


Neuester Testbericht: ... grundauf verschiedenen Frauen schweißt das Schicksal immer intimer und weiter, auf der Suche nach Rita's Vergangenheit, zusammen und zi... mehr
"It's a love story in the city of dreams"
Mulholland Drive (DVD)

Name des Mitglieds: das-christian
Produkt:
Mulholland Drive (DVD)
Datum: 17.08.08
Bewertung:
Vorteile: Darsteller - allen voran Naomi Watts, komplizierte Story die ziemlich bedrückend ist, Soundtrack,
Nachteile: DVD - Aufmachung und Extras
"Sie erscheinen in beiden Träumen und Sie haben auch Angst!"
Story
Der Beginn? Man sieht einen Jitterbug-Wettbewerb. Die Bilder überschneiden sich, es wirkt immer bedrohlicher, die Musik tut ihr Bestes, um dieses bedrohliche Gesamtbild zu unterstützen.
Der Beginn? Eine junge Frau (Laura Harring) überlebt knapp einen schweren Autounfall am Mulholland Drive. Ihr Erinnerungsvermögen ist gelöscht. Mit letzter Kraft schleppt sie sich in die Stadt Los Angeles, um dort hinter einem Gebüsch zu übernachten. Am nächsten Morgen lernt sie Betty kennen, eine aufstrebende Schauspielerin, die in Hollywood ein Standbein schaffen möchte. Beide freunden sich schnell an und beschließen, der Vergangenheit von Rita (so nennt sie sich nun) auf die Spur zu kommen.
Parallel dazu wird die Geschichte eines Regisseurs mit dem Namen Adam Kesher (Justin Theroux) erzählt, der die Schattenseiten des Geschäfts am eigenen Leib zu spüren bekommt. Er wird dazu gezwungen, eine gewisse Camilla Rhodes für seinen Film zu besetzen, weigert sich vorerst, wird dann jedoch so sehr erpresst, dass er letztendlich Camilla die Hauptrolle gibt.
Kritik
Der Film sucht nach keiner Auflösung dieser Story, er bietet eine Auflösung, wieso diese eben erzählte Story erst entstanden ist. Es wird eine andere Geschichte erzählt, die nur dann ersichtlich wird, wenn man erkennt, was in diesem Film als Wahrheit und was als Fiktion dargestellt werden soll. Als Grenze hierfür dient eine blaue Box, die mehrmals zu sehen ist. Wie in Filmen ist diese "Blue Box" auch hier die Überblendung zwischen Traum und Realität. Lynch selbst sagte einst: "It's a love story in the city of dreams". Man befindet sich in einem surrealen Gebilde, in dem nichts so ist, wie es scheint. Die ersten eineinhalb Stunden ist der Film sicherlich schwer durchschaubar. Es gibt zahlreiche Side-Plots, die nicht wirklich aufgeklärt werden. Man erhofft nun, in den letzten 40 Minuten eine Auflösung zu finden. Doch David Lynch wirft in diesen letzten Minuten alles durcheinander, sodass man am Ende mit noch mehr ungelösten Fragen dasteht. Hat man jedoch dieses komplizierte Gerüst durchschaut, dann wird einem bewusst, dass hier die Geschichte einer gescheiterten Existenz erzählt wird. Der Regisseur gibt zahlreiche Hinweise, die sich in Objekten, Bildern, Namen oder Personen widerspiegeln und somit die Story nach und nach aufklären.
Der Film schafft mit seinem düsteren Erscheinungsbild eine sehr gute Atmosphäre. Diese wird dadurch bestärkt, dass tief in die Psyche von Menschen gesehen wird: Die Gedanken, Träume, Wünsche, Hoffnungen - all dies wird in Bildern und Worten dargestellt. Hinzu kommen erstklassige Konversationen, die genau diese Aspekte verstärken und zudem ebenso Hinweise zur individuellen Lösung geben.
Zwischen diesem Spiel aus Wahrheit und Fantasie ist es David Lynch noch zusätzlich gelungen, das Hollywoodgeschäft zu kritisieren. Der Traum von Hollywood ist meist wirklich nur ein Traum.
Der Film regt zum Nachdenken an. Hat man so halbwegs dieses komplizierte Konstrukt durchschaut, geht es daran, die einzelnen Hinweise und deren Verknüpfungen richtig zu erkennen, auch wenn es so gut wie unmöglich ist, wirklich alles herauszufinden. Immer mehr wird dann auch diese traurige und herzergreifende Story bewusst, mit all den Ängsten und Fehlern, die erst dazu führen konnten. Lynch setzt uns auf einer psychologisch genialen Art und Weise, eine sehr beklemmende und erdrückende Geschichte vor.
Mulholland Drive ist ein Kunstwerk. Lynch ist es gelungen einen Film zu schaffen, der vom Zuschauer wirklich viel abverlangt. Er ist ein Maler, die Story lebt von ihren Bildern. Er lässt aber auch Aspekte wie Humor und Erotik nicht außen vor; so gibt es zum Beispiel eine Pulp Fiction ähnliche Szene, in der ein trotteliger Killer neben seinem eigentlichen Opfer, "aus Versehen" zwei weitere Personen und einen Staubsauger killt. Zwischen Naomi Watts und Laura Harring gibt es zudem noch sehr intime Liebesszenen, die speziell den männlichen Zuschauern sehr lange im Gedächtnis bleiben werden, da die Gefühle hier sehr überzeugend und eindrucksvoll übermittelt werden konnten. Dem Regisseur gelingt es auch mit verschiedensten Spannungselementen zu arbeiten: Dies beginnt mit der grandiosen Musikuntermalung von Angelo Badalamenti und endet mit typisch menschlichen Urängsten.
Darstellerisch wurde einiges abverlangt, jeder Akteur kann aber in seiner Rolle überzeugen. Insbesondere die beiden Hauptdarstellerinnen, da sie über längere Distanz auch verschiedene Persönlichkeiten darstellen mussten und somit zusätzlich in ihrer Glaubwürdigkeit gefordert waren. Naomi Watts sticht hierbei am positivsten hervor und könnte nach diesem Film bei manch einem die Frage hervorrufen, wieso sie noch keinen Oscar gewonnen hat. Auch Adam Keshers Schauspiel ist perfekt, zudem sorgt er für einige humorvolle Momente, so zum Beispiel die Szene, in der er die Frontscheibe eines Fahrzeugs mit seinem Golfschläger zertrümmert, nachdem er sich vorher über die Besitzer des Fahrzeugs informiert hat, um letztendlich schnell zu flüchten.
DVD
Die deutsche DVD ist das einzige Manko. Bild- und Tonqualität sind zwar okay, doch von den Extras und der Aufmachung hätte man wirklich mehr erwarten können. Die DVD befindet sich in einer normalen Amaray-Hülle.
Das Disc-Menü ist animiert und mit dem Soundtrack unterlegt. Als Extras gibt es ein Making Of in Englisch, leider ohne Untertitel. Zu Adam Kesher, Naomi Watts, Laura Harring und David Lynch gibt es Informationen in Form von Texttafeln und jeweils einem englischen Interview (aber diesmal mit Untertiteln), bei Angelo Badalamenti kann man nur auf die Texttafeln zurückgreifen. Hinzu kommen noch drei TV-Clips, zwei Kinotrailer und eine Fotogalerie.
Fazit
Mulholland Drive ist ein Film, den man mehrmals sehen muss, um die ganzen Hinweise bzw. den Film verstehen zu können. Der Einzige, der das Konstrukt komplett durchschaut hat, da mehrere Interpretationsmöglichkeiten zulässig sind, ist wohl nur der Regisseur selbst. Der Film wurde für einen Oscar nominiert, an den Kinokassen war er jedoch ein Flop, da er für die breite Masse einfach zu kompliziert war. Der Film verlangt von seinem Zuschauer die vollste Konzentration und Hingabe, ansonsten findet man keinen Gefallen daran. Ist man jedoch einmal dahinter gestiegen, dann kann man nicht mehr loslassen. Es gibt so viele Fragen und Ansätze, die der Film zeigt und die man lösen möchte, sodass man ihn wohl nie vergessen wird.
Mulholland Drive gehört zu den besten Filmen, die es auf dem Markt gibt. Zwischen Angst, Beklemmung und Trauer wandelt derjenige, der sich auf diesen Film wirklich einlassen kann.
Filminfos
Titel: Mulholland Drive
Herstellungsland: Frankreich, USA
Erscheinungsjahr: 2001
Länge: 140 Min.
Regie: David Lynch
Darsteller: Justin Theroux, Naomi Watts, Laura Harring, Ann Miller, Dan Hedaya, Mark Pellegrino, Brian Beacock, Robert Forster
Der Bericht ist auch erschienen unter:
http://media.schattenspiegel.com
Fazit: sehr sehenswerter Film, jedoch auch schwer zu verstehen
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