Affenberg Elsass
Gib dem Affen Zucker! - Affenberg Elsass Freizeitpark / Zoo international

Neuester Testbericht: ... im Park selbst jederzeit ansprechbar und aufmerksam ihre Schützlinge im Auge behaltend herumpatrouillieren, kurz mit den nötigsten Verhalt... mehr

Gib dem Affen Zucker!
Affenberg Elsass

Mr_Andrew

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Affenberg Elsass

Datum: 29.06.09, geändert am 17.04.12 (1042 Lesungen)

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Vorteile: "Affengeiler" Zeitvertreib.

Nachteile: Affen sind auch nur Menschen.

Um Affen in nahezu freier Wildbahn beobachten, muss man nicht allzu weit in der Ferne schweifen. Es reicht doch schon mal einfach nachmittags den Fernseher einzuschalten und die Akteure einer der unzähligen Talk- oder Gerichtsshows im TV dabei zu beobachten, wie sie sich in aller Öffentlichkeit selber zum Affen machen.

Neben dem Menschen lebt aber noch eine weitere freilebende Primatenart in Europa. Oder mit anderen Worten: Es gibt auch noch andere Lackaffen außer uns Homo sapiens. Und um dieser ansichtig zu werden, reicht es im Normalfall nicht aus, sich mit der Fernbedienung zu bewaffnen und auf die Mattscheibe zu starren.

Die Rede ist von den Berberaffen, deren Lebensraum überwiegend auf die höher gelegene Eichen- und Zedernwälder des Atlasgebirges in Marokko und Algerien konzentriert ist. Auch in Europa gibt es eine zudem noch ungemein populäre Population (<= gewolltes Wortspiel, kein Versehen - d. Red.), die in meinen Augen als einzig halbwegs vernünftiges Argument herhalten kann, um sich im Süden der iberischen Halbinsel zu einem Ausflug hin zu einem Felsvorsprung in britischer Hand namens Gibraltar aufzuraffen.

Aber nicht in jene südlichen Gefilde soll heute eure Aufmerksamkeit gelenkt werden, sondern zu einem Affenberg im Elsass, dem Montagne des Singes in Kintzheim. Ihn zu finden gestaltet sich leicht, denn die Elsässer sind stolz auf ihre Sehenswürdigkeiten und entsprechend gut ausgeschildert ist die Anfahrt. In Kurzfassung: Auf der Autobahn A 35 die Ausfahrt Nr. 17 (Châtenois-Kintzheim) nehmen und dann über die D35 und D159 Richtung Hoch-Königsburg halten.

Der großzügig dimensionierte, teilweise schön schattige Parkplatz, den man auf diesen Pfaden erreicht, spricht schon Bände, mit was für einen Touristenaufkommen hier in der Hauptsaison zu rechnen ist. Bei unserem Besuch Mitte Juni krümelte nur eine überschaubare Menge Leute durch den Park. Sicher verliert dieses Erlebnis einen Großteil seines Reizes, wenn sich lärmende Massen auf jeden Affen stürzen, dessen sie ansichtig werden, und versuchen ihn mit ganzen Wagenladungen von Popkorn zum Platzen zu bringen. Zu diesen Zeiten ist es sicher die beste Idee, schön zeitig oder spät zu erscheinen, um seinem Affen ganz individuell Zucker geben zu können.

Nach Entrichtung des obligatorischen Obulus (Trotz französisch vorgetragener Bestellung wurde lachend auf deutsch geantwortet. Hmm!) wird man von freundlichen mindestens zweisprachigen Guides, die auch im Park selbst jederzeit ansprechbar und aufmerksam ihre Schützlinge im Auge behaltend herumpatrouillieren, kurz mit den nötigsten Verhaltensmaßregeln vertraut gemacht.

