Bresser Skala LBC 3x25
Fängt den Löwenkönig ein - Bresser Skala LBC 3x25 Fernglas

Erhältlich in: 3 Shops

Produkttyp: Bresser Ferngläser

Neuester Testbericht: ... Recht einfordert. = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = Die Spezifikation: Zu unserem Opernglas... mehr

Fängt den Löwenkönig ein
Bresser Skala LBC 3x25

oldroamer

Name des Mitglieds: oldroamer

Produkt:

Bresser Skala LBC 3x25

Datum: 27.01.12, geändert am 02.02.12 (172 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: macht die Holzklasse im Theater lukrativ

Nachteile: ein über 400 Jahre altes Konzept reißt keine Bäume mehr aus

Sonnabendabend 20:00 Uhr kostet ein Ticket für den Besuch von Disneys "Der König der Löwen" im Hamburger Hafentheater mindestens 84 Euro. Wenn man allerdings einigermaßen ordentliche Sichtverhältnisse haben will, muss man über 140 Euro hinblättern - pro Person, versteht sich. Für diesen Preis kann man freilich immer noch auf Reihe 24 im Parkett oder auf Reihe 7 im Rang landen!! Das ist ordentlich weit hinten.

Bei solchen Preisen für die Eintrittskarte sollte man beim Equipment für den Musicalbesuch keinesfalls knausern. Darunter verstehe ich hier nicht die Garderobe für die Damen, das wäre ein anderes Produktfeld und nicht gerade mein Metier. Ich denke vor allem an die Hilfsmittel für eine gute Sicht und dabei denke ich selbstredend nicht an die Ellenbogen. Wir gehen ja schließlich nicht zum Fußball!

40 Euro für ein leidlich gutes Opernglas müssten auf jeden Fall noch drin sein. Freilich könnte man für ein Opernglas von Swarovski auch locker 800 Euro und mehr hinlegen.

Warum echte Qualität bei optischen Instrumenten so ungeheuer teuer ist, gilt es hier und heute ein wenig zu hinterfragen. Ich will allerdings niemandem ein Opernglas für 800 Euro aufschwatzen, obwohl es mich schon verlocken würde. Echte optische Instrumente ohne jedwede Elektronik haben ihren eigenen Zauber, denn sie veralten nie! Sie haben halt die Grenzen der klassischen Physik schon voll ausgereizt.

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Heute bleiben wir aber erst einmal bei unseren Leisten und diskutieren das Opernglas Bresser Skala LBC 3x25.

Erst einmal will ich diesen Namen erklären. Schließlich ergeben sich schon dadurch ein paar Hinweise auf das Produkt und den Hersteller:

Bresser:
Das ist ein alter Fuchs unter den weltweiten Herstellern von optischen Instrumenten im mittleren Preissegment. Von eigenen Produktionsstandorten wird bei Bresser freilich kaum noch etwas zu finden sein. Es ist mehr eine vor allem in Amerika und Europa agierende Entwicklungs- und Vertriebsgesellschaft. Ein etwas gründlicherer Marktbeobachter findet vermeintlich echte Produkte von Bresser zum Teil auch unter anderem Markennamen wieder.

Skala:
Dies ist der Produktname für die Operngläser von Bresser. Er soll wohl etwas Eleganz vermitteln indem er an die Mailänder Scala bzw. an das Teatro alla Scala erinnert.

L:
L steht für "light" oder vielleicht auch für "LED". Jedenfalls verfügt das Glas mittig über eine fokussierende LED-Minilampe mit der man notfalls während der Vorstellung mal schnell etwas im Programmheft nachlesen kann ohne den Nachbarn zu stören. Unser Glas ist schon ein paar Jährchen alt und deshalb liefert die LED noch ein rotes Licht. Ich denke, dass die neueren Gläser ein nahezu weißes Lämpchen haben werden.

B:
"B" steht für Black. Das heißt das Gehäuse des Opernglases ist schwarz glänzend. Früher gab es einmal ein R in Sortiment. Aber offensichtlich waren rote Operngläser zu avantgardistisch.

