
Neuester Testbericht: ... SOFORT wieder aussteigen. Es lohnt sich einfach dort hinzufahren und sich die wünderschöne Landschaft anzuschauen. Ich war im Sommer 2001 ... mehr
Dschungel-Feeling mit Hindernissen
Parque de Las Aguilas del Teide

Name des Mitglieds: schnullipops
Produkt:
Parque de Las Aguilas del Teide
Datum: 21.07.04, geändert am 23.08.04 (437 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: sehr schöne Vegetation, direkter Kontakt zu einigen Tierarten
Nachteile: teuer, nicht alle Tiere werden artgerecht gehalten, teilweise abgenutzte Einrichtungen, lustlose Parkangestellte, Bob-Bahn kostet extra
Noch keine 3 Monate ist es her, dass ich eine viel zu kurze Woche auf Teneriffa verbringen durfte. Und dennoch kommt es mir so vor, als sei es Jahre her.
Ehe sämtliche Erinnerungen den Bach runtergehen, die auch nur im entferntesten hilfreich für alle zukünftigen Teneriffa-Urlauber sind, habe ich mir ein Herz gefasst und beschlossen Euch zu warnen. Wenn Euch Eure Urlaubszeit wertvoll ist, dann verzichtet lieber darauf den Parque Las Aguilas del Teide auf Teneriffa zu besuchen.
[Neu oder alt – Das war hier die Frage]
Zunächst einmal zur geographischen Lage: Planet Erde, Atlantik, Kanarische Inseln, Teneriffa, Süden und dann... tja dann, wird es schwierig. Trotz eindeutiger Ausschilderung haben wir eine Weile gebraucht, um den angeblich gerade mal 2 km von unserem Urlaubsort Playa de las Americas entfernten Park mit unserem Mietwagen zu finden. Wer es sich nicht nehmen lassen will, diesen Park zu besuchen, kann auch den Shuttle-Service in Anspruch nehmen und sich mit dem Bus (diverse Abfahrtstellen) nach oben zum Parque Las Aguilas gondeln lassen. Was vielleicht – im Nachhinein betrachtet - gar nicht mal so dumm ist. Denn das Parkplatzangebot ist nicht unbedingt als großzügig zu bezeichnen, und die Autos stehen dann auch gnadenlos in der prallen Sonne, was natürlich eine unglaubliche Freude ist. Angesichts dieses Mini-Parkplatzes und des irgendwie provisorisch aussehenden Eingangsbereiches kamen uns die ersten Zweifel über das Alter des Parks. Wir schwankten zwischen gerade-neu-eröffnet-und-deshalb-mit-charmanten-Bau stellencharakter-versehen und schon-alt-genug-um-abgenutzt-auszusehen. Mexikanisch anmutende Statuen aus Pappmaché warfen die Frage auf, ob wir hier nun in einem Tierpark gelandet sind oder doch in einem Vergnügungspark.
Inzwischen weiß ich, dass der Park bereits 1994 erbaut wurde. Was einige Unzulänglichkeiten erklärt, andere wiederum nicht. Die Eintrittspreise – immerhin 17 Euro pro Person – ließen Hoffnung in uns aufkeimen, dass wir dafür trotz anfänglicher Zweifel sicher auf unsere Kosten kommen würden. Der Eingangsbereich verstärkte den Baustellen-Eindruck noch mehr. Vorbei an irgendwelchen Zäunen, die vielleicht mexikanische Kulturschätze darstellen sollten, aber wie Bauzäune aussahen, wird man durch eine Art Labyrinth geführt, vorbei an einem völlig überteuerten Souvenir-Shop (natürlich!) und den Wegweisern zum Ausgang. Nein, der erste Eindruck war wirklich erschütternd. Doch wir beschlossen, das Beste aus unserem Besuch zu machen. Bezahlt hatten wir ja eh schon. Der nächste kommerzielle Schauer sollte kurze Zeit später folgen. Mitten auf dem Weg war eine überdachte Stelle, an der ein Fotograf und eine traurig aussehende Eule auf uns warteten. Es war gar nicht so einfach dort vorbeizukommen, ohne glaubhaft zu machen, dass man auf ein Foto mit Eule lieber verzichten möchte. Sehen Eulen eigentlich immer so traurig aus? Egal, diese war es wohl besonders. Den ganzen Tag auf einem Ast sitzend, am Fuß mit einem Seil gefesselt. Ich kann es ihr nicht verdenken. Wen es interessiert, ein solches Eulen-Foto kostet 6 Euro.
Dummerweise kamen wir erst nachmittags an, und das war einer der größten Fehler, die wir machen konnten. Die angepriesenen Tiershows sind nämlich zeitlich so ungünstig nah beieinander oder finden zum Teil nachmittags gar nicht mehr statt, dass wir es am Ende nur zu einer einzigen Show schafften. Eine wahrscheinlich sogar sehr schöne Greifvögel/Storchen-Flugshow. Wahrscheinlich, weil wir auch hier nur die letzten 5 Minuten mitbekommen haben. Und die bestanden daraus, dass die Tiertrainer verzweifelt nach einigen Vögeln Ausschau hielten, die unerlaubt das Weite gesucht hatten. Wäre witzig gewesen, wenn die Hitze in der natürlich nicht überdachten Arena nicht so unerträglich gewesen wäre.
Im Gegensatz zum berühmten Loro Parque in Puerto de la Cruz (Bericht folgt) hat man es im Parque de las Aguilas nicht einmal geschafft, die Zeiten der Shows auf der Übersichtskarte zu vermerken, die man am Eingang bekommt. So ist man einzig und allein auf die Hinweistafeln angewiesen, die alle paar hundert Meter zu finden sind. Die Hitze sorgte dafür, dass wir die Zeiten mangels Gedächtnis so durcheinander warfen, dass wir alle Shows verpassten.
So folgten wir einfach unserem Instinkt und beehrten zunächst die Tiger mit unserem Besuch. Wer die Tiere besonders ärgern möchte, setzt sich dazu – mit einem Steak auf dem Teller – direkt an die Glasscheibe des sich anschließenden Restaurants und schaut den Tigern zu. Dumm nur, dass das Restaurant scheinbar noch nie das Wort Klimaanlage gehört hat und die Tierbeobachtung durch mich nach ca. 10 Minuten mangels Sauerstoff beendet wurde.
Uns wunderte, warum die angeblich weißen Tiger gar nicht weiß waren. Mit denen wirbt nämlich der Park in seinen Broschüren, die fleißig in den Touristenorten verteilt werden. Diese beiden Exemplare entdeckten wir erst durch Zufall kurz vor der Schließung des Parks um 18 Uhr in einem winzigen und sicher nicht wirklich raubtiergerechten Gehege.
Auch die Pinguine machten nicht unbedingt einen glücklichen Eindruck. Könnte mit dem Gestank nach faulem Fisch und dem trüben Wasser zusammen zu hängen. Die armen Tiere hockten auch nur teilnahmslos auf den Steinen herum und gaben ein trauriges Bild ab.
Recht glücklich dagegen erschienen uns die Totenkopfäffchen in der Affen-Abteilung. Ich als Affen-Fan habe mich dort sehr wohl gefühlt, auch wenn sich die Orang Utans in ihrem großzügigen Gehege zu gut verstecken konnten.
Sehr schön war auch eine Vogelvoliere, die man betreten durfte. Der Besucher bekommt einen Becher mit Nektar in die Hand gedrückt und darf sich umgehend auf diverse Vögel auf Hand, Kopf und Schulter gefasst machen. Eine schöne Idee, allerdings war unser Sohn alles andere als begeistert, so dass wir diese Abteilung nur im Schnelldurchgang erleben konnten.
Es gibt wohl auch ein ähnliches Gehege mit Äffchen, leider blieb uns dafür keine Zeit mehr.
Der Park wirkte an einigen Stellen so leer, dass wir dachten, unsere Uhren seien stehen geblieben, und wir hätten die Schließung des Parks verpasst und müssten nun dort übernachten. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass der Park nicht so überlaufen wirkt, aber wir hatten unter anderem auch dadurch das Gefühl, dass der Park gerade neu eröffnet worden ist und noch nicht bekannt genug sei. Doch die teilweise reparatur- und sanierungsbedürftigen Einrichtungen des Parque las Aguilas wiesen auf das Gegenteil hin.
Auch das Personal eines recht großen Freiluft-Restaurants an einer Show-Arene wirkte fast ausnahmslos arbeitsfaul und genervt von dem eigentlich doch gar nicht vorhanden Besucherstrom. Ein sehr schönes Gefühl, wenn man als zahlender Gast ständig das Gefühl hat zu stören.
[Dschungel-Feeling]
Es gab allerdings auch etwas, das uns an dem Park sehr gefallen hat. Und das war die Vegetation. Üppig ist das Wort, was es vielleicht am besten beschreibt. Tropische Pflanzen in Hülle und Fülle, exotische Blüten und ein berauschender Duft machen einen Großteil des Parks aus. Das ist besonders erstaunlich angesichts der Tatsache, das in dieser Gegend von Teneriffa eigentlich so gut wie nichts aus freien Stücken wächst. Es ist einfach zu trocken. Wahrscheinlich geht ein Großteil des Eintrittsgeldes für die Bewässerung des Parks drauf.
Das Gefühl in einem Dschungel zu sein, wird an einigen Stellen durch sehr schmale und unebene Wege verstärkt, die das Schieben eines Kinderwagens nicht unbedingt vereinfachen. Aber das war schon gut so.
[Kulinarisches]
Verhungern muss man nun wirklich nicht in diesem Park. Alle 50 Meter ein Fressbüdchen, meist mit den obligatorischen Chips (Pommes Frites) und sonstigem ungesunden Zeugs. Doch ich will jetzt mal nicht die Moralapostelin raushängen lassen. In diesem Park zählt meiner Meinung nach einzig und allein das Geschäft, und das lässt sich angesichts vieler Familien mit Kindern wohl am leichtesten mit Pommes & Co. machen. Und mit Eis.
An jeder Ecke Eisverkaufsstände, was ich angesichts eines stets eishungrigen beinahe 2jährigen im Buggy ganz schön nervig fand. Die Preise für das Essen sind in Ordnung, wie man es halt in einem solchen Park gewöhnt ist.
[Was es sonst noch gibt]
Gemessen an der Zahl der Fressbuden zu wenig Toiletten. Keine Wickelmöglichkeit für Babies.
Und ein Hindernisparcours, den allerdings nur mein Mann testen konnte, weil ich auf unseren Sohnemann aufpassen musste. Und sich mit Kinderwagen über schaukelnde Hängebrücken und Strickleitern fortzubewegen... nein, das geht nun wirklich nicht.
Für das Kind im Manne und natürlich auch in der Frau gibt es eine Bob-Bahn. Stefans strahlende Augen sagten mir: Manu, pass du noch mal auf Janek auf. Papa geht mal rodeln. Ich gönnte es ihm. Wer nun aber glaubt, dass das Bobfahren im saftigen Eintrittspreis inklusive ist, der irrt. Nein, pro rasanter Fahrt noch einmal 2,50 Euro. So ist brav, liebe Park-Betreiber. Gerade wollten wir uns mit Euch versöhnen und den Park doch ganz schön finden. Aber Gott sei Dank habt ihr uns im letzten Moment wieder eines Besseren belehrt.
[Zum guten Schluss]
Der Parque de las Aguilas del Teide kann sich glücklich schätzen, dass wir ihn vor dem Loro Parque besucht haben. Denn sonst wäre mein Urteil noch schlechter ausgefallen. Im Loro Parque wird gezeigt, wie man Tiere artgerecht behandelt, tolle Shows zeigt und gleichzeitig eine beeindruckende Sauberkeit einhält. Also ganz anders als im Las Aguilas. Dieser Park wirkt in vielerlei Hinsicht lieblos und unprofessionell geführt. Und ist es wahrscheinlich auch. Er profitiert eindeutig von der Beliebtheit des Loro Parque. Wenn er es denn auch schaffen würde, die dadurch entstehenden hohen Ansprüche des Besuchers zu befriedigen, wäre das ja auch in Ordnung. Nicht empfehlenswert, aber zu 3 Sternchen ringe ich mich dennoch durch.
Vielleicht hatten wir ja auch einfach nur einen schlechten Tag erwischt...
Schnullipops
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1. Veröffentlichung auf ciao.de im August 2003
Fazit:
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