Jeder Besucher, ob groß oder klein, erhält zum Dank für die erwiesene Aufmerksamkeit eine Handvoll Popkorn, wobei es sich natürlich bezahlt macht, auch einen Vater mit entsprechend großer Pranke dabeizuhaben. Selbiges ist allerdings nicht als Snack für die Menschen gedacht, sondern als Lockmittel und Beköstigung für die knapp 300 Makaken, wie die Berberaffen auch heißen, die im Park leben. Denn obwohl diese Leckermäuler ausreichend mit Obst, Gemüse und sonstigem Grünfutter versorgt werden, sind sie einer zusätzlichen Nascherei so gar nicht abgeneigt. Aber das geht ja uns Menschen im Normalfall genauso, oder?

Hat man den Park endlich betreten, merkt man gleich: Hier ist der Affe König. Die Tiere leben in einem Pinienwald von 24 Hektar Größe unter Bedingungen, die denen in freier Wildbahn nahe kommen. Das Besondere am Affenberg ist, dass abgesehen von der großen Absperrung rings um den Park, die Besucher hier den Tieren so gut wie ohne Barrieren begegnen. Das heißt für die Menschen gibt es doch No-Go-Areas, denn wir Ex-Affen (rein wissenschaftlich aus Sicht der Evolution) sind gehalten, uns an den von niedrigen Holzzäunen gesäumten gut 800 Meter langen Rundweg zu halten, während es für die Berberaffen sehr große Rückzugsmöglichkeiten und so gut wie keine Tabuzonen gibt. Im schlimmsten Fall könnte man also theoretisch auch gar keinen Affen zu Gesicht bekommen.

Praktisch aber siegt natürlich die Neugierde und pure Fresslust der pelzigen Gesellen und sie erweisen uns huldvoll die Ehre, indem sie sich, auf den Zäunen sitzend, die größten gepoppten Maiskörner von unserer ausgestreckten Hand klauben. Natürlich ist das vor allem ein besonderer Spaß für die Kleinen, die die fast ebenbürtigen Primaten, was Gewicht, Größe und Hang zum Faxenmachen angeht, mit Inbrunst und wachsender Begeisterung füttern.

Wir Erwachsene beobachten lieber und genießen die Szenerie, die zusätzlich aufgepeppt wird durch Lichtungen, auf denen künstlich geschaffene Teiche und Klettergerüste größere Affengruppen animieren sollen, ein wahres Affentheater aufzuführen.

Da diese Affen es auch ohne das Vorhandensein von Fressfeinden vorziehen, ihren Schlaf hoch oben in den Baumwipfeln zu absolvieren, gelingen uns einige spektakuläre Schnappschüsse (wir verfügen über 18fachen optischen Zoom *stolzwieBollebin*) höchst unbequemer und brisanter Schlafstellungen. Übrigens ist es frappierend, dass die jüngeren Affen mitnichten die Kletterei mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben scheinen. Mehrfach fielen jüngere Äffchen unter großem Geschrei einfach vom Baum oder einmal auch ins Wasser.

Ein kleinerer Affe tat seinen gestillten Hunger und die Ablehnung weiterer Darreichungen bei unserem Sohnemann mit einer abwehrenden Handbewegung kund, was unserem Süßling zu einer später stolz im Kindergarten herumgezeigten Kratzwunde und der bahnbrechenden Erkenntnis verhalf: "Große Affen lieb. Kleine Affen sind Dussel."

Es sollte also doch wie am Eingang angemahnt durchaus etwas Obacht auf den lieben Nachwuchs gegeben werden, denn die drei im Park lebenden Malaken-Gruppen verhalten sich nach den Regeln der freien Wildbahn, was den Affenberg neben der geschilderten Möglichkeit zur Zerstreuung seit seiner Eröffnung im Jahr 1969 auch zu einem idealen Ort für Wissenschaftler macht, die die Affen studieren und darauf hoffen, das Sozialverhalten dieser nahen Verwandten des Menschen besser zu verstehen.

Aber auch für die Laien auf dem Gebiet der Affenpsychologie unter den Besuchern gibt sich der Park ausgesprochen informativ. So erklären an den Wegrändern Schilder zweisprachig das Verhalten der Affen, findet man entlang des Weges immer mal wieder Quizfragen und am Ausgang ein ganzes Infocenter mit angeschlossenem Souvenirshop.

Alles in allem also ein sehr kurzweiliges und auch eher kurzes (etwa eine Stunde für den Rundgang einplanen) Vergnügen, was sicher vor allem für Familien mit Kindern zum Pflichtprogramm im Elsass gehört. Zusätzlich aufgewertet wird der Besuch mit netten Picknickmöglichkeiten und prima Spielplätzen ringsherum. Gerade an heißen Sommertagen lässt es sich hier aufgrund der Höhenlage und der überwiegend schattigen Waldwege trefflich entspannen.

Wem das alles als Ausflugsprogramm nicht genügt, der sollte nicht zögern dem nahegelegenen Château du Haut-Koenigsbourg (deutsch: Hoch-Königsburg) einen Besuch abzustatten, einer der am häufigsten frequentierten Touristenattraktionen ganz Frankreichs und das - wenn mir diese Bemerkung erlaubt sei - völlig zu recht!

_/ _/ _/ PS1: Eine ernste Angelegenheit

Nicht verschweigen möchte ich den aktiven Beitrag zur Arterhaltung, den der Park "Montagne des Singes" leistet, denn Berberaffen sind heute in ihrer Existenz bedroht. Eine letzte Schätzung des Wildbestandes ergab noch knapp 10.000 Tiere, Tendenz abnehmend.

Ursache der Gefährdung ist vor allem die Zerstörung der Lebensräume durch intensive Nutzung der Wälder und die Überweidung der Waldböden durch Ziegen- und Schafherden.

Wichtigste Maßnahme zur Rettung der Berberaffen ist natürlich der Schutz der natürlichen Lebensräume, aber auch Einrichtungen wie der Affenberg tragen wesentlich zum Schutz dieser Art bei. So wurden u.a. bereits fast 600 Berberaffen erfolgreich nach Marokko ausgesiedelt und stärkten so die Wildpopulation.

_/ _/ _/ PS2: Allgemeine Angaben

Öffnungszeiten:
März / April / Oktober: 10 bis 12 Uhr & 13 bis 17 Uhr
Mai / Juni / September: 10 bis 12 Uhr & 13 bis 18 Uhr
Juli / August: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene : 8 Euro
Kinder (5 - 14 Jahre): 5 Euro

_/ _/ _/ PS3: Klappe zu, Affe tot

Um diesem Berichtchen einen würdigen Abschluss zu geben und die grauen Zellen der Leser wieder in Schwung zu bringen, führe ich nachfolgend alle mir bekannten umgangssprachlichen Wörter und Redewendungen auf, die mit "Affe" zu tun haben. Dankbar und erfreut wäre ich, wenn über die KS die eine oder andere Ergänzung möglich wäre. Denn merke: dooyoo ist nicht nur eine Meinungsplattform, sondern hat auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Und was wäre dazu besser geeignet, als das Repertoire an Schimpfwörtern mit "Affe" im Wortstamm zu erweitern? *zwinker*

Mehr oder weniger geflügelte Wörter:

* Affenschande
* Affenhitze
* affengeil
> oberaffentittengeil (Variante by HeiderSV)
> oberaffentittenturbogeil (Variante by Yvettte)
* Affenzahn
* Lackaffe
* Affenarsch (sorry)
* Affentheater (danke Annabelle)
* Affenliebe (danke kerry3)

Mehr oder weniger griffige Redewendungen:

* Ich denk, mich laust der Affe.
* sich zum Affen machen
* einen Affenzahn draufhaben
* an jemandem einen Affen gefressen haben
* Klappe zu, Affe tot.
* seinem Affen Zucker geben
* wie ein Affe auf dem Schleifstein
* einen Affenzirkus veranstalten
* sich affig haben (danke Annabelle)
* einen Affentanz aufführen
* jemanden nachäffen (danke Katz)
* einen Affen haben (danke HeiderSV)
* wie im Affenstall aussehen (danke Ankepunkt)
* wie vom Affen gebissen (danke mickymaus)
* Maulaffen feilhalten (danke kerry3)
* die drei Affen machen (danke kerry3)

Euer Reiseleiter Mr. Andrew

Fazit: An diesem Park habe ich einen Affen gefressen.