Sebastian Bergman - Spuren des Todes 1 (DVD)
Überraschend gut umgesetzt - Sebastian Bergman - Spuren des Todes 1 (DVD) DVD Video Film

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Überraschend gut umgesetzt
Sebastian Bergman - Spuren des Todes 1 (DVD)

dik1609

Name des Mitglieds: dik1609

Produkt:

Sebastian Bergman - Spuren des Todes 1 (DVD)

Datum: 08.06.17

Bewertung:

Vorteile: Spannende Handlung, sehr gute filmische Umsetzung

Nachteile: Die Hintergrund-Musik überzeugt nicht

Mit Begeisterung hatte ich die Romane des schwedischen Autoren-Duos Michael Hjorth/Hans Rosenfeldt um den Psychologen Sebastian Bergman gelesen - das war für mich skandinavische Krmi-Kultur der Extraklasse. Und weil auch meine Partnerin Spannendes aus dem Norden Europas mag, das aber eher visuell konsumiert, kaufte ich eine DVD, die die ersten beiden Folgen der Kriminal-Serie in Bilder umgesetzt hatte. Ans Schauen dieser DVDs ging ich ein wenig skeptisch heran, denn ich konnte mir kaum vorstellen, wie ein Roman von 600 bis 700 Seiten sinnvoll auf Spielfilmlänge reduziert werden kann. Die Ergebnisse zweier DVD-Abende sind im Folgenden zu lesen.

Der Kauf
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Die DVD-Box mit den ersten beiden Folgen der Sebastian-Bergmann-Verfilmungen erstand ich bei ebay, wobei für die gebrauchte Fassung 8,08 Euro (plus 1,90 Euro für Versandkosten) bezahlt wurden. Die Box in Neufassung bietet buecher.de zur Zeit beispielsweise für 11,90 Euro an. Dafür gibt`s zwei DVDs mit jeweils einem abgeschlossenen Film.

Technische Daten
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Bildformat: 16:9
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Laufzeit: 175 Minuten
Sprache: Deutsch
Produktionsland: Schweden
Produktionsjahr: 2010
Ländercode: 0
Erscheinungstermin: 25. Oktober 2013
FSK-Freigabe: Ab 16 Jahren

Mitwirkende
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Produzent: Henrik Widmann
Ausführende Produzenten: Stefan Baron, Klaus Bassiner, Wolfgang Feindt, Michael Hjorth, Peter Nadermann
Idee und Drehbuch: Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt
Regie: Daniel Espinosa (Episode 1), Michael Hjorth (Episode 2)
Musik: Philippe Boix-Vives, Jon Ekstrand
Darsteller: Rolf Lasgard (Sebastian Bergman), Tomas Laustiola (Torkel Höglund), Gunnel Fred (Ursula Andersson), Solveig Duda (Vanja Lithner), Christopher Wagelin (Benny Rosen).

Der Inhalt
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Sebastian Bergman, einst der profilierteste Polizei-Psychologe Schwedens, war ein brillanter, hartnäckiger, zuweilen politisch inkorrekter und ruppiger Profiler. Doch der tragische Tod seiner Frau und seiner Tochter durch den Tsunami 2004 in Thailand veränderte alles. Von Trauer gezeichnet ist er in den folgenden Jahren weder fähig zu arbeiten, noch sieht er einen Sinn in seinem Leben.
Um den Nachlass seiner verstorbenen Mutter zu regeln, begibt Sebastian sich in seine Heimatstadt. Dort erfährt er, dass sein alter Kollege Torkel Höglund, Leiter der Spezialeinheit 'Rikskrim', im Falle des brutalen Mordes an einem Schüler ermittelt. Kurzerhand schließt Sebastian sich dem Team an und findet zu seiner alten Form zurück.
Im zweiten packenden Fall sind sie einem Serienmörder auf der Spur, der die Taten eines inhaftierten Mörders nachahmt, den Bergman selbst hinter Gitter gebracht hatte. Doch handelt es sich wirklich um einen Trittbrettfahrer?

Meine Meinung
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Eines wusste ich dank der Lektüre der entsprechenden Roman-Vorlagen schon vorab: Das Autoren-Duo Hjorth/Rosenfeldt hatte mit Sebastian Bergman einen Protagonisten erschaffen, der hochintelligent, aber unausstehlich, weil nahezu frei von jeglicher Empathie, dafür aber überzeugt vom eigenen Ich, ist. Und da konnte ich mir ganz und gar nicht vorstellen, dass Rolf Lasgard, dem deutschen Publikum vor allem durch seine Rolle als sympathisch-schrulliger Kommissar Wallander aus den Henning-Mankell-Verfilmungen bekannt, die richtige Besetzung für diese Rolle sein könnte. Aber meine Skepsis diesbezüglich war unbegründet, denn Lasgard ist wohl wirklich ein hevorragender Schauspieler, der die Rolle des Protagonisten aus der Roman-Vorlage hervorragend und vor allem auch nicht übertrieben umsetzt. Der Leser der Bücher erkennt in ihm tatsächlich genau den Sebastian Bergman, der vor dem geistigen Auge bereits bildlich entstanden war. Kompliment!

