Pulkovo Airport LED
Beauty and the Beast: Pulkowo 1 und 2 - Pulkovo Airport LED Flughafen international

Neuester Testbericht: ... nach St. Petersburg. Abflug München. Dort war das Einchecken der Gruppe mit den Instrumenten verhältnismäßig unkompliziert, d... mehr

Beauty and the Beast: Pulkowo 1 und 2
Pulkovo Airport LED

Swinny2000

Name des Mitglieds: Swinny2000

Produkt:

Pulkovo Airport LED

Datum: 06.10.02, geändert am 06.10.02 (550 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Wenn beide erstmal restauriert sind, sind sie sicher ganz ansprechend.

Nachteile: Im Moment ist Pulkowo 2 noch eine bessere Tatort-Kulisse.

Mensch, die haben ja ganz schön umgebaut.

Das war mein erster Gedanke, am 17. Juli 2002. Er sollte sich aber als falsch herausstellen.

St. Petersburg, die glänzende Stadt an der Newa, besitzt zwei öffentliche Flughäfen gleichen Namens: Aeroport Pulkowo, aufgeteilt in Nummer eins und zwei. Pulkowo zwei ist der internationale, Nummer eins der für nationale Verbindungen. Bislang war ich immer in Nummer zwei gelandet.

Nummer zwei ist ein gelblichgraues Gebäude mit dem Charme eines verfallenen ostdeutschen VEB. Der Ankommende geht – nachdem er die klapprigen Zubringerbusse verlassen hat – eine breite Treppe hinunter, wo der Menschenstrom in einen Menschenstau mündet. Es gibt nach meiner Erinnerung fünf oder sechs Durchlässe für die Paßkontrolle, die hier als erstes ansteht, maximal vier der Durchlässe sind jedesmal besetzt. Man sollte hier bereits den Wartenden über die Schulter spähen, wer da in der Kabine sitzt. Ist die uniformierte Person männlich, sollte man in der Schlange stehen bleiben. Ist sie weiblich, sollte man die Schlange wechseln. Die „Sagranmiliz“, die hier kontrolliert, ist alles andere als freundlich, aber es gibt da bestimmte Abstufungen.

Direkt dahinter befindet sich die Halle mit der Gepäckausgabe. Sie wirkt, egal bei welcher Beleuchtung und Tageszeit, düster und bedrohlich – zum Teil, weil, trotz aller Reinigungsversuche, einfach ein Grauschleier auf Wänden und Steinfußboden liegt. Aber auch die Einrichtung – die Schalter, die Förderbänder, das ganze Ambiente – es ist immer noch so wie man sich die Zeit vor fünfzehn Jahren vorstellt. Es gibt hier zwei oder drei solche Gepäckbänder, auf welchem einem sein eigenes entgegenrollt, wird manchmal angezeigt, manchmal auch nicht. Es riecht nach toxischen Putzmitteln und menschlichen Ausscheidungen.

Direkt dahinter ist die Zollkontrolle. Schon in der Gepäckhalle füllen die Einreisenden (oder Wiederheimkehrer) die Zolldeklar
ation in doppelter Ausfertigung aus, auf der aufgelistet sein muß, was man an Wertgegenständen und Geldbeträgen ein- und wieder ausführt. Diese Formulare liegen in 5 Sprachen herum. Lediglich, wie sie nun genau auszufüllen sind, steht nirgends. Hinter der Zollkontrolle (für die bezüglich männlicher und weiblicher Uniformierter das oben Gesagte wieder gilt) steht man bereits im Freien. Und nun steht man vor dem Problem, in die Stadt zu kommen. Man kann sich auf die Taxifahrer verlassen. Man kann auch gleich sein Geld in einen Gully werfen. Nur wenig unkomfortabler ist es, auf den Bus der Linie 13 zu warten und mit ihm bis zur Metrostation „Moskowskaya“ zu fahren. Das ist auch deutlich billiger.

Wer von Pulkowo-2 aus abfliegt, wird eine Hausnummer nebenan abgeladen worden sein, am „Vyljet“. Die Abflughalle sieht nur wenig freundlicher aus, es gibt einige wenige Geschäfte sowie eine Geldwechselstelle (im Ankunftsbereich gibt es meines Wissens keine, als ob jeder Einreisende seine Rubel von zu Hause mitbringen würde).

Im Bereich hinter der Ticket- und Gepäckkontrolle erwartet einen wieder eine relativ große Halle mit den Schaltern zum Einchecken – inzwischen auf diverse Fluggesellschaften des In- und Auslands aufgeteilt.

Hat man dann noch die übliche Paßkontrollsprozedur hinter sich, findet man das, was man bisher vergeblich mit den Augen suchte: die Läden, die zwischen Souvenirs und Duty-Free-Artikeln einem noch einmal das Geld aus der Tasche ziehen. Allerdings ist der Umfang für einen Flughafen dieser Bedeutung eher klein: gerade mal zwei Souvenirläden, einen Duty-Free-Shop und eine Bar zähle ich. Auch öffentliche Telephone (Kartentelefone regionaler Anbieter, die Karten dazu gibt es meist in den nächsten Kiosken) sind vorhanden. Revolutionär ist allerdings der Raum mit der Aufschrift „WC“: Er ist, im Gegensatz zu anderen öffentlichen des Landes, geputzt, sieht halbwegs hygienisch aus und sogar die S
pülungen funktionieren. Generell habe ich den Eindruck, daß der ganze Departure-Bereich um einiges ansprechender ist als der Arrival.

Vom eigentlichen Wartesaal am Gate hat man einen recht schönen Überblick über das Parkfeld und sieht auch gelegentlich Maschinen starten – es handelt sich bei den meisten um die weiß-marineblauen Tupoljews der hauseigenen „Pulkowo Airlines“. Irgendwie muß ich zusammenfassend sagen: Pulkowo-2 ist nicht gerade die Schokoladenseite einer Stadt dieser Bedeutung, er ähnelt mehr einer verwahrlosten S-Bahn-Station in Westberlin vor dem Mauerfall.

Und nun lande ich da am 17.7.2002 wie gewohnt und erkenne den ganzen Laden nicht wieder. Die große Treppe führt wie gewohnt nach unten, aber die Paßkontrollen sind plötzlich zwei mehr geworden und sind rechts, nicht geradeaus. Dahinter ist auf einmal ein Durchgang in strahlendhellem Weiß (verglichen mit dem sonstigen Farbton des Landes), und in einer sauberen und funktionsfähigen Toilette, die auch noch kostenlos ist (Wow!), liegt die Raucherecke. Auch die Gepäckbänder sind plötzlich an einer anderen Stelle. Alles ist heller, freundlicher, aber scheinbar auch kleinräumiger und kompakter. Sogar die Gesichter der uniformierten Weiblichkeit ist weniger verbiestert als sonst. Gelegentlich scheinen sie sogar zu lächeln, aber es kann auch ein Zähnefletschen sein.

Erst am Ausgang, wo neben den aufdringlichen Taximafiosi auch wieder Bus Nr. 13 wartet, wird mir die Wahrheit bewußt. Ich bin nicht im umgebauten Nummer zwei gelandet, sondern an seinem Bruder, Pulkowo-1, der die Restaurierung wohl schon hinter sich hat, oder von Anfang an so aussah. Später, bei der Ausreise, wird mir auffallen, daß auch hier der Departure-Bereich schöner und kundenfreundlicher gestaltet ist. Auch wenn es sich nicht gerade um einen Riesenterminal handelt, sondern für eine Millionenstadt eher klein geraten wirkt (und eigentlich ist es nicht viel mehr als eine größere Betonbaracke), ist
er doch das deutlich bessere Aushängeschild für Peters Stadt. Pulkowo-2 wird gegenwärtig (Herbst 2002) saniert und grundüberholt und soll dann in neuem Glanz erstrahlen (und auch riechen). Ich freue mich schon darauf.

Fazit: