Tschüß VHS
Panasonic Diga DMR-E85HEG-K

Name des Mitglieds: spamdurchleser
Produkt:
Panasonic Diga DMR-E85HEG-K
Datum: 04.07.04, geändert am 23.02.05 (1351 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: relativ einfache Bedienung, gute bis sehr gute Bildqualität, Spulen, suchen, nicht finden und alle weiteren bekannten Nachteile von VHS entfallen
Nachteile: miserabler Umgang mit Zweikanalton
Ich versuch mal, es kurz zu machen:
- Wer ständig mit VHS-Cassetten jongliert, von denen man nie genau weiß, was da eigentlich so drauf ist ...
- wer gerne mal spontan etwas mitschneiden möchte ohne sich Sorgen machen zu müssen, ob man nicht gerade was überspielt, was man noch nicht gesehen hat oder ob der Platz auf der Cassette noch reicht ...
- wer eine halbe Stunde vor Ende des Films dringend auf Klo muss oder Hunger bekommt, aber nicht auf die nächste Werbepause warten will ...
... für den ist ein HDD-DVD-Recorder genau das richtige Gerät.
Über die genauen Features werde ich mich hier nicht auslassen; wer auf diesen Artikel gestoßen ist, wird wissen, was er von dem Teil erwartet, bzw. schon mal bei www.panasonic.de gewesen sein.
Anschluss, Einrichtung:
Wer bisher keine Probleme hatte, seinen ollen Videorecorder in Gang zu kriegen, wird auch hier keine haben. Es gibt zwar diverse „exotische“ Extra-Ein- und Ausgänge (S-Video, Component, Decoder), aber Scart und Antennenbuchsen sind schnell gefunden. Nach dem Einschalten braucht das Gerät ca. eine halbe Minute bis es hochgefahren ist (jedesmal). Sendersuchlauf und ggf. anschließende richtige Sortierung (wenn man die des Fernsehers nicht übernehmen kann) sind kein großes Problem.
Bedienung:
Die Feinheiten, welchen Knopf man wofür drücken kann und muss, erspar ich mir und Euch. Aber vorneweg: Wer bisher schon Probleme hatte, mit seiner alten VHS-Kiste umzugehen, wird jetzt erst recht welche haben. Nix für Omis Wohnstube. Es kommen halt doch sehr viele bisher unbekannte Funktionen hinzu.
Spontan etwas auf Platte aufnehmen geht wie beim alten VHS-Recorder: Rec drücken und fertig (allerdings braucht’s etwa drei Sekunden, bis das rote Lämpchen leuchtet). Bereits vorhandene Aufnahmen werden nicht überspielt. Man kann aber auch direkt auf DVD (-R oder RAM) aufnehmen, passt halt nur nicht viel drauf.
Während der laufenden (HDD-)Aufnahme kann man ...
- den gerade aufgenommenen Film ganz von Anfang an sehen, egal wie lange die Aufzeichnung schon oder noch läuft, auch bei Timerbetrieb;
- hin und her „spulen“ oder auch mal die Time Slip- bzw. die Pausetaste drücken, was anderes erledigen und später weitergucken;
- eine ganz andere Aufnahme von der Festplatte ansehen;
- eine DVD sehen;
- CDs oder MP3-CDs hören;
die Aufnahme läuft dabei ohne Mucken weiter, egal was man macht, bis man die Stoptaste drückt (oder der Timer seinen Job getan hat).
Das alles ist über die Bildschirmmenüs relativ selbsterklärend, die Bedienungsanleitung braucht man dafür kaum, zumal man erstmal auch nicht viel falsch machen kann.
Komplizierter wird’s wenn man vorhat, wichtige Aufnahmen von Festplatte auf DVD-R zu sichern. Und hier wird’s teilweise sogar richtig ärgerlich. Wer im High-Speed-Modus (4x) von HDD auf DVD kopieren möchte, muss das bereits vor der Aufnahme auf HDD irgendwo in den Tiefen der Menüs festlegen. Sonst braucht man für zwei Stunden Film auch zwei Stunden zum „Überspielen“.
Wer noch dazu gerne mal was z.B. von Arte mitschneidet und auf zweisprachige Sendungen nicht verzichten möchte, der hat leider irgendwie Pech gehabt. Denn: Beim Kopieren auf DVD-R muss man sich entscheiden. ENTWEDER deutsch ODER original. Beides auf eine DVD-R geht nicht. Das muss man vor dem Kopieren festlegen. (Gleiches gilt, wenn man direkt auf DVD-R aufnehmen will.)
