Nordwand (DVD)
Gelungenes Bergsteiger-Drama - Nordwand (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... Gesicht indem er in seiner Ungeduld die Gefahren missachtet und auf eine Besteigung zum "Wohle und Ruhme des deutschen Reiches&q... mehr

Gelungenes Bergsteiger-Drama
Nordwand (DVD)

AngusFan

Name des Mitglieds: AngusFan

Produkt:

Nordwand (DVD)

Datum: 04.07.09

Bewertung:

Vorteile: authentische Darstellung der Ereignisse in der Felswand, beeindruckende Bilder, gute Darsteller

Nachteile: zu klischeehafte Darstellung der Rollen

°°° Nordwand °°°



*** Fakten: ***
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Regie: Philipp Stölzl

Drehbuch: Christoph Silber, Philipp Stölzl

Genre: Drama, Abenteuer

Spiellänge: 126 Minuten

Produktionsland: Deutschland, Österreich, Schweiz

Erschienen: Oktober 2008

Bonusmaterial: u.a. Interviews, geschnittene Szenen, Making of, Trailer



*** Darsteller: ***
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Benno Fürmann - Toni Kurz

Florian Lukas - Andreas Hinterstoisser

Johanna Wokalek - Luise Fellner

Georg Friedrich - Edi Rainer

Simon Schwarz - Willy Angerer

Ulrich Tukur - Henry Arau



*** Handlung: ***
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Deutschland 1936: Die beiden leidenschaftlichen Kletterer Andreas Hinterstoisser und Toni Kurz sind Mitglieder in einer Einheit der deutschen Gebirgsjägerdivision. Dort sind sie für ihr Disziplinlosigkeit bekannt und müssen schonmal die Latrinen reinigen, nachdem sie den Zapfenstreich missachtet haben, da sie sich zu lang beim Bergsteigen aufhielten.

Währenddessen fristet ihre alte Jugendfreundin Luise Fellner ein unglückliches dasein bei einem Zeitungsverlag in Berlin, da sie dort lediglich fürs Kaffeekochen beansprucht wird.
Eines Tages jedoch ruft die Reichspropaganda, anlässlich der anstehenden olympischen Spiele in Berlin im Sommer 1936 dazu auf, dass die Erstbesteiger der Eiger Nordwand eine Goldmedaille erhalten würden. Ein Wettbewerb, der natürlich durch eine österreichische oder noch besser, eine deutsche Seilschaft, gewonnen werden muss. Doch welche Bergsteiger eignen sich für ein solch waghalsiges Unternehmen, zumal die Eiger Nordwand für seine Gefährlichkeit berühmt ist, da bereits im Jahr zuvor, 1935, eine zweier Seilschaft der Münchner Bergsteiger um Karl Mehringer und Max Sedlmayr tödlich verunglückte?

Luise Fellner erwähnt bei einer Sitzung des Verlags die Namen der beiden Jugendfreunde Kurz und Hinterstoisser, die bereits regionale Bekanntheit, durch zahlreiche Erstbegehungen anderer Gipfel, erlangten.
Ihr Vorgesetzter Henry Arau ist begeistert und beauftragt Luise Fellner nach Berchtesgaden zu reisen und die beiden Bergsteiger für dieses Unternehmen zu gewinnen.

Dort angekommen wird sie von Andreas Hinterstoisser euphorisch empfangen und dieser begeistert sich sofort für die Eiger Erstbesteigung und den damit verbundenen Ruhm und die Goldmedaille. Toni Kurz dagegen ist skeptisch und lehnt die Erstbesteigung ab, da er eindringlich vor den Gefahren des Gipfels warnt. Zudem binden ihn noch persönliche Gefühle an Luise, die ihn vor Jahren verlassen hat um nach Berlin zu gehen und dort an ihrer Karriere als Journalistin zu arbeiten.

Nach einem Streit um das Vorhaben der Erstbesteigung zwischen Kurz und Hinterstoisser, gelingt es letzterem, Toni Kurz doch noch für das Unternehmen zu gewinnen, da sie befürchten, dass ihre Rivalen und Erzfeinde, die Österreicher Edi Rainer und Willy Angerer, zwei ebenfalls sehr gute und erfahrene Bergsteiger, den Ruhm für sich ernten könnten, da diese auf jeden Fall an dem Versuch Erstbesteigung teilnehmen.

Luise Fellner war inzwischen frustriert nach Berlin zurückgereist und bricht mit ihrem Vorgesetzten Henry Arau gemeinsam in die Schweiz auf um dort zumindest das Österreicher Duo beim Erstbesteigungsversuch zu dokumentieren. Dort angekommen trifft sie überraschenderweise doch auf ihre beiden deutschen Jugendfreunde, sodass sie abends feierlich, gemeinsam mit den österreichischen Rivalen, in einem edlen Hotel dinieren.

Nachdem das schlechte Wetter anhält und der Start der Tour Tag für Tag verschoben werden muss, zeigt Luises Vorgesetzter Henry Arau mehr und mehr sein wahres, kompromissloses Gesicht indem er in seiner Ungeduld die Gefahren missachtet und auf eine Besteigung zum "Wohle und Ruhme des deutschen Reiches" drängt.
In der Nacht darauf hat sich das Wetter gebessert und somit starten Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser um 2:30 Uhr in den Berg um ihren Rivalen einige Stunden voraus zu sein.
Doch auch Willy Angerer und Edi Rainer brechen kurz darauf auf und wählen die selbe Route in den Berg wie ihre Deutschen Konkurrenten, sodass sie sich nach kurzer Zeit im Berg begegnen.
Und so geschieht es, dass bereits zu Beginn ein, von Hinterstoisser zufällig losgetretener Stein, den einige Meter unter ihm kletternden Willy Angerer am Kopf trifft, sodass dieser sich eine Platzwunde zuzieht. Es entbrennt ein Streit zwischen beiden Seilschaften und die kritischen Anmerkungen beider Teams nehmen zu.
Dennoch sind die Österreicher nun fest entschlossen den Berg als erstes zu besteigen, trotz der Verletzung Willy Angerers.

Von der Talstation aus betrachten Luise Fellner und Henry Arau, sowie einige weitere Reporterteams das Geschehen in der Wand über ein Fernrohr. Zwar läuft in den ersten Tagen alles nach Plan und die deutsche und die österreichische Seilschaft kommen gut voran, dennoch hat Arau registriert, dass Angerer verletzt ist.

Nach dem ersten Biwak im Berg und dem ermüdenden Marsch durch die großen Eisfelder verlässt den verletzten Österreicher Angerer nach und nach die Kraft. Sein Kamerad Edi Rainer fordert um Umkehren auf, doch Angerer tobt wutentbrannt, dass er den deutschen nicht das Feld kampflos überlässt.

Als das Wetter sich verschlechtert und die Seilschaften an ihre körperlichen Grenzen gelangen, entschließen sie sich dazu, gemeinsam den Berg zu besteigen.
Wenig später muss Willy Angerer seiner Kopfverletzung Tribut zollen und droht in der Wand einzuschlafen. Plötzlich rutscht er vom Fels ab und zieht Edi Rainer und Hinterstoisser mit in die Tiefe. Mit aller Kraft kann Toni Kurz als oberster die Seilschaft halten, sodass sich Rainer und Hinterstoisser nach oben ziehen können. Doch Angerer ist mit dem Fuss in einer Felsspalte hängengeblieben und hat sich das Bein gebrochen und aufgeschlagen.
Es entbrennt erneut ein Streit zwischen den vieren, denn Angerer sieht sich als den Schuldigen und fordert auf ihn zurückzulassen, Edi Rainer dagegen möchte den deutschen das Feld überlassen und behauptet, er könne Angerer allein ins Tal zurückbringen. Hinterstoisser ist von Rainers Vorschlag begeistert und möchte unbedingt zum Gipfel herauf, doch Toni Kurz apelliert an die Vernunft Hinterstoissers, dass es unmöglich ist, dass Rainer allein den verletzten Angerer ins Tal herab bringt und fordert dazu auf, dass alle drei umkehren um den verletzten Angerer schnellstmöglich in ein Krankenhaus zu bringen. Letztlich sieht sieht Hinterstoisser ein, dass Leben und Tod mehr wert sind als Ruhm und eine Goldmedaille und so beschließen sie das Unternehmen Erstbesteigung abzubrechen.



*** Das Ende: ***
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Die wahre Dramatik um die vier Bergsteiger beginnt beim Abstieg: Das Wetter verschlechtert sich dramatisch in einen Schneesturm, sodass die Gruppe nur sehr langsam vorankommt und letztlich ein weiteres Biwak aufschlagen muss. Die Kälte zehrt an den Kräften, Angerer droht bewusstlos zu werden, Edi Rainers linker Arm beginnt einzufrieren und auch Toni Kurz' Finger drohen abzusterben, da er unterwegs seinen linken Handschuh verlor.
An dem später nach ihm benannten "Hinterstoisser Quergang" landen sie in einer Sackgasse, da Kurz und Hinterstoisser beim Aufstieg ein nun rettendes Seil mitgenommen hatten. Nun bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich senkrecht, über viele Meter im Freien, an einem Seil herabzulassen. Im diesem Moment lösst sich wenige Meter über ihnen eine Lawine, die Hinterstoisser, Rainer und Angerer in die Tiefe reißt. Dabei schlägt Rainer mit dem Kopf gegen den Fels und stirbt. Ebenso Angerer, der mit seinem Körper gegen die Felswand schlug. Am unteren Ende zieht sich Hinterstoisser mit letzter Kraft nach oben, doch als er sieht, dass die beiden österreichischen Kameraden bereits tot sind und sich das Seil aus der Wand zu lösen droht, wünscht er Toni Kurz, dass dieser heil nach Hause kommen möge und schneidet sich und die beiden Österreicher vom Seil ab, sodass diese in die Tiefe und in den Tod stürzen.
Kurz ist nach dem schrecklichen Anblick und dem Verlust seines besten Freundes verzweifelt, ebenso die im Tal befindliche Luise Fellner, die die dramatischen Ergnisse weiterhin verfolgt. Zu ihrem Unverständnis reisten sämtliche Reporter ab, nachdem diese sahen, dass die Bergsteiger umkehrten und auch ihr Vorgesetzter Henry Arau blieb nur bei ihr, da er kompromisslos "einen Triumph oder eine Tragödie" forderte um überhaupt in die Schlagzeilen zu gelangen zu können.
Luise Fellner bittet die vor Ort ansässige Mannschaft der Bergrettung den geschwächten Toni Kurz aus der Wand zu helfen, doch diese lehnen aufgrund der Gefahren durch die Witterung und um ihrer eigenen Sicherheit halber, zunächst ab. Als Luise verzweifelt sagt, dass dies ihr Mann in der Wand sei, entschließt sich die Bergrettung doch aufzubrechen, doch nur wenige Meter unterhalb Toni Kurz müssen sie sich dem Schneesturm beugen und zurückkehren. Toni Kurz muss daraufhin abermals im Sturm und in eisiger Kälter übernachten.
Am nächsten Morgen hat das Wetter glücklicherweise aufgeklart und die Rettungsmannschaft, sowie Luise Fellner, schöpfen neue Hoffnung und gehen großen Mutes erneut in die Wand. Als sie nur einige Meter unterhalb Toni Kurz angelangt sind, soll dieser ein Seil herablassen, doch sein eigenes ist nicht lang genug. Er beginnt damit dieses aufzufädeln und an Länge zu gewinnen, doch dieses scheinbar einfache Vorhaben erstreckt sich über Stunden, da Kurz kaum noch Kraft besitzt und seine linke Hand mittlerweile erforen und abgestorben ist. Als er es dennoch schafft dass rettende Seil nach oben zu ziehen, beginnt ein abermals langer Kampf, sich dieses nun umzulegen und zu verknoten um sich dann daran herabzulassen. Einhändig und fast unfähig sich zu bewegen, gelingt es Toni Kurz und nach vielen Stunden seilt sich Toni Kurz zur wartenden Rettungsmannschaft herab.
Doch das tragische Schicksal nimmt weiter seinen Lauf: Etwa fünf Meter über der Rettungsmannschaft bleibt Kurz in der Luft hängen, da sein Knoten nicht duch den Karabinerhaken passt und das durchlaufende Seil blockiert. Ein Abschneiden würde dazu führen, dass Kurz in die Tiefe stürzt und die Rettungsmannschaft sieht keine Möglichkeit an ihn heranzukommen. Ungläubig und voller Trauer steigt Luise Fellner die Felswand herauf um nochmals so nah wie möglich an den Tod geweihten Kurz heranzukommen um ihm ihre Liebe zu gestehen. Doch Kurz, der aufgefordert wird nochmals alle Kräfte zu mobilisieren, antwortet nur schwach und schon fast ohnmächtig "ich kann nicht mehr" und erliegt kurz darauf völlig erschöpft den Anstrengungen.
Der Film endet mit den immer präsenten Erinnerungen und Gedanken der, mittlerweile in New York lebenden, Luise Fellner an die damaligen dramatischen Ereignisse.



*** Fazit: ***
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Mit "Nordwand" erwartete ich zunächst skeptisch einen Film, der sich abermals mit einem deutschen Drama beschäftigt, wie die in den letzten Jahren entstandenen "Katastrophenfilme" wie beispielsweise "Das Wunder von Lengede", "Die Flut", "Die Luftbrücke", etc. Ich befürchtete, dass sich der "Nordwand"-Regisseur einem Genre bediente um es den vorangegangen, beim deutschen Publikum recht erfolgreichen, Filmen gleich zu tun um hier, ähnlich den dargestellten Bergsteigern es gleich zu tun, um schnell zu "Ruhm und Reichtum" zu gelangen, indem ein dramatisches Schicksal mit einer Liebesgeschichte verknüpft- und dieses umgeben vom Rahmen des Nationalsozialismus, serviert wird. Ein Erfolgskonzept, was beim deutschen Publikum zwangsläufig zum Erfolg führen muss, wie auch Filme wie z.B. "Der Untergang", "Anonyma - eine Frau in Berlin", die Neuverfilmung von "Die Brücke" und auch neuerdings "John Rabe" eindrucksvoll gezeigt haben.
Zunächst erfüllten sich auch meine Erwartungen, da sich der Regisseur mehreren Klischees bedient, indem er die Rolle der Luise Fellner entstehen lässt und die sympatischen Hauptcharaktere Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser zu modernen Helden verklärt, indem sie so dargestellt werden, dass sie sich den nationalsozialistischen Vorgesetzten ihrer Gebirgsjägereinheit widersetzen, um nicht vom deutschen Publikum als "Nazis" und somit unmöglich als Sympathieträger, anerkannt werden zu können. Ähnlich wie Brad Pitt als Bergsteiger Heinrich Harrer im Film "Sieben Jahre in Tibet".
Im weiteren Verlauf des Films und der zunehmenden Dramatik um die Bergsteiger in der Eiger Nordwand gelingt es dem Regisseur vom zeitlichen und geschichtlichen Hintergrund abzulenken und den Fokus ganz auf die Tragödie um die vier Menschleben zu konzentrieren. Dadurch gewinnt der Film an Qualität, für das nicht zuletzt die wahren Begebenheiten sorgen.
Alles in allem erhält der Zuschauer einen durchaus gelungenen Film, der die unglaublich tragischen Ereignisse darstellt, die sich 1936 in der Eigner Nordwand zugetragen haben. Benno Fürmann und Florian Lukas, sowie Georg Friedrich und Simon Schwarz lassen die Bergsteiger authentisch aufleben, sodass der Zuschauer die Leiden und die Qualen nachempfinden kann. Ebenso Ulrich Tukur, der den kompromisslosen Henry Arau zum Bösewicht erklären lässt, indem diesen der Wert der Propaganda mehr erscheint als das Leben der vier Bergsteiger.
Ein weiteres Lob geht an die Kameraführung, die beeindruckende Bilder vom Berg, der Landschaft und den waghalsigen Klettermanövern liefert.
Somit vergebe ich vier Sterne und kann den Film nahezu jedem empfehlen, da es sich um ein tragisches Schicksal deutscher Geschichte handelt, dass nicht in Vergessenheit geraten darf, da es zudem eine Warnung vor Überheblichkeit und Missachtung der natürlichen Gewalten ist, dessen Thema durch die aktuellen Klimadiskussionen mehr und mehr wieder an Bedeutung gewinnt.
Somit erfüllen sich zwar meine anfangs misstrauischen "Befürchtungen" um den Film, denn eines ist sicher: Dieser Film wird erfolgreich sein, spätestens wenn er im Fernsehen gezeigt wird und daraufhin die dazu begleitenden Reportagen und Dokumentationen ins Leben gerufen werden. Zum Glück handelt es sich dennoch um einen qualitativ gelungenen deutschen Film, bei dem auch ausnahmsweise mal nicht Heino Ferch zu sehen ist....

Fazit: Tragisches Schicksal um eine Gruppe Bergsteiger, dass man gesehen haben sollte.