Knolli-Bolli's Neuester!
Siegburg (DVD)

Name des Mitglieds: das-christian
Produkt:
Siegburg (DVD)
Datum: 20.08.10
Bewertung:
Vorteile: Bolls bisher bester Film
Nachteile: Langweilig, Eigenanteil von Boll ist gering
Dr. Uwe Boll, der Ed Wood des 21. Jahrhunderts, beglückt uns mit seinem neuesten Werk namens Siegburg mit dem Originaltitel: Stoic. Aber im Vergleich zu seinen zig Videospielverfilmungen hat sich einiges geändert, wenn nicht sogar verbessert! Das Geld der deutschen Steuerzahler steht ihm nicht mehr zur Verfügung, also ist es vorbei mit seinen Geldvernichtungsmaschinen, die er hinter Pseudonymen wie Alone in the Dark, BloodRayne oder Far Cry versteckt hält. Es schaut so aus, als ob sich die Zeiten langsam dem Ende entgegenneigen, wo er noch zahlreiche abgehalfterte Hollywood-Stars wie Kristanna "Ich hab mal in Terminator mitgespielt" Lokken, Christian "Ich kann nur debil grinsen" Slater oder Mr. Hai-Alarm auf Mallorca - Ralf Möller für seine Produktionen gewinnen konnte. Wobei sie ja erst durch diese Filme zu C-Stars wurden, also ist es irgendwie wieder verständlich, dass Kristanna Lokken auch in Bolls BloodRayne 3 mitspielen wird (vielleicht auch muss, weil es jetzt vorbei ist mit der großen Karriere). In Siegburg gibt es nur einen bekannten Namen, dieser ist jedoch mittlerweile so sehr abgesackt, dass er Filmangebote sogar für einen kühlen Nickel annehmen würde - Edward Furlong. Sicherlich kein Klasse Schauspieler, aber irgendwie hat man den irgendwo in irgendwas schon mal gesehen, irgendwann in den frühen 90er Jahren. Im Grunde Macaulay Culkin mit dunklen Haaren.
Was wirklich geschah...
Der Film stellt die Ereignisse in der Justizvollzugsanstalt der Stadt Siegburg nach, die sich in der Nacht vom 11. auf den 12. November 2006 ereignet haben. Der Mitinsasse Herrmann H. wurde damals von drei Häftlingen gefoltert, bis er anschließend zum Selbstmord gezwungen wurde. Obwohl dieser Vorfall mehrere Stunden dauerte, wurde er von den Wärtern nicht bemerkt, daraus entstand dann auch der Skandal in den Medien.
Was Dr. Boll draus gemacht hat...
Boll versucht ja immer neue Dinge und tut so, als würde er sich dabei ständig selbst übertreffen. Leider blieb das bisher auch meist beim Versuch. Postal sollte eine bitterböse Satire werden, scheiterte aber an seiner Inkompetenz, den falschen Schnitten und dem fehlenden Timing für die Gags. Irgendetwas hat ihn dann geritten und er ist mit Seed auf die mittlerweile abgeebbte Folterwelle aufgesprungen. Aber auch hier konnte man schnell hinter die primitive Fassade Bolls blicken, der versuchte den Zuschauer mittels unappetitlichen und brutalen Szenen zu schocken, die völlig ohne Zusammenhang oder Hintergrund waren. Genau das kann man Siegburg nicht ankreiden, die körperliche Gewalt steht bei Siegburg nicht im Vordergrund, auch wenn sie vorhanden ist, es wird eher die Spirale der Gewalt aufgezeigt. Beginnend mit einer kleinen, fast unbedeutenden Lappalie, bekommt der Mitinsasse immer härtere und ekelhaftere Aufgaben vorgesetzt, bis dieser so sehr zugerichtet ist, dass er nur noch ein wehrloses Häufchen Elend ist. Einige Ideen waren sogar gut, so zeigt Boll zu Beginn, wie sich der Gepeinigte selbst aufhängt, dies aber nicht der Tatsache entspricht, sondern aus den anfänglichen Falschaussagen der beteiligten Häftlinge entstammt. Diese sitzen im Verhör und müssen den Tathergang wiedergeben, reden sich dabei aber um Kopf und Kragen, trotzdem kommt gegen Ende die eigentliche Wahrheit raus.
Siegburg ist ein Sozialdrama. Hier konnte Boll aber nicht mehr so viel falsch machen, da die Story ja auf einer wahren Begebenheit beruht. Es gelingt ihm sogar diese adäquat umzusetzen, indem er das eigentliche Ende zu Beginn nicht verrät, sondern einen halben Twist mit einbaut, der die Chose nicht ganz so langweilig macht. Trotzdem ist es auch hier so, dass Bolls Regiearbeit auch eine gute Alternative zu einer Schlaftablette ist. Man weiß was passiert, in den Verhörszenen ist auch oftmals zu viel Leerlauf drin und die die typische Bollsche Langeweile tritt auch wieder auf. Im Grunde ist das Ganze belanglos und unbedeutend, ein guter Regisseur hätte mehr aus diesem Stoff gemacht, Boll setzt das nötigste nur 0-8-15-mäßig um, dabei mangelt es zusehends aber an eigener Kreativität. Der eigentliche Skandal, wieso der Fall in den Medien für solch ein Aufsehen sorgte war ja, dass stundenlang ein Mithäftling gefoltert wurde, ohne, dass das Wachpersonal kam, darauf wird hier kaum eingegangen.
Es gibt nur insgesamt vier Akteure die das Geschehen beeinflussen. Edward Furlong, der immer noch ziemlich abgefuckt aussieht ist wohl der bekannteste. Zu erwähnen wäre noch Shaun Sipos, der das Opfer mimt und die Gräueltaten über sich ergehen lässt, dabei aber eine gute Leistung bringt. Negatives kann ich zu den darstellerischen Leistungen nicht verkünden.
DVD
Gefilmt wurde mit einer Amateur-Cam, das Bild sieht daher natürlich aus wie Spucke, kann aber nicht wirklich als Nachteil gesehen werden, da somit auch die graue und triste Zelle gut eingefangen wird. Leider ist die deutsche DVD auch in einer kurzen Szene geschnitten, in dieser wird ein Besenstiel in den Pöter des Opfers gerammt. Als Extras gibt es Trailer. Die Sprachen sind Deutsch und Englisch.
Fazit
Irgendwann wird sein eigenes Leben mit dem Titel: "Der Mann, der nie hätte Regisseur werden dürfen" verfilmt. Siegburg ist Bolls bisher bester Film, was aber nicht heißt, dass der Film jetzt auch gut ist, allenfalls durchschnitt, wenn man sich nebenbei seine Zigaretten dreht ist der Film ertragbar. Man darf Siegburg und Bolls damit verbundene Regiearbeit auch nicht zu sehr loben, nur weil Boll im x-ten Versuch mal ein ordentlicher Film gelungen ist. Für seine Verhältnisse war das schon phänomenal, aber im Grunde ist das immer noch ein stellenweise rotzlangweiliger Streifen, der versucht anspruchsvoll zu sein, was sogar gelingt.
Fazit: Boll goes Amateurkino
Weitere Testberichte: im Bereich DVD Video Film




