
Neuester Testbericht: ... mussten wir auch noch über Hamburg, wir leben in Berlin, fliegen. Wir waren darüber ziemlich sauer denn es sollte eigentlich ein Direktflu... mehr
Zum Dönerwetter
Air Anatolia

Name des Mitglieds: Numibien
Produkt:
Air Anatolia
Datum: 25.02.01, geändert am 25.02.01 (508 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: man kommt an
Nachteile: siehe Text
„Schnorchel statt Graupel“, sagten wir uns, als wir eine Reise in die Türkei mit dem Reiseveranstalter transatlas jetzt im Januar gebucht hatten, der die Fluglinie Air Anatolya benutzt.
Also, diese Fluglinie Air Anatolya wird von mir demnächst nicht mehr benutzt werden. Das Flugzeug war wirklich sehr alt, was das Äußere betraf, wenngleich natürlich die Triebwerke sicherlich auf dem neuesten Stand der Technik sind. Es handelte sich hierbei zumindest um eine Boeing älteren Modells. Ich fühlte mich, was das gräuliche Optische des Interieurs angeht, in Flugzeug-Spielfilme der 60er Jahre versetzt. Leider war ich aber in keinem Film, sondern in der harten Realität:
Der Hinflug am 14. Januar war ja noch ganz okay und auch alles pünktlich. Langsam begab sich der Flieger auf dem Flughafen zur Rollbahn, um dann auf der Startbahn nachts mit Vollgas und Donnergetöse Richtung Antalya sich aufzuschwingen, daß es einen nur so in die Sitze preßte, den Magen anatomisch unkorrekt völlig runterdrückte und die Knie sonderbarerweise nachhaltig erweichen ließ ... Irgendwo da unten schunkelte das dunkle Hannover mit seinen vielen Lichtern vor sich hin, so sah es jedenfalls von oben aus.
Aber die Vorverlegung von satten 15 Stunden auf dem Rückflug am 28. Januar war schon der Hammer! Eigentlich sollten wir Sonntag mittags abgeholt werden, erfuhren es aber erst einen Tag vorher Samstag nachmittags, daß wir abends um 23 Uhr wieder zurück nach Hannover fliegen sollten. Die armen Mitreisenden, die nach Hamburg gebucht hatten, hörten hierbei, daß sie gar nicht dort hingeflogen werden, sondern mit einem Bus von Hannover nach Hamburg transferiert werden sollten - mitten in der Nacht.
Also ging es ziemlich hektisch ans Kofferpacken. Wir mußten noch an einem anderen Hotel vorbei, um hier andere Touristen für den Rückflug einzusammeln. Und wie es zu erwarten war, hatten sich einige gar nicht informiert, daß es vorzeitiger wieder Richtung Heimat geh
en wird, und lagen selig schlafend schon im Bett! In aller Eile mußten deren Bündel von wem auch immer gepackt werden, ab in den Bus und dann ging es endlich auf den modernen, nächtlich ausgestorbenen Flughafen Antalya. Freundlicherweise hatten aber die Duty free-Shops noch geöffnet.
Wir wurden von einem Mitarbeiter des Reiseveranstalters transatlas darüber belehrt, daß es nunmal üblich sei, daß Charter-Flüge sich 24 Stunden vor oder aber auch nach der vereinbarten Zeit in die Lüfte schwingen. Dies sei aber nicht ein Problem von transatlas, sondern von Air Anatolya!
Irgendwann kam dann auch das Flugzeug von Air Anatolya.
Müde und hungrig nahmen wir zu nachtschlafener Zeit also unsere engen Sitzplätze ein und quetschten unser Handgepäck in den wenigen vorhandenen Ablageraum über den Sitzen. Die alten über den Innenraum verteilten sechs 14-Zoll-Bildschirme bei Air Anatolya schienen wohl nur dazu dienen, daß die Decke des Luftfahrzeuges zusammenklebte, funktioniert haben sie jedenfalls nicht. Es war alles jedenfalls tierisch laut und zog wie Hechtsuppe, ich konnte mich allerdings davon überzeugen, daß während des Fluges keine Fenster geöffnet waren. :-)
Die Bestuhlung besteht bei air anatolya aus grau-beigen schmuddeligen klapprigen „Gartenstühlen“ der 60er Jahre. Der ehemalige Stoff ist überzogen worden mit blauem dicken billigen Leinenstoff. Sah echt sehr eigenwillig aus. Und eng war das, mamma mia! Nichts für Leute mit Platzangst. Meine Devise war: Nur nicht nachdenken!!
Die türkischen Stewardessen sprachen nur Englisch und zierten sich sehr, überhaupt Deutsch zu verstehen. Schließlich ist die Sprache des Luftraumes Englisch, woran man sich spätestens bei der Bestellung eines Mineralwassers darauf einstellen sollte. Aber als es darum ging, daß zollfreie Waren an Bord verkauft wurden, konnten sie auf einmal bestens Deutsch sprechen: ein Wunder war geschehen!
Man kam sich vor wie auf einem Flüchtlings-
Treck, schon alleine wegen der weißen Neon-Beleuchtung, bei der die lieben Mitreisenden alle so verhärmt aussahen und müde und eingepfercht in ihren schmalen klapprigen Stühlen gedrängt saßen. Was, stickig? Eine allgemeine Sauerstoffknappheit ist doch in allen Flugzeugen mehr oder hier weniger zu verzeichnen, wir schaffen das schon! Schließlich wurden wir über die Benutzung der Sauerstoffmasken informiert!
Erst nach einer Ewigkeit gab es überhaupt erst etwas zu essen, ich vermutete schon, daß man wohl seine eigenen Brote hätte mitbringen müssen!? Ein umwerfend penetranter Ei-Geruch ließ vermuten, es wird irgendwas im hinteren Bereich scheppernd zubereitet. Zu verspeisen gab es bei beiden Flügen hin und zurück dasselbe: ein Häufchen pappige Mehl-Rühreier (vielleicht war es aber auch was ganz anderes, es war ziemlich undefinierbar) mit öligen drei Kartoffelscheibchen bzw. auf dem Rückflug gab es bei mir sogar vier Kartoffelscheibchen (ha!), etwas knallsüßen Schoko-Kuchen, ein Milchbrötchen und dieser künstlich schmeckende Obstsalat aus der Dose, dessen exotische Herstellungsweise einem einige Rätsel und dadurch nette Konversation mit dem Sitznachbarn einbrachte. Vorsichtshalber inspizierten wir schon mal die mögliche Belastbarkeit der hinten an den Vordersitzen befestigten Spucktüten.
Getränke wie Bier und Wein müssen im übrigen bei Air Anatolya bezahlt werden, das kannte ich ja noch gar nicht! Tja, Reisen bildet eben. Möglichst sollte man keinen Appetit auf eine zweite Tasse Kaffee haben, denn sowas Dreistes kann man hier nun wirklich nicht verlangen! Ich wußte es doch: Ich hätte meine Thermoskanne mitnehmen sollen. Wo war denn da die sprichwörtliche türkische Gastfreundschaft geblieben?
Und so dämmerten wir weiter vor uns hin, falls uns nicht zwischendurch ein plötzliches „Luftloch“ aufschreckte und uns irritiert in die Gegend blicken ließ, fragende Gesichter rundum, sich gegenseitig nach einer Antwort erforschend.
Ir
gendwann kamen wir nachts im naßkalten Deutschland auf dem Flughafen Hannover an. Ich war dermaßen taub auf den Ohren vom Landeanflug, daß diese Schmerzen mich wenigstens vom Frieren aufgrund der deutschen Winterkälte abhielten. Es ist jedenfalls erstaunlich, daß man aber ein lautes Knacken im Hinterkopf in der Nähe der Gehörwindungen trotz Taubheit noch lange hinterher wahrnimmt. Noch ein neues, mir vorher unbekanntes anatomisches Phänomen!
Wenn man im übrigen vom Reisebüro seine Reiseunterlagen erhält und feststellt, daß mit Air Anatolya geflogen wird, kann man jetzt nicht einfach eine andere Fluggesellschaft verlangen, i wo! Weit gefehlt. Es muß dann die gesamte gebuchte Pauschalreise natürlich sofort storniert werden!
Fürs nächste Mal wissen wir Bescheid:
„... und runter kommen sie immer!“
Fazit:


08.01.02
Habe mich beim Lesen deines Beitrages wirklich gut unterhalten. Gruss aswie