

Erhältlich in: 8 Shops
Neuester Testbericht: ... Region 2 # Bildseitenformat: 16:9 # FSK: Freigegeben ab 16 Jahren # Studio: Warner Home Video - DVD # Spieldauer: 118 Minuten Die Stor... mehr
In den Slums von L.A.
Training Day (DVD)

Name des Mitglieds: Homer6
Produkt:
Training Day (DVD)
Datum: 29.01.05, geändert am 20.03.05 (771 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: gute Story, rasant inszeniert, spannend, starke Schauspieler, passende Kulissen
Nachteile: eher mäßige DVD
„Das einzige, was gefährlicher ist als die Gesetze zu brechen, ist ein Cop, der sie bricht.“ Dies ist der „Leitspruch“ des Thrillers „Training Day“, der im Jahre 2001 erschien und für den Denzel Washington mit dem Oscar für den besten männlichen Hauptdarsteller geehrt wurde. Im Kino hatte ich den Film leider verpasst und so habe ich mir vor einigen Monaten die DVD gekauft, bin aber erst jetzt wieder auf diese gestoßen und habe mir „Training Day“ endlich angesehen. So viel vorweg: Meine Erwartungen waren hoch, da mir von verschiedenen Stellen viel von dem Film vorgeschwärmt wurde und ich Thrillern nie abgeneigt bin.
[Story]
Jake Hoyt ist Streifenpolizist, hat sich aber für das LAPD beworben, das Los Angeles Police Departement. An seinem ersten Tag, einem Trainings-Tag, also dem „Training Day“, entscheidet sich, ob er in der Abteilung des Drogendezernats aufgenommen wird oder nicht. Dafür muss er alles tun, was ihm Alonzo Harris, ein hochrangiger Police-Officer, sagt. Dessen Methoden sind allerdings alles andere als rechtmäßig. So wandern Geld und Drogen von Überführten in die eigene Taschen und übertriebene Gewalt ist an der Tagesordnung. Harris zwingt Hoyt sogar dazu, Drogen zu nehmen, was dieser auch tut, um in die Einheit aufgenommen zu werden. Hoyt merkt, dass er mit Harris Methoden nicht konform gehen kann und muss sich entscheiden, ob er Gerechtigkeit will oder Harris Methoden akzeptiert und somit immer weiter in Verbrechen und Gewalt hinein sinkt…
[Kritik]
Was man während den 120 Minuten des Filmes erlebt, ist ein normaler Arbeitstag im Leben des Alonzo Harris. Für Hoyt ist es jedoch der erste Tag und so muss er sich schon früh wundern, mit welchen Methoden Harris zu Werke geht. Ungerechtigkeit und Gewalt beherrschen sein Handeln, Hoyt kann das nicht akzeptieren, so kommt es auch immer wieder zu Streitigkeiten, bei denen Harris jedoch immer die Oberhand behält, da er weiß, dass er Hoyt in seiner Hand hat. Hoyt will Detective werden und kann dies nur über Harris schaffen, das wissen beide. Die erste Begegnung der beiden hat schon groteske Züge. Harris will nicht reden, liest seine Zeitung und als Hoyt doch etwas sagt, muss dieser ihm eine Geschichte erzählen. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, Harris spielt mit Hoyt, braucht diesen für etwas und wenn man dieses Gefühl hat, liegt man – ohne hier zu viel verraten zu wollen - gar nicht so falsch.
Antoine Fuqua hat den Tag der beiden Polizisten mit sehr viel Gewalt verfilmt. Ob dies der Realität entspricht oder nicht, sei dahin gestellt, schließlich haben wir es mit einem Film zu tun und zudem mit einem, der sich mit einer schwierigen Problematik befasst. In den verarmten Slums von Los Angeles, in den Vierteln, in denen fast ausschließlich Schwarze leben, herrscht Gewalt und Verbrechen. Das Dealen mit Drogen steht an der Tagesordnung und Harris Philosophie ist es, dass man einen Wolf nur dann fangen könne, wenn man selbst einer sei. Dies predigt er Hoyt, hämmert es ihm förmlich ein, bis dieser es schließlich glaubt und beinahe anfängt wie Harris zu handeln. Die Atmosphäre im Film ist streckenweise sehr „cool“, wenn man das so nennen mag, allerdings droht selbige auch immer zu explodieren, überall herrschen Spannungen. Zwischen den Menschen auf der Straße, zwischen Harris und Hoyt, zwischen den beiden Cops und Verbrechern, denen beide sofort mit Gewalt begegnen. Einigen Zuschauern wird es vielleicht übel aufstoßen, dass es in „Training Day“ kaum einen Dialog gibt, in dem nicht die Wörter „Wi***er“ oder „F***e“ vorkommen, zudem fällt sehr oft das Wort „Nigga“. Durch diese extreme Umgangssprache wird die „Street-Atmosphere“ noch gesteigert.
Die Bilder unterstützen dabei eindeutig das Gesprochene, denn die verarmten Viertel sind exzellent in Szene gesetzt. Der Zuschauer merkt, dass hier Elend und Armut herrschen, dass kein Platz für Luxus ist und dass die Menschen so in den Sog des Verbrechens abdriften. Neben den Bildern, in denen Harris Wagen und auch andere dicke Karren, immer wieder merkwürdig wirken, überzeugt auch die rasante Geschwindigkeit des Filmes. Leerlauf gibt es nie, der Film ist immer in Bewegung, erzählt den Tag weiter, die Zusammenhänge werden klar, Fragen werden beantwortet. Dies macht Antoine Fuqua allerdings so geschickt, dass die Spannung bis zum Ende der 118 Minuten erhalten bleibt und nie Langeweile aufkommt. Ich hätte ehrlich gesagt etwas mehr Action erwartet, als letztendlich in „Training Day“ enthalten ist, jedoch ist es mir im Endeffekt gar nicht so Unrecht, dass die Actionszenen so limitiert waren, denn trotz des Fehlens ist die Inszenierung immer noch rasant und spannend und es besteht nicht die Gefahr, dass sich die Actionszenen über die Bilder und die Story setzen. Die gebotenen Szenen sind allerdings ziemlich deftig, es wird gedroht, geschimpft, geschlagen und geschossen. Ich persönlich finde solche Szenen nicht sehr schlimm, für den einen oder anderen mag das aber störend sein. Ich muss jedoch sagen, dass die Gewaltdarstellung einfach ins Bild passt und alles andere einer Verharmlosung gleich käme.
Nun für mich wohl interessanteste Frage: Hat Denzel Washington sich seinen Oscar wirklich verdient? In seiner Rolle als Alonzo Harris könnte ich mir ehrlich gesagt keinen anderen vorstellen und das spricht ganz sicher für ihn. Mal wirkt Washington kühl und beinahe schon erhaben, dann explodiert er förmlich, hat sich überhaupt nicht im Griff, nur um später einfühlsam und fast schon väterlich zu sein. Man steigt durch den Charakter Harris bis zum Ende nicht hindurch und genau das haben wir einem exzellent aufgelegten Denzel Washington zu verdanken, der alle Facetten wunderbar einbringt. Aus meiner Sicht gibt es an der Darstellung, an Mimik und Gestik rein gar nichts zu meckern. Ergo: Ich finde die Oscar-Vergabe an ihn vollkommen in Ordnung, was ja leider oft genug nicht der Fall ist…
Natürlich hat Ethan Hawke als Jake Hoyt es schwer, gegen einen exzellent aufgelegten Denzel Washington anzuspielen, aber er macht seinen Job beinahe ebenso gut, wie der Oscar-Preisträger. Besonders überzeugend fand ich seinen fast schon paranoiden Blick, als Hoyt als aufsteigender Polizist mit den Methoden Harris (der Realität?) konfrontiert wird und sehen muss, dass Gerechtigkeit nicht immer die erste Geige spielt, sondern Menschen, auch Polizisten, oft genug zuerst ihre Interessen vertreten. Insgesamt also eine ganz ganz starke Leistung, mit der er Denzel Washington aus meiner Sicht das Wasser reichen kann. Diese beiden stehen natürlich im Mittelpunkt, aber auch alle Nebenrollen sind gut besetzt.
Musikalisch herrschen natürlich Hip-Hop-Klänge vor. Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Musikrichtung überhaupt nicht mag, in einem Film, mit einer solchen Atmosphäre wie „Training Day“ finde ich es aber durchaus passend und auch nicht störend, da die Musik auch nicht zu aufdringlich ist. An einer Stelle ist mir sogar Musik mit einem etwas klassischen Touch aufgefallen, die etwas traurig klingt und sich somit der Szene sehr gut anpasst. Das Ende ist meiner Meinung nach übrigens überhaupt nicht überzogen bzw. in seiner Art passend, dies ist aber sicherlich Geschmackssache.
