
Neuester Testbericht: ... ist ohne Komplikationen abgelaufen. Ich fliege, wenn möglich, nie wieder Air China. Lieber mehr Geld ausgeben und Planungssicherheit ... mehr
durch und durch Durchschnitt
Air China

Name des Mitglieds: jlauenst
Produkt:
Air China
Datum: 09.10.02, geändert am 11.04.04 (5446 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Beinfreiheit, gute China-Anbindung
Nachteile: Inflight-Programm und Bestuhlung z.T. sehr alt
Freitag bin ich von einer China-Rundreise zurück gekommen, von der ich hier nach und nach berichte. Ich fange jetzt einfach mal mit der Airline an, die uns nach China gebracht hat.
Route
Frankfurt (FRA) - Shanghai-Pudong (PVG)
Chongqing (CKG) - Beijing (PEK)
Beijing (PEK) - Frankfurt (FRA)
Buchung
Als Teil einer Pauschal-Gruppen-Rundreise. Der Komplett-Preis lag bei knapp 2.200 EUR. Ich habe mir spasseshalber ein vergleichbares Nur-Flug-Angebot bei expedia.de ausrechnen lassen. Das lag bei ca. 1.600 EUR, beinhaltete auf dem Hinflug jedoch ein Umsteigen in Beijing.
Check-In
In Frankfurt durch Lufthansa-Bodenpersonal. Da vor uns ein nerviges, hochnäsiges Ehepaar aufgrund von Sonderwünschen unziemlich lange benötigte und wir zu der freundlichen jungen Dame sehr freundlich waren (wie war das mit dem in den Wald rufen?!), bekamen wir ohne große Bettelei unter Hinweis auf meine Körperlänge Plätze direkt vor der Leinwand. Diese hatten über einen Meter Beinfreiheit.
Den Check-In in Chongqing haben die Leute für uns erledigt, die unsere Koffer zum Flughafen geschafft haben. Wir bekamen also nur noch die Bordkarten von unserem Reiseleiter in die Hand gedrückt.
In Beijing hatten wir es mit einer Auszubildenen zu tun, die dann auch gleich große Probleme hatte, das Gepäck unserer Vor-Einchecker nach Düsseldorf weiter durchzuchecken. Da wir jedoch drei Stunden vor Abflug am Flughafen waren, konnte uns dieses 20-minütige Intermezzo nicht aus der Ruhe bringen. Mit uns ging es dann auch flotter (auch wenn wir aufgrund diverser Vorbestellungen keinen Platz am Notausgang oder vor der Leinwand mehr bekamen) und nach uns wurde die junge Dame abgelöst, sodaß sich auch der Rest unserer Reisegruppe berechtigte Hofnung machen konnte, den Flieger noch zu erreichen.
Die Flüge
Hier muß ich voraus schicken, daß sich meine Erfahrungen auf Langstreckenflügen mit Singapore Airlines, Cathay Pacific und Air New Zealand
auf Airlines beschränkten, die Jahr für Jahr in der Economy zu den Besten zählen. Bei einem Vergleich mit o.g. Airlines hat es Air China dann natürlich besonders schwer. Meine entzückende Reisebegleitung, die auf der Langstrecke schon mehrere Airlines durchgetestet hat, versicherte mir jedoch, daß man Air China durchaus mit Lufthansa vergleichen könne.
Bei den beiden Langstreckenflügen hatten wir die beiden Extreme gutbestuhltabermuffigespersonalundwenigfilme (FRA-PVG) und aufmerksamfreundlichespersonalaberaltersschwachesi tzeundvielefilme (PEK-FRA).
Aber erstmal zu den Gemeinsamkeiten.
- pünktlicher Abflug
- steinzeitliche "Stetoskop"-Kopfhörer
ich meine mich zu erinnern, sowas in den 70er-Jahren bei einem Charterflug zuletzt benutzt zu haben
- Zwei warme Mahlzeiten mit jeweils zwei Gerichten zur Auswahl
Jeweils sehr schmackhaft mit Vorspeise und Dessert.
- Kein Überlebenspäckchen (Socken, Zahnbürste, Schlafmaske)
- In den Toiletten gab es Eau-de-Toilette-, Seifen- und Handcremespender und eine Amenities-Schublade, die Zahnbürsten, Schuhputzlappen und Damenbinden enthielt.
- Zwischen den Filmen gab es ein "Aerobic-Video" mit Übungen, die die Durchblutung fördern und die man im Sitzen vollführen kann, zu sehen (aufgewacht und mitgemacht).
Hinflug
Der Hinflug in einer Boeing 747-400 Combi (großer Laderaum, dadurch nur ca. 250 Passagiere) fing schon interessant an. Ich kannte es bisher von anderen Fluggesellschaften so, daß das Bordpersonal noch im Steigflug anfängt, geschäftig rumzuwuseln. Nicht so bei diesem Flug. Längere Zeit tat sich erstmal gar nichts. Dann wurden langsam die Getränkewagen fertig gemacht und das übliche Getränkesortiment + Erdnüsse angeboten. Per Lautsprecherdurchsage wurden die Menüalternativen durchgesagt (Huhn oder Rind), die dann auch sofort serviert wurden. Unnötig zu sagen, daß die Menüs chinesisch zubereitet waren und Reis als Beilage hatten.
Danach gab es
nochmal Getränke (u.a. Jasmintee, chinesisches Leichtbier und "Great Wall"-Wein).
Wollte man nicht verdursten, mußte man sich die nächsten sechs Stunden in der Bordküche versorgen, wo Wasserflaschen und Becher bereit standen. Das fand man aber nur heraus, wenn man selber nachschauen ging. Durchgesagt hat das niemand.
Das Inflight-Programm (leider kein Inseat-Programm) bestand zunächst aus dem Standard-Positionsprogramm (wo-bin-ich-gerade-wie-hoch-wie-schnell-wie-lang-n och). Nach dem Essen wurde der Film "Dumm und Dümmer" (englisch mit chinesischen Untertiteln) gezeigt. Dann gab es noch einen chinesischen Film mit Donald Sutherland der englisch sprach (ansonsten chinesisch mit chinesischen Untertiteln), Nachrichten und Slapstick (The three stooges). Alles in allem nichts, was einen vom Hocker reisst.
Zwei Stunden vor der Landung wiederholte sich das Essens-Procedere (diesmal konnte man zwischen Fisch und Schwein wählen). Nach zehn Stunden landeten wir dann überpünktlich in Shanghai.
Inlandsflug
Ich habe mich natürlich im Vorfeld der Reise ausführlich über China informiert. Unter anderem wurde in einem Reiseführer darauf hingewiesen, daß Inlandsflüge mit schlecht gewartetem, veraltetem Fluggerät und muffeligem Personal durchgeführt würden. Überraschend war dann allerdings, daß der Inlandsflug ganz ok war, jedoch zwei Stunden Verspätung hatte.
Das Fluggerät war eine Boeing 767-300, die auf mich trotz des Anstrichs im 70er-Jahre-Design einen recht neuen Eindruck machte.
Die Beinfreiheit war ähnlich großzügig bemessen, wie die der Langstreckenflieger. Die Bestuhlung war funktionstüchtig und wirkte nicht so alterschwach, wie auf dem Langstrecken-Rückflug.
Es gab übliche und unübliche Softdrinks (u.a. Kiwisaft), Kaffee und Jasmintee. In der Economy jedoch keinen Alkohol. Das Essen bestand aus einer Art Snackbox mit Labberbrötchen, Wurst, Butter und chinesischer Gewür(g)zpaste, die nach Öffnen der Verpackung eine
n intensiven Duft nach dem Ausgefegten eines beliebigen deutschen Asien-Marktes verströmte. Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, daß das für 2,5 Stunden Flug schon alles war, gab es noch eine warme Mahlzeit bestehend aus Rindfleisch bzw. Fisch und Reis. Ich hatte das Rindfleisch., das in einer angenehm scharfen Sauce mit Paprika serviert wurde. Lecker. Das Inflight-Entertainment, das ich nicht in Anspruch genommen habe, bestand aus einigen chinesischen Audiosendern.
Rückflug
Von Beijing zurück ging es dann mit einer normalen Boeing 747-400, die auf mich aufgrund der Bestuhlung schon fast einen etwas altersschwachen Eindruck machte. Um uns herum funktionierte entweder die Beleuchtung nicht, der Sitz ließ sich nicht vor- bzw. zurückklappen oder knarrte zum Steinerweichen. Mein Sitz war technisch ok. Ich konnte allerdings die Filme nur auf einem Ohr hören.
Der Sitzabstand betrug 34" oder umgerechnet 86 cm. Das ist schon sehr angenehm (zum Vergleich hat Singapore Airlines in der Economy nur 81 cm).
Die Menüfolge war ähnlich wie auf dem Hinflug. Es fiel jedoch angenehm auf, daß das Bordpersonal auch mal lächelte und daß zwischen den Mahlzeiten öfter mal mit Wasser, Orangensaft und Jasmintee durch die Reihen gegangen wurde. Die Pause zwischen Abheben und erstem Getränk hatte im Gegensatz zum Hinflug "internationalen Standard"
Es wurden diesmal vier Filme gezeigt, die aber ähnlich wie auf dem Hinflug nicht zu den aktuellsten gehörten (u.a. What Dreams may come mit Robin Williams von 1998). Vor dem ersten Film gab es aktuelle Nachrichten, die offensichtlich kurz vor dem Start aufgenommen wurden.
Die Landung in Frankfurt erfolgte mit ½ Stunde Verspätung, da wir vor Frankfurt noch die eine oder andere Warteschleife fliegen mußten.
Fazit
Ich wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, Air China für eine Individualreise in Anspruch zu nehmen. Nach dieser Reise würde ich die Gesellschaft für reine China-Trips auf
jeden Fall in die engere Wahl ziehen.
Am erfreulichsten war die relativ große Beinfreiheit, die für mich auf Langstreckenflügen mit zu den wichtigsten Auswahlkriterien gehört. Den Vergleich mit meinen bisherigen Langstrecken-Airlines verliert Air-China natürlich. Aber das soll nichts heissen. Probehalber möchte ich nun mal Langstrecke mit europäischen Carriern fliegen, nur um weitere Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Aber das könnte jetzt noch ein bisschen dauern.
Fazit:

