(K)ein Ein(zel)fall!?
Simon Says (DVD)

Name des Mitglieds: das-christian
Produkt:
Simon Says (DVD)
Datum: 28.08.08
Bewertung:
Vorteile: Crispin Glover, ein paar ausgefallene Morde/Waffen
Nachteile: 0-8-15 - Slasher, unsympathische "Helden"
Simon Says ist ein Slasher aus dem B-Movie-Bereich. Regisseur William Dear, der uns bisher hauptsächlich mit Familienkomödien wie Bigfoot und die Hendersons erfreuen konnte, hat mit Simon Says erstmalig einen Abstecher in das Horrorgenre gemacht. Dear scheint vorher bekannte Vertreter aus dem Genre analysiert zu haben, da zahlreiche Verbindungen zu Filmen wie beispielsweise Texas Chainsaw Massacre, Freitag der 13. Teil I bis MCXXVII oder Wrong Turn zu erkennen sind. Simon Says gehört in die Kategorie Backwood-Slasher, ob er nun eine positive Überraschung darstellt, wird in den nächsten Zeilen geklärt.
Story
Fünf Jugendliche wollen in einem abgelegenen Waldgebiet Campingurlaub machen. Um noch ein paar alkoholische Getränke zu besorgen, halten sie in einer verkommenen Klitsche an (in der es immerhin Jack Daniels gibt), dort begegnen sie dem durchgeknallten Simon (Crispin Glover). Nachdem sie ihn etwas unsanft behandeln, sodass er schließlich die Flucht ergreift, kommt sein Zwillingsbruder Stanley (ebenfalls Crispin Glover) an und entschuldigt sich für das Verhalten seines Bruders. Schnell merken unsere fünf Freunde jedoch, dass auch Stanley geistig nicht ganz auf der Höhe zu sein scheint. Also versuchen sie der unangenehmen Situation zu entkommen, um endlich den Urlaub zu genießen, was auch gelingt...vorerst.
Auf der Fahrt zum Campingplatz begegnen sie noch einem Anhalter, der zwar nicht von den Teenies mitgenommen wird, kurze Zeit später aber von einer Spitzhacke ein paar Meter mitgenommen wird. Am Campingplatz angekommen, gibt es die ersten Konflikte und versuchten Ehebrüche unter den Fünf, bis dann endlich der böse Onkel kommt und auf seine ganz spezielle Art und Weise aufräumt.
Kritik
Simon Says ist ein Durchschnitts-Slasher ohne jegliche Innovationen. Um in der Masse an Filmen, die dieses Genre bietet, nicht unterzugehen, stellt sich hier die Frage, ob man gut unterhalten wird, die Frage kann mit einem zögerlichen "Nein" beantwortet werden. Fünf Jugendliche, die zusammen in einem Hippie-Bus campen fahren und zuvor in einer heruntergekommenen Raststation anhalten, das hat man alles schon einmal in besseren und spannenderen Ausführungen gesehen. Da bringt auch die Anspielung auf Texas Chainsaw Massacre nichts, wenn unsere Freunde beschließen, einen Anhalter nicht mitzunehmen, da es in dem angesprochenen Film schlimme Folgen hatte. Es wird nicht viel von einem Slasher abverlangt, aber wenn nicht einmal die Heldin, gespielt von Margo Harshman, keine Sympathien beim Zuschauer aufbauen kann, hält sich das Mitfiebern in Grenzen. Ihr wehleidiges Verhalten zu Beginn ist einfach nur nervig, so wünscht man sich, dass unser Prinzesschen als erste die Spitzhacke kennenlernt, immerhin legt sie dieses mimosenhafte Getue ab der Mitte des Filmes etwas ab und erweckt dann (zumindest in den letzten Szenen) doch noch so etwas wie Mitleid beim Zuschauer.
Laut DVD-Cover versucht der Film auch lustig zu sein. Wer auf dunkel-schwarzen Humor steht, wird bei der einen oder anderen Ermordung sicherlich einen Schmunzler über die Lippen bekommen, ansonsten gibt's da nichts zu lachen. Für Romantik wird im letzten Drittel des Films gesorgt, diese Szene ist aber so peinlich und unpassend, dass man nur kopfschüttelnd wegschauen kann. Mit Nacktszenen sieht es mau aus, es gibt zwar eine blonde Bitch mit dem sexuellen Verlangen einer Porno-Ikone, man wartet aber vergeblich darauf, dass sie sich in einer speziell dafür eingebrachten Szene ihrer Kleidung entledigt und das Silikon präsentiert - fast schon untypisch für so einen typischen Backwood Slasher. Aber auch die restlichen Vorzeige-Opfer wurden aus dem Bastelbogen ausgeschnitten. Man fragt sich auch, ob es wirklich Sinn gemacht hat, die erste Filmhälfte mit der Vorstellung solcher Stereotypen zu verschwenden: Da gibt es den Kiffer, den Football-Dödel mit dem IQ einer Klofliege, unsere nervige Heldin und ein Girl, deren Rolle so bedeutungslos ist, dass sie gleich als erste ins Gras beißen darf. Noch Fragen? Es dürfte somit auch klar sein, dass bei diesen Charakteren so wichtige Themen wie Drogen und Sex an der Tagesordnung stehen. Im Grunde sind alle fünf nervig, tölpelhaft und hinterhältig, sodass man bei keinem wirkliches Mitleid entwickeln kann, wenn sie der Spitzhacke oder einem anderen Folterinstrument zum Opfer fallen. Außerdem gibt es noch einige Statisten, die, sobald sie im Bild sind, vom Killer abgeschlachtet werden. So ist es mit einer Gruppe von Leuten, die im Wald Gotcha spielen will und zufällig vor den Häcksler läuft. Hier gibt es keine Hintergrundinformationen zu den Charakteren, sie dienen einzig und allein der Bodycount-Quote. Das ist anfangs schon etwas verwirrend, da sie aus dem Nichts auftauchen und man gar nicht weiß, ob dies parallel zum aktuellen Geschehen passiert.
Einziger bekannter Protagonist ist Crispin Glover, der die Zwillingsbrüder Simon und Stanley sehr gut verkörpert. Er ist ein Darsteller, der für solche Rollen wie geschaffen ist, da man ihm den geisteskranken Killer sofort abnimmt. Manche Menschen sehen halt in natura wie ein Psycho aus, Crispin Glover kann sich (mehr oder weniger) glücklich schätzen, dass dies bei ihm der Fall ist, denn schon im Film Willard konnte er als verstörender Einzelgänger überzeugen, hier ist das genauso. Die restlichen Darsteller sind allesamt keine Hollywoodgrößen und das wird vermutlich auch so bleiben, da sie zwar nicht schlecht, aber allerhöchstens durchschnittlich agieren.
Bereits in den Anfangsminuten kann man sich denken, wer der Täter ist, es bleibt jedoch bis zum Ende im Unklaren, ob es nun zwei Killer sind oder jemand eine multiple Persönlichkeit entwickelt hat. Auch für Hintergrundinformationen unseres Hobby-Meuchlers ist gesorgt, denn einige Rückblenden geben Aufschluss, wieso es erst so weit kommen konnte. Insbesondere in der ersten Filmhälfte wird man mit den nötigen Informationen versorgt, um bei Laune gehalten zu werden. Die Hintergrundinformationen überzeugen zum größten Teil und verhindern, dass sich der Film völlig dem Einheitsbrei geschlagen gibt. Simon Says beruht auf einem amerikanischen Kinderspiel, welches auch im Film angewendet wird. Nur leider wird dieses "Simon sagt"-Wortspiel schnell nervig, da es keine tiefgründige Bedeutung hat und nur aus der Psyche unseres Killers entspringt. Genauso entspringt scheinbar auch die Verbindung zwischen dem Killer und der Heldin, denn einige Flashbacks lassen auf mehr hindeuten; aber schlussendlich kommt man zum Ergebnis, dass dem Killer doch nur ganz gewaltig der Puller kribbelt und er keine Lust hat, sich das nächstbeste Schaf zu krallen.
Die Logik und der gesunde Menschenverstand verabschieden sich bereits nach den Open Credits. Im Film wird anhand von Zeitungsausschnitten offensichtlich, dass scheinbar Menschenmassen in dieser Gegend ihr Leben lassen mussten, wieso das noch keinem aufgefallen ist, bleibt wie in so vielen Genrevertretern ungeklärt. Schnell merkt man auch, dass es sich bei den fünf Jugendlichen um geistige Nichtschwimmer handelt, die alle möglichen Warnungen, dass in der Gegend ein Killer haust, ignorieren. So wird die Warnung von zwei degenerierten Totengräbern mit ZZ Top Gedächtnisbärten schnell ad acta gelegt, dadurch hält sich anschließend auch das Mitleid und Mitfiebern in Grenzen, wenn unsere fünf Dumpfnasen mit dem Killer verstecken spielen. Nicht nur die Gruppe verhält sich so, jeder einzelne Charakter zeigt, dass ihm scheinbar nichts an seinem Leben liegt. Beispielhaft dafür ist die Szene, in der unsere Heldin freiwillig in das Auto des Killers einsteigt, obwohl dieser wirklich alles andere als vertrauenswürdig auf sie wirkt. Es hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass er ihr Bonbons anbietet. Auch der Kiffer macht dann Aktionen, die wie so vieles am Film zum Kopfschütteln führen.
Die primäre Mordwaffe in Simon Says ist die Spitzhacke. Es kommt aber auch ein Häckselgerät zum Einsatz, welches die Opfer zu Geschnetzeltem verarbeitet; auch eine Röstung bei lebendigem Leibe steht an. Die wohl auffälligste Waffe ist ein Spitzhackenwurfgerät, welches zahlreiche dieser Spitzhacken in Richtung der Opfer abfeuert. Weitere Innovationen gibt es nicht, es spritzt aber viel Blut; insbesondere wenn der Häcksler zum Einsatz kommt, fliegen auch diverse Körperteile durch die Lüfte. Das Ganze wirkt sicherlich auch etwas übertrieben, einen Funsplatter der Marke Braindead sollte man jedoch nicht erwarten. Es gibt aber genügend Szenen, die das "keine-Jugendfreigabe"-Siegel bekräftigen.
DVD
Die deutsche DVD stammt von MIG / Universum Video und hat ein lustiges Hologramm-Cover. Leider können die Extras nicht überzeugen, denn außer einer Slideshow und zahlreichen Trailern gibt es nichts, was 20 Euro für einen Kauf rechtfertigen würde. Die Bildqualität ist sehr gut, auch der Ton ist zufriedenstellend, hier kann man zwischen der englischen und deutschen Tonspur auswählen, jeweils in Dolby Digital.
Fazit
Der Film hat eigentlich alles, was ein Slasher haben muss - Teenies und einen Killer. Die Jugendlichen erfüllen alle Klischees und der Killer ist in seiner Ausführung meist auch konsequent und brutal. Leider ist von den Jugendlichen keiner auch nur annähernd sympathisch, sodass ein Mitfiebern kaum möglich ist. Man wird aber anständig unterhalten, und zum Schluss gibt es dann auch noch eine böse Szene, die vielleicht nicht allen gefallen wird, aber alles für einen zweiten Teil offen hält, dann mit dem voraussichtlichen Titel: Kommando Pimperle. Simon Says ist ein Film, den man sehen kann, den man aber auch schnell wieder vergisst, da er sich in keinster Weise vom Einheitsbrei abheben kann, somit schrammt er ganz knapp an einer Empfehlung vorbei.
Filminfos
Titel: Simon Says
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2006
Laufzeit: 83:32 Minuten
Freigabe: keine Jugendfeigabe
Regie: William Dear
Darsteller: Crispin Glover, Margo Harshman, Greg Cipes, Carrie Finklea, Kelly Vitz, Artie Baxter, Lori Lively...
Fazit: Simon Says ist ein Film, den man sehen kann, den man aber auch schnell wieder vergisst.
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