzeugträger der japanischen Kriegsmarine fliegen. Die Einsätze beginnen damit, daß Ihr Flugzeug auf dem Startdeck steht und Sie entscheiden, ob Sie 30 Bomben, 15 Raketen oder 3 Torpedos laden. Danach starten Sie Richtung Ziel und versuchen, es zu zerstören. Ist Ihr begrenzter Vorrat an Ballast oder Sprit verbraucht, müssen Sie zum Flugzeugträger zurückkehren. Je nachdem, wie mutig Sie sind, sollten Sie auch bei fortschreitender Beschädigung Ihrer Maschine - erkennbar an der "Oil-Uhr" - abdrehen. Es gibt im Spiel nichts ärgerlicheres, als von der letzten noch vorhandenen Flak einen Treffer abzukriegen und mit einem neuen Flugzeug losbrausen zu müssen, um nur eine Bombe abzuwerfen. Sobald sie gelandet sind, sind die gewählte Ladung und der Tank wieder aufgefüllt, ebenso sind sämtliche Schäden am Flugzeug repariert.
Die Z
ahl der Flugzeuge sowie der Waffenladungen sind begrenzt. Je nach erreichtem Level - erkennbar an der Beförderung - bekommen Sie zwar ein Flugzeug dazu, aber es lohnt sich, nicht zu verschwenderisch damit umzugehen, weil man in den höheren Schwierigkeitsgraden durchaus Reserven benötigt. Falsch ist auch die in der Anleitung angegebene Option, mit dem Fallschirm abzuspringen. Stürzt das Flugzeug ab, findet man sich im nächsten (sofern man noch welche hat) auf seinem Flugzeugträger wieder. Die Waffenladungen sind nur nominell begrenzt, d.h. das Flugzeug wird immer wieder voll aufgeladen, aber man bekommt Punktabzug für das Überschreiten der vorgeschriebenen Mengen. Unbegrenzt ist die MG-Munition. Die ist aber nur zum Kampf gegen Luftziele tauglich. Vergeblich habe ich versucht, damit Jeeps, LKW´s oder am Boden stehende Flugzeuge zu treffen, abgesehen davon, daß sich das Risiko auch nicht lohnt, nicht rechtzeitig abfangen zu können und in den Boden zu knallen. Sollte es einem doch gelingen, würde mich das interessieren. Apropos Boden: Kamikazeangriffe werde nicht gewertet, d.h. wenn man sein Flugzeug in ein Zielobjekt rammt, ist es damit nicht zerstört.
Taktik: Es gibt zwei Sorten von Zielen: gefährliche und ungefährliche.Zu ersteren zählen die Flakstellungen (kein Problem), Flugzeuge (auch kein Problem) und Flakbunker (großes Problem) bzw. Schiffsflak (auch großes Problem). Zu zweiteren zählen Barracken, Lkw´s, am Boden stehende Flugzeuge, Jeeps und Schiffe, wobei die letzten drei wieder je eine Besonderheit haben.
Die leichte Flak zerstört man am einfachsten, indem man in höchster Höhe - hier kann man von keiner Flak getroffen werden - über sie hinwegfliegt, einen kleinen Bombenteppich von 3 - 5 Bomben abwirft und dabei dreht. Dadurch wird der Teppich dichter, sodaß eine davon sicherlich im Ziel sitzt. Überhaupt kann man durch Flugrichtungswechsel die Fallrichtung bereits abgeworfener Bomben beeinflussen. So werden Flakstellungen auch schon mal zerstört
, wenn die Bombe kurz davor einschlägt, das Ziel aber in der Flugrichtung liegt. Wichtig ist eher der Jeep: der fährt immer von einem Ende der Insel zur anderen. Sobald er an einer zerstörten Flak vorbeikommt, ist diese wieder besetzt und schießt weiter. Es gibt auch eine speziell für diese Angriffe einprogrammierte Sturzflugfunktion, deren einziger Vorteil aber darin besteht, spektakulär auszusehen. Ansonsten trifft man damit schwieriger und geht auch ein höheres Risiko ein, getroffen zu werden oder nicht rechtzeitig abfangen zu können. Besser ist sie nur im Vergleich zu horizontalen Tiefflugangriffen.
