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Dr. Watson ohne Sherlock Holmes
Sherlock Holmes - Der Hund der Baskervilles (DVD)

Name des Mitglieds: allisonbraun
Produkt:
Sherlock Holmes - Der Hund der Baskervilles (DVD)
Datum: 18.02.12, geändert am 18.02.12 (58 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Dr. Watson ist großartig, guter Bösewicht
Nachteile: Sherlock Holmes ist nicht er selbst
Vorwort:
Ich habe es euch ja schon angedroht hier kommt eine weitere Verfilmung der berühmtesten Geschichte von Sir Arthur Conan Doyle. Dieses mal haben wir eine recht neue Verfilmung von der BBC (einer meiner Lieblingssender, dank Doktor Who, Sherlock und Torchwood) Für gewöhnlich steht die BBC ja für Qualität und ich kann dies auch nur bestätigen. Diese Verfilmung hat von mir den Titel Doktor Watson ohne Sherlock Holmes bekommen, da in dieser Verfilmung ganz offensichtlich die Figur des treuen Chronisten Dr. Watson steht. Ich muss gestehen, ich bin etwas voreingenommen, da ich alle Sherlock Holmes Darsteller an dem genialen Jeremy Brett messe und nun ja da kann man ja eigentlich nur verlieren. Deshalb liegt diesem Bericht meine ganz eigene subjektive Erfahrung bzw. Darstellung zu Grunde und ich bitte dies beim Lesen zu berücksichtigen.
Auch gehe ich von einer gewissen Vorkenntnis des Lesers aus, im dem ich einfach mal davon ausgehe das die Figur des berühmten Ermittlers Sherlock Holmes und Dr. Watsons bekannt sind. Auch verweise ich auf meine zwei vorangegangen Berichte.
Dieser Bericht wird sich mit dem Inhalt des oben genannten Films beschäftigen, auch da die Geschichte des Hundes der Baskervilles recht bekannt ist, deshalb gleich mal vorweg die Spoilerwarnung.
Nun folgt mir ins dunkle Moor von Dartmoor...
==Der Hund der Baskervilles von Sir Arthur Conan Doyle==
Hier eine ganz kurze Zusammenfassung der Geschichte:
Der Sage nach lastet ein Fluch auf den Baskervilles. Ein altes Dokument erzählt eine Geschichte aus längst vergangener Zeit: Sir Hugo Baskerville wer ein böser Mensch und brachte im besagten Moor eine junge Frau zu Tode, die ihm nicht zu Willen sein wollte. Als Strafe dafür holte ihn ein Hund aus der Hölle. Dieser Hund ist nun der Fluch der Baskervilles und trachtet jedem seiner Nachfahren nach dem Leben. Natürlich glaubt Sherlock Holmes nicht an die Geschichte, aber Sir Charles Baskerville glaubte daran und starb offen vor vor Angst an einem Herzschlag. Bei dem Toten wurden keine Fußspuren gefunden, er war allein, aber man fand Spuren von einem Hund und die Dorfbewohner hören den Hund in der Nacht übers Moor heulen. Später stellt sich heraus, dass er sich mit einer gewissen Laura Lions treffen wollte. Die arme Frau möchte sich scheiden lassen und der gute Sir Charles wollte ihr helfen. Dabei wurde sie selbst benutzt, ihr neuer Freund ist nicht der der er vorgibt zu sein.
Nun kommt Sir Henry aus dem Ausland zurück nach Baskerville Hall, um das Familienanwesen in Besitzt zu nehmen. Sein Leben ist auch in Gefahr, er hat auch schon ein briefliche Warnung erhalten. Außerdem verschwindet erst ein neuer Stiefel des jungen Herrn und dann ein älterer Stiefel, zweiterer bleibt verschwunden und gibt Sherlock Holmes einen Hinweis auf die Wahrheit.
Sherlock Holmes kann selbst nicht nach Baskerville Hall reisen und daher schickt er seinen Freund Watson mit nach Baskerville Hall. Dort macht diese mehrere interessante Entdeckungen.
Ein Sträfling ist geflohen, ein gefürchteter Mörder, namens Selden. Im Laufe des Aufenthaltes stellt sich heraus, dieser Mann ist der Bruder der Haushälterin von Baskerville Hall und wird von ihr mit Essen und abgetragenen Anzügen von Sir Henry versorgt. Was ihm den Tod bringt, da der Hund mit dem verlorenen Stiefel auf Sir Henrys Geruch scharf gemacht wurde und so den falschen Mann im Moor tötet.
Außerdem treibt sich ein geheimnisvoller Fremder im Moor herum, der die Nachrichten von Dr. Watson an Sherlock Holmes abfängt.
Zudem verhält sich einer der Nachbarn, der Insektenforscher Stapleton, sehr seltsam. Vor allem als Sir Henry seiner Schwester den Hof macht rastet er aus, nur um sich dann wieder zu entschuldigen und den verwunderten Schlossherren zum Essen ein zu laden. Ein insgesamt seltsamer Mann, der gerne mehr vorgibt zu sein als er ist.
Am Ende gibt sich der Fremde zu erkennen. Es ist niemand anders als Sherlock Holmes, der im Geheimen ermittelte und herausfand, dass der Insektenforscher selbst ein Baskerville ist und an sein Erbe kommen wollte indem er die alte Legende zum Leben erweckte. Aber sein Plan schlägt fehl, der Hund wird getötet, er verschwindet im Moor und seine angebliche Schwester stellt sich als seine arme gefangene Ehefrau heraus.
Der Spuk hat ein Ende.
Düster, dunkel und gruselig. Ideal für eine Verfilmung.
==Der Hund der Baskervilles 2002==
Figuren und Darsteller
Ich möchte bei diesem Bericht auch wieder mit den einzelnen Figuren anfangen. In dieser Verfilmung spielt Richard Roxburgh Sherlock Holmes, seine Interpretation ist nun sagen wir es mal so Sherlock Holmes ist hier eine sehr unsympathische Figur, der unnahbar und kalt wirkt. Ein recht arroganter reicher Mann, dem zum Beispiel das Leben von Sir Henry total egal ist. Er wirkt sehr überheblich und bleibt im Gegensatz zu seinem Gegenspieler Richard E. Grant als Jack Stapleton ungewöhnlich blaß. Man nimmt ihm den genialen Ermittler einfach nicht ab, im Gegenteil er wirkt wie ein dummer eingebildeter Kerl, der am Ende zu Recht in einem Moorloch landet und auch noch gerettet werden muss. Dieser Sherlock Holmes verliert total die Kontrolle und braucht die Hilfe von Inspektor Lestrade und natürlich von Dr. Watson um die Sache irgendwie hin zu bekommen. Keine Spur von dem stets überlegenen Dedektiv. Deshalb gab ich dieser Verfilmung auch besagten Titel. Sherlock Holmes ist unsympathisch, kein bißchen beeindruckend und könnte in dieser Verfilmung auch tatsächlich in London bleiben, da Dr. Watson auch gut allein ohne klar kommt. Sherlock Holmes hier scheitert an sich selbst. Dabei wird versucht in etwas aktiver darzustellen, so wird ein Kutscher von ihm zusammengeschlagen anstatt wie sonst mit Geld bestochen. Nicht unbedingt die Vorgehensweise des Gentleman Sherlock Holmes. Am unpassendsten ist sein Lachen als der bedauernswerte Schwager des Dieners in den Tod stürzt. Im ersten Moment halten sie den Toten für Sir Henry und dann erkennt Sherlock nur an der Hand (Tätowierung), dass er sich irrt. Daraufhin lacht Sherlock sich fast krank.....wirkt sehr kalt und gefühllos.
Dr. Watson wird von Ian Hart (vielen Lesern sicher bekannt aus den Harry Potter Verfilmungen)) dargestellt. Hier haben wir einen jungen, dynamischen, sportlichen Dr. Watson, der die Hilfe von Sherlock Holmes nicht braucht. Er ist klug, geradlinig und mutig. Dr. Watson ist der wahre Held der Geschichte, er trägt Sir Henry auf seinen Schultern ins Haus, er kommt auf die Idee die Ehefrau von Stapleton Berly überhaupt zu suchen, während Sherlock Holmes schon lange im Haus ist und mal nett plaudert. Auch ist er es am Ende der dem armen Sherlock Holmes aus dem Moor hilft und vor Jack Stapleton rettet. Dabei ist er zu diesem Zeitpunkt verletzt, er wird von Stapleton angeschossen und schafft es trotzdem mit Hilfe seiner Jacke den armen Sherlock aus dem Moor zu zerren. Eine seiner besten Szenen ist ohne Zweifel als er Sherlock Holmes im Moor aufspürt und sich über dessen Täuschung aufregt. Zu Recht mal so nebenbei bemerkt. Auch gehört ihm die beste Szene im Film. Am Ende fahren Sherlock und Dr. Watson mit dem Zug zurück nach London und dort versucht Sherlock um Entschuldigung zu bitten indem er Dr. Watson Opernkarten und ein Essen anpreist...was dieser ganz ruhig kommentiert, dass er ihm nicht vertraue, aber Essen wäre wirklich mal wieder angenehm...
Kommen wir mal zu den anderen Figuren. Ein großer Pluspunkt des Filmes ist ohne Zweifel Richard E. Grant als Jack Stapleton, der in dieser Version kein Insektenforscher ist, sondern sich mit Knochen und Schädeln befasst (was sonst Dr. Mortimer zugeschrieben wird) Richard E. Grant ist ein wirklich großartiger Bösewicht, der seinem Gegner Sherlock Holmes wirklich überlegen ist und dem man den teuflischen Plan wirklich abnimmt. Neven Mcintosh als seine arme, gequälte Frau ist wirklich ein bedauernswertes Opfer. Der Zuschauer leidet mit ihr, wenn er sie terrorisiert. Dieser Jack Stapleton ist kein verrückter und teilweise lustiger Insektenforscher, nein hier ist er bedrohlich und gefährlich. Der Film gewinnt durch ihn an Klasse.
Matt Day als Sir Henry Baskerville bleibt einfach ein recht ansehnlicher netter Mann, der wirklich nicht verdient was Sherlock ihm antut. Der Hund zerfleischt ihn regelrecht und er kann mit knapper Not entkommen. Ansonsten bleibt er eher blass.
John Nettles als James Mortimer ist diesmal ein netter alter Herr, der doch tatsächlich eine etwas verrückte Frau hat, die eine Geisterbeschwörung abhält.
######## Was es sonst noch zu sagen gibt #################
Diese Verfilmung der Geschichte weicht sehr von der Romanvorlage ab. Ich kann gar nicht alles aufzählen, aber manches werde ich dann doch erwähnen. So fehlt die bekannte Spazierstock-Handlung am Anfang, hier beginnt man recht merkwürdig mit der Feststellung von Sir Charles Tod, der überhaupt nicht auftaucht und der Jagt auf den entflohenen Häftling, bei der gleich mal zwei Verfolger sterben müssen im düsteren Moor. Nicht ohne Grund wirkt dies alles doch etwas zusammengeschustert und es stimmt tatsächlich, die deutsche Version ist erheblich kürzer als die britische Originalversion, es fehlt recht viel und stellenweise merkt man es sogar. Der deutsche Zuschauer darf also nur eine verstümmelte Version sehen.
Ganz verzichtet wird auf Laura Lions. Hier hat plötzlich Beryl Stapleton eine Beziehung mit Sir Charles und sie wird auch ermordet von ihrem bösen Ehemann. Was aber wiederrum eine sehr gute Szene abgibt als Sherlock Holmes ihrem Mörder sagt seine vermeintliche Schwester wäre seine Frau und der Angesprochene immer wieder wiederholt, dass er keine Frau hat. Was ja auch stimmt, da er sie getötet hat....Seltsamerweise tauchen viele der verschwundenen Szenen im auf der DVD vorhanden Making of wieder auf, was einen dann schon wundert.
Die Landschaftsaufnahmen sind sehr schön gemacht, die Stimmung kann gut eingefangen werden. Nun ja ist ja auch nicht schwer. Moor, Nebel, Nacht passt einfach.
Was wirklich bemerkenswert ist, der Titel des Films. Ich glaube es ist die einzige Verfilmung, die in deutscher Sprache erhältlich ist, in der es wirklich ganz korrekt heißt: Der Hund der Baskervilles und nicht wie sonst der Hund von Baskerville. Wobei es im Film teilweise falsch gesagt wird. Da hat man bei der Übersetzung geschlampt. Der Hund selbst ist ein gewaltiges Tier, dass teilweise wohl aus dem Computer stammt, das Vieh sieht einfach so unecht aus, es kann nicht echt sein.
Total merkwürdig wirkt eine große Weihnachtsfeier in Baskerville Hall bei der eine recht lächerliche Aufführung dargeboten wird und Sir Henry alle Frauen abknutschen will.
==Hier noch ein paar technische Daten==
Darsteller: Richard Roxburgh, Ian Hart, Richard E. Grant
Regisseur(e): David Attwood
Komponist: Rob Lane
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: KSM GmbH
Erscheinungstermin: 12. April 2007
Produktionsjahr: 2002
Spieldauer: 90 Minuten
Preis 9,90 Euro
==Noch ein paar Worte zum Schluss==
Man merkt der Verfilmung an, dass man Geld zur Verfügung hatte und dies gut genutzt hat. Für meine Begriffe hat man zu viele Änderungen an der ursprünglichen Geschichte vorgenommen und somit eine ganz andere Interpretation geliefert. Der Hund der Baskervilles ist wirklich keine schlechte Verfilmung, dank des sehr überzeugenden Bösewichts und des grandiosen Dr. Watson kann ich eine Empfehlung aussprechen. Für Fans des großen Sherlock Holmes aber ist die Verfilmung nicht zu empfehlen, da er hier nicht auftaucht, sondern durch einen arroganten Versager ersetzt wird. Die Besetzung der Rollen ist trotzdem gut gewählt und der Film ist sehr spannend und überzeugt durch die guten Aufnahmen. Das Making of ist wirklich sehenswert, da man da noch mehr vom Film sieht. Eine Schande ist, dass man vor allem am Anfang bemerkt, dass geschnitten wurde. Das Ende gefällt mir am Besten mit Sherlock Holmes und Dr. Watson im Zug.
Wie immer bedanke ich mich bei meinen treuen Lesern und hoffe ihr hattet Spaß an der Lektüre.
PS: Tja, leider kann ich euch den Vorgängerbericht gerade nicht präsentieren, da Dooyoo gerade keine Vorschläge in der Kategorie DVD annimmt, habe dies leider zu spät bemerkt, daher bekommt ihr wenigstens diesen Bericht zu lesen.
Der Vorgänger ist bei Ciao und yopi zu finden und sollte Dooyoo je wieder Vorschläge annehmen auch hier
Fazit: Kann man ansehen

