Untoten-Akne und Himbeersirup
Zombie Honeymoon (DVD)

Autor-Name: MissVega
Produkt:
Zombie Honeymoon (DVD)
Datum: 24.04.09, geändert am 24.04.09 (61 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Man kann ab und an mal lachen...
Nachteile: ... wenn man vergessen kann, wie scheiße der Film ist
Speziell im Zombiefilm-Genre gibt es ja nichts, was es nicht gibt... Die Möglichkeiten, die untoten Fledder-Fritzen einzusetzen und mit so was wie einer Rahmenhandlung um ihre Suche nach Menschenfleisch zu umgeben, sind so vielfältig wie schwachsinnig. Hier hat Regisseur, Produzent und Drehbuchschreiber David Gebroe, der über die umfangreiche Erfahrung von insgesamt zwei Filmen verfügt, eine ganz glorreiche Idee verfolgt... Er lässt den einen Teil eines frisch verheirateten Pärchens auf Hochzeitsreise zu einem blutdürstigen Flodderheini mutieren und den amerikanischen Küstenort, der hier als Reiseziel gedient hat, ordentlich dezimieren. Dabei hat er versucht, eine Blutgrätsche zwischen Romantik und Horror zu fabrizieren, was - natürlich - mehr als gründlich in die Hose gegangen ist. Darstellerische Leistung, Timing, Story, Musik... alles ist dermaßen mies und beschämend, dass es mir eine Freude ist, Euch auseinanderzusetzen, warum man sich diesen grandiosen Schrott keinesfalls antun sollte.
Also, Danny (Graham Sibley) und Denise (Tracy Coogan) sind frisch verheiratet, hüpfen aus der Kirche, lassen sich noch von ihren grenzdebilen Freunden Nikki (Tonya Cornelisse) und Buddy (David M. Wallace) verabschieden und machen sich dämlich lächelnd auf den Weg in ihren Honeymoon. Der führt sie an einen deprimierenden kleinen Küstenort irgendwo in Lala-Land, deutsches Equivalent wäre in etwa Grömitz oder ein ähnlich schnarchiges Meer-Örtchen, wo sie im Haus von Onkel keine-Ahnung-wie-der-hieß ordentlich vögeln und wirres Zeug reden wollen. Natürlich darf auch ein Ausflug zum nahe gelegenen Strand nicht fehlen, wo Danny sich alsbald taucheranzugbemannt in die Fluten stürzt. Und schon nimmt das Unheil seinen Lauf... Kurz nachdem Danny, ermattet von seinem ausgiebigen fünfminütigen Bad in den Wellen auf sein hässliches Handtuch sinkt, steigt ein seltsames Wesen aus den Fluten. Sehr unheimlich, der Kerl... trägt ebenfalls einen Taucheranzug und hat - meeresbiologisch vollkommen authentisch - ein Geflecht aus Tannennadeln und anderem Waldbewuchs im Haar. Algen waren offensichtlich nicht mehr drin im Budget. Er kuschelt sich grunzend an und auf Danny und kotzt ihm dann gepflegt ne Ladung Kaffee oder eine ähnliche braune Brühe auf den Kopf. Dann muss er leider auch schon wieder los. Denise bringt Danny vorsichtshalber ins Krankenhaus, damit sie ihm die braune Schlunze nicht selber vom Kopp wischen muss. Irgendwie ist Danny dann auch mal eben zehn Minuten tot, was aber dank einer intensiven Schlüsselbein-statt-Herzmassage des kompetenten Quacksalber-Teams vor Ort (die wirklich über phänomenale anatomische Kenntnisse verfügen) wieder rückgängig gemacht werden kann. Damit Denise das Tagegeld fürs Krankenhaus sparen kann, nimmt sie ihren gelbzahnigen Ehemann flugs wieder mit in die Bumsbutze, die nebenbei relativ geschmacklos von Onkel wie-war-doch-gleich-sein-Name eingerichtet wurde.
Danny ist ganz der Alte, er faselt weiterhin wirres Zeug mit seiner Angetrauten, deren IQ auch nur knapp über dem einer Teekanne liegt... macht nix, Dannys entspricht dem einer Teetasse, insofern fällt keinem von Beiden auf, wie dämlich sie sind. Nachdem Denise nach ein paar Tagen als Ehefrau schon rumnölt, wie langweilig und eingefahren alles ist und dass man mehr aus seinem Leben machen müsse, so als strunzlangweiliges Ehepaar bla fasel, lachen sich beide in Ekstase und tätigen kurzerhand ein paar Anrufe, in denen sie nacheinander ihre Jobs und ihre Muffelbutze kündigen, um nach - Achtung - Portugal auszuwandern. Ein ebenso verwegen-phantasievoller wie dämlicher Plan. Da die Beiden sich aber weiterhin gen Ohnmacht hyperventilieren, fällt ihnen das gar nicht auf. Ist ja auch brüllkomisch, wenn beide arbeitslos sind und nicht mal mehr ein Dach über dem Kopf haben... Intelligenz und Kohle werden so grade eben noch für den Flug nach Portugal reichen.
Nun jedoch beginnt die gar gruselige "Verwandlung" von Danny, bei der man im Übrigen hervorragend auf die nicht vorhandenen Fähigkeiten des Regisseurs aufmerksam wird. In einer wundervollen Schnitt-/Gegenschnitt-Aufnahme hat Danny einmal einen aalglatten Rücken, dann wieder pellt sich ebendieser ein wenig. Dies soll die Mutation Dannys einläuten, sieht aber noch nicht mal so gruselig aus wie ein übler Sonnenbrand bei einem Engländer. Gepaart während der Paarung mit einer etwas forscheren Fummelaktion bei Denise war's das dann aber auch erstmal. Danny, der - wie witzig - übrigens Vegetarier ist, bekommt alsbald Hunger auf Fleisch und testet deshalb mal den Arm der Reisebürotante an, die unserem Einzeller-Pärchen den Flug nach Portugal buchen soll. Somit haben sie wenigstens die Kosten für die Tickets gespart. Vollblinse Denise hat derweil clevererweise anfangs erwähnte Freunde antanzen lassen, damit sie nicht so allein ist mit ihrem Zombie-Gatten... oder sie hatte keine Lust zum einkaufen und hat Danny auf diese Weise Frischfleisch besorgt. Buddy und Nikki sind mindestens so dämlich wie die Couch in Onkel wie-hieß-der-noch Haus und foltern den Zuschauer mehr mit ihrem sinnfreien Geschwafel und ihrer grenzenlosen schauspielerischen Unfähigkeit, als Danny es als Zombie je schaffen würde. Laber laber ding dong, die Handlung schreitet für ihre Sinnlosigkeit zumindest einigermaßen zügig voran, mittenmang taucht mal eben Officer Carp auf, der, in der Küche sitzend, so geistlose Sätze wie "So ein kleines Erfrischungsgetränk zwischendurch tut immer gut" sagen darf. Allein für diese zusätzlichen akustischen Schmerzen sollte man den Drehbuchautor mit einer blutigen Rinderhüfte verkloppen.
Nein, das Elend ist noch nicht vorbei... Danny hat sich zunehmend weniger unter Kontrolle und aus den anfänglichen Sonnenbrand-Hautfitzelchen werden zunehmend "schrecklichere" Mutationen. Ja ja, da haben die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet. Danny ist in seinem Zombie-Outfit vorrangig grau/weiß, außer, er hat grade einen Fußgänger auf der Strandpromenade gerissen, dann hat er einen hübschen Himbeer-Sirup-Sabberlatz im Gesicht. Ansonsten sieht er null zombiemäßig aus, erst ganz zum Ende bekommt er Untoten-Akne und bewegt sich wie Joe Cocker im Vollrausch. Nachdem die Strandpromenade mehr oder weniger abgefrühstückt ist, macht sich Danny über Nikki und Buddy her, von deren hirnverbranntem Geschwaller er den Zuschauer somit gnädigerweise erlöst. Die "Fressorgien" sind trashig und himbeerrot umgesetzt, nichts, was den gestandenen Horrorfan auch nur zu müdem Applaus animieren würde, aber wenigstens hält die Kamera drauf und nicht weg. So langsam ist Denise ein klein wenig überfordert von der Situation und macht sich wahrscheinlich Gedanken, ob sie in Portugal als Portwein-Testerin arbeiten soll oder lieber nach Hause zurückkehrt, um arbeitslos unter der Brücke zu schlafen. Denn auf Danny ist ja, was eine langfristige finanzielle und emotionale Versorgung angeht, leider kein Verlass mehr. Und bevor er auch noch anfängt, an Denise rumzuknispeln, muss etwas unternommen werden. Was macht unsere herzerfrischend bekloppte Denise also? Rischtisch, sie arrangiert ein Candlelight-Dinner, während Danny sich durch Buddy und Nikki mampft. Macht doppelt Sinn, oder? Erstens völlig absurd und zweitens hat der doch dann bestimmt gar keinen Hunger mehr. Da Denise eine Frau von Welt ist, bleibt sogar noch Zeit, sich schnell die Haare neu zu machen, während Danny Gedärmesalat anrichtet. Denise wäscht in aller Ruhe Brokkoli (wohl als Reminiszenz an Dannys alte Vegetarierzeiten), entfacht den Kamin und zündet - wie romantisch - Kerzen an. Für einen Mann, der mittlerweile aussieht wie lecker mit Hack etwas übertrieben, wie ich finde.
Bevor ich und auch der Film endlich zum Ende kommen, schnell noch ein paar Regiefehler: Nachdem Danny dem Polizisten ins Gesicht gebissen hat, ist der, bis auf den Himbeer-Sirup, völlig intakt. Da hatte der Maskenbildner wohl grade Mittagspause. Des Weiteren wird mit den Freunden anfangs aus hübschen Plastikbechern Rotwein gesoffen, für ihr Zombie-Candlelight-Dinner hat Denise dann aber doch noch die Gläser in Onkel wie-haben-ihn-wohl-seine-Eltern-gerufen Schrank gefunden.
So, nu aber, Finale: Danny ist irgendwann satt und somit offensichtlich lebensmüde. Also stirbt er einfach mal ganz unprätentiös und von alleine. Denise ergeht sich in Tagträumen von Danny und ihr am Strand und so und wandert dann irgendwann allein Richtung Sonnenaufgang... oder Portugal. So oder so ähnlich endet dieser kleine miese Film. Ich muss zugeben, am Ende hab ich nicht mehr ganz so gut aufgepasst, weil ich mir die Lachtränen ob des völlig bescheuerten Candlelight-Dinners aus den Augenwinkeln wischen musste. Deshalb hier auch nur ganz kurz ein paar Worte zur Ausstattung der Scheibe: Ton (obwohl man ohne besser dran ist) kommt in deutsch in Dolby Digital 2.1 daher, in englisch kann man sich an Dolby Digital 5.1 erfreuen. Es gibt ein Behind the Scenes-Feature, ein Interview mit dem Regisseur, einen Q&A vom BIFFF 2006 und etwas, das sich "Horror-Business: Filmauszüge" nennt.
Tja, so kanns gehen. Von A-Z einfach mal alles falsch gemacht. Abgesehen von der hanebüchenen Story, die plump und ungelenk versucht, Honeymoon und Horror zu verbinden, trumpft der Regisseur hier mit einem derart talentfreien Cast auf, dass man ihn dafür mit goldenen Himbeeren steinigen sollte. Die Dialoge sind auf astreinem Vorabend-Dokusoap-Niveau, der Film ist ungefähr so spannend und gruselig wie das Periodensystem der Elemente und ich habe selten einen Zombiefilm mit so wenig Zombie gesehen. Danny sieht fast die ganze Zeit aus wie am Anfang, er wird lediglich blasser und erst ganz zum Ende bekommt er ein paar Pocken, aber das war's dann auch schon. Die Himbeer-Sirup-Orgien halten sich in Grenzen und sind so schlecht gemacht, dass es einen höchstens gruselt, wenn man daran denkt, dass irgendjemand noch Geld für diese miese Maskerade bekommen hat. Somit ist "Zombie Honeymoon" ein voller Griff ins Klo, ein Film, der so mies wie er scheiße ist und deshalb natürlich unbedingt gemieden werden sollte. Volle null von fünf schlecht aufgeklebten Zombie-Pocken, denen aber mit Terpentin leicht beizukommen ist.
Fazit: Run!
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