Flugzeuge: Vorweg etwas für den kleinen Pedanten: Die japanischen Flugzeuge sind der trägergestützte Typ Mitsubishi A6M2 Zero, erkennbar an der weißen Lackierung. Diese Flugzeuge sind aber nur bis 2. Hälfte 1942 eingesetzt worden und dann durch modernere Typen, die dann grün lackiert waren, ersetzt worden. Aber da dies ein amerikanisches Spiel ist, war der Symbolwert - diese Flugzeuge waren an dem Angriff auf Pearl Harbor beteiligt - wohl wichtiger; pedantischer Exkurs Ende. Die Flugzeuge kann man nur mit MG´s abschießen (ich habe es mit Raketen versucht, aber nichts getroffen). Sie greifen sofort an, richten aber nur geringen Schaden an, wenn sie treffen. Dafür verfolgen sie einen ununterbrochen, sogar bis zum eigenen Flugzeugträger (nach der Landung verschwinden sie aber). Um sie zu zerstören, muß man sie dreimal treffen, was durch ein Pling-Geräusch angezeigt wird. Dazu fliegt man (in der unteren Flughöhe) an ihnen vorbei (in entgegengesetzter Richtung), dreht nach Passieren sofort um (macht der andere auch), und dann dreht man nochmal um, bevor der Gegner ins Bild kommt. Nach dieser dritten Drehung befinden Sie sich in optimaler Schußposition hinter dem anderen. Mit etwas Übung können Sie ihn hier zweimal treffen, bevor seine Ausweichbewegung Sie zur Wiederholung dieses Manövers zwingt. Problematisch wird es allerdings, wenn Sie sich über einem Bereich mit ge
parkten Flugzeugen bewegen. Sobald nämlich der erste Gegner abgeschossen ist, taucht der nächste auf, und zwar so lange, bis alle am Boden stehenden Flugzeuge zerstört sind. Daher empfiehlt es sich, Bomben geladen zu haben und erst die Flugzeuge unten zu zerstören (hier gilt dieselbe Taktik wie für die Flak). Da das fliegende Flugzeug nur lahm reagiert, können Sie zwischen den Ausweichbewegungen bequem bombardieren.
Flakbunker und Schiffsflak: Das Problem dieser Objekte ist, daß sie nur mit Raketen und nicht mit Bomben zerstört werden können. Dazu muß man sie mit dem ganzen Flugzeug anfliegen, um auf sie zielen zu können. Hier irritieren der Wechsel zwischen den Zoomstufen und der kurze Zeitraum bis zum Abfangen-Müssen. Hat man das oder ein (an Land gibt es bis zu vier, auf Schiffen bis zu sechs in Reihe stehende Kanonen) Ziel verfehlt, ist man sehr empfindlich gegen Beschuß, während man dicht darüber hinwegfliegt. Zwei Volltreffer können hier schon das Aus bedeuten. Hier sollte man umkehren, sobald die Schadensanzeige 50% erreicht. Auch zwingt hier die kleine Zahl an mitzuführenden Raketen zu häufiger Umkehr.
Ungefährlich: Lkw`s und Baracken sind nur Kanonenfutter. Schiffe muß mit Torpedos versenken, sobald alle auf ihnen befindlichen Einrichtungen zerstört sind. Das gestaltet sich als schwierig, weil Flughöhe und Abwurfzeitpunkt nur sehr geringe Toleranzen haben. Dabei muß man aufpassen, nicht in die Aufbauten zu knallen. Und nach drei Fehlwürfen kann man schon nach Hause fliegen. Man sollte sich vorher die besser anzufliegende Seite des Schiffes aussuchen (über Bug oder Heck).
Die Erfüllung einer Teilmission wird durch ein durch das Bild laufendes "Telegramm" und dem Einholen der japanischen Reichskriegsflagge auf der jeweiligen Insel (die Schiffe gehen ja mit wehender Flagge unter) angezeigt. Zwischendurch kann man sich in das Auftragsmenü schalten, wo eine Liste der zu erledigenden Ziele abgebildet ist Auf dieser ist auch die Zahl der dort
stationierten Truppen eingezeichnet, und zwar der zerstörten und der noch vorhandenen.
Abschließend kann man empfehlen, Mut durch Geduld zu ersetzen. Dann ist das Spiel einfach zu bewältigen.
Moral: Als guter Deutscher muß man sich natürlich auch damit auseinandersetzen. Gerade, weil das Spiel Kinder als Zielgruppe hat, sollte man überlegen, ob man ihm einen solchen Umgang mit einem Konflikt, dessen Teilnehmer noch leben, zutrauen kann. Das wird durch die ideologische Verbrämung noch verstärkt. Japan war zu keinem Zeitpunkt eine ernste Gefahr für die USA und wurde auch den ganzen Krieg über nur als Nebenkriegsschauplatz betrachtet. Im Juli 1945 gab es auch keine Freiheit mehr zu verteidigen; stattdessen waren es die Japaner, die ihre Heimat verteidigten, und die Amerikaner, die zivile Städte mit Brandbomben in Schutt und Asche legten und am Ende noch einen Atomkrieg anzettelten aus Gründen, die nach modernen moralischen Maßstäben einer ausgefeilten Rhetorik bedürfen. So gesehen verkommt die Rahmenhandlung des Spiels zur Farce.
Eine zweite, wenn auch weniger problematische Frage ist die des Tötens von Menschen an sich. In diesem Spiel schießt man ja nicht auf Menschen, sondern auf Fahrzeuge, Bunker etc. Man sieht zwar keine Überlebenden (z.B. Fallschirme), aber im Vergleich zu MGS u.a. ist die Aufmachung noch recht harmlos. Als reines Ballerspiel und Flugsimulation aber bietet WoF eine interessante Abwechslung im weiten Feld der GBC-Angebote.
Der Preis bezieht sich auf den Internet-Spieleversand store54
Fazit:
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