[Die DVD]
Ich habe das gute Stück für 8,99€ bei Saturn in Hamburg erworben und so habe ich an Extras auch nicht sonderlich viel erwartet. Die Menüs sind nicht animiert, dafür erwartet den Zuschauer aber ein gestochen scharfes Bild mit perfekt abgemischten Farben. Die Konturen sind klar, nichts wirkt schwammig (bis auf die eine Szene, die auch schwammig wirken soll) und zu keiner Zeit ist das Bild zu dunkel oder zu grell. Der Kopierschutz machte bei meinem DVD-Laufwerk keinerlei Probleme, sonst hätte ich mich wohl auch extrem geärgert. Als Tonformat ist Dolby Digital vorhanden. Mit Dolby Surround könnte ich wegen fehlendem Equipment sowieso nichts anfangen und so bin ich mit dem vorhandenen Tonformat auch vollends zufrieden. Die Musik übertönt nie die Dialoge, alles kommt klar und deutlich herüber, ein Rauschen ist mir zu keiner Zeit aufgefallen. Rein technisch gesehen, ist also alles im Lot. Kommen wir nun zu den Extras.
Unter dem Punkt Stab & Besetzung kann man sich die wichtigsten Darsteller, den Regisseur und die Produzenten sowie den für das Drehbuch zuständigen nochmals ansehen. Bio- oder Filmographien gibt es hier aber nicht zu bestaunen. Den Original Kommentar auf Englisch habe ich mir nicht angesehen, da mich solche Kommentare nicht sonderlich interessieren, ich sehe mir die Filme lieber so an, auch wenn mir so vielleicht die eine oder andere Info entgeht.
Das erste für mich wirklich interessante Extra war dann das „Making of“, welches ja inzwischen beinahe schon zum Standard für DVDs geworden ist. Leider fehlen hier die Untertitel und das Making of ist somit nur auf Englisch vorhanden. Ich habe die knapp 15minütige Dokumentation gut verstanden, hatte also keine Probleme. Für jemanden ohne Englisch-Kenntnisse ist dies aber bestimmt ärgerlich, da hätte Warner Brothers etwas Kundenorientierter arbeiten können. Die Dokumentation artet nicht zu einer Lobhudelei aus, die Darsteller, Produzenten und natürlich auch Antoine Fuqua äußern sich zum Film, zu L.A. und zu den Charakteren und Darstellern. Auch die Hip-Hopper Dr. Dre und Snoop Dog, die mitspielen, werden erwähnt. Insgesamt ein gelungener Blick auf den Film, der einige interessante Fakten vermittelt. Ziemlich mäßig fand ich hingegen den Punkt „Zusätzliche Szenen“. Hier werden einfach unkommentiert Szenen gezeigt, die es nicht in den Film geschafft haben. Mit einer Erklärung dazu kann so etwas wirklich interessant sein, so ist diese 12minütige Aneinanderreihung von Szenen, in denen quasi nichts passiert aber nur langweilig.
Das gezeigte „Alternative Ende“, welches nochmals als ein einzelnes Extra präsentiert wird, ist wiederum unkommentiert und unterscheidet sich gegenüber dem normalen Ende nur darin, dass eine kurze Szene angehängt ist. Ohne diese macht sich das Ende aber auf jeden Fall besser, wirkliche Spannung kam beim Gucken dieses Extras also auch nicht auf. Jetzt folgen noch der nett gemachte USA-Kinotrailer und zwei Musikvideos von Nelly und Pharoahe Monch. Ich habe die beiden Videos ehrlich gesagt nicht mal zu Ende angesehen, da ich die Musik so extrem schlecht fand. Letzteren kenne ich nicht einmal und Nelly fand ich schon immer besch*ssen…
[Epilog]
„Training Day“ hat mich keineswegs enttäuscht. Die Atmosphäre stimmt, die Schauplätze sind toll und neben der Action wird auch ein wenig Raum zum Nachdenken gegeben. Zudem agieren hier zwei sehr, sehr gut aufgelegte Schauspieler, die dem Film erst den letzten Schliff geben. Die DVD ist technisch in Ordnung, das Bonusmaterial ist aber leider relativ schlecht, nur das „Making of…“ ist zu gebrauchen, sodass ich mich am Ende für gute 4 Sterne entscheide. Der Film alleine hätte wohl die volle Punktzahl bekommen…
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und freue mich auf eure Kommentare…
Gruß, Stefan.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich DVD Video Film


04.02.05
Wenn ich mal Zeit dafür hätte