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Neuester Testbericht: ... mal etwas übertrieben, oder? Ich persönlich finde, dass Dracula - auch Dracula, der Graf aus Transilvanien bleiben sollte. Oder? Oder m... mehr
DraculJA!
Wes Craven präsentiert Dracula (DVD)

Name des Mitglieds: Gothic_Girl
Produkt:
Wes Craven präsentiert Dracula (DVD)
Datum: 29.01.03, geändert am 29.01.03 (46 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Versuch, einen Mythos wiederzubeleben
Nachteile: Der Film kommt bein Zuschauer nicht überzeugend an
DraculJA!
Letztendlich habe ich mich nach jahrelangem überzeugtem Widerstand doch ergeben: Ich hab mir einen DVD-Player gekauft. Und da man als Sonderangebot gleich noch eine DVD mitnehmen durfte und ich natürlich immer auf der Suche nach Vampirfilmen bin, fiel meine Wahl auf ?Wes Craven präsentiert Dracula?. Hinter diesem reichlich gestelzten Titel, der nach meiner bescheidenen Erinnerung im Jahre 2000 noch unter dem Namen ?Dracula 2000? in die Kinos kam (in einigen auf der DVD befindlichen Interviews wird er auch so bezeichnet), verbirgt sich eine von Wes Craven produzierte und ins Jahr 2000 versetzte Neuinterpretation des Dracula-Stoffes.
DER FILM:
(Da ich den besonderen Twist des Film kommentieren möchte, enthält der Bericht Spoiler. Die entsprechende Passage ist gekennzeichnet.)
Wir befinden uns im London des Jahres 2000. Abraham van Helsing (Christopher Plummer), der berühmte Vampirjäger, betreibt heute einen erfolgreichen Handel mit Antiquitäten. Allerdings hütet er auch ein Geheimnis: In einem Hochsicherheitssafe versteckt er in einem mit Silber ausgeschlagegen Sarg Dracula (Gerard Butler), um diesen von der Welt fernzuhalten, da er noch keine Methode gefunden hat, mit der der Vampir zu töten wäre. Da er aber geschworen hat, den Untoten zur Strecke zu bringen, spritzt er sich dessen Blut, um selbst am Leben zu bleiben.
Alles wäre also mehr oder weniger in Ordnung, wenn nicht eines Tages eine Diebesbande den Safe knacken würde. Zwar haben sie keine Ahnung, was van Helsing dort versteckt, sind sich aber sicher, daß es etwas Wertvolles sein muß, wenn es so gut bewacht wird. Auch als sie im Safe nur den Sarg antreffen schöpfen sie kaum Verdacht: Das Ding wird einfach rausgeschleppt und in ein Flugzeug verfrachtet. Bei dem Versuch, der Sarg zu öffnen, entkommt natürlich dessen vampirischer Inhalt und das Flugzeug samt den dahingemetzelten Insassen zerschellt in den Sümpfen vor New Orleans.
Mittlerweile hat van H
elsing Wind davon bekommen, daß sein Gefangener entwischt ist und macht sich an dessen Verfolgung. Doch er selbst wird auch verfolgt. Sein Protegé Simon (Johnny Lee Miller) kann mit dem seltsamen Verhalten seines Chefs nichts anfangen und entschließt sich daher, der Sache auf den Grund zu gehen. So landen sie beide ebenfalls in News Orleans und sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, van Helsings Tochter Mary (Justine Waddell) zu beschützen, die Dracula unbedingt für sich haben will, da sie ja sein Blut teilt.
Der Rest des Film besteht aus Verfolgungsjagden, Schießereien mit Silberpistolen und beeindruckenden Bildern aus News Orleans (der Film spielt während der Feierlichkeiten zu Mardi Gras). Am Ende kann Dracula natürlich besiegt werden - wenn auch nicht endgültig, so doch zumindest für die Dauer dieses Films.
Der Film hat einige gute Ideen, viele krude Elemente, einen satten Soundtrack (StaticX, Linkin Park und etliche andere Metal Bands) und ein Dutzend unterhaltsamer One-Liner zu bieten. Leider fehlt dem Film zwischen diesen Elementen einfach das Herz, richtige Spannung will nicht aufkommen. Dabei haben Joel Suisson (Drehbuch) und Patrick Lussier (Regie) es gut verstanden, Elemente aus Stokers Buch in den Film einzuflechten und ihnen eine selbstreferentielle und ironische Ebene zu verleihen. So tauchen zum Beispiel die drei Vampirweiber, die auch bei Stoker eine Rolle spielen, auf und gebaren sich als männermordende Biester. Ebenso der Charakter der Lucy, der in Film und Buch vorkommt, eine junge Frau, die auf der Suche nach ihrer eigenen erwachenden Sexualität dem Untoten Charmeur erliegt.
+S p o i l e r+
Suisson/Lussier haben versucht, Dracula einen neuen Twist zu verleihen. In Stokers Buch wird nie geklärt, wie Dracula zum Vampir wurde. Er war einfach da. Suisson/Lussier haben versucht, mit ihrer ?Dracula? Version eine Antwort auf diese Frage zu finden. Warum hat Dracula Angst vor Kreuzen? Vor Weihwasser? Und vor Silber? Natü
rlich weil er eine persönliche Abneigung gegen diese Dinge besitzt: Denn Dracula ist eigentlich Judas, jener Anhänger Jesus', der diesen verriet. Für diesen Verrat endete Jesus am Kreuz. Judas kassierte ein paar Silbermünzen, konnte mit seiner Tat allerdings nicht leben und erhängte sich an einem Olivenbaum. Nur ließ ihn Gott nicht sterben - er machte ihn zum Vampir.
Ein netter Versuch, den Mythos um Dracula zu erklären, mehr aber leider auch nicht. Wenn der Vampirismus als persönliche Strafe für Judas gedacht war, warum kann er dann durch bloßes Beißen andere Menschen sozusagen infizieren? Und wie kommen Suisson/Luissier eigentlich darauf, daß Dracula kein Silber verträgt (eine Vorstellung, die den Film ziemlich penetrant durchzieht)? Diese Ansicht kam erst mit Vampirfilmen in den 70er Jahren auf und hat mit Stokers Buch (auf das sie sich ja beziehen) überhaupt nichts zu tun. Silber hilft gegen Werwölfe... wir wollen das doch nicht verwechseln!
+S p o i l e r E n d e+
?Dracula? hat seine Schwächen, die besonders in der zeitweilig recht unlogischen Handlung beginnen und in der schleppenden Umsetzung enden. Trotzdem muß man dem Film zugestehen, daß er mit seiner Interpretation dem Stoff eine neue Komponente abgewinnen kann - das kann nicht jeder der zahllosen Vampirfilme von sich sagen. Lussier hat versucht, das Genre auch optisch zu verjüngen. So sind die Bilder schnell, bunt und clipartig aneinandergereiht. Außerdem hat er ausnahmslos junge Schauspieler verpflichtet (bis auf van Helsing natürlich, der von Christopher Plummer verkörpert wird), die allerdings ihren Rollen kaum Farbe verleihen können. Gerade Dracula, der Inbegriff von Mystik, Killer und Erotik, wirkt wie die Zweitbesetzung eines Soap Stars. Gerard Butler vermag dem uralten Grafen keine Tiefe zu verleihen - mit der Figur des Dracula steht und fällt nun aber der ganze Film. Wenn beim Zuschauer dieser Dualismus von unnachgiebigem Mörder und unwiderstehlichem Verführer nicht
ankommt, ist die wichtigste Message eines Vampirfilms verloren.
Trotzdem lohnt sich meiner Ansicht nach ein kleiner Ausflug in ?Wes Cravens Dracula?. Der Film wird wohl keinen Einzug in die Filmgeschichte halten, aber er ist immer noch unterhaltsamer und kurzweiliger als viele andere Produktionen, die sich mit den Untoten beschäftigen. Für einen wirklichen Kultstatus reicht es aber lange nicht.
DIE DVD
Die DVD wartet mit gutem Bild und Ton und einigen Extras auf - wie sich das also gehört. Der Film selbst kann auf deutsch, englisch und natürlich mit Regiekommentaren angeschaut werden. Kapitelwahl ist auch möglich. Untertitel lassen sich allerdings nirgends finden.
Extras:
Darsteller und Crew
Dracula Special
Deleted Scenes
Blick hinter die Kulissen
Featurette
Storyboards
Der besondere Filmtip
Darsteller und Crew:
Hier finden sich Biographien und Filmographien der Hauptdarsteller. Mit allen gibt es kurze Interviewausschnitte (Englisch mit und ohne Untertitel) und bei einigen sogar Ausschnitte aus dem Casting. Die Interviews bestehen hauptsächlich aus Lobpreisungen (?he's such a great guy to work with?) und Allgemeinplätzen (?this movie is amazing?) und sind daher nur bedingt zu empfehlen. Vor allem, wenn man sich die Featurette ansieht, eine Art kurzes ?Making Of?, in der die meisten Interviewszenen noch einmal wiederkehren. Einzig Colleen Ann Fitzpatrick (Lucy), Patrick Lussier (Regie) und Wes Craven (Produzent) haben tatsächlich etwas Durchdachtes zum Film und dem Dracula-Stoff zu sagen. Beim Interview von Gerard Butler ist einzig sein schottischer Akzent ein echter Hinhörer (sorry, bin Schottlandfan).
Dracula Special:
Hier kann man sich Trailer zu ?Bram Stoker's Dracula?, ?John Carpenter's Vampires? und ?Wes Cravens Dracula? ansehen. Außerdem gibt es auf Tafeln den Lebenslauf des historischen Dracula nachzulesen. Ein zweifelhaftes Vergnügen, das sein Augenmerk auf sei
ne Blutrünstigkeit und Grausamkeit lenkt, anstatt die Tatsache zu erwähnen, daß Dracula bis heute in Rumänien als Volksheld gilt, der die Türken zurückgedrängt hat - aber das paßt nur schlecht in unsere Vorstellung vom bluttrinkenden Monster.
Deleted Scenes:
Hier gibt es einige (wenn man möchte kommentierte) entfernte Szenen zu sehen. Besonders interessant ist ein alternativer Anfang, der zeigt, wie van Helsing Dracula fängt und einsperrt. Dieser Anfang hätte im Film wohl viel mehr Sinn gemacht. In der Endfassung beginnt ?Dracula? mit der Fahrt der Demeter, die Dracula von Transsilvanien nach London bringt: Ein Ereignis, das aus dem Buch stammt und das, da es im Film nicht weiter kommentiert wird, dem Zuschauer nur etwas sagt, wenn er andere Filme oder das Buch von Bram Stoker kennt.
Blick hinter die Kulissen:
Unkommentiertes Draufhalten einer Kamera auf das Filmgeschehen. Das ist ungefähr so interessant, wie sich die Hi8 Filme vom Urlaub der Nachbarn anzusehen +gähn+.
Featurette:
Wie gesagt ein kurzes Making Of. Interviews mit den Darstellern, einige Szenen. Das Übliche - aber ganz interessant.
Und für Schottlandfans wie mich gibt es noch anzumerken: Auf dem Film finden sich zwei ?Highlander? Trailer, einmal für Highlander III und für ?Endgame? - zu finden bei Trailershow und Der besondere Filmtip!
Mit meiner ersten DVD habe ich zwar keinen Jahrhundertfilm erwischt, aber ich habe mich auch schon schlechter unterhalten. Daher bekommen Film und DVD drei Punkte für solide Mittelmäßigkeit.
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Allgemeine Infos
?Wes Craven präsentiert Dracula?
USA, 2000
Regie: Patrick Lussier
Darsteller: Christopher Plummer, Gerard Butler, Justine Waddell, Colleen Ann Fitzpatrick, Johnny Lee Miller
Spielzeit: ca. 95min
Carpe Noctem!
Michi, Januar 2003.
Fazit:
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