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Der Bahnhof des Schreckens
Bahnhof Löhne

Name des Mitglieds: dik1609
Produkt:
Bahnhof Löhne
Datum: 17.02.12
Bewertung:
Vorteile: Gute Erreichbarkeit vieler Destinationen, kostenlose Parkplätze
Nachteile: Das gesamte Erscheinungsbild
Im Januar 1929 war es, als der Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque erschien. Und dieser Anti-Kriegs-Roman, inzwischen in mehr als 50 Sprachen übersetzt, sorgte für eine gewisse Berühmtheit meiner Heimatstadt - nämlich dadurch, dass Unteroffizier Himmelstoß seine Soldaten das Umsteigen in Löhne üben lässt. "Löhne umsteigen!" ist seitdem ein Begriff nicht nur in der Literatur, er verdeutlicht auch, dass diese ostwestfälische Kleinstadt eine Eisenbahner-Stadt war, kreuzten sich hier doch einst zwei wichtige Linien. Und dem Autor des Romans dankte die Stadt immerhin, indem sie den Platz vor dem Bahnhof "Erich-Maria-Remarque-Platz" nannte. Von Eisenbahner-Herrlichkeit ist in Löhne inzwischen allerdings nicht mehr viel zu spüren - Durchreisende haben eher ein gegenteiliges Gefühl. Deswegen auch wird in den folgenden Zeilen nicht viel Positives über den einst so wichtigen Umsteigebahnhof Löhne zu lesen sein.
Die Geschichte des Bahnhofs
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Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Bahnhof ein Hauptknotenpunkt im Personen-, vor allem aber im Güterverkehr Nordwestdeutschlands. Hier trafen die Strecken der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (1847), der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen (1855) und der Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft (Löhne - Hildesheim - Vienenburg, eröffnet 1875) aufeinander. Über viele Jahre lang kreuzten hier Fernzüge von Berlin über Hannover und Köln nach Paris und von Amsterdam über Osnabrück und Hildesheim nach Mitteldeutschland. Die weitläufigen Bahnanlagen wurden mit zahlreichen Tunneln und Überführungen so gebaut, dass eine kreuzungsfreie Querung der beiden Hauptstrecken möglich war. Auch heute ist eine unabhängige Bedienung der Bahnstrecke Hamm - Minden sowie der Bahnstrecke Elze - Löhne und der Bahnstrecke Löhne - Rheine möglich. Diese Möglichkeit nutzen einzelne Fahrten der Weser-Bahn nach Bünde und erinnern damit an die ehemals wichtige Hauptverbindung.Seine ehemalige Bedeutung hat der Bahnhof heute verloren, er ist nur noch ein Regionalbahnhof der Kategorie 4. Der ehemalige Rangierbahnhof ist abgebrochen worden, eine Verwendung des verlassenen Geländes jedoch noch nicht gefunden, so dass sich hier den Fahrgästen eine wenig ansehnliche Schotterlandschaft darbietet. Die Lage des Geländes wird für eine Nutzung im Allgemeinen als schwierig angesehen, da es zwischen den Bahnstrecken nach Bielefeld und Osnabrück liegt und somit schwer zugänglich ist.
Das Äußere
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Das Bahnhofsgebäude besteht aus rotem Backstein, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Aber das äußere Bild scheint immer noch darauf hinzuweisen, dass es sich hier einmal um einen wichtigen Bahnhof gehandelt hat. Viel Schönes ist hier nicht zu entdecken, es wurde vor vielen Jahren halt in erster Linie auf Zweckmäßigkeit geschaut. Immerhin sind an der Fassade des Gebäudes das DB-logo und eine große Uhr zu sehen. Betreten werden kann es durch eine von mehreren Glastüren, von denen allerdings zumeist nur eine wirklich geöffnet ist. Vor dem Bahnhofsgebäude gibt es zudem immerhin fünf (!) Stellplätze für Pkw und vier für Taxen. Von diesen fünf frei zugänglichen Stellplätzen, die bei Benutzung einer Parkscheibe eine Stunde lang kostenlos genutzt werden können, waren bei meinem letzten Bahnhofs-Besuch zwei durch Mietwagen einer ortsansässigen Firma blockiert. Weitere kostenlose Parkmöglichkeiten finden sich aber in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, so am Ufer des nahe gelegenen Flusses Werre.
Die Bahnhofshalle
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Es sieht wirklich trist im Inneren des Gebäudes aus. Empfangen wird der Gast von einer sehr großen, aber auch sehr leeren gefliesten Halle, in der es zumeist recht kalt ist. Immerhin gibt es hier acht Sitzplätze in Form von Stühlen aus geflochtenem Metall - die allerdings laden auch nicht gerade zum Verweilen ein. Zu finden sind in der Halle noch eine privat betriebene Fahrkarten-Agentur sowie ein kleiner Kiosk. Und natürlich gibt es Automaten, an denen Fahrkarten gekauft werden können - wenn diese Automaten nicht gerade defekt sind.
Die Bahnsteige
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Durchquert der Fahrgast die große Bahnhofshalle, dann biegt er anschließend unmittelbar nach links ab - ein spärlich beleuchteter Tunnel, der nur aus Mauern und Fliesen besteht, führt ihn zu den Bahnsteigen. Nur sechs davon sind in Betrieb, wobei die Zählung erst mit der Nummer 8 beginnt und entsprechend bei 13 aufhört. Das liegt wohl daran, dass die Gleise vor diesen Bahnsteigen ausschließlich für den Güterverkehr genutzt werden. Über Treppen sind die Bahnsteige erreichbar, Rolltreppen oder Aufzüge werden vergebens gesucht. Wobei: Es gibt sogar Aufzüge - aber die sind derart versteckt, dass sie kein Fremder finden würde. Und so ganz problemlos ohne Hilfestellung eines Bahn-Bediensteten können sie auch nicht genutzt werden. Auf den Bahnsteigen gibt es keine Verkaufsstände oder ähnliches - immerhin hängen hier aber die Abfahrt- und Ankunft-Fahrpläne aus. Zudem funktionieren seit kurzem auch wieder die Uhren an den Bahnsteigen sowie die Anzeigetafeln. Lautsprecher-Durchsagen sind üblich, aber nicht absolut sicher. An den Bahnsteigen gibt es Holzbänke und Überdachungen - bei schlechtem Wetter und erst recht bei Zug-Verspätungen muss hier allerdings extrem gefroren werden. Um hier etwas Schutz zu finden, stellt sich der Fahrgast praktischerweise hinter Mauern. An einigen Bahnsteigen gibt es auch Warteräume, die meines Wissens nach aber nicht geheizt werden und ihrer Kargheit wegen auch nicht gerade zum längeren Verweilen einladen.
Die Bahnlinien
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Eigentlich liegt die Stadt Löhne recht zentral, so dass man von hier aus gut in jede denkbare Richtung reisen kann. Intercity-Züge allerdings halten hier bestenfalls außerplanmäßig, die Reise von Löhne aus muss zumeist mit einem Regional-Express angetreten werden. Und da gibt es diese Linien:
RE 6 (Westfalen-Express): Minden - Löhne - Herford - Bielefeld - Hamm - Dortmund - Duisburg - Düsseldorf (alle 60 Minuten)
RE 60 (Ems-Leine-Express): Braunschweig - Hannover - Minden - Löhne - Bünde - Osnabrück - Rheine (alle 120 Minuten)
RE 70 (Weser-Leine-Express): Braunschweig - Hannover - Minden - Löhne - Herford - Bielefeld (alle 120 Minuten)
RB 77 (Weser-Bahn): Hildesheim - Hameln - Löhne - Bünde (alle 60 Minuten)
RE 78 (Porta-Express): Nienburg - Minden - Löhne - Herford - Bielefeld (alle 120 Minuten, nur Montags bis Freitags).
Meine Meinung
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Meine Überschrift habe ich nicht von ungefähr gewählt. Es handelt sich beim Löhner Bahnhof zwar nicht frei nach Harry Potter um die Kammer des Schreckens, das kalte Grausen aber überkommt Fahrgäste schon - vor allem, wenn sie in Löhne aus- oder umsteigen müssen und diesen Bahnhof zuvor nicht kannten. Schön ist wirklich anders, eine Sanierung kaum noch möglich. Um dem Bahnhof der 40.000-Einwohner-Stadt etwas Flair zu geben, würden wohl nur ein Abriss des bestehenden Komplexes und ein Neubau hilfreich sein.
Dass es - natürlich vor allem im Winter! - kalt und zugig auf dem Bahnhof ist, habe ich schon erwähnt. Dass sich zum Teil die Fliesen und der Putz von den Wänden lösen, noch nicht. Und dass Fahrgäste vergebens nach sanitären Anlagen suchen werden, ist für mich sogar ein Ding der Unmöglichkeit. Aber es ist so. Die nächsten Toiletten befinden sich in einer Imbiss-Stube gegenüber dem Bahnhof. Und deren Besitzer schätzt er ganz sicher nicht besonders, wenn Reisende sein Etablissement betreten, nur um ihren natürlichen Bedürfnissen nachzukommen. Dass zudem am späten Abend ankommende Menschen vor der Tür nur selten ein Taxi finden, kann dem Bahnhofs-Betreiber eher nicht angelastet werden.
Natürlich könnte der Löhner Bahnhof auch durch das eine oder andere Geschäft ein wenig belebt werden. Aber diesbezügliche Versuche waren in der Vergangenheit von wenig Erfolg gekrönt. Da hat es mal eine Spielhalle versucht, Kunden anzuziehen - sie gibt es nicht mehr. Immerhin wird am kleinen Kiosk seit einigen Jahren Kaffee angeboten, auch kleine Snacks gibt es hier - aber auch das sieht alles nicht sonderlich einladend aus.
Die Kargheit und zumeist auch schwache Beleuchtung im Bahnhofs-Inneren sorgen zudem dafür, dass sich Besucher oftmals hier nicht sicher fühlen. Zwar ist mir von tätlichen Übergriffen im Löhner Bahnhof nichts Konkretes bekannt, dass aber gerade allein reisende Frauen entsprechende Befürchtungen haben, kann ich sehr gut verstehen. So werden Gattin oder Tochter vor allem bei Dunkelheit von mir auch stets bis zum Bahnsteig begleitet, wenn sie denn gezwungen sind, mit der Bahn ab Löhne zu fahren.
Aber natürlich gibt es auch positive Punkte - und die will ich natürlich nicht unterschlagen. Zum einen ist da die privat betriebene Fahrkarten-Agentur zu nennen, in der sich das Personal stets sehr freundlich bemüht, aus dem Tarif-Dschungel der Deutschen Bahn die konstengünstigste Möglichkeit für den Reisenden heraus zu suchen. Hier ist die Mühe wirklich spürbar! Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang übrigens auch, dass in Löhne bereits das Niedersachsen-Ticket gilt, obwohl die Stadt in Nordrhein-Westfalen liegt. Das NRW-Ticket als weiteres Länder-Ticket ist natürlich ebenfalls gültig.
Positiv ist auch, dass nach wie vor eigentlich recht gute Verbindungen in alle denkbaren Richtungen bestehen - auch wenn es nur mit einem Regional-Express ist. Aber Städte wie Bielefeld oder Hannover mit entsprechenden ICE-Anbindungen sind nicht zu weit entfernt, mit dem Westfalen-Express geht es sogar direkt bis zum Flughafen Düsseldorf.
Schließlich und endlich bestehen zwar direkt vor dem Bahnhof nur wenige Parkmöglichkeiten für Pkws (ihre Kinder abholende Eltern ignorieren deswegen durchaus verständlicherweise die aufgestellten Halteverbot-Schilder), dafür aber ist auch kostenloses Langzeitparken in der Nähe des Bahnhofs möglich, der Fußweg zum Auto beträgt von den Parkplätzen nördlich und südlich des Bahnhofs maximal fünf Minuten, eher weniger.
In der Summe allerdings bietet der Löhner Bahnhof ein trauriges Bild, und nicht viele Einwohner der Stadt schämen sich dafür. Auch die Stadtverwaltung ist nicht glücklich mit dem einstmals so wichtigen Bahnhof und appeliert immer wieder an die DB, hier Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen. Die aber sind meines Wissens nach nicht vorgesehen, vielmehr wird wohl mit einem Verkauf des Bahnhofs geliebäugelt. Aber auch der ist eben noch nicht vollzogen, so dass die Löhner und die Durchreisenden erst einmal weiter mit diesem Bahnhof des Schreckens leben müssen.
Fazit: Heute möchte hier niemand mehr umsteigen!

