Prinzessin Mononoke (DVD)
Prinzessin Mononoke, Kinderfilm oder FSK ab 18 - Prinzessin Mononoke (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... die ganze Geschichte verraten, aber was diesen Film auszeichnet ist, dass der Regisseur mit Liebe und Kreativität seine Geschichte spannend... mehr

Prinzessin Mononoke, Kinderfilm oder FSK ab 18
Prinzessin Mononoke (DVD)

mkibbert

Name des Mitglieds: mkibbert

Produkt:

Prinzessin Mononoke (DVD)

Datum: 16.09.05

Bewertung:

Vorteile: Genialer Film, viele Botschaften

Nachteile: Kein Kinderfilm, da zu kompliziert für die Kleinen

Prinzessin Mononoke

Zum Film

Lange hat es gebraucht, bis die Geschichte um die „Geisterprinzessin“ (so die freie Übersetzung des Originaltitels „Mononoke Hime“) hierzulande auf DVD erschien. DVD-Fans blieb lange Zeit nur die Möglichkeit, die doch relativ teuere, aber gut ausgestattete „Ghibli Collection“ aus Japan zu importieren, auf der eine deutsche Tonspur mit vorhanden war. In Deutschland erschien der Film bis November allerhöchstens als Video und es sah lange nicht aus, das der Film auf DVD erscheinen sollte. Allerdings hat „Prinzessin Mononoke“ auch drei Jahre gebraucht um überhaupt in einer synchronisierten Fassung in den deutschen Kinos gezeigt zu werden und dies nur mit 35 Kopien, so daß sein Start doch relativ untergegangen ist und der Film doch hauptsächlich Insidern bekannt war.

Dabei war das Anime bis zum Erscheinen des Blockbusters „Titanic“ in Japan der erfolgreichste Film aller Zeiten gewesen und auch vom technischen Standpunkt war er lange Zeit führend. Er wurde erst später von einer Produktion aus dem gleichen Studio übertroffen, nämlich „Sen to Chihiro no Kamikakuchi“ („Chihiros Reise ins Zauberland“), der 2001 herausgegeben wurde.

Hayao Miyazaki, der in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt von seiner Arbeit an den Zeichentrickserien „Heidi“, „Wicky und die starken Männer“, sowie „Die Biene Maja“ bekannt war, schuf hier ein kleines Meisterwerk in Bereich der Animationsfilme. In einer bei Zeichentrickfilmen ungewohnten Länge von über zwei Stunden , erzählt er hier eine wunderbare Fantasygeschichte, die ersichtlich das erwachsene Publikum als Zielgruppe hatte. Dies zeigt schon der erhöhte Einsatz von Blut- und Splatterffekten in einigen Kampfszenen, wie auch in der sehr anspruchsvollen Geschichte.

In Zeit als Japan noch von weiten Wäldern bedeckt waren und Tiergötter diese bewachten, wird das Dorf des Ernishi-Kriegers Ashitaka und deren Bewohnern von einem Dämonen angegriffen, der aus dem nahen Wald hervorbricht und nur Tod und Verwüstung hinter sich lässt. Ashitaka kann diesen besiegen, wird aber dabei verletzt. Die Wunde infiziert sich und breitet sich nicht nur physisch aus, sondern vergiftet ihn auch psychisch, so daß er bald nicht mehr seiner selbst sterben muß. Er findet eine Eisenkugel die anscheinend den eberartigen Waldgott Nago in diesen todbringenden Dämon verwandelt hatte. So versucht er der Herkunft der Kugel nachzugehen und am Ziel seine Heilung vom Gott des Waldes zu erwarten.

Nach langer Reise kommt er dorthin und wird zwischen den Konflikt der Eisenhüttenbesitzerin Eboshi und der in der Wäldern aufgewachsenen San hineingezogen, die von der dortigen Wolfsgöttin Moro als Findelkind aufgenommen wurde.

Wie auch in späteren „Chihiro“ legte Miyazaki hier sehr viel wert auf vielschichtige Charaktere und auch hier gibt es kein „Guter Held und böser Feind“-Denken wie in anderen üblichen Zeichentrickfilmen, zum Beispiel aus den Disney-Studios. Eboshi ist zwar die harte Geschäftsfrau, die ihr Gewinn und das Wohl ihres Dorfes über die Natur stellt, aber andererseits hilft sie auch den Bedürftigen. Und San die auf der Seite der Natur steht, schreckt vor Toten nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen und haßt die Menschen.

Man kann Mononoke als einen ökologischen Film bezeichnen, der den Kampf Industrie gegen die Natur zeigt. Und dies scheint ein beliebtes Thema in der Fantasy zu sehen, wie es auch der „Herr der Ringe“ zeigt, der eine ähnliche Aussage hat. Aber in der Geschichte zeigt sich auch eine weibliche Dominanz auf, denn die Männer in dem Eboshis Dorfsind eher passiv in ihrer Handlungsweise, die Frauen viel aktiver. Auf der anderen Seite San und die Waldgöttin Moro die auch im Wald eher das sagen haben. Ashitaka ist da eher ein neutraler Charakter, der auch das Weltbild der Dorfbewohner von der passiven Männlichkeit etwas aufmischt. Er ist es dann auch, der versucht ein Gleichgewicht zwischen beiden Mächten herzustellen und zu vermitteln, das „Ying“ und „Yang“ wieder herzustellen.

Die Geschichte wird in einer wahren Bilderpracht gezeigt, garniert mit Detailreichtum und wunderbaren Hintergrundbildern, die in sich sehr stimmig sind. Trotz das in einigen Szenen Computereffekte eingesetzt wurden, fallen diese doch nicht unangenehm auf. Sie unterstützen eher die Aussage des Filmes.
Bei der deutschen Übersetzung wurde auf Lippensynchronität geachtet und wirkt nie unpassend. Hier wurde auch das japanische Original zur Grunde gelegt, da die amerikanische Buena Vista-Fassung in der Übersetzung einige Unstimmigkeiten hatte.

Leider hat Universum, wie auch bei der aktuellen „Chihiro“-Version beim Zusatzmaterial gespart. Da hätte man noch viel herausholen können, zum Beispiel die Storyboards von der japanischen Ghibli-Kollektion oder mehr kommentierte Hintergrundinformationen zum Studio und der Produktion. Es war auch geplant gewesen, eine in der Hinsicht verbesserte Version zusammen mit „Chihiro“ im ersten Quartal 2004 herauszubringen, allerdings wird dies wohl nicht geschehen, da es wohl zu lizensrechtlichen Schwierigkeiten kam.

Zum Bild

Die Farben sind sehr satt und kontrastreich, es gibt aber auch stellenweise farbliche Überlappungen und es sind auch leichte Doppelkonturen zu erkennen. Im allgemeinen wirkt es nicht größer störend. Das Bild wirkt allerdings dadurch in einigen Szenen etwas weich. Die Konturlinien um die gezeichneten Figuren sind kräftig und scharf- Aliasingeffekte sind kaum zu erkennen. Bei einigen großflächigen Szenen ist ein leichtes Blockrauschen zu bemerken, aber ansonsten ist an der Qualität des Bildes kaum etwas auszusetzen. Fehler oder Artefakte sind kaum bis gar nicht zu sehen. Die Animationen sind noch nicht so ausgereift, wie es spätere Ghibli-Produktionen zeigen, es wirkt in einigen Szenen doch etwas ruckelig.
Was bei der PC-Betrachtung wieder auffällt, wie es auch schon bei „Chihiro“ der Fall war, daß das Bild schwarz umrahmt ist. Beim Betrachten im anamorphen 16:9-Format des Fernsehers, ist aber nur eine kleine unauffällige schwarze Linie oben und unterhalb des Bildes zu sehen.

Zum Ton

Hier muß man sagen, daß das japanische Original viel kräftiger, klarer und räumlicher wirkt als die deutsche Tonspur. Was auch technisch bedingt ist, da die deutsche Tonspur bei der DVD nur im Dolby Digital 2.0 vorliegt, während die japanische einen Dolby Digital 5.1-Klang besitzt. Aber in der Hinsicht ist die deutsche Dolby Surround-Tonspur recht gut umgesetzt und vermittelt auch einige zurückhaltende Effekte aus den hinteren Lautsprechern. Es ist aber auch ein leichter Halleffekt zu bemerken.
Die Dialoge wirken in der Originalfassung auch weit dynamischer, als es die aber doch an sich recht gute Synchronisation tut, welche aber auch etwas monoton wirkt. Die Bässe können im Original mehr punkten, denn sie wirken in der Surround-Fassung nicht ganz so kräftig-
Warum bei der deutschen Tonspur auf die im Vorfeld angekündigte 5.1-Fassung verzichtet wurde, ist nicht so ganz nachvollziehbar für mich.
Auch wäre die englische Tonspur wünschenswert gewesen, aber beides war wohl für die jetzt wohl nicht erscheinende Special Edition geplant.

Zu den Features

Hier gibt es leider einige Punktabzüge, denn ausser einen kleinen unkommentierten, etwa drei minütigen Beitrag über die Arbeit am Computer des Ghibli-Studios, welches noch Szenen von „Chihiro“ zeigt und 6 Trailern zu weiteren Titeln des Verleihs, gibt es keine großen Extras auf der DVD. Hier hätte man einiges mehr machen können ! Aber so wie es aussieht, war dies wohl auch nur für die jetzt doch nicht erscheinende Special-Edition geplant gewesen.
Es gibt noch deutsche Untertitel, sowie deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Dabei hat es aber etwas mit der Synchronität zum Film gehapert, da diese öfters zu früh zur ablaufenden Handlung im Bild erscheinen.
Das Menü ist nicht weiter animiert, nicht musikalisch unterlegt und erscheint im 4:3-Bild.

Fazit

Mit „Prinzessin Mononoke“ ist Hayao Miyazaki ein kleines Meisterwerk gelungen, die aber auch hierzulande leider nicht die Beachtung gefunden hat, die es eigentlich verdient hätte. In Deutschland haben es Zeichentrickfilme immer noch schwer, den „Kinderfilm“-Status loszuwerden und so werden Produktionen, die eher für das erwachsene Publikum ausgerichtet sind, von den Verleihern eher stiefmütterlich behandelt. Der Film ist wahrlich kein Kinderfilm, wie es schon die anspruchsvolle Geschichte und auch einige für Kinder doch ungeeignete Szenen zeigen, bei der es etwas blutiger zugeht.
Für zwei Stunden wird der Zuschauer in eine wunderbar erzählten Fantasywelt des alten Japan hineingeführt. Mit deren Mythen und Göttern konfrontiert, wobei gerade letztere in dem Film eine tragende Rolle besitzen. Die Charaktere bei „Mononoke“ sind sehr differenziert und haben aller ihre guten, wie auch ihre Schattenseiten. Grafisch ist das Anime ein wahrer Leckerbissen, denn es zeigt schöne, fantasievolle und detaillreiche Bilder und Animationen.
Allerdings gibt es auch einige Schwachpunkte beim Ton und den Extras. So wird die zwar gute deutsche Synchronisation nur im Dolby Surround-Format angeboten, die von der japanischen Original-DD5.1-Tonspur doch sehr übertroffen wird. Warum hier nicht auf den versprochenen 5.1-Mix zurückgegriffen wurde, ist mir leider nicht verständlich und trübt den Spaß doch sehr. Auch die Extras sind mehr als mager ausgefallen auf der DVD- Aber so wie es aussieht, wird sich wohl aus lizensrechtlichen Gründen, wohl in der nächsten Zeit wohl keine Besserung geben. Mögen wir hoffen, das es nicht so ist.

Fazit: Definitiv kein Kinderfilm, aber auch kein reiner Film für Erwachsene