
Neuester Testbericht: ... machte den a la ich bin Terrorist und erhielt darauf extra viel Aufmerksamkeit. Auf sowas sollte man lieber verzichten. Humor gibts beim E... mehr
Im Hochsicherheitstranspo rter nach Israel
El Al - Israel Airlines

Name des Mitglieds: t.kuerten
Produkt:
El Al - Israel Airlines
Datum: 10.09.00, geändert am 10.09.00 (3850 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Guter Service an Bord, hohe Sicherheit
Nachteile: Nerviges Procedere vor Abflug (dient aber der Sicherheit)
Ich kann nicht sagen, wie oft ich nun schon in einem Flugzeug saß und verreist bin. Die meisten Flüge mögen inzwischen aus meiner Erinnerung verbannt sein, aber einen Flug gibt es, an den werde ich mich auch noch in 50 Jahren erinnern. Dieser Flug führte mich vor einiger Zeit von München nach Tel Aviv.
„Sei mal mindestens 3 Stunden vor Abflug am Flughafen“ sagte die Freundin aus meinem Reisebüro damals zu mir. Erstaunt blickte ich sie an. Ich war davon ausgegangen, daß ich in aller Ruhe morgens in Düsseldorf einchecken kann, wollte dann für das Umsteigen eine gute Stunde einplanen und rechnete dabei nicht im entferntesten mit irgendwelchen Komplikationen. Aber die Gute verriet mir dann, daß man bei Flügen nach Israel nicht durchchecken könne und ich erst mal mein Gepäck in München in Empfang nehmen und neu einchecken müsse. Nun stand fest, daß mein Flug in München etwa um 10.00 Uhr starten würde. Also buchte ich auf den weisen Rat hin den ersten Flieger des Tages von Düsseldorf nach München um 6.05 Uhr, da ich eine teuere Übernachtung sparen wollte.
Am entsprechenden Reisetag landete ich etwa um 7.15 Uhr auf den Franz-Josef-Strauss-Flughafen im Erdinger Moos bei München. Es war ein kalter Tag Ende Februar, ich war entsprechend warm angezogen und machte mich nach Empfang meiner Koffer auf die Suche nach meinem Gate für den Flug mit El-Al nach Tel Aviv. Terminal F war da angeschlagen. Wo in Gottes Namen war aber nun Terminal F? Die lange Halle, die alle Terminals miteinander verbindet (so dachte ich damals jedenfalls), begann jedenfalls bei Terminal A und endete bei Terminal E. Es nutzte nichts, mir stand schon die Panik im Gesicht und der Schweiß auf der Stirn. Ich mußte eine Auskunft fragen. Man wies mir den Weg aus dem Hauptgebäude hinaus, über die zentralen Parkplätze und vorbei am Steigenberger Hotel vorbei, hin zu einem kleinen und unscheinbaren Flughafengebäude, daß anscheinend sehr gut bewacht war. Schon an der Einfahrt zum letzt
en Parkplatz vor diesem Gebäude stand jedenfalls ein mit einer Maschinenpistole bewaffneter Soldat des Bundesgrenzschutzes.
Bei Betreten des Gebäudes mußte ich ein erstes mal meinen Flugschein vorzeigen. Mir wurde Einlaß gewährt und ich kam in einen kleinen, aber relativ hohen Saal, in dem sich Reisende in einer langen und sich windenden Schlange warteten. Ich stellte meine Koffer ab und schaute mich um. Auf einer Galerie etwa 3 Meter über den Köpfen der Reisenden gingen drei weitere schwer bewaffnete Soldaten des Bundesgrenzschutzes mit einer MG im Anschlag. In der Schlange, in der ich mich befand, wartete man lange. Ich vergaß langsam die Zeit und blickte immer wieder furchtvoll hoch zu den „Grenzbeamten“, die ganze Atmosphäre war mir unheimlich. Endlich war ich an der Reihe und mußte erneut meinen Flugschein präsentieren. Mein Gepäck wurde durchleuchtet und ich selber wurde auch gründlichst untersucht auf eventuell mitgeführte Waffen. Danach wurden mir meine beiden Koffer komplett ausgeleert und jedes einzelne Kleidungsstück wurde kontrolliert. Ist in der Deoflasche auch wirklich Deospray drin? Ist das wirklich eine Fotokamera? Die Dame bestand darauf, ein Foto von mir zu machen, damit sie sich von der Funktion der Kamera überzeugen konnte. Ich stand da bestimmt über 10 Minuten, bis wirklich jedes Teil überprüft war. Es war bereits 9.45 Uhr und ich hatte nun auch schon den ersten Aufruf für meinen Flug gehört. Meine Freundin daheim im Reisebüro hatte also wirklich recht gehabt, es dauert tierisch lang.
Dankenswerter Weise durfte ich meine Koffer nun auch selber wieder einpacken. Also stopfte ich die Klamotten ruck zuck hinein und rannte zum Flugschalter. Oh, ich bin recht spät, na was ich nicht gedacht hätte. Ach das Gepäck ist schon komplett an Bord. So so, da muß also extra noch mal ein Flughafenarbeiter kommen und meine Koffer eigenhändig zum Flugzeug tragen. Na bitte, wenn das so ist, dann soll eben einer kommen. Die lange Warte
zeit hatte meine Geduldsnerven auf eine Zerreißprobe gestellt und ich war kurz davor, zu explodieren. Wie, wir müssen noch einen Fragebogen durchgehen? Wen besuche ich? Habe ich Verwandte in Israel? Warum fliege ich nach Israel? Jau, genau das habe ich mich in dem Moment auch gefragt. Das kommt bei mir wahrlich nicht oft vor, aber an diesem morgen war ich von Urlaub und Erholung wirklich meilenweit entfernt. Alles hausgemachter Streß, aber El-Al hat auch allen Grund dafür, wird sie doch weltweit von allen möglichen moslemischen Terrorgruppen bedroht und immer wieder werden Anschläge angekündigt. Um da den Reisenden ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewähren, sind halt solche Vorkehrungen bei der staatlichen israelischen Linienfluggesellschaft zum Standard geworden. Da nach mir auch noch andere Fluggäste das Procedere noch über sich ergehen lassen mußten, startete die Maschine mit einer Stunde Verspätung. Ich erwischte meinen Flieger also doch noch relativ zeitig und sobald ich einmal saß, begann der schöne Teil des Tages.
Im Flugzeug selber war das Personal nämlich sehr bemüht, die Unannehmlichkeiten des Check-In wieder vergessen zu machen. Die Sitze standen zum Glück relativ weit auseinander, da ich aufgrund des späten Check-In nur einen Mittelplatz erhalten hatte. Normalerweise ist es für mich mit meinen langen Beinen nämlich unmöglich, dort längere Zeit zu sitzen. Hier auf diesem El-Al-Flug hatte ich zum ersten mal genügend Beinfreiheit. Noch vor dem Abflug erhielt jeder Passagier Kopfhörer, Bonbons, soviel erwollte (ich griff natürlich zu, um wieder die Produktion meiner Glückshormone anzuregen) und ein warmes, feuchtes Tuch. Dieses Tuch hatte ich besonders nötig, denn durch die Hektik war ich schweißgebadet.
In der Startphase konnte man, wie auf Lang- und Mittelstreckenflügen üblich, die geflogene Strecke auf einem der Monitore verfolgen. Es schloß sich jedoch recht bald ein aktueller Spielfilm an, den man in der englischen oder der hebräischen S
ynchronisation sehen konnten. Über die Kopfhörer hatte man außerdem die Auswahl zwischen einer Vielzahl von Musikkanälen. Von der Crew wurde zunächst ein Drink serviert und gleichzeitig eine kleine Menükarte ausgeteilt. Man konnte nun zwischen drei Gerichten auswählen. Zwei davon waren koscher (davon eines vegetarisch) und das andere war aus der arabischen Küche. Das von mir gewählte koschere Menü mit Fleisch war so ziemlich das beste, was ich jemals an Bord eines Flugzeuges gegessen habe. Seitdem versuche ich schon vor jedem Flug über das Reisebüro, koscheres Essen zu bestellen. Auch nach dem Essen ließ die Cabin Crew nicht den Eindruck aufkommen, daß man sie irgendwie in Streß bringen könne. Ruhig und souverän wurde jedes Anliegen eines Passagiers bedient. Auch der kleine Junge in der Reihe vor mir, der plötzlich eine halbe Stunde vor der Landung noch das Cockpit sehen wollte, durfte noch für 5 Minuten zum Captain. Die Getränkeauswahl war groß und der Getränkewagen ging 4 mal durch die Reihen.
War ich durch die Prozedur am Boden noch sehr beunruhigt, so schaffte es das Personal an Bord durch seine hervorragende Arbeit, mich meiner Ängste zu berauben. Ich war in diesem Flugzeug umgeben von vielen netten Menschen und daß hier irgendjemand die Maschine kidnappen wollte, schien mir ausgeschlossen. Nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden landeten wir dann in Tel Aviv, Streß und Hektik waren (fast) vergessen, ich war erholt in meinem Urlaubsland angekommen. Für den Rückflug wußte ich nun Bescheid und nach 2 Wochen in einem wunderbaren Land fand ich mich dann auch rechtzeitig zum Check-In wieder am Flughafen ein.
Alle Israel-Reisenden seinen daher gewarnt. Drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein ist wirklich die Mindestzeit. Besser sogar noch ein bißchen eher, damit nicht in Streß gerät. Und man muß Geduld und starke Nerven mitbringen. Das deutsche Flughafenpersonal besitzt die gewohnte „Freundlichkeit“ und versteht es, alle Unannehmlic
hkeiten so unangenehm wie möglich zu machen. Der Service an Bord der Maschine verdient eigentlich 5 Sterne. Da aber bei jedem Flug mit El-Al eine solche Prozedur am Boden verbunden ist, findet auch dies in meiner Bewertung ihren Ausdruck: 2 Sterne Abzug, weil es absolut nervtötend ist und wieder einen Stern dazu, weil man wohl bei keiner anderen Linienfluggesellschaft sicherer fliegt.
Fazit:

