Nokan - Die Kunst des Ausklangs (DVD)
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Würdevoll Abschied nehmen, ein toller Film über den Tod
Nokan - Die Kunst des Ausklangs (DVD)

Jatue

Name des Mitglieds: Jatue

Produkt:

Nokan - Die Kunst des Ausklangs (DVD)

Datum: 18.08.10, geändert am 18.08.10 (26 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: endlich Mal wie schöner Film über Tod und Beerdigung

Nachteile: nicht jedermans Sache so an den Tod ranzugehen

Ein wunderbar ruhiger Film über die jap. Kunst der Leichenwaschung und Leichenvorbereitung zur Beisetzung.

Ein Film mit ganz ruhigen Bildern, voller Emotionen, die weniger durch Handlung als durch die Wirkung der Bilder im Zuschauer entstehen. Kein Film mit Action und trotzdem schafft dieser Film eine eigene Spannung, eben durch das Subjekt mit dem er umgeht: der Grenze zwischen dem Tod und der Beerdigung. Um diese letzten Momente das Daseins auf der Erde handelt der Film
Handlung:
Daigo Kobayashi träumt davon als Cellist in einem philharmonischen Orchester zu spielen. Kaum ist dieser Traum wahr geworden, wird das Orchester aufgelöst und er steht mittellos da.
Auf der Suche nach einer neuen Arbeit stolpert er über eine Anzeige in welcher eine Person für Reisevorbereitung gesucht wird. Gerne wäre er Reiseleiter oder sowas und er bewirbt sich.
Vor Ort erfährt er aber, daß es sich um Vorbereitungen für die letzte Reise handelt: er soll Leichen für die Beisetzung kleiden und schminken.

Sein Lehrmeister ist ein älterer, kettenrauchender Unternehmer, der, ohne viel Emotionen zu zeigen, aber mit viel Würde, seinen Job ausführt.
In Japan ist es ein zeremonieller Akt, wenn der Verstorbene, vor den Augen der Verwandten und Freunden, gewaschen und neu eingekleidet wird bevor man ihn in den Sarg legt.
Wie dieser Akt würdevoll und ehrfurchtsvoll gemacht wird, das erlernt Kobayashi vor unseren Augen.
Was er ( und der Zuschauer) auch erfahren muß: dieser Berufsstand ist wohl in Japan mit einem Tabu behaftet, der Ausübende gilt als unrein. Das bereitet Daigo in seiner eigenen Familie und bei seinen Freunden Probleme.
Trotzdem entscheidet er sich dazu, sein Leben diesem Beruf zu widmen.

So sind wir voyeuristisch Zeuge beim Abschiednehmen von Toten in einigen Familien und die Anlässe sind unterschiedlich. Wir sind plötzlich bei intimen Momenten in Familien dabei: er junge Mann - ein Zwitter - hatte sich offenbar umgebracht, weil er nicht sein durfte wie er wollte. Ein anderes Mal kommt es bei der Aufbahrung zu einer Prügelei, weil das Mädchen bei einem Motorradunfall starb und der Vater den Freunden die schuld gibt.
Ohne viel Worte erleben wir nun wie Kobayashi nach und nach in diesem Beruf aufgeht, die Zeremonien erlernt und die Toten auf die letzte Reise vorbereitet.
Themen des Filmes sind auch die Suche um die eigene Identität, die Suche nach dem Vater, das Thema des Heimkommens.


Wertung: selten sah ich einen so ruhigen, in sich geschlossenen Film, der kaum Dialoge braucht um zu wirken. Ohne viel Worte wird eine derartige Spannung und dichte Athmosphäre erzeugt, so daß der Zuschauer - insofern er bereit ist, sich auf die Materie einzulassen - wie gebannt im Kino sitzt.
Ergreifend ist die Wandlung des Daigo Kobayashi von "Igitt - ich soll Leichen anfassen?" hin zu einer Einstellung des Berufes gegenüber, die aus tiefer Liebe kommt.
Trotz dieses Tabus um den Tod, den ich auch bei uns in der Gesellschaft vorfinde, ist der Film fast heiter und löst sich von der Schwere, die ich zunächst vermutete. Daigos Ziel ist es, die Toten so zu beseelen, daß der Abschied von einer geliebten Person möglich ist ohne in die böse Fratze des Sterbens zu schauen. Diese Toten sind anrührend schön wenn sie dann im Sarg liegen. Alle haben viel Würde. Die Großartigkeit des Todes wird hervorgehoben. Den Hinterbliebenen wird der Abschied so erleichtert.

Und es macht Spaß (!) dabei zuzusehen.
Wir erleben die Vorbereitung durch Daigo K. an toten Menschen für diese letzte Reise. Dem Regisseur gelang es in immer neuen Einstellungen verschiedene Ausschnitte der Herrichtung fürs Begräbnis zu zeigen, so daß wir insgesamt einen guten Überblick über den rituellen Akt und die vielen einzelnen Schritte bekommen.
Die Musik, allen voran Cello und Pianomusik, tun das übrige um eine wunderbare, ja fast heilige Athmosphäre zu erzeugen.
Jeder von uns der einen nahen Angehörigen verloren hat wird an die Art des Abschiedes denken und er wird vergleichen. Zumindest mir ging es so.
Insofern ist dieser Film auch eine persönliche Bereicherung des eigenen Lebens und eine Begegnung mit den eigenen Verstorbenen ist möglich.

Fazit:
Ein Film der vom Tod handelt und uns Lebende beseelt. Selten war ich so dankbar in einem Film gewesen zu sein, wie nach NOKAN.
Cineasten-Teil:

NOKAN - DIE KUNST DES AUSKLANGS
Melodram von Yojiro Takita
Japan 2008 · 131 Minuten

Darsteller
Daigo Kobayashi, Cellist Masahiro Motoki - Jap. Filmpreis
Mika Kobayashi, seine Frau Ryoko Hirosue
Ikuei Sasaki, Nokan-Chef Tsutomu Yamazaki - Jap. Filmpreis
Yuriko Uemura, Assistentin Kimiko Yo - Jap. Filmpreis
Tsuyako Yamashita, Bad-Chefin Kazuko Yoshiyuki
Shokichi Hirata, Assistent Takashi Sasano
Stab
Regie Yojiro Takita - Jap. Filmpreis
Buch Kundo Koyama - Jap. Filmpreis
Bildregie Takeshi Hamada - Jap. Filmpreis
Musik Joe Hisaishi

Fazit: absolutes Higlight des Kintoppjahres, auch als DVD klasse