C:
"C" steht für Chromium. Es glänzt halt an ausgewählten Stellen insbesondere dort wo kein Kunststoff sondern Metall verwendet wurde silbrig oder "chromig". Wer es kitschiger will, der kann ein Opernglas mit einem "G" im Namen ordern und dieses glänzt dann halt partiell goldig.

3x:
"3x" bedeutet eine dreifache Vergrößerung. Das ist bei derartigen Gläsern ordentlich. Ab fünffach wird es mit der Physik problematisch und viel weniger macht halt keinen Sinn.

25:
25 bedeutet den Durchmesser der Objektivlinse in Millimetern. Bei einem galileischen Fernrohr ist die Fassung der Objektivlinse gleichzeitig die Aperturblende. Eine große Apertur bedeutet hohe Auflösung bzw. scharfe Bilder, so hat es sich jedenfalls Herr Abbe aus Jena schon vor weit über einhundert Jahren gedacht. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit. Bei schlechten, großen Linsen schlagen nämlich die Bildfehler, und das betrifft insbesondere den Öffnungsfehler, voll durch und das Ganze ginge dann nach hinten los. Aber darauf werde ich später wohl noch etwas eingehen.

Ein großer Durchmesser ist gleichzeitig für die Lichtstärke wichtig. Er macht das Glas jedoch schwer. Doch hier muss ich später auch noch einmal genauer nachlegen. Ich habe freilich nachgemessen und in Wirklichkeit ist der nutzbare Durchmesser jedoch nur 23 Millimeter, da die Fassung ihr Recht einfordert.

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Die Spezifikation:

Zu unserem Opernglas existiert auch eine Spezifikation von Bresser. Dort müssen wir erst einmal nachschauen um nicht völlig im Nebel stehen zu bleiben! Ich suche mir hier nur die Angaben heraus, die nicht schon im Namen steckten.


"Optische Bauart Gallileisch"
Ein galleleisches oder holländisches Fernrohr verfügt über ein Objektiv als Sammellinse und ein Okular als Zerstreuungslinse. Die Brennweite des Okulars ist sehr viel kleiner als die des Objektivs. Das Okular liefert ein virtuelles Zwischenbild. Das Bild ist aufrecht und seitenrichtig.


"Vergütung der Optik Vollvergütet"
Das ist eine sehr nebulöse Angabe, die leider nicht weiter untersetzt wurde. Hier könnte man ein paar wenige oder auch ein paar Tausend Euro hineinstecken. Grundsätzlich geht es darum durch ein gezieltes Wechselspiel von Brechung, Reflexion, Polarisation und Interferenz gemäß der Snelliusschen Formeln störende Spiegelungen zu vermeiden um die Transmission zu erhöhen und die Bildhelligkeit zu verbessern.


"Prismen BK-7"
Dies ist eine gezielte Fehlinformation, denn galileische Fernrohre haben und brauchen keine Prismen, da das Bild eh aufrecht steht und die Tiefe des Strahlenganges nicht verkürzt werden muss. Man gaukelt hier halt ein wenig Aufwand vor, weil die noblen Gläser von Swarovski zum Beispiel ein Vermögen in ihre Geradsichtprismen investieren müssen oder auch wollen. Das "BK-7" bezieht sich deshalb sicherlich auf das verwendete Glas für die Linsen und nicht für die Prismen.

BK-7 bedeutet Bor Kronglas. Dies ist ein recht gutes Glas mit geringer Dispersion. Deren Hauptbrechzahl ist 1.51872 (bei der Quecksilberlinie mit 546.07 nm), die Hauptdispersion ergibt sich als Differenz der Brechzahlen bei der blauen Cd-Linie (479.99 nm) von 1.52283 und der roten Cd-Linie (643.85 nm) von 1.51472. Der Quotient von Hauptbrechzahl minus eins und Hauptdispersion ergibt schließlich die sogenannte Abbesche Zahl, wobei eine große Abbesche Zahl eine kleine Dispersion bedeutet.

Nun können wir vergleichen. Krongläser haben garantiert eine Abbesche Zahl größer 55. Unsere BK-7 schneidet mit seinen 63.96 also richtig gut ab. Geringe Dispersion bedeutet nämlich für uns Theaterbesucher vor allem geringere Probleme mit Farbfehlern bzw. kein buntes Flimmern an den Rändern der Objekte. Das wäre für uns insbesondere beim näheren Betrachten der Schauspielerinnen und Tänzerinnen besonders störend! Leider ist es trotzdem schwierig, ihren schnellen Bewegungen mit dem Glas auf der Bühne zu folgen. Aber darauf will ich später doch noch einmal detaillierter eingehen.

Sehr gute Objektive und Okulare korrigieren freilich die Farbfehler durch eine gezielte Kombination mehrerer Glassorten mit unterschiedlichen Brechzahlen und unterschiedlichen Dispersionen (Achromate und Apochromate). Diese Mühe lohnt sich bei unserem galileischen Fernrohr sicherlich nicht.


"Lichtstärke 69,44"
Die geometrische Lichtstärke ist proportional zum Quadrat der Austrittspupille und in unserem Fall der Quotient aus dem Objektivdurchmesser und dem Quadrat der Vergrößerung denn die Austrittspupille ist das Bild, das das Okular vom Objektiv liefert. Die Austrittspupille ist freilich mit 8.33 Millimetern für unser Auge viel zu groß. Wir bringen es nämlich auf maximal auf 7 Millimeter bei Dämmerung. Somit geht viel Licht durch eine etwas ungünstige Geometrie unseres Opernglases verloren. Eine vierfache Vergrößerung würde die Austritspupille verkleinern und deutlich näher an die Größe der Augenpupille bei Betrachtung einer gleißend hell erleuchteten Bühne heranführen.

Diese Angaben sind aber noch nicht alle Seiten der Medaille, denn eigentlich interessiert nicht die geometrische sondern eher die physikalische Lichtstärke. Jene würde, wie schon beim Linsenmaterial BK-7 erläutert, die wahre die Transmission berücksichtigen und so Aussagen zu den Absorptions- und Streuverlusten ermöglichen. Da mauert Bresser aber lieber. Man meidet wohlweislich den offenen Vergleich mit den Swarovski-Gläsern!


"Dämmerungszahl 8,66"
Die Dämmerungszahl ist die Wurzel über dem Produkt von Objektivdurchmesser und Vergrößerung. Sie ist also ebenso wie die bereits angegebene Lichtstärke eine rein geometrische Größe und besagt nichts über die Fertigungsqualität eines optischen Instruments. Die Dämmerungszahl suggeriert gute Sichtverhältnisse bei Dämmerung - aber brauchen wir die bei einem Opernglas eigentlich?! Sie ist allerhöchstens für jemanden von Interesse, der seine letzte außereheliche Affäre im Parkett während der Vorstellung vom Rang aus beobachten bzw. kontrollieren will.


"Abmessungen100x50x31 mm"
Die Tiefe von 50 Millimetern des Opernglases wird im Wesentlichen aus dem Abstand zwischen Objektiv und Okular bestimmt. Dieser ergibt sich wiederum aus der Differenz der Brennweiten von Objektiv und Okular, da bei unserer Konstruktion bekanntlich die Brennpunkte auf der Seite des Beobachters zusammenfallen. Die Höhe von 31 Millimetern bestimmt der Objektivdurchmesser und die Breite von 100 Millimetern macht vor allem den Augenabstand aus. Dieser ist über ein mittig angeordnetes Scharnier im Bereich von etwa 57 bis 70 Millimetern variabel einstellbar. Somit ist ein entspanntes Sehen prinzipiell erst einmal möglich.


"Gesamtgewicht (ohne Verpackung)142 g"
Das sind freilich beinahe Spitzenwerte im Vergleich zu Swarovski und anderen Nobelherstellern. Diese Spitzenwerte sind allerdings mit Hilfe von deutlichen Mängeln in der Abbildungsqualität durch das Grundkonzept eines solchen Fernglases recht teuer erkauft.


"Naheinstellung ab 3m"
Man kann das Opernglas durch eine solide Mechanik auch im Nahbereich sehr gut fokussieren. Zugegebenermaßen ist es durch das sehr geringe Sehfeld im Nahbereich erst recht nicht sinnvoll zu verwenden. Man hat quasi einen Tunnelblick und wundert sich wer plötzlich vor einem steht.

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Eine erste Zwischenbilanz

Von einem Galileischen Fernrohr kann man keine Wunderdinge erwarten. Die Idee ist schließlich auch schon steinalt. Der Strahlengang ist einfach und kompakt. Hauptnachteil sind die sehr geringe Vergrößerung und das extrem eingeschränkte Sehfeld.

Die Spezifikation dient, wie in dieser Preislage allgemein üblich, nicht der Information sondern mehr der Verneblung der optischen Eigenschaften des Opernglases.

40 Euro sind kein Vermögen. Wenn man aber bedenkt, dass zum Beispiel Tchibo für etwa 25 Euro Zoom-Feldstecher verramscht, so ist das schon ganz schön teuer. Operngläser sind halt kein Massenmarkt und in Relation zu den Preisen von Eintrittskarten, mit denen man ins Musical gelangen kann, sind 40 Euro auch nicht sooo viel Geld!?

Aufgrund des sehr einfachen Strahlenganges kann man selbst mit elementarer Mathematik noch einmal nachrechnen, was man so an Land gezogen hat: Der Abstand zwischen Objektiv und Okular von etwa 500 Millimetern ist gleich der Differenz zwischen ihren Brennweiten und die dreifache Vergrößerung ist gleich dem Verhältnis zwischen den Brennweiten. So erhält man für das Objektiv eine Brennweite von 75 Millimetern und für das Okular von 25 Millimetern.

Bis zu exakten Angaben zum Sehfeld kommen wir aber mit unserem Rumgerechne nicht durch. Eine ideale Strahlenbegrenzung ist nämlich leider nur dann gegeben, wenn die Gesichtsfeldblende entweder mit der Objektebene oder der Bildebene oder einer Zwischenbildebene zusammenfällt. Dies ist bei unserem Glas aber keinesfalls der Fall, denn die Fassung des Okulars ist gleichzeitig die Austrittsluke des Systems und die Gesichtsfeldblende. Die Bildränder müssen deshalb stark an Helligkeit und Kontrast einbüßen.

Ein großes Okular kann zwar das Sehfeld erweitern. Letztendlich bestimmt aber doch die Augenpupille das Sehfeld, weil man das Glas halt etwas entfernt vom Auge hält, wird das Sehfeld zusätzlich eingeschränkt. Wer bekommt schon gern ein blaues Auge vom durchs Opernglas gucken?!

Wer die Nase voll hat vom Durchgucken der kann sein Glas standesgemäß, je nach Lieferanten, wieder in ein mitgeliefertes Etui oder einen mitgelieferten kleinen Lederbeutel räumen. Manchmal bekommt man passend zum C oder G auch eine silbrig oder auch golden funkelnde Kette zum Umhängen mit dazu. Für diese sollte man freilich keinen allzu dicken Bauch vor sich her schieben, weil das dann nach Spanner aussehen würde!

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Alles in Allem

Man bekommt nichts geschenkt, wird aber auch nicht ausgenommen. Die Optik ist nicht berauschend. Das liegt aber nicht am Chinaschrott sondern am Grundkonzept. Die Verarbeitung ist in jeder Hinsicht solide. Für einen Theaterbesuch ist es sehr sinnvoll. Für alle anderen Unternehmungen sollte man es aber lieber zu Hause im Schrank liegen lassen.

Eigentlich hätte es drei dooyoo-Sterne verdient, aber die Tatsache, dass in der Spezifikation Aufwand in Form hochwertiger Prismen vorgegaukelt wurde, ist schon ein starkes Stück. Deshalb habe ich noch einen Stern abgezogen!

Die nächste große Bewährungsprobe hat unser Bresserglas im März beim Besuch des Friedrichstadtpalastes in Berlin (Yma - Zu schön, um wahr zu sein) zu bestehen. Mal sehen ob die langen Beine der Tänzerinnen ins Sehfeld des Opernglases passen werden?! Wenn dooyoo mich einen Produktvorschlag machen lassen sollte, werde ich vielleicht berichten.

Fazit: schon okay und für Normalbürger durchaus empfehlenswert