Merpati
Lebensversicherung schon abgeschlossen? - Merpati Fluglinien

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Lebensversicherung schon abgeschlossen?
Merpati

Piet+Airlines

Name des Mitglieds: Piet Airlines

Produkt:

Merpati

Datum: 16.12.06, geändert am 17.12.06 (1265 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Preis

Nachteile: unfreundliches Personal, museumsreife Flugzeuge, schlechtes Sicherheitsgefühl

Hey Ho ihr Fliegerleuts!

Dieses Jahr verbrachte ich meinem Urlaub vom 16.10.-30.10.2006 auf der Insel Bali in Indonesien. Geflogen bin ich mit Singapore Airlines von Frankfurt nach Denpasar via Singapore. Singapore Airlines lässt keine Wünsche offen und der Flughafen Changi in Singapore ist wirklich der absolute Wahnsinn.

Schon vor Begin meiner Reise nahm ich mir vor, für ein paar Tage nach Lombok zu fliegen. Lombok ist die Nachbarinsel von Bali und die Hauptstadt heißt Mataham. Ich hatte mir die Bewertungen von Garuda Indonesia und die von Merpati Nusantara Airlines durchgelesen und die Berichte von Merpati waren alles Andere als positiv.

In Bali angekommen wurden mir Ausflüge angeboten und darunter auch ein Zweitagetrip nach Lombok. Natürlich habe ich diesen Ausflug für mich und noch eine anderen Person gebucht. Durch das islamische Fest „Ramadan“, wurde mir aber kaum Hoffnung gemacht, überhaupt noch ein Flug nach Lombok zu bekommen. Doch für uns beide wurden doch noch Plätze gefunden und die durchführende Fluggesellschaft war Merpati Nusantara Airlines.

Merpati Nusantara Airlines wurde von Garuda Indonesia im Jahre 1962 gegründet. Sie bedient bis auf eine Destination ausschließlich nationale Ziele. Darwin in Australien wird von Merpati angeflogen, ansonsten werden alle großen und viele kleinere Flughäfen in Indonesien angesteuert. Im Jahre 2001 wurde die Muttergesellschaft Garuda Indonesia, die zu 100% dem indonesischen Staat gehört, von Merpati getrennt. Bis heute ist Merpati die zweitgrößte Fluggesellschaft Indonesiens und teilt sich mit Adam Air, Bouraq, Mandala Airlines, Air Paradise und Lion Air dem Billigfliegermarkt in Indonesien. Sie wird überwiegend von indonesischen Staatsbürgern beansprucht aber auch viele Touristen heben mit Merpati ab. Da Indonesien aus vielen Inseln besteht und die Flugzeuge überwiegen auf kleinen Flughäfen landen müssen, werden die Flüge überwiegend mit kleinen Propellerflugzeugen bedient.

Merpati Nusantara Airlines hat alles Andere als eine weiße Weste.
Vom 10. November 1979 bis zum 19. April 2001 ereigneten sich insgesamt 11 Unfälle. Dabei kamen bei jeder Katastrophe Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben. Bei den Zwischenfällen waren
5 DHC-6 Twin Otter,
3 Fokker F-27,
1 British Aerospace ATP,
1 Vickers Viscount 828 und
1 Fokker F-28 beteiligt.

Der vorletzte Zwischenfall ereignete sich am 19. April 1997. Dabei stürzte eine British Aerospace ATP während des Landeanfluges auf Tanjung Pandan ab. Bei dem Unfall kamen 15 der 53 Insassen ums Leben.
Knapp vier Jahre später, am 26. März 2001, stürzte eine Fokker F-27 auf einem Trainingsflug bei Juanda ab, während sie sich beim Touch and Go befand. Man ging vom menschlichen Versagen aus. Alle 3 Insassen kamen ums Leben.

Die letzte Flugzeugkatastrophe in Indonesien ereignete sich am 5. September 2005, als eine Boeing 737-200 mit der Registrierung PK-RIM der Mandala Airlines kurz nach dem Start in Medan in einem Wohngebiet abstürzte.

Die Flotte von Merpati besteht heute aus:

> 10 Boeing 737-200
> 02 Boeing 737-300
> 03 Fokker F-100
> 08 Fokker F-28
> 06 Fokker F-27
> 03 CN-235
> 09 Casa 212
> 09 DHC-6 Twin Otter

Vor kurzem wurden Boeing 737-400 angeschafft.

Am 26. Oktober 2006 war ich auf dem Merpati Nusantara Airlines Flug MZ-6600 von Denpasar/Bali nach Mataham/Lombok gebucht. Der Flug sollte ungefähr um 8:00 Uhr starten und tatsächlich holte uns der Bus pünktlich am Gate ab. Noch von der Wartehalle aus konnte ich eine Boeing 737-200 der Mandala Airlines beim Start beobachten. Kurz vorm Einsteigen in dem Bus, teilte ein gutgelaunter Mann für jeden Passagier ein kleines Päckchen aus, worin sich ein Brötchen mit süßer Füllung und ein Becher Wasser befand. Der knatternde blaue Bus mit der großen Aufschrift „Merpati“ fuhr uns an museumsreifen Flugzeugen vorbei die nicht unbedingt einen vertrauenerweckenden Eindruck machten. Nach der kurzen Fahrt stoppte der Bus an einer weiß lackierten, marode aussehenden Propellermaschine mit der blauen Aufschrift „Merpati“. Meine Reisebegleitung sagte zu mir: „Sag mir bitte, dass das nicht unser Flugzeug ist.“ Es handelte sich um eine alte Fokker F-27 mit der Kennung PK-MFY. Es schienen überwiegend Indonesier gewesen zu sein, die in die Maschine stiegen, dazu kamen noch ca. 10 Touristen internationaler Herkunft. Am Ende der Gangway wurde man im Heck der Fokker als erstes von einer mürrischen Flugbegleiterin begrüßt, die einen sehr lustlosen Eindruck machte. Vorn in der ersten Reihe kam noch eine zum Vorschein, die nicht ganz so unfreundlich aussah. Ich saß in der zweiten Reihe des Flugzeuges und konnte dabei den linken Propeller sehen. Die Sitze waren mit weißem Leder bezogen und sahen schon ziemlich mitgenommen aus. Wenn man sich mit etwas Schwung hingesetzt hat, bekam man schon fast das Gefühl durch den Sitz zu brechen, da die Rückenlehnen auch schon sehr wackelten. Insgesamt hat die F-27 vierzehn Sitzreihen mit der Aufteilung 2x2 und bietet damit Platz für 56 Passagiere. Zwischen dem Cockpit und der Kabine befindet sich der Gepäckraum. Nachdem die Türen geschlossen wurden und sich die Fokker in Bewegung setzte, wurde von der Kabinenbesatzung die Sicherheitsvorschriften runtergerasselt. In einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, fegten die Piloten das Propellerflugzeug über die Rollbahn, bis sie die Startbahn erreicht hatten. Nach einen kurzem Stopp wurden die zwei Propeller auf volle Leistung getrieben. Der Lärm, der dabei entstand, war unerträglich und die Maschine füllte sich mit Kerosingestank. Es schien als hätte der Pilot fast die ganze Startbahn in Gebrauch genommen, denn der Startvorgang dauerte sehr lang. Mit einem plötzlichen Ruck hob sich die Nase der Fokker und im nächsten Moment, schoss sie schon in die Luft.

Kurz nach dem Abheben fing das Geschaukel auch schon an. Die Lautstärke war ohrenbetäubend, dabei war es kaum möglich sich zu unterhalten, ohne das der Gesprächspartner mit „WAS?“ oder „HÄ?“ nachfragte. In der Kabine war es ungewöhnlich warm und stickig, darum wollte ich die Lüftung hochdrehen aber statt kühler Luft spuckte die Klimaanlage nur kerosingetränkte Wärme aus. Sobald das Geschaukel für einem Moment lang aufhörte erlosch das Anschnallzeichen, nach weniger als 30 Sekunden sprang sie aber wieder an, da sich die Maschine erneut von einem Luftloch ins andere stürzte, so ging es dann den ganzen Flug über. Aber warum sollte man denn auch aufstehen wollen, wenn man doch die Gelegenheit hat, aus den großen Fenstern der F-27 zu schauen und dabei die atemberaubende indonesische Landschaft zu erblicken. Übel sollte am besten Niemanden werden, da sich am Platz keine Kotztüten befanden aber Leder ist ja schnell abzuwischen. Auf dem gesamten Flug ließen die Besatzung die Cockpit und Gepäckraumtür offen, damit hatte man die Gelegenheit in das Cockpit und dabei dem Piloten über die Schulter zu schauen. Wenn man sich die Zeit nimmt und sein Blick durch die Kabine schweifen lässt, sieht man dem Flugzeug schon das Alter an. Die Buchstaben mit der man Fokker an die Gepäcktür gezeichnet hat und auch die Bilder neben den Ruftasten für die Flugbegleiter und dem Schalter für die Leselampe, ist im 60er und 70er Style gehalten. Fällt der Blick auf die Kabinenverkleidung, so stellt man fest, dass so manches Teil mit Klebeband befestigt ist und wenn man zu sich runter schaut und den Sicherheitsgurt genauer betrachtet kann man an der Gurtschnalle eingraviert „Air Europe“ nachlesen, somit kann man feststellen, dass Merpati nicht der erste Nutzer dieser Fokker ist.
Ca. 25 Minuten nach dem Start in Denpasar, fingen wir auch schon an Höhe zu verlieren und die Ufer der Insel Lombok kamen zum Vorschein. Entgegen aller meiner Erwartungen setzte die Maschine mit einen heftigen Ruck sicher auf, dabei konnte man noch mal richtig schön durchgeschüttelt werden. Trotz des Alters macht das Flugzeug einen sehr robusten Eindruck. Die Piloten hetzten die Fokker über die Rollbahnen von Mataham Nationalairport. Nachdem die Maschine anhielt und die Propeller stoppten, konnte man die anderen Passagiere beim unterhalten hören und das normale Chaos wie bei jeden anderen Flug brach aus, da jeder Insasse der erste sein wollte, um so schnell wie möglich die Maschine verlassen zu können. Natürlich ließ ich es mir nicht entgehen der unfreundlichen Flugbegleiterin am Heck goodby zu sagen aber auch sie verabschiedete sich bei mir mit einem künstlich hochgezogenen Lächeln. Froh wieder festen Boden unter dem Füßen zu haben ging ich zu Fuß zum Terminal, denn in Mataham gibt es den Luxus mit dem blauen knatternden Bus nicht.

Als es am nächstem Tag auch schon wieder zurück nach Bali gehen musste, wurde der Merpati Nusantara Flug nach Denpasar wieder pünktlich aufgerufen. Zu Fuß erreichte man die gleiche Fokker F-27 mit der man am Vortag hergekommen ist. Diesmal handelte es sich aber um zwei andere Flugbegleiterinnen, die im Vergleich zum Vortag beide unfreundlich und lustlos waren. Wieder fegte die Fokker über die Rollbahnen und wieder wurden die Notfallmaßnahmen im Rekordtempo runtergerasselt. Ich saß diesmal ziemlich weit hinten auf der rechten Seite und konnte dabei das Fahrwerk sehen. Schräg vor mir war ein Mann dem offensichtlich eine Schwimmweste fehlte und das meldete. Kurze Zeit später kam einer der Flugbegleiterinnen und gab dem Mann Eine. Nach dem Start verlief der Flug diesmal nicht turbulent, sondern im Gegensatz sehr geschmeidig aber dennoch stank es nach Treibstoff und der Lärm verursachte Kopfschmerzen. Die Landung in Denpasar war nicht so hart wie die in Mataham. Kurz vor dem Ausrollen kam die Flugbegleiterin zu den Mann schräg vor mir und nahm ihm die Schwimmweste wieder ab, man hatte sie ja schließlich nicht gebraucht. Nach dem Öffnen der Türen war ich zum Schluss der letzte Passagier und ich fragte die eine Flugbegleiterin, dass was mir schon lange unter den Fingernägeln brannte: „How old is the airplane?“ Die Dame wusste nicht was sie antworten sollte, deswegen holte sie ihre mürrische Kollegin zur Hilfe, bis sie mir dann antwortete: „Over thirty years old.“ Dabei fing die Eine an zu lachen und nanu, es klang so gar echt.

Das Gesamtbild von Merpati Nusantara Airlines macht keinen guten Eindruck. Das liegt überwiegend daran, dass das Durchschnittsalter der Flugzeuge um die dreißig Jahre liegt. Wie alt die Flugzeuge genau sind, kann teilweise Merpati wohl selber nicht sagen, da sie von anderen Fluggesellschaften abgekauft wurden sind. Wer mit Merpati fliegt hat das Gefühl in einer anderen Zeit zu sein, denn in vielen Luftfahrtmuseen steht schon z.B. die F-27. Ich habe so das Gefühl das diese Airline wartet bis bei den alten Fluggeräten entweder ein irreparabler Schaden auftritt oder die letzte Landung in vielen Einzelteilen erfolgt. Nun stellt sich aber die Frage warum meine persönliche Bewertung dennoch mit 3 Sternen erfolgt. Ganz einfach, es liegt am Ticketpreis. Ein one way Flug nach Lombok schwankt umgerechnet zwischen 15 und 20,00 €. Mit der Fähre spart man wohl etwas aber warum sollte man im Urlaub knauserig sein. Ich finde es albern, Merpati mit Garuda zu vergleichen, denn Garuda verfolgt einen ganz anderen Standard und damit steigt automatisch der Ticketpreis. Außerdem wird ja Niemand gezwungen mit Merpati zu fliegen, deswegen sollte man auch die Überschrift nicht ganz so ernst nehmen. Die längeren Strecken zwischen den größeren Flughafen in Indonesien werden natürlich nicht mit solchen maroden Propellerflugzeugen bedient, dabei kommen Fokker F-100, Boeing 737-200, 300 und 400 zum Einsatz. Darum sollte man wenn man schon einmal in Indonesien ist, die Gelegenheit wahr nehmen und im Inland ein wenig jetten und mit viel Optimismus und ein wenig Segen von Oben, erreicht man auch sein Zielort.

Dann wünscht euch euer Flugzeugfreak Piet einen mega-geilen Flug, egal wohin!

Fazit: Das Abenteuer beim Urlaubsflug.

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