Résidence Club Benista (L'Ile Rousse)
Hauptsache ein Dach über den Kopf - Résidence Club Benista (L'Ile Rousse) Ferienhaus Frankreich

Hauptsache ein Dach über den Kopf
Résidence Club Benista (L'Ile Rousse)

Mr_Andrew

Name des Mitglieds: Mr_Andrew

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Résidence Club Benista (L'Ile Rousse)

Datum: 05.10.09, geändert am 30.12.11 (278 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Sympathische, überschaubare Ferienanlage.

Nachteile: Räumlichkeiten versprühen Charme einer Jugendherberge.

Wenn sich die warme Jahreszeit langsam dem Ende zuneigt und in den Urlaubsregionen der Mittelmeerregion die Nachsaison eingeläutet wird, schlägt die große Stunde all derjenigen, die im Hochsommer nicht recht zum Zuge gekommen sind. Das Meer ist noch badefreundlich warm, die Sonne nicht länger der Feind unserer oberen Hautschichten, sondern ein gern gesehener Verbündeter; die Übernachtungspreise befinden sich im Sturzflug und es gibt keinen Mangel an Parkplätzen selbst an den beliebtesten Stränden.

Kein Wunder also, dass just im Wonnemonat September (Ja, das ist er in der Tat!) alljährlich die Reiselust im Hause Mr. Andrew ausbricht und neue Ziele ins Visier genommen werden. Anno 2009 stand Korsika auf dem Plan, eine Insel, die bislang vom Massentourismus noch verschont geblieben ist, gleichwohl aber kein Geheimtipp mehr, da dem Reiz dieser zauberhaften "Insel der Schönheit" schon viele erlegen sind.

Darum soll es aber hier (noch!) nicht gehen, sondern ganz unprosaisch um eine Beschreibung und Bewertung unseres Urlaubsdomizils auf Korsika. Dieses zu finden war gar nicht so leicht, da das Angebot an bezahl- und buchbaren Alternativen in deutschen Reisekatalogen und selbst in den Weiten des Internets sehr übersichtlich war und ist. Zudem galt es die Anforderung als strategisch günstig gelegene Ausgangsbasis für Touren ins gebirgige Inselinnere genauso wie für ausgiebigen Badespaß zu erfüllen.

Ob und wie das gelang, kann im Folgenden erlesen werden.

_/ _/ _/ Allgemeine Angaben

Residence Benista
Route de Monticello
20220 L'Ile-Rousse
Tel.: +33 (0)495 603016
Fax: +33 (0)495 603285
E-Mail: benista@wanadoo.fr
Web: Fehlanzeige (noch, aber angeblich in Arbeit)

Öffnungszeitraum: 04.04. - 24.10.
Mindestmiete 7 Tage
Anzahl Appartements: 80

_/ _/ _/ Stichwort Lage

Die Residence Benista liegt etwas oberhalb des Küstenortes L'Ile-Rousse auf halben Weg zum Bergdörfchen Monticelli. Dieser Lagehinweis ist insofern belanglos, da L'Ile-Rousse als prosperierender Touristenort sich langsam aber sicher ausgebreitet hat und sich dabei die umliegenden Dörfchen mit einverleibt hat. Das hat aber lange nicht die Dimensionen der von der spanischen Mittelmeerküste bekannten und berüchtigten Hotel- und Bettenburgen, sondern präsentiert sich - zumindest in der Nachsaison als heller freundlicher Badeort, in dem Stadt- und Strandleben eng miteinander verknüpft sind.

Die Residence selbst punktet mit einer nahezu verkehrsbefreiten Lage - sprich, es verirrt sich nach Sonnenuntergang höchstens ab und an ein Fahrzeug in diese Gegend und die Straße ist hinreichend weit entfernt, so dass dies quasi unhörbar passiert. Allenfalls das Zirpen der Zikaden könnte an lauen Sommerabenden geräuschempfindliche Seelen am Einschlafen hindern.

Bis zum sehr schönen und in der Nachsaison keineswegs überlaufenden Stadtstrand sind es mit dem Auto keine 5 Minuten, die Fußgängervariante haben wir wohlweislich nie getestet, um uns den schweißtreibenden Anstieg zurück zu ersparen (da wäre man ja umgehend wieder badebedürftig). Nennenswerte Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der Nähe nicht, weder Bäcker noch Tante Emma Laden locken, allenfalls eine aussichtsreiche Pizzeria verführt zum Geldausgeben.

_/ _/ _/ Ausstattung der Anlage

Der erste Eindruck bei Ankunft war ein gar freundlicher. Da aufgrund späten Fluges und mehr als einstündiger Anfahrt die Sonne schon lange abgedankt hatte, empfing uns - übrigens von unserem schon mehrfach lobend erwähnten Navi trefflich geleitet - ein dezent beleuchteter und toll bepflanzter Komplex mit 2etagigen Häuschenansammlungen. An der Rezeption waren freundlicherweise trotz später Anreise nach 21 Uhr Schlüssel und Skizze zu unserer Unterkunft hinterlegt, Parkplätze waren mehr als reichlich vorhanden, so konnte der Urlaub also entspannt beginnen.

Auch bei Tageslicht betrachtet, kommt man nicht umhin den Planern dieser Anlage Anerkennung zu zollen, da sich diese sehr ansprechend präsentiert. Gekieste Fußwege unter schattenspendenden Bewuchs verbinden die einzelnen Gebäudekomplexe untereinander und mit der zentral gelegenen Rezeption nebst Bar, Restaurant und ein großzügiger Swimming Pool inmitten von Oleander- und Lavendelbüschen. Alles nicht etwa wie mit dem Reißbrett entworfen, sondern schwungvoll und irgendwie mediterran, ohne dass ich letzteres genauer begründen könnte.

Wer möchte, kann hier auch mit Frühstück oder Halbpension nächtigen. Dieses Angebot schien mir aber Ende September kaum jemand wahr zu nehmen. Angesichts recht gepfefferter Aufpreise für diese Option blieben wir lieber bei 100% Selbstversorgung. Dafür nutzten wir das Angebot bei selbstverschuldeten Lieferengpässen unseren Croissant-Vorrat für ein leckeres Frühstück aufzustocken. Schuldig bleiben muss ich daher eine Bewertung der Leistungsfähigkeit von Bar und Restaurant, es roch aber gar nicht übel.

Das in der Beschreibung versprochene W-LAN ist leider nicht flächendeckend in der Residence Bensita verfügbar, sondern nur in der Nähe der Rezeption und den umliegenden Ferienbehausungen. Dafür ist es komplett kostenlos, bietet DSL-Geschwindigkeit und bietet daher sehr gute Voraussetzungen, um seiner dooyoo-Sucht selbst im Urlaub dann und wann zu frönen.

_/ _/ _/ Stichwort Kinderfreundlichkeit

Der Swimming Pool ist nicht sonderlich aufregend, aber sehr sauber und erfreulich groß. Erwachsene können also durchaus ihre Bahnen ziehen, während nicht schwimmfähiger Nachwuchs doch ziemlich in die Röhre guckt, denn es gibt für laufende Meter keinen extra Beckenbereich. Da müssen dann schon Mama oder Papa als kostenlose Fähren herhalten, um die Youngster auf die Schnelle gefahrlos abzukühlen.

Überhaupt lässt die im Interchalet-Katalog extra ausgewiesene Kinderfreundlichkeit ausstattungsmäßig sehr zu wünschen übrig (die Angestellten sind dies aber ohne Frage). Es soll in den Sommermonaten zwar regelmäßig eine Kinderanimation stattfinden (überhaupt nicht unser Geschmack), aber ich frag mich wo und wie diese durchgeführt wird, denn Spielplätze oder auch einfach nur eine grüne Wiese zum Toben sind hier völlig Fehlanzeige.

Lediglich eine Boule- bzw. Bocciabahn konnte ich als zusätzliches Freizeitangebot ausmachen. Nicht, dass wir dies vermisst hätten, denn wir waren sowieso tagtäglich auf der Insel unterwegs, aber der Mehrwert hielt sich diesbezüglich in engen Grenzen.

_/ _/ _/ Ausstattung der Appartements

Die doch recht hochtrabend Appartement genannte Ferienwohnung - in unserem Fall IRU100 laut Interchalet-Katalog - versprühte wenig mehr Charme als eine Jugendherberge, zumindest wenn ich von meinen nun doch schon etlichen Jahren zurückliegenden Erfahrungen ausgehe.

Zwei Zimmerchen nebst Nasszelle verteilt auf stattliche 30 Quadratmeter, da kam ich schon ins Grübeln angesichts der vorgeschlagenen Belegungsvariante mit 4 Erwachsenen und eines Tagespreises von mehr als 150 Euro in der Hochsaison (im September waren es nur noch 45 Euro je Nacht).

Eine sehr einfache Ausstattung bestehend aus einem Schrank und eine Kommode aus Astkiefer im wackligen IKEA-Style, ein Tisch nebst 4 Stühlen aus Holz für Innen und aus weißem Plaste für außen sowie eine Miniküche mit einer immerhin schön großen Kühl-Gefrier-Kombi ließen zudem die Frage offen, wofür man zu Beginn denn nun eigentlich eine Kaution von 150 Euro hinterlegen musste.

Wohl kaum für den unvermeidlichen Minifernseher, der übrigens nur willens oder in der Lage war, ganze zwei französische Sender auf die Mattscheibe zu bringen oder das Bett, welches für zierliche Franzosen, aber nicht für deutsche Recken ausgelegt schien. Bettwäsche sollte man übrigens selber mitbringen, wenn man nicht gewillt ist, für 9 Euro je Person diese merkwürdige südländische Garnitur auszuleihen, die nur aus Laken zu bestehen scheint. Ich kann dieser merkwürdigen Tradition so überhaupt nichts abgewinnen, die darauf basiert, dass es das Non-Plus-Ultra der Bettkultur ist, sich gemeinsam unter ein(!) Laken zu legen und darüber eine mehr oder weniger kratzige Tagesdecke zu breiten. Bei jeder Bewegung im Schlaf gerät diese Konstruktion unweigerlich aus den Fugen und der Schlafgenuss wird schnell zum Verdruss.

Von zwei Lampen im "Wohnzimmer" funktionierte nur eine, das Wasser musste zum Warmwerden 10 Minuten laufen gelassen werden (um dann allerdings brühend heiß aus dem Hahn zu schießen), auf dem Balkon bildete sich alsbald eine Ameisenstraße, die Zimmer waren so hellhörig wie Zeltwände, im Bad konnte man sich kaum umdrehen, ohne irgendwo anzustoßen ... Ausführungen in diesem Tenor ließen sich noch um einiges weiter führen.

Aber genug lamentiert, kommen wir zum Positiven. Und erstaunlicherweise überwiegt dies, obwohl es anzahlmäßig deutlich in der Minderheit ist. Die komplett geflieste Wohnung roch frisch und nach Sommer, wir schliefen herrlich und aßen jede Mahlzeit voller Genuss auf dem Balkon. Wir hatten viel Spaß mit unserem Filius, der insbesondere die Leiter und das bei Erwachsenen sicher Klaustrophobie auslösende, weil extrem niedrige Zwischendeck mit zwei weiteren Schlafgelegenheiten (theoretisch 6 Mann Belegung in dieser Bude wirken auf mich wie Käfighaltung für Hühner!) als zusätzliche Spielgeräte für sich entdeckte.

Ach ja, vorhanden sind außerdem eine Klimaanlage und Direktwahltelefon (30 Cent je Einheit). Beides von uns weder benötigt noch getestet und daher außer Wertung.

_/ _/ _/ Stichwort Preise

Wie irgendwo im Text schon einmal erwähnt, die Übernachtung kostete uns Ende September 45 Euro. Dieser Preis ist sicher angemessen, zumal wenn man die sehr gute Lage auf der Insel der Schönheit in Betracht zieht. Vom 1. bis 15. August kostet eine Nacht stolze 172 Euro. Ob ich dies bereit wäre zu berappen, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Neben der bereits erwähnten kostenpflichtigen Bettwäsche können auch weitere Bonusgegenstände ausgeliehen werden, so z.B. Mikrowelle, Fernseher(?), weitere Aufbettungen(!!!) ... Ein Croissant kostet an der Bar 80 Cent, ein allzu schnell altbackendes Baguette ebenso viel.

Immerhin: Der Verbrauch von Warmwasser und Strom unterliegt keinerlei Beschränkungen und ist im Preis inbegriffen. Toilettenpapier (so ganz dünnes, wo man unversehens mit dem Finger durchgiekst, wenn man es nicht mindestens dreifach faltet) scheint ein wertvolles Konsumgut auf Korsika zu sein, da jede Rolle extra an der Rezeption "erquengelt" werden musste.

Um Essen und Trinken zu fassen, sollte man sich besser nicht auf das Angebot an der Rezeption verlassen, sondern lieber gleich einen Supermarkt seines Vertrauens ansteuern (gibt eigentlich nur einen, nämlich einen E.LECLERC ausgangs L'Ile-Rousse in Richtung Calvi = etwa 6-7 Minuten Fahrt mit dem Auto. Auch hier gerät man angesichts der Preise für Lebensmittel zwar mitunter ins Staunen, dafür findet man dort auch viele bezahlbare französische und auch korsische Leckerbissen, die uns wirklich toll mundeten.

_/ _/ _/ Fazit

Das Gros der Besucher stellen Festlandsfranzosen, gefolgt von Italienern und einer deutschen Minorität. Eine besondere Beliebtheit der Zwei Sterne Residence Benista bei Familien mit Kindern können wir nicht bestätigen. Außer uns weilten hier nur überwiegend Vertreter der älteren Generation, was insofern nicht ungünstig war, da diese im Normalfall noch vor 22 Uhr der Schlaf übermannte und danach himmlische Ruhe im Areal herrschte.

Besonders erwähnenswert ist die herausragende Freundlichkeit des Personals. Auch wenn sich unsere Kontakte auf wenige Rendezvous in der Rezeption und an der Bar beschränkten, waren diese ausgesprochen herzlich. Von der weit verbreiteten Zurückhaltung der "echten" Franzosen vor sprachunkundigen Gästen war hier nichts zu spüren. Im Gegenteil, es wurde mit einem engagierten Sprachmix aus drei bis vier Idiomen versucht, alle Unklarheiten zu bereinigen. Sehr interessiert war übrigens die Chefin der Einrichtung, als ich ihr eröffnete, den bislang frappierenden Mangel an Erfahrungsberichten im Internet zu dieser Unterkunft in Kürze beheben zu wollen. Bestechungsversuche wurden übrigens nicht unternommen. *lol*

Wir blieben wie geplant die ganzen 2 Wochen unseres Korsika-Urlaubs in dieser Residence und haben nicht einen Tag davon bereut. Sicher hatten auch das supertolle sommerliche Wetter mitten im Herbst sowie die prima Ausgangslage für Touren ins Inselinnere und die Umgebung einen entscheidenen Anteil am Wohlfühlfaktor, aber ich kann - denke ich - auch objektiv eine Empfehlung für alle diejenigen abgeben, deren Anspruch an edler Ausstattung und Komfort nicht allzu groß sind und die ein preiswertes und freundliches Urlaubsdomizil auf Korsika, der Insel der Schönheit suchen.

Euer Reiseleiter
Mr. Andrew


PS: Wem dieser Bericht zu wenig Konkretes bot, um Korsika als Urlaubsziel ernsthaft in Erwägung zu ziehen, der sei auf meinen in Bälde folgenden Urlaubsbericht mit Reiseempfehlungen verwiesen, der - wie ich hoffe - überzeugende Argumente dafür liefert.

Fazit: Für Reisende mit sonnigem Gemüt und kleiner Brieftasche eine sympathische Alternative