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Wer ist verrückt und wer normal?
Zeiten des Aufruhrs (DVD)

Name des Mitglieds: hsvbille
Produkt:
Zeiten des Aufruhrs (DVD)
Datum: 17.02.11
Bewertung:
Vorteile: Ein Film über komplett kaputte Menschen der doch fasziniert
Nachteile: Keine
Manchmal suche ich gezielt nach günstigen DVDs um bei buecher.de den Mindestbestellwert für einen Gutschein vollzubekommen. So landete der Film "Zeiten des Aufruhrs" bzw. "Revolutionary Road" in meinem Warenkorb.
Bezahlt habe ich 5,99 Euro dafür.
Erwartet hatte ich aufgrund des Covers und der Hauptdarsteller (Kate Winslett und Leo Dicaprio) eigentlich eine schöne Schnulze, wie ich sie mir manchmal gerne ansehe, in meinen sentimentalen Momenten.
Aber da lag ich komplett daneben.
Erstmal die blanken Fakten:
Erschienen: 2009 bei Paramount, BBC Film
Länge 114 Minuten
Regisseur: Sam Mendes
Schauspieler: Kate Winslett, Leonardo Dicaprio
Specials: Making Of, entfernte Szenen, Audiokommentar
Worum gehts?
Kate und Frank ziehen in den 50iger Jahren nach Conneticut, genauer gesagt, in einen Vorort.
Dort erleben sie, wie sich ihr angänglicher Glaube an ein faszinierendes, ungewöhnliches Leben mit den Jahren in Luft auflöst. Wollte Kate einst Schauspielerin werden und Frank die Welt erkunden, das Leben mit allen Poren geniessen und auskosten, so lebt das Paar nun zerstritten und verbissen mit seinen zwei Kindern. Während Kate an ihrem Dasein als Hausfrau verzweifelt und weder für Frank, noch für ihre Kinder etwas empfindet, macht Frank Vorschrift nach Dienst und vergnügt sich zuweilen mit den Damen der Schreibabteilung seines Büros.
Kate macht Frank an seinem 30igsten Geburtstag den Vorschlag, ihr Leben komplett umzukrempeln und nach Paris zu ziehen, um ihrem Mann Zeit für sich zu bieten und um selber als Sekretärin gutes Geld zu verdienen.
Anfangs sind beide begeistert von der Idee und erzählen anderen durchaus hämisch davon, wie sie sich anderswo allen Üblichkeiten zum Trotz niederlassen wollen um der verlogenen Vorstadtidylle zu entkommen.
Der Plan zerbricht als Kate erneut schwanger ist und Frank einen besseren Job in Aussicht hat.
Es kommt zur Tragödie, als Kate sich trotz allen inneren Widerständen dazu entschließt, Frank eine ganz normale Haus-und Ehefrau zu werden und sich all seinen Wünschen unterzuordnen.
Aufgewühlt wird die ganze Geschichte durch die gesamte Falschheit und Verlogenheit der Menschen in diesem Ort. So betrügen sich Kate und Frank gegenseitig (wobei Frank es immerhin beichtet). Es wird getratscht, man hört der nörgelnden Ehefrau lieber gar nicht erst zu, wer sich nicht so verhält und sagt, was er denkt, landet in der Klapse.
Ein paar Zitate, die sinngemäß hängengeblieben sind: "Wenn ich verrückt sein muß, um das Leben zu genießen, dann bin ich lieber verrückt" oder "Die Leute sehen die Realität, sie haben nur gelernt, besser zu lügen". Und ein für den Film typischer Begriff der "hoffnungslosen Leere".
Lange habe ich überlegt, ob es in dem Film eigentlich einen Helden gibt. Oder ob man einfach sagen muß, das er durch und durch düster ist.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, das der einzige "Held", wenn überhaupt, nur Frank sein kann. Obwohl er seine Frau mehrmals betrügt, ist er der einzige, der am Ende das tut, was er will und sich dennoch mit seiner Rolle abfinden kann, indem er in die Computerbranche geht und das Vorörtchen für immer verläßt. Er zeigt am Ende ein echtes Lächeln beim Betrachten seiner spielenden Kinder, während in der revolutionary road das Lügen und sich gegenseitig etwas vormachen weitergeht.
Mein Fazit:
Wer american beauty mochte, kommt um diesen Film nicht herum. Zynisch, kaputt, erschütternd. Und doch so wahr, auch wieder für die heutige Zeit. Wieder schließt sich ein Kreis zu heutiger Literatur, ich lese zum Beispiel gerade ein Buch in dem es um die Frage geht, ob die Normalen nicht die Verrückten und die Verrückten nicht die Normalen sind. Und ähnlich würde ich auch das Thema dieses Filmes beschreiben, nicht durch Zufall kommt ein "Irrer" vor und Frank bezichtigt Kate des Wahnsinns.
Am Ende bleiben nur viele unglückliche Menschen mit ihren dunklen Geheimnissen übrig.
Ein Film, der zum nachdenken anregt.
Fazit: Keine leichte Kost
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