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Ozploitation
Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! (DVD)

Name des Mitglieds: atrachte
Produkt:
Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! (DVD)
Datum: 15.01.11
Bewertung:
Vorteile: siehe Bericht,
Nachteile: siehe Bericht,
Australien verbinden die meisten wohl mit schönem Wetter, dem Outback, unzähligen Nationalparks und Kängurus. Eher weniger bekannt ist der Kontinent, sieht man einmal von den "Crocodile Dundee" und "Mad Max" Filmen ab, für seine Filmlandschaft, und das obwohl gar nicht mal so wenige große Namen der internationalen Filmbranche Down Under ihre Heimat nennen. Regisseur Mark Hartley hat sich daher auf Spurensuche begeben und das filmische Treiben seiner Landsleute genauer unter die Lupe genommen. Raus gekommen ist dabei die preisgekrönte Dokumentation "Not Quite Hollywood", welche, wie der Titel wenig subtil suggeriert, aber nichts mit dem gängigen Mainstream-Kino am Hut hat, sondern sich voll und ganz auf die australischen B-Produktionen der 1970er und 1980er Jahre fokussiert hat.
Diese dürften Exploitation- und Trash-affinen Filmfreunden unter der Bezeichnung "Ozploitation" durchaus ein Begriff sein, gehören die australischen Low-Budget-Produktionen doch mit zu dem abgefahrensten Unsinn, den die Filmwelt jemals zu verantworten hatte. Egal ob wilde Box-Kämpfe zwischen Mensch und Beuteltier stattfinden, von einem Werwolf geschwängerte Frauen eine in ein Werwolfsbabykostüm gesteckte Maus gebären (!?!), wahnsinnige Hinterwälder ihr weibliches Opfer auf das Heck eines Trucks fesseln, ausziehen, vergewaltigen und anschließend durch die Gegend rasen oder ein vollkommen besoffener und zugekokster Dennis Hopper einen durchgeknallten Goldsucher in einem historischen Drama spielt: in Australien hat mit der Lockerung der Filmzensur in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts so ziemlich jeder Mist und jede blöde Idee einen Autor, einen Geldgeber, einen Regisseur und ein Publikum gefunden. Das ganze war dabei so erfolgreich, das man schnell gar große Hollywood-Produktionen mit nationalen Produktionen am australischen Box Office ausstechen und es sich irgendwann sogar leisten konnte bekannte Schauspieler aus Amerika für die B-Produktionen zu verpflichten.
So schrill das alles klingt, so schrill ist auch "Not Quite Hollywood" aufgemacht. Hervorzuheben ist, dass Regisseur Mark Hartley es sehr genau versteht auch die einzelnen sozialen und kulturellen Bezüge der damaligen Zeit mit in sein Werk einfließen zu lassen um den Zuschauern verständlich zu machen warum man dieses und jedes Thema angesprochen hat, und warum ausgerechnet die Aussies so durchgeknallte Filmkost machen. Nicht nur werden die in der Dokumentation besprochenen Filme von einer Vielzahl an Kritikern, Produzenten, Schauspielern und Filmemachern kommentiert (darunter im übrigen auch ein vollkommen enthusiastischer Quentin Tarantino der mal wieder nicht mit Superlativen spart), auch lässt man sich viel Zeit auf die einzelnen Werke genauer einzugehen, ihre Hintergründe zu beleuchten und den oftmals vollkommen chaotischen Produktionsverlauf und andere Anekdoten Platz einzuräumen. So verstand etwa eine mit einer echten Machete bewaffnete Darstellerin aus dem dystopischen Reißer "Turkey Shoot" (1982) die Aussage "Cut" ihres Regisseurs als Aufforderung einem Kollegen die Hände abzuschlagen, was sie schließlich auch versuchte, während man im gleichen Film aus welchen Gründen auch immer statt Platzpatronen mit scharfer Munition geschossen hat.
Momente, in denen man selbst als sich aufgeklärt fühlender Filmfreund mit offenem Mund den Kopf ungläubig über soviel Schwachsinn schüttelt, reißen während der knapp 100 Minuten von "Not Quite Hollywood" selten ab. Gleichzeitig ist das ganze natürlich extremst Unterhaltsam und gibt einen wunderbaren Einblick in die kunterbunte, von Sex, Gewalt und Irrsinn geprägte Filmwelt des australischen Genre-Kinos..
Filmfans mit Hang zur Geschmacklosigkeit sollten sich "Not Quite Hollywood" auf keinen Fall entgehen lassen, denn was man hier geboten bekommt verdient in jedem Fall das Prädikat "besonders Wertvoll", sofern man übelst trashiger Filmkunst auch nur im entferntesten etwas abgewinnen kann. Die größte Leistung der Dokumentation ist dabei weniger die Tatsache, das es ihm gelingt das Herz eines jeden Fans solcher Streifen höher schlagen zu lassen, sondern ihn geradezu animiert sich in den Genre-Film komplett neu zu verlieben. Anders ist es nicht zu erklären das man gleich nach dem Anschauen von "Not Quite Hollywood" aufmacht und versucht die in der Dokumentation präsentierten Filme zu erwerben.
Daten zum Film:
Originaltitel: Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! (Australien, 2008)
Laufzeit: ca. 98 Minuten
FSK: Ungeprüft
Regie: Mark Hartley
8/10
Fazit: Gut
Weitere Testberichte: im Bereich DVD Video Film

