Titan A.E. (DVD)
Amerikanisches Zeichentrick-Meisterwerk - Titan A.E. (DVD) DVD Video Film

Erhältlich in: 2 Shops

Neuester Testbericht: ... in der Hand hält! Dieser hat nämlich eine Karte, die ihn zur legendären „Titan A.E.“ führen soll und somit kann das Überlebe... mehr

Amerikanisches Zeichentrick-Meisterwe rk
Titan A.E. (DVD)

Salu

Name des Mitglieds: Salu

Produkt:

Titan A.E. (DVD)

Datum: 08.06.01, geändert am 08.06.01 (211 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Sehenswerter Film

Nachteile: SF und Zeichentrick sind Jedermanns Geschmack...

Diese Meinung ist etwas länger geworden. Wer keine Lust hat alles zu lesen, dem empfehle ich sofort mein unten stehendes Fazit oder meine andere und früher geschriebene Meinung zum Kinofilm zu lesen... ;-)

Allen anderen: viel Spaß!

Die Asiaten sind die unbestrittenen Meister des Zeichentrick. Neben den vielen auch bei uns bekannten Kinderserien gibt es hier auch ein „erwachsenes“ Publikum für anspruchsvolle Zeichentrickfilme, sogenannte „Anime“. Viele davon dringen gar nicht in unsere westliche Gesellschaft vor, so dass bei uns die Meinung über Zeichentrickfilme hauptsächlich (na vom wem wohl?) von der amerikanischen Firma Disney und ihrem Zeichentrick-Geschmack geprägt ist.

Dazu gehören niedliche Tiere, klar strukturierte Helden und Bösewichte sowie Musik, Musik und noch einmal Musik. Und obwohl Disney in den letzten Jahren ein wenig versucht hat vom Weichspüler-Image herunter zu gelangen, ist ihnen das immer noch nicht gelungen. Auch die Konkurrenz, soweit man in diesem Disney-dominierten Markt überhaupt von Konkurrenz sprechen kann, springt meist auf diesen Zug auf. Das Ergebnis ist, dass die fremdproduzierten Zeichentrickfilme aufgrund der ähnlichen Machart auch noch Disney zugeschrieben werden...

Um so erstaunlicher ist der Film „Titan A.E.“. Er bricht mit den bewährten Genre-Konventionen. Statt herziger Schmusefiguren findet der Betrachter echte Charaktere mit mehr Ecken und Kanten als alle bisherigen Disney-Helden zusammen. Das war auch der Hintergedanke des 20th Century Fox Studios, als sie diesen Film planten. Sie wollten einen Gegenpol zum Disney-Zeichentrick schaffen und sich so profilieren. Musik spielt zwar auch in diesem Film eine Rolle, allerdings ist sie wesentlich härter und die Figuren werden glücklicherweise nicht dazu „gezwungen“ zu singen.


Die Story ************************

Im Jahr 3028 wird die Erde zerstört. Ursache hierfür sind blutrüns
tige und böse Aliens: die Drej (Sprich: Drätsch). Der eigentliche Grund für deren Hass auf die Menschheit wird leider nicht wirklich klar. Naja, vermutlich musste auf Teufel komm‘ raus eine Grundlage für das Thema „Suche nach der verlorenen Heimat“ geschaffen werden.

Einige Menschen können rechtzeitig die Erde verlassen, darunter der kleine Junge Cale, der von seinem Vater rechtzeitig in ein rettendes Schiff gesetzt wird. Der Vater – Wissenschaftler – will seine Forschungsarbeit retten und wird danach nie mehr gesehen...

Die überlebenden Menschen werden mit dieser Katastrophe heimatlos. Ohne ein Ziel und geeignete Anführer tingeln die letzten Menschen als Ausgestoßene durch das All. Ohne eine feste Heimat ist das Geschlecht der Menschen damit zum Aussterben verdammt.

Jetzt kommt die Hauptperson ins Spiel: der mittlerweile herangewachsene Cale. Er arbeitet als Aushilfe auf einer Raumstation und ist zu einem (etwas zu) selbstbewussten Bürschchen herangewachsen, was ihm viel Ärger einbringt. Von seinem Vater hat er nur noch einen Ring, den dieser ihm kurz vor der Zerstörung der Erde an den Finger gesteckt hat.

Kurz bevor Cale sich durch seine Mätzchen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen kann, wird er gerettet. Und zwar von Korso, einem ehemaligen Mitarbeiter seines Vaters. Der hat ihn Jahre lang gesucht und eröffnet ihm, dass der Ring der Schlüssel zur letzten Rettung der Menschheit ist. Cales Vater schuf – die Zerstörung der Erde bereits ahnend – das Raumschiff „Titan“ (Aaah, daher kommt der Filmtitel!) und schaffte es gerade noch rechtzeitig das Schiff vor den Drej zu verstecken.