Es sei denn, und hier wird’s noch pestiger, man hat vorher festgelegt, dass man seine Aufnahmen nachher im High-Speed-Modus auf DVD schieben will (das ist ne grundsätzliche Entscheidung und gilt jeweils für alle Aufnahmen, die man eben mal schnell so macht). Dann nämlich wird auch bei der Aufnahme auf Festplatte nur die vorher gewählte Tonspur aufgenommen. Pech, wenn man sich vorher für die falsche entscheiden hat, bzw. man auf Arte die englische Fassung eines Films aufgezeichnet hat (üblicherweise auf dem rechten Kanal) und anschließend noch einen Film im Ersten mit Audiodeskription (auch rechts) – die Bildbeschreibungen hat man dann nämlich auch drauf und wird sie nicht mehr los.
Sehr schön wiederum die Navigation durch die gesammelten Aufnahmen: Die werden automatisch benamst und mit Aufnahmedatum versehen und sind so sehr übersichtlich auf dem Bildschirm aufgelistet und anwählbar. Es sei denn, die Programminfos im Videotext der Sender stimmen nicht mit der tatsächlichen Sendezeit überein, dann steht da schon mal was Falsches. Kann man fürs Archiv aber auch von Hand umbenennen.
MP3s auf CD werden dem Dateinamen entsprechend auf dem Bildschirm aufgelistet und sind leicht zu finden.
Das Löschen überflüssig gewordener Aufnahmen geht recht fix und einfach.
Die Entfernung von überflüssigen Anfängen und Enden oder von Werbeblöcken lässt sich auch recht bequem mit der Fernbedienung erledigen, allerdings läuft das nicht so 100%ig framegenau wie beim Videoschnitt am Computer, da muss man ein bisschen experimentieren.
Nettes Gimmick nebenbei: Man kann aufgezeichnete Programme auch mit 1,3facher Geschwindigkeit anschauen. Bewegungen wirken dabei zwar etwas unflüssig, aber die Tonhöhe bleibt gleich. Spart Zeit bei Nachrichten und ähnlichem, wo es aufs Bild nicht so ankommt und man nur die Infos aufsaugen will.
Das Gerät ist angenehm leise, kein Fiepen, Ötteln, Brummen oder ähnliche Geräusche; den Lüfter hab ich bisher auch noch nie gehört. Es muss schon sehr ruhig um einen herum sein um zu hören, dass das Ding an ist oder läuft, sowohl beim HDD- als auch beim DVD-Betrieb. Jeder VHS-Recorder ist lauter.
Bild- und Tonqualität:
Viereinhalb Modi stehen zur Verfügung.
XP (die beste, ca. 17 Stunden passen auf die Festplatte, nur 1 auf eine DVD-R): Rein augenscheinlich kein Unterschied zum original Fernsehbild.
SP (standardmäßige Grundeinstellung, ca. 34 Stunden, bzw. 2 pro DVD-R): Eigentlich wie XP, außer vielleicht bei extrem schnellen Bewegungen. Aber man braucht schon ein sehr kritisches und geschultes Auge, um da eventuell dezente Kompressionsartefakte zu erkennen. Ich wähle grundsätzlich SP, das ist immer noch besser als SVHS.
LP (68 Stunden, bzw. 4), nicht mehr der pure optische Genuss, schlechtere Auflösung als SP, irgendwo zwischen VHS und VHS-Longplay, aber mehr als ausreichend für die Talking Heads in Talkshows und Nachrichtensendungen.
EP (die schlechteste) gibt’s zweimal. Einmal mit brauchbarer Tonqualität (106 Stunden) und einmal mit etwas schlechterer Tonqualität (142 Stunden). Beides nicht wirklich zu empfehlen, wg. deutlich wahrnehmbarer Kompressionsartefakte (Klötzchen an den Konturen, besonders bei Bewegungen). Außerdem wirken Bewegungen etwas ruckelig.
Bedienungsanleitung:
Sehr spröde, etwas unübersichtlich, die ärgerlichen Einschränkungen beim Überspielen und vor allem bei Zweikanaltonaufnahmen stehen eher im Kleingedruckten. Mitunter auch schwer zu erschließendes Vokabular. Linker Kanal oder Kanal 1 heißt da und im Menü des Gerätes zum Beispiel „Audiotyp M1“ bzw. „M2“.
Fazit:
Wer einmal mit einem Festplattenrecorder zu tun hatte, hat keine Lust mehr, je wieder eine VHS-Cassette anzufassen. Bis auf die o.g. Einschränkungen beim Zweikanalton alles in allem ein sehr flauschiges Gerät, das sehr viel Spaß macht.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich BD/DVD/HDD Rekorder




