Saeco Aroma Inox/Chrom
So muss Espresso schmecken - Saeco Aroma Inox/Chrom Espressomaschinen

Produkttyp: Saeco Espressomaschinen

So muss Espresso schmecken
Saeco Aroma Inox/Chrom

jolinden

Name des Mitglieds: jolinden

Produkt:

Saeco Aroma Inox/Chrom

Datum: 14.07.03, geändert am 11.03.05 (1668 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: mechanische und optische Qualität

Nachteile: dieser unsägliche Gran Crema Siebträger

Quadratisch - praktisch - gut. Den Slogan hat sich ein anderer Hersteller von eigentlich unnötigen Konsumartikeln schon schützen lassen, ansonsten hätte ihn Saeco für die Aroma chrom (so die offizielle Verkaufsbezeichnung, das "inox" ist zwar sachlich zutreffender, weil der Korpus aus Edelstahl gefertigt und nicht etwa nur verchromt ist) verwenden können.

Stiftung Warentest "gut", das ist, wie man als leidgeprüfter Konsument lernt, kein Qualitätskriterium dem man blind vertrauen darf. Wir bauen unsere Zuversicht mittels positiver Eindrücke aus diversen www-Foren auf, wagen's, und erwerben die Seaco Aroma chrom, mit einem UVP von 250 Euro. Die offensichtlich hohe Nachfrage führt leider nicht nur zu Lieferengpässen im Einzelhandel, sondern ebenfalls - zu Schnäppchenjägers Frust - dazu, dass der Preis kaum irgendwo im Angebot unterboten wird.

Lassen wir dem Konsumrausch freie Bahn, anstelle der am Kaufdatum üblichen Ostereier werden die dabei gesparten 160 Steine noch in eine Kaffeemühle gleicher Marke investiert, und die Ausstattung ist komplett.

Ausgepackt stellen wir fest:

Die Maschine erfreut das Auge weitgehend. Der dicke, massive Edelstahl ist sauber und gratfrei verarbeitet und wir gewinnen beim Gebrauch den Eindruck, dass man sich um eine einfach-transparente, zugängliche und leicht zu reinigende Konstruktion bemüht hat. Keine Schubladen oder sonstige verwinkelten mechanischen Schnickschnacks, an Beweglichkeiten findet sich:

eine Handvoll großer Schalter, die direkt einem Elektro-/Elektronik Labor entsprungen sein könnten, damit auch für Menschen mit eher grobmotorischen Fähigkeiten gut geeignet.

eine schwarzes Plastikabtropfbecken mit aufliegendem (verchromten?) Metallrost, zum Draufstellen der Tassen bzw. Auffangen des nachtropfenden Kaffees, mit hohem Fassungsvermögen, was uns einerseits punkto Lästigkeit häufigen Entleerens entlastet, andererseits bei Ausnutzung dieses vermeintlic
hen Vorteils auch reichlich Raum für bunt blühende Pilzkulturen bietet

ein Wassertank, der diesen Namen auch verdient. Mehr als zwei Liter Wasser fasst er, aus durchsichtigem, spröde (und damit leicht zerbrechlich) wirkend, reicht die einmalige morgendliche Befüllung auch für den ganztägigen toujours-Betrieb. Der Tank wird über einen von oben hineinzu versenkenden Schlauch abgesaugt, was neben dem klaren Vorteil eines fehlenden (anfälligen) Bodenventils den rasch evidenten Nachteil eines bei jeder Tankentnahme in der Gegend herumsauenden, vorübergehend heimatlosen Schlauchs aufweist, welcher mit seiner Inkontinenz die Umgebung der Kaffeemaschine sowie jene selbst befleckt.

Ein weiterer Nachteil findet sich in der Hereinführung der elektrischen Zuleitung, die unter einer eigens dafür vorgesehenen Nut des Wassertanks am Boden sehr präzise liegen muss, hingegen erst weiter innen in der Maschine fixiert ist, und somit bei jeder Tankentnahme (zweiter Nachteil - dieser Vorgang fällt nun doch schon fast unangenehm auf) wie der oft zitierte Lämmerschwanz von ihrer Freiheit Gebrauch macht, und beim Wiedereinsetzen des Tanks die Absenkung des Letzteren regelmäßig vorzeitig behindert. Ein Umstand, der soviel Ungemach in der Praxis bringt, dass wir eine optische Verschandelung durch fixierendes Tape für das wesentlich kleiner Übel halten.

Suchen wir nach mehr Nachteilen, so findet sich noch das kleinere Problem des mit der Zeit leicht verkratzenden Wassertanks, dessen ursprünglich klare Oberfläche durch die beim Wechseln auftretenden spanabhebenden Bewegungen an Metallteilen, besonders zwei Schraubenköpfe am oberen Rand des aufnehmenden Schachts, erodiert wird.

Ein ganz klares Minus hingegen vergeben wir an den optionslos mitgelieferten Gran Crema Siebträger. Jener hat am Auslass ein Druckventil eingebaut, was erst nach Überschreiten eines gewissen Mindestdrucks den Espresso rauslässt, womit auch mit grob gemahlenem, zu wenig gepressten oder
sonstwie lieblos reingestopftem Kaffepulver eine gleichbleibende Crema erzeugt werden soll (was die Stiftung Warentest zu Begeisterungsausbrüchen hingerissen hat). Da dieses famose Prinzip tatsächlich unter allen Bedingungen, auch bei Dreisekundenbrühung (statt der bewährten 20-25 Sekunden), wahrscheinlich auch auf dem Mond funktioniert, ist nur ein einziges (Zweitassen-) Sieb beigegeben, das - wie sollten wir überrascht sein - sowohl bei Zweitassen- als auch Eintassenbezug zu gleichen Ergebnissen führt.

Uns reißt das Ding auch, aber anders. Wohl ist die Crema unabhängig von Mahlgrad und Anpressdruck immer gleich, aber sie schwimmt lose (=nicht abgebunden) und auffallend grobschaumig auf der Oberfläche des Espressos, in der Anmutung wie ein Chemieunfall bei BASF am Rhein. Die klapprige, rasch Schmutz annehmende, schwarzplastikdominierte mechanische Ausführung passt zur "Gran Crema", aber nicht zum vergleichsweise teuren Saeco-Gerät. Wir beruhigen unsere aufgestellten Nackenhaare und erwerben den von Saeco tückisch als separates Extra angebotenen Siebträger tradizionale nebst zusätzlichem Eintassensieb und Pressstempel, womit sich die Summe unserer Investitionen um weitere EUR 27,95 erhöht.

Nun aber wird nach kurzer Anlernzeit (Mahlgrad, Anpressdruck) hervorragender, heißer Espresso zubereitet. Die Einschaltprozedur ist mit der simplen Entlüftung über das Dampfrohr angemessen einfach, die Aufheizzeit des Geräts ist auch nach längerer Benutzung ohne Entkalkung angenehm kurz, die Aufwärmplatte (geeignet für 4 Tassen ohne gedrängte Enge) erfreut durch rasche Anwärmung. Aufgrund der großen glatten Flächen kommen wir auch mit der Reinigung der naturgemäß fleckempfindlichen gebürsteten Edelstahlflächen gut zurecht.

Sollen wir das Gerät empfehlen? Ohne große Überlegung: ja. Gibt es für erheblich weniger Geld Maschinen, die technisch kaum schlechter sind? Wir glauben: ja.

Möge die Essenz des Espresso mit euch sein!

Fazit: