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Neuester Testbericht: ... Jahre überlebt hat: Immer mit der Angst im Nacken, von Kannibalen aufgegriffen und getötet zu werden. Immer auf der Suche nach etwas Essbar... mehr
"Der Junge ist der Grund, weshalb ich lebe."*
The Road (DVD)

Name des Mitglieds: Riesenkeks
Produkt:
The Road (DVD)
Datum: 08.12.11
Bewertung:
Vorteile: Schauspieler, Bild, Umsetzung, Intensität, Anspruch, sehr nah am Buch
Nachteile: Kleinstigkeiten (nein, das ist kein Tippfehler)
*"Wenn er nicht das Wort Gottes ist, dann hat Gott niemals gesprochen." (Vater)
"Wenn man etwas Schlimmes träumt, dann bedeutet das, dass man noch kämpft - das man noch lebt. Wenn man erstmal anfängt, von schönen Dingen zu träumen, sollte man sich Sorgen machen."
Wer schon länger bei mir liest, wird diese zwei Sätze vielleicht schon mal bei mir gelesen. Diese beiden Sätze waren es, die mich nach der ersten Sichtung des Trailer zu "The Road" dazu gebracht haben, dass ich den Film über Monate hinweg nicht mehr aus dem Kopf bekam. Er schlich sich immer wieder hinein.
Das Buch ("Die Straße" von Cormac McCarthy) hatte ich schon gelesen, bevor ich den Trailer sah und fand es auch recht gelungen. Doch der Film schien mir wie für mich gemacht zu sein. Ins Kino schaffte ich es aber nicht und DVDs sind mir meistens auch noch zu teuer. Aber wozu gibt es Feste, zu denen man sich etwas schenkt?
***Handlung***
"Die Uhren blieben um ein Uhr siebzehn stehen. Es gab einen langen, grellen Lichtstrahl. Gefolgt von einer Reihe schwacher Erschütterungen. Ich glaube, es ist Oktober - aber sicher bin ich nicht; ich führe schon seit Jahren keinen Kalender mehr. Jeder Tag ist grauer als der vorherige. Es ist kalt; und es wird immer kälter während die Erde langsam stirbt. Kein Tier hat überlebt und die Ernte ist schon lange verfault. Früher oder später werden alle Bäume umstürzen. Auf den Straßen befinden sich Flüchtlinge, die Wagen hinter sich herziehen, Banden, die Waffen bei sich haben und alle suchen nach Benzin und was zu Essen."
Diese paar Sätze, die man ziemlich zu Beginn des Filmes (und in kürzer auch im Trailer) hören kann, beschreiben schon so ziemlich alles, was man über die Handlung des Filmes wissen muss.
Ein Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee) reisen nach einem Katastrophenereignis, zu dem man nichts wirklich Genaues erfährt, durch das beinahe menschenleere Amerika in Richtung Süden, in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist und sie dort den Winter überstehen
können. In Rückblenden, bei denen es sich meist um Erinnerungen und Träume des Vaters handelt, erfährt man, wie die kleine Familie (zunächst noch mit der Frau des Mannes (Charlize Theron), die mit der auswegslosen Situation aber nicht klarkommt und Selbstmord begeht) die vergangenen Jahre überlebt hat: Immer mit der Angst im Nacken, von Kannibalen aufgegriffen und getötet zu werden. Immer auf der Suche nach etwas Essbarem. Ständig ist ihnen kalt. Ihre Schuhe sind kaputt. Ihre Klamotten löchrig.
Das Leben von Vater und Sohn hat sich seit dem Tod der Mutter kaum verändert - nur, dass nun nur noch die beiden übrig sind und sie sich auf dem Weg nach Süden befinden, scheint anders zu sein.
Der Vater versucht, seinem Sohn ethische Werte beizubringen (Er soll "Das Feuer bewahren."), ihm zu vermitteln, wie die Welt vor seiner Geburt war, wie sie ausgesehen hat, was für Tiere es gab
Unterwegs treffen die beiden auf andere Flüchtlinge, entkommen mehrfach knapp Kannibalen und kränkeln vor sich hin. Doch immer wieder gibt es auch kleine Lichtblicke.
Ob die beiden wohlbehalten die Küste erreichen, und ob es dort wirklich besser ist, wird dann jetzt mal nicht verraten - wobei es bei diesem Film nicht so sehr darum geht, die Spannung aufrecht zu erhalten, sondern der Umsetzung der erzählten Geschichte beizuwohnen...
***Die Umsetzung***
Einfach nur perfekt.
Wie oben schon erwähnt, habe ich ja auch das Buch gelesen. Hierbei hat mir aber manchmal ein wenig die Stimmung gefehlt - wenngleich ich das buch natürlich trotzdem recht gelungen fand und ich in meiner Phantasie alles deutlich vor mir gesehen habe.
Wenn man dann allerdings sieht, was unter der Regie von John Hillcoat entstanden ist, dann möchte man das Buch gleich noch mal zur Hand nehmen und gucken, ob man nun einen besseren Zugang dazu hat. Oder man sitzt einfach vor dem Fernseher oder Laptop und lässt die Bilder nachwirken. Will den Film gleich noch mal sehen.
Im Making Of erfährt man, dass nichts im Studio gedreht worden ist. Und das sieht man auch. Die trostlose Landschaft ist staub- und aschebedeckt, wirkt beinahe unwirklich - und doch vertraut. Der postapokalyptische "Stil" wurde hier perfekt getroffen und verbreitet in seiner bräunlichgrauen Optik eine düstere Stimmung, die einen in das Geschehen hineinzuversetzen steht. Alles ist trostlos - sogar die rote Coladose wirkt kaum als Farbtupfer.
Ein großes Lob auch an die Kostüme, denn hier wurde wirklich immer darauf geachtet, dass sie nie zu sauber, zu heil oder gar zu trocken aussehen.
Des Weiteren sind auch die Gesichter nie zu sauber geschminkt; alles wirkt dreckig und verwahrlost.
Schauspielerische Leistungen
Viggo Mortensen erscheint mir in der Rolle des besorgten Vaters, der nur noch für seinen Sohn lebt und kämpft, immer kränker wird und abmagert, einfach perfekt. Seine Gesichtszüge, sein Ausdruck, sein gesamtes Schauspiel - alles ist sehr überzeugend und er hat die Rolle offensichtlich wirklich verinnerlicht. In den Szenen, in denen man ihn ohne oder nur mit wenig Kleidung sieht, bemerkt man erst, wie sehr er Einsatz für seine Rolle gezeigt hat, denn er wirkt extrem mager, sein Gesicht ist eingefallen, sein Körper nur noch Haut und Knochen. Sowohl im Originalton als auch in der Synchronisation gibt seine Stimme dem Gesamtbild dann noch den Rest und man ist vollkommen überzeugt davon, dass niemand anders für die Rolle in Frage gekommen wäre. Er spielt sowohl den besorgten und liebenden Vater als auch den, der seinem Sohn versucht zu erklären, dass man nicht immer allen helfen kann etc. und der auch schonmal fast die Beherrschung verliert einfach nur überzeugend. (Wiederhole ich mich?)
Auch Kodi Smit-McPhee überzeugt mich. Im Making Of erfährt man, dass Herr Mortensen die Befürchtung hatte, dass man für die Rolle niemanden finden würde, der sie mit der nötigen Intensität spielen könne, denn um dies zu tun, muss man das Buch komplett gelesen und verstanden haben. Die Emotionalität der Situation verstehen etcpp - und Kodi schafft es. Sein Blick ist fragend, traurig, beunruhigt. Er trägt seine Emotionen vor sich her, ist stark und schwach zugleich. Ein Kind, das nicht mehr nur Kind sein kann. Besonders in der Szene, in der er dies seinem Vater "erklärt", kommt dies deutlich zum Vorschein.
Auch die anderen Schauspieler können durchweg in ihren Rollen überzeugen, wenngleich sie natürlich kaum vorkommen. Lediglich Charlize Theron hat noch eine etwas größere Rolle, in der sie die Kälte und Verzweiflung, die ihre Rolle spürt, ebenfalls sehr gut umzusetzen weiß.
***Die Musik***
Die Musik wird ruhig eingesetzt, fällt an sich kaum auf - und gerade das macht ihren Einsatz so gelungen, denn durch sie wird die Stimmung nochmals unterstützt. Meist handelt es sich um Klavier- und Violinenklänge in unterschiedliche melancholisch wirkenden Melodien.
Wenn man darauf achtet, bemerkt man erst, wie viel Musik eigentlich in dem Film gespielt wird. Selten ist es komplett ruhig, wenn es nicht gerade regnet, keiner hustet etc..
***Die Extras***
Zusätzlich zum Film gibt es noch den offiziellen Trailer, ein Making Of, Filmtipps, ein Interview und einen Audiokommentar mit Regisseur John Hillcoat sowie Deleted und Extended Scenes.
Ich persönlich habe mir nur das Making of und die Scenes angesehen, da ich den Trailer schon kannte, Audiokommentare nur dann höre, wenn ich ganz viel Zeit habe und das Interview bisher schlicht und ergreifend übersehen habe.
Das Making Of gefällt mir allerdings sehr gut. In den knapp 12 Minuten wird der Fokus eigentlich auf fast jeden Schauspieler, der an dem Film beteiligt war, gerichtet und auch Cormac McCarthys Rolle wird kurz beleuchtet. Wer auf Hintergurndzeugs zu Filmen steht, sich aber nicht den Audiokommentar ansehen möchte, ist hier also gut bedient.
Auch die Deleted Scenes gefallen mir ganz gut und bei einigen finde ich es wirklich schade, dass sie es nicht in den fertigen Film geschafft haben. Ich spiele hier vor allem auf die Szene mit dem Hund an, denn der ist im weiteren Filmverlauf durchaus nicht unwichtig...
***Bild und Ton***
Ich habe nichts zu beanstanden. Unter Vista ist bei mir normalerweise alles extrem leise, aber hier kann ich genug hören. Und das Bild - nunja, es ist wohl so, wie es sein soll.
Übrigens kann man sich den Film auf Englisch und auf Deutsch anhören.
***Ein Wort zur Alterfreigabe***
Der FSK 16 - Aufkleber hat zwar durchaus seine Berechtigung (Kannibalismus, Brutalität, Intensität) , aber ich denke, dass auch reife 12Jährige den Film ohne Schaden sehen können. Verlasst Euch da aber lieber nicht auf mich. Ich gehe da immer von mir in dem Alter aus...
***Fazit***
Emotional, bildgewaltig, ohne bildgewaltig zu sein. Das ist der Film. Wie auch schon im Buch gefällt mir, dass nicht wirklich auf die Katastrophe eingegangen wird, sondern auf das Danach. Die Rückblenden sind trotzdem sehr passend und geben dem Film noch eine gewisse Tiefe.
Ja, doch. Ich bin froh, dass der Nikolaus mir diesen Film, den ich sogar noch besser als das Buch finde, gebracht hat. Schade, dass der Film an einer Oscarnominierung vorbeigeschrammt ist. Er hätte es verdient, dort aufgeführt zu werden.
***Tipp am Schluss***
http://www.theroad-movie.com/
Eine gelungene Filmsite.
Fazit: sehenswert

