Tans Peru
TANS mit dem Tod - Tans Peru Fluglinien

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TANS mit dem Tod
Tans Peru

t.kuerten

Name des Mitglieds: t.kuerten

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Tans Peru

Datum: 20.10.00, geändert am 13.12.00 (839 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: nur TANS hat die Bonbonstewardess Mariana

Nachteile: s.u., ich kann hier leider nicht den ganzen Text wiederholen

Arequipa, 5. Oktober 2000, 14.00 Uhr. Die Sonne brennt. Die Frisur sitzt, perfekter Halt! Wir fliegen TANS.

Auf meiner Reise durch Peru war ich insgesamt drei mal gezwungen, Inlandsflüge zu unternehmen, weil mein geliebter Reiseveranstalter es so vorgesehen hatte. Dabei war TANS Peru die Airline seines Vertrauens und wir legten die Strecke von Lima nach Arequipa und von Arequipa nach Juliaca mit ihr zurück.

TANS Peru ist eine relativ junge, private Airline, die erst seit gut einem Jahr Flüge sowohl innerhalb Perus als auch in das lateinamerikanische Ausland anbietet. Dabei ist das Angebot relativ preiswert, der hier beschriebene Flug kostete gerade mal 48 USD inkl. Flughafensteuer. Generell muß man bei Flügen in Peru beobachten, daß die Flughafensteuer immer erst unmittelbar vor Abflug bezahlt werden kann und sie für Inlandsflüge 12 Soles und für Auslandsflüge 25 USD beträgt.

An diesem Tag bestieg ich also den Flieger der TANS, eine alte Boeing 737/100, die meines Wissens schon seit über 10 Jahren nicht mehr hergestellt wird. Beim Einstieg war ich angenehm von der künstlerischen Gestaltung des Innenraums der Maschine überrascht. Kleine Inkazeichnungen, wie ich zuerst dachte. Da waren Sonnen, Falken, Wellen, Schaufeln, kleine ägyptische Männchen – MOMENT – kleine ägyptische Männchen! In der Tat, es waren keine Inkaschriftzeichen, es waren Hieroglyphen! Und auf den Sitzgurten stand „Egypt Air“.

Aaaaargh!

Ich saß in einer ausgemusterten Maschine der Egypt Air. Sollte etwa mein letztes Stündchen geschlagen haben? „Ganz ruhig“ dachte ich mir im Stillen. „Der Flug soll ja nur 40 Minuten dauern.“ Es bestand also noch eine Chance. Und da nahte auch schon eine sehr hübsche Stewardess herbei und fragte mich, ob sie meine Tasche in die Ablage legen dürfte. Na sicher. Und sie wies mich auf meinen Platz 20D in der letzten Reihe. Der Sitz war hart und ausgesessen, ein neues Polster schon
seit Jahren überfällig. Aber auf so einer kurzen Strecke kann man das ja schon mal hinnehmen.

Die Notlandungshinweise erfolgten gemäß internationalem Standard in spanisch und recht gebrochenem Englisch. Auffällig war die gute Stimmung unter den 4 Stewardessen, die sich bei Verlesen der Sicherheitshinweise auf Englisch beinahe vor lachen nicht mehr halten konnten. Auf ihrem Weg nach hinten werde ich gefragt, ob alles okay bei mir sei. Logo, mir geht es blendend. Noch!

Der Start, wir heben unter dem lauten Getöse der Düsentriebwerke sanft in die Lüfte ab, verlassen den sicheren Boden. Nach 5 Minuten ist die Startphase beendet und das „Fasten Seatbelt“-Zeichen erlischt. Da der Flug ja sehr kurz ist, beginnt meine geliebte Stewardess auch sofort mit dem Service: Sie geht mit einem Körbchen voller TANS-Bonbons durch die Reihen. Noch 30 Minuten bis Juliaca.

Und kommt genau bis Reihe 13. Dann beginnen die Turbulenzen. Ich war gerade noch aufgestanden, um ein wenig in meiner Tasche zu kramen, als die dringende Durchsage der Chefstewardess kommt, man möge unverzüglich wieder Platz nehmen und die Gurte anlegen. Auch die Bonbonstewardess setzt sich in Reihe 13 hin. Unglaublich, ich bekomme gar kein Bonbon mehr. Alles für die Leute in Reihe 13. Aber dieser Ärger kann kurz meine Angst übertrumpfen. Die Maschine rappelt ganz gehörig. Die Innenverkleidung macht anstalten von der Decke zu fallen. Und noch 20 Minuten bis Juliaca.

Es hört nicht auf zu rütteln, wir durchspringen einige Luftlöcher, die Maschine fängt sich aber immer wieder. Wir bleiben in der Luft. Dann, endlich, steht die Bonbonstewardess wieder auf. Sie kämpft sich gegen die Turbulenzen bis ganz nach hinten durch, als sie unmittelbar vor meinem Platz wieder durch ein Luftloch aus dem Gleichgewicht gebracht wird und mit ihrem Dekolleté beinahe in meinem Gesicht landet. Dieser im Nachhinein wohl für mich angenehmste Augenblick des ganzen Fluges verblaßt aber nahezu in me
iner Erinnerung, wenn ich an die Flügel der Maschine denke. Die schwingen nämlich auf und ab wie die Flügel eines Kondors. Vor meinem inneren Auge laufen noch mal Stationen meines Lebens ab. Und noch 10 Minuten bis Juliaca.

Ich kann nicht mehr hinsehen. Schweiß steht auf meiner Stirn. Die Bräune der ersten Urlaubstage ist aus meinem Gesicht gewichen. Eine Hand tippt von hinten auf meine Schulter. Es ist die hübsche Stewardess, sie reicht mir ein paar Bonbons. Henkersmahlzeit! Todesengel! So schießt es mir durch den Kopf. Natürlich nehme ich die Bonbons an. Das erste esse ich sofort. Und ich höre, wie die Stewardessen hinter mir lachen. Wie können die nur lachen, während wir gerade alle unsere letzte Reise machen? Wenn ich recht überlege, hat die eine schon die ganze Zeit gelacht und auch die Bonbonstewardess sieht noch genauso heiter aus wie vor dem Start. Die Maschine setzt zur Landung an. Eine harte Landung, die Kaffeekannen aus dem Schrank hinter mir fliegen zu Boden, es scheppert und kracht, aber die Maschine ist wie ein Wunder heil gelandet. Die Chefstewardess ließt den üblichen Spruch zum Abschied. Bei den Worten „We hope you’ve had a pleasant flight and would like to welcome you on board of TANS Peru very soon.“ verschluckt sie sich beinahe vor lachen. Das geschieht ihr recht, denke ich noch still bei mir.

Die Maschine steht, ich lebe und habe einen kleinen Adrenalinschub. Am Fuße der Gangway wartet die Bonbonstewardess und erwartet mich mit einem Lachen. Zeit für small talk, denke ich mir. Mariana heißt sie also und verrät mir, daß sie die Strecke täglich fliegt und daß solche Turbulenzen in dieser Höhenluft nicht ungewöhnlich seien. Toll, jetzt sagt sie das. Aber irgendwie war das schon nett, wie sie sich auf dem Flug um mich gesorgt hat und ich frage sie, ob wir ein Foto machen wollen und vielleicht mal E-Mailen wollen. Und dann wünsche ich ihr noch allzeit guten Flug und bin im Flughafen verschwunden. Außerhalb ihrer Si
chtweite küsse ich den Boden.

Ich bin nun wahrlich schon oft geflogen und habe für gewöhnlich keine Flugangst, aber der Flug mit TANS gehört zu den furchtbarsten Minuten meines Lebens. Sogar letztes Jahr in Nepal bin ich mit Buddah Air wesentlich komfortabler geflogen (und das, obwohl es nur eine kleine Propellermaschine war). Ich kann dieser kleinen und jungen Airline einfach nicht mehr als einen Stern geben. Und den bekommt sie eigentlich auch nur wegen ihrer Bonbonstewardess. Wer trotzdem noch mehr über TANS Peru wissen will, der sei auf die Internetseite www.TANS.com.pe verwiesen.Die schlechteste Nachricht zum Schluß: für die Strecke Arequipa – Juliaca ist man auf TANS angewiesen, da die Straßenverbindung durch starke Regenfälle vor einem halben Jahr zerstört und noch nicht wieder befahrbar gemacht wurde.

Juliaca, 5. Oktober 2000, 15.00 Uhr. Ein heißer Wind weht. Die Frisur – naja, das war mal eine Frisur. Die Haare sind etwas grauer geworden. Wir sind TANS geflogen!

Fazit:

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