Aber ich hatte noch mehr Grund zur Skepsis, denn ich war mir sicher, dass ein Roman mit mehr als 600 Seiten gar nicht filmisch in 90 Minuten umgesetzt werden kann. Meine Erkenntnis nach zwe DVD-Abenden: Es geht. Und es geht in diesem Falle sogar erstaunlich gut, denn natürlich musste gekürzt werden, natürlich mussten Seiten-Aspekte vernachlässigt werden, aber ich erkannte im Film den Roman wieder und meine der Romane nicht bewussten Partnerin hatte mit der Handlung keine Probleme. Diese überraschend gute Umsetzung der schriftlichen Vorlage ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass das Autoren-Duo Hjorth/Rosenfeldt einerseits vor seinem ersten Roman vorrangig als Drehbuch-Autoren tätig war, und dass andererseits beide in die filmische Umsetzung involviert waren. Auch hier gilt: Kompliment!

Vom Inhalt der beiden Filme möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten als oben bereits zu lesen ist. Aber natürlich sollte eine Charakterisierung der Streifen vorgenommen werden, die dem skandinavischen Krimi-Charakter der vergangenen Jahre insofern entsprechen, als dass ihr Held alles andere als einfach ist. Natürlich gibt es einen Plot, der ansprechend inszentiert ist und dessen Fortgang ebenso umgesetzt wird und reichlich Spannung erzeugt, aber eigentlich steht der Charakter des Sebastian Bergman im Vordergrund beider Filme. Der Mann, Psychologe (!), ist jemand, an dem jeder Psychologe seine wahre Freude hätte, denn er ist in sich zerstritten; weiß offenbar selbst nicht, was richtig und falsch ist, und ist doch derart intelligent, dass nur ihm die Lösung der Kriminalfälle möglich ist. Es gibt gut umgesetzte, kurze träumerische Retro-Perspektiven, in denen Bergmans Probleme dem Publikum verdeutlicht werden, und es gibt längere Szenen, in denen zu erkennen ist, wie der Protagonist mit sich selbst zu kämpfen hat - das ist wirklich ganz großes Kino, zumal die Lösung der Kriminalfälle letztlich schlüssig und nicht an den Haaren herbei gezogen wirkt.

Das Ganze wird von der Kamera hervorragend umgesetzt - der Zuschauer erkennt dank entsprechender Effekte sofort, was Vergangenheit und Gegenwart ist. Dass eher düstere Bilder mit wenig Farbe die Szenerie beherrschen, ist für Skandinavien typisch, passt aber zum Plot. Und dass die Gräueltaten filmisch nicht ganz so deutlich werden wie in der Romanvorlage, mag ich nur als positiv zu bewerten. Der insgesamt düstere Eindruck soll zudem auch musikalisch durch vergleichsweise eintönige Rhythmen und Instrumentationen unterstrichen werden - hier aber bin ich nicht einverstanden, denn die Untermalung ist meiner Meinung nach derart eintönig, dass sie beim Film-Genuss stört und einfach nur noch nervt - am liebsten hätte ich beim DVD-Gucken die entsprechende Tonspur ausgeschaltet, was allerdings nicht möglich war.

Erwähnenswert ist schließlich auch, dass Sebastian Bergman derart im Vordergrund beider Filme steht, dass alle anderen Figuren in den Streifen verblassen und entsprechend auch nicht ausführlich charakterisiert werden, was aber wohl auch am vorgegebenen zeitlichen Rahmen liegt. Als Kenner der Romanvorlage hat mich das nicht weiter gestört. Wer aber die Bücher nicht gelesen hat, wird leichte Probleme haben, die weiteren Handelnden auf Anhieb im Kopf richtig einzuordnen. Irgendwann aber gelingt auch das.

Die Roman-Verfilmungen also haben mir in der Summe überraschend gut gefallen. Und zwar so gut, dass bei mir auch die zweite DVD-Box (Spuren des Todes II) bereit liegt. Die beiden darin enthaltenen Filme übrigens gründen sich nur auf Motive von Hjorth und Rosenfeldt, Romanvorlagen dafür gibt es nicht. Das indes empfinde ich als überraschend, denn inzwischen sind bereits fünf Romane mit Sebastian Bergman als Hauptperson erschienen, wobei die persönliche Situation des Protagonisten jeweils fortgeführt wird - warum wurden nicht einfach die verfilmt? Die nächsten DVD-Abende werden mir Aufschluss darüber geben.

Auf jeden Fall darf ich jedem Freund des skandinavischen Krimis diese DVD-Box empfehlen. Wer mehr Zeit hat, sollte allerdings vorher die entsprechenden Bücher lesen. Ach ja: bevor ich einen Tadel einstecken muss, weil ich hier nichts über das Bonus-Material der DVD-Box geschrieben habe, sei das noch erwähnt: Es gibt kein Bonus-Material. Und ich habe es auch nicht vermisst.

Fazit: Ein ausgezeichneter Skandinavien-Krimi