Ohne Cale und den Ring, die gemeinsam eine Karte zum Versteck bilden, kann niemand das Raumschiff finden und die Zukunft der Menschheit wäre verloren. Mit seiner Besatzung:

- der hübschen Pilotin Akima
- dem zerstreuten ausserirdische Wissenschaftler Gune
- der streitsam
en Ausserirdischen Stith
- und dem zwielichtigen Ausserirdischen Preed

kann Korso Cale davon überzeugen bei der Suche nach der "Titan" mitzuhelfen. So beginnt ein Wettlauf zwischen der Schiffsbesatzung und den Drej um den Jungen, seinen Ring und die "Titan" durch die unendlichen Weiten des Alls und über merkwürdige Planeten hinweg.

Doch es ist nicht alles so einfach wie es zu Beginn scheint und die Story nimmt einige unerwartete (wenn auch manchmal etwas unglaubwürdige) Wendungen. Was das Besondere an einem simplen Raumschiff ist und wie es der Menschheit neue Hoffnung schaffen kann, das bleibt bis zum Ende verborgen. Der Film endet deshalb mit einem „Aha-Effekt“ und darüber hinaus mit einer netten Pointe. Der Zuschauer wird so mit einem Lächeln auf den Lippen in den Abspann entlassen und man denkt: „gäbe es solche Enden doch öfter“.

So, mehr wird hier nicht verraten, denn trotz der manchmal etwas unglaubwürdigen Story (naja, immerhin ist es ein Science Fiction-Film und da vergibt man manche Absurdität, oder?) ist die zugrunde liegende Idee anschauenswert.


Die Umsetzung ************************

Ich kenne fast nur Disney-Zeichentrickfilme und habe diesen Film als einen optischen Hochgenuss empfunden. Da ich aber keine fernöstlichen „Anime“ kenne könnte ich mir vorstellen, dass sie teilweise noch viel kunstvoller als „Titan A.E.“ sind.?! Nichtsdestotrotz bin ich begeistert.

Während die Crews von „Reality-Serien“ wie Raumschiff Enterprise oder Voyager immer noch an die realistische Darstellung unserer Erde gebunden sind (zwei Arme, Beine, Augen etc.), konnten die Zeichner bei Titan A.E. Welten auf dem Reißbrett erschaffen, die einfach anders funktionieren als die uns bekannte. Bei meiner Beschreibung erinnere ich mich stark an den SF-Serien-Klassiker „Captain Future“. Nur ist die Technik mittlerweile wesentlich be
sser und die Möglichkeiten breiter geworden. Der Film kombiniert handgemalten Zeichentrick und Computeranimationen kunstvoll miteinander. Die verschiedenen fantasievoll ausgestalteten Welten und Räume des Films sind meisterhaft umgesetzt und versetzen den Zuschauer wirklich in andere Welten: z.B. in ein Weltraumfeld aus Eiskristallen oder eine Welt mit explodierenden Wasserstoffbäumen um nur einige zu nennen.

Für die Figuren standen angeblich bekannte Schauspieler Pate: Matt Damon war Vorbild für Cale. Die Heldin Akima ist Drew Barrymore nachempfunden. Beide sprechen auch im amerikanischen Original die beiden Charaktere. Die Ähnlichkeit hält sich hierbei in Grenzen, zum Glück, schließlich ist nicht jeder Fan der beiden Darsteller. Durch die deutschen Synchronstimmen (Holger Speckhahn und Alexandra Neidel, wer hat die beiden jetzt wirklich vor Augen?) wird die Ähnlichkeit natürlich weiter vermindert.

Der Regisseur dieses Films Don Bluth hat lange Jahre Erfahrungen im Zeichentrick-Genre; er führte schon Regie bei erfolgreichen Trickfilmen wie 1986 "Feivel, der Mauswanderer" oder "Anastasia" von 1997. Mit dem Trickfilm „Titan A.E.“ betrat er zeichnerisches Neuland. Leider wurde sein Wagnis nicht belohnt, denn das amerikanische Publikum ignorierte den Film weitgehend. Don Bluth wurde daraufhin vom Studio gekündigt.

Ich hoffe, dass er möglicherweise eine weitere Chance geboten bekommt, denn derartiges Zeichentrickkino würde ich gerne öfters geboten bekommen.


Die DVD ************************

Mittlerweile schaue ich mir Filme lieber auf DVD als auf Video an, denn DVDs enthalten immer interessante Zusatzinformationen, die ein Video einfach nicht liefern kann. Die DVD zu „Titan A.E.“ enthält folgende sehr interessanten Zusatzfeatures:

1. Kommentar des Regisseurs
Der Film wird von Gary Goldman und Don Bluth kommentiert. Es handelt sich um einen lockeren Dialog der Be
iden, der über den Film gelegt ist. Da ich den Film ohne Kommentar sehen wollte, habe ich mir diesen Teil nicht zu Ende angesehen. Deshalb kann ich hier leider nichts über Länge und Qualität schreiben. Einfach selbst ansehen!

2. Featurette
Eine Art „Making of“ des Films. Nur etwas für Englischkönner, da keine deutsche Übersetzung mitgeliefert wird. In einem 22minütigen Zusammenschnitt wird hier die Entstehungsgeschichte des Films gezeigt. Sehr spannend. Die amerikanischen Sprecher der Figuren kommen zu Wort. Außerdem wird über die Entwicklung der Figuren, Zeichnungen, die Tricktechnik und Computeranimationen, die Geräusche und die Musik berichtet. Ich fand beispielsweise den Teil besonders interessant, wo ein Techniker erzählte was für Gedanken er sich über reine Geräusche gemacht hat. Schließlich sind wir Menschen doch akustisch orientiert und realistische Weltraumszenen, nämlich ohne Geräusche, kann man einfach nicht zeigen. Dieser Teil endet mit Punkt

3. Videoclip „Over my head“
Dieses rockige Lied der Gruppe „LIT“ ist eine Art Hymne, die Cale in dem Film begleitet. Ganz nett und erfrischend anders als das von Disney bekannte Musical-Gedudel.
(Kleiner Tipp: die gesamte Filmmusik des Films ist hörenswert, aber natürlich nicht auf der DVD integriert, denn schließlich sollen auch die Soundtracks verkauft werden...)

4. Nicht gezeigte Szenen
Hierbei handelt es sich um 4 Szenen, die ursprünglich eingeplant waren, aber in der endgültigen Filmfassung doch nicht verwendet worden sind. Anhand dieser Szenen kann man als Zuschauer wunderbar die im Featurette beschriebenen Gestaltungsabläufe für den Film nachvollziehen, denn einige Einstellungen sind bereits fertiggestellt und coloriert während in anderen Einstellungen die Figuren nur als Strichzeichnungen agieren, der Hintergrund schimmert durch. Ich fand das sehr spannend.

5. Kinotrailer und TV-Spots
Ich denke, der Punkt spricht fü
r sich...

6. Fotogalerie
Bei der Entstehung eines Zeichentrickfilms fallen viele Handzeichnungen und Storyboards an, anhand derer Ideen, Handlungen und Figuren dokumentiert werden. Einige davon sind als Einzelbilder auf der CD zu sehen. Sehenswert, weil manche dieser Zeichnungen wirkliche Kunstwerke sind und beispielsweise die Weiterentwicklung der Drej-Figuren dokumentieren. Leider etwas ungeordnet.

Der Film kann im O-Ton oder mit deutschen Synchronstimmen angeschaut werden. Darüber hinaus können Untertitel in vielen verschiedenen Sprachen (z.B. Hebräisch) eingeblendet werden. Leider verliert der Film beim Anschauen auf dem Fernsehgerät viel von der Atmosphäre, die er im Kino hat. Dennoch empfehle ich Euch das Ansehen.


Sonstiges ************************

Weitere Informationen sind auf der kleinen aber feinen Internetseite zu finden, die anlässlich des Erscheinens des Films auf DVD am 5. April 2001 in Deutschland momentan (Stand: 08. Juni 2001) noch recht aktuell ist. Hier kann man sich nicht nur über die Charaktere informieren, sondern auch an einem Quiz und einem Gewinnspiel teilnehmen, Bildschirmschoner downloaden, E-Cards versenden und anderes.

http://www.foxhome.de/titan

Der Preis der DVD schwankt stark von Anbieter zu Anbieter. Ich habe den Film bei www.weltbild.de zum günstigen Preis von DM 39,95 erworben.


Fazit ************************

Ein fantastischer Film mit (verzeihlichen) Schwächen in der Story, dafür in grandiosen Bildern umgesetzt. Der Film verliert auf DVD etwas gegenüber dem Anschauen im Kino. Dennoch ist die DVD sehenswert, da mit interessanten Zusatzfeatures versehen.

Fazit: