Rotzblagentown
Plague Town - It's in the Blood (DVD)

Name des Mitglieds: das-christian
Produkt:
Plague Town - It's in the Blood (DVD)
Datum: 13.08.10
Bewertung:
Vorteile: Hauptdarstellerin, Masken, Soundtrack
Nachteile: Gegen Ende dann doch nur ein stinknormaler Slasher
Kritik
Junge! Junge! Das passiert also, wenn ein Regisseur seine Zuschauer am Ende schocken will, es aber scheinbar nicht geschnackelt hat, dass sein Finish bereits von zig anderen Regisseuren in einer ähnlichen Form verwendet wurde. Wer Filme wie Dying Breed oder Simon Says kennt, der weiß nach bereits der Hälfte der Laufzeit wie dieses Machwerk ausgehen wird. Da gibt es keine gleichwertige Entschädigung für, nicht einmal die sympathische Hauptdarstellerin und der hammergeile Soundtrack von Ladytron (der passt zwar überhaupt nicht zum Film, rockt aber trotzdem die Eier blau).
Familie Monohan macht Urlaub in Europa, genauer gesagt in Irland. Mit dabei ist Papa, Papa's Neue und zugleich Stiefmutter der beiden Töchter und ein Typ, den die Familie auf ihrer Durchreise aufgegabelt hat. Papa Monohan will seine Schützlinge mit diesem Ausflug wieder etwas zusammenführen, da das Verhältnis untereinander zerrüttet ist. Doch der Plan geht schon von Beginn an kräftig nach hinten los, seine Freundin wird von seinen beiden Töchtern nicht akzeptiert. Der pickelige, aufgegabelte Landstreicher grapscht ständig an Papis blonder Tochter rum, sofern er grad keine Pulle billigen Fusel oder Kippe im Vorderpfötchen hält. Die Töchter zicken sich zudem gegenseitig pausenlos an, Papa und seine Schickse versuchen zu schlichten, während sich der Landstreicher dabei ins Fäustchen lacht. Den Vogel schießt die Familie aber erst dann ab, als sie den letzten Bus verpasst und somit in der Einöde nächtigen muss, was zu weiteren Streitereien, Zickereien und Fluchereien untereinander führt. Aber bereits hier kann man vorhersehen, dass sich der anfängliche Hass untereinander später zu einem Zusammenhaltsgefühl entwickeln wird und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn die Familienmitglieder um ihr Leben kämpfen müssen. Außer Familiennichtigkeiten gibt es die ersten 20 Minuten nicht viel zu sehen beziehungsweise zu hören, da ist der bereits erwähnte Soundtrack noch das Beste, typisch Euro sag ich da nur.
So weit so schlecht! Es scheint so, als würde sich der Film kaum von seinen Genrevertretern unterscheiden, bis auf die Tatsache, dass man es nicht mit einem Axtmörder oder Machetenschlitzer zu tun hat, sondern mit Kindern. Ja, mit kleinen, hässlichen, verunstalteten Rotzblagen, die an die Wäsche unserer Touristen wollen. Der Vorspann deutet darauf hin, dass in dieser Gegend scheinbar nur Missgeburten gezeugt werden und diese machen sich später auch in Form der mordenden Kinder bemerkbar. Die Masken sind gut, erinnern sogar leicht an Zombies, auch wenn man hier weit von einem Zombiefilm entfernt ist. Auch der Schauplatz ist gut gewählt, erinnert aber trotzdem noch ein wenig an den typisch amerikanischen Backwood, der Schauplatz von 1000 paarungswilligen US Film-Teenies ist/wurde. Und leider hat Regisseur David Gregory dann doch den Leitfaden zu "Wie-baue-ich-einen-0-8-15-Slasher" herausgekramt. Ein Ausweg aus diesem Wald hätte für mehr staunen gesorgt, als der Versuch, dann auch die Eltern der Kinder mit einzubinden und deren Absichten zu untermauern. Irgendwann findet man eine schier unendliche Macht auf der Seite des Bösen vor sich, was letztendlich nur zu einem möglichen und vorhersehbaren Ausweg führen kann, zumindest wenn man in diesem Genre beheimatet ist. Das Einbringen der Eltern soll scheinbar sozialkritische Aspekte erzeugen, diese verpuffen jedoch bereits in ihren Ansätzen.
Trotz der Zickereien erweckt Daddy's Jüngste, Molly, am ehesten Sympathien beim Zuschauer. Sie ist die einzige ohne Partner und kommt einem als typische Einzelgängerin vor, was durch ihre schwarze Kleidung und die gehaltene Distanz zur Familie bekräftigt wird. Somit gehört ihr der Mitleidsbonus. Ihre Schwester ist hingegen das volle Gegenteil, rebellisch und uneinsichtig. Genau diese beiden stellen sich im weiteren Verlauf als die einzigen Figuren mit Substanz heraus, die nicht durch extrem verblödete Aktionen auffallen. So richtig idiotisch agieren hier nur die Männer, insbesondere Papa, dessen Kopf zu Koteletts verarbeitet wird, aber das hat er sich selbst zuzuschreiben, der Trottel. Für einen B Movie sind die darstellerischen Leistungen sehr gut, da sie durch die Bank weg überzeugen können, auch wenn man keinen von den Schauspielern kennen dürfte.
Gorehounds kommen nur in einer Szene richtig auf ihre Kosten. Ansonsten gibt es noch ein paar kleinere, gut verteilte Splatterszenen. Man muss aber zu Gute halten, dass bei jeglichen Splatterszenen auf CGI verzichtet wurde und stattdessen der gute alte Knetbaukasten rausgekramt wurde. Auf Sexszenen wurde komplett verzichtet. Stört aber nicht, da hier ja auch eine Familie in die Rolle der Opfer schlüpfen darf und keine dummen, dicktittigen Ficknutten agieren, die Potential für solche Szenen haben.
DVD
Endlich mal eine Horror-DVD mit Extras. Auch wenn die ganzen Beiträge hier nur in Englisch zu bestaunen sind, gibt es doch ein paar Hintergrundinfos. An der Bildqualität der DVD gibt es nur seitens der Filmemacher etwas auszusetzen, da sich die Ausleuchtung, insbesondere in den Anfangsminuten, als Störfaktor erweist. Ansonsten ist alles wie gehabt, zwei Sprachen und deutsche Untertitel, Ton rockt.
Fazit
Eigentlich ein durchschnittlicher Film, den man durchaus weiterempfehlen könnte. Soundtrack, Darsteller, und Masken überzeugen. Wären da nicht die paar negativen Punkte, die wirklich derbe das Filmvergnügen versauen. Dabei meine ich nicht einmal das fehlende Schlachtfest, eher der Verlauf zum Ende hin ist an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Ich muss aber auch sagen, dass die erste Szene, in der die Familie zu sehen ist als grad der Bus wegfährt, eine der besten Szenen im Film ist, diese hat auch schon humorvolle Ansätze. Trotzdem fehlt halt das gewisse Etwas um Plague Town als durchschnittlichen Slasher bezeichnen zu können. Und grob ist Plague Town genau das, was man von den Amis erwartet; eine degenerierte amerikanische Familie, im Stil von American Beauty, trifft auf degenerierte, (kleinwüchsige) Europäer, im Stil von Hostel.
Filminfos
Originaltitel: Plague Town
Herstellungsland: USA
Laufzeit: 88 Minuten
Erscheinungsjahr: 2008
Altersfreigabe: 18
Regie: David Gregory
Drehbuch: John Cregan, David Gregory
Schauspieler: Josslyn DeCrosta, Erica Rhodes, David Lombard, Lindsay Goranson, James Warke, Catherine McMorrow, Elizabeth Bove
Fazit: Wer keine Kinder möchte, kann sich das hier